Die Suche nach dem eigenen ICH

Wow, das klingt schon ganz schön tiefgründig 😉

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Nach meinem letzten Beitrag haben mich ein paar private Nachrichten erreicht. Ich muss sagen, dass ich teilweise sehr gerührt war und auch das eine oder andere Tränchen bei mir gekullert ist. Am meisten war die Rede von großem Mut meinerseits. Ich muss gestehen, dass ich es auch mutig finde so einen Blog zu schreiben. Das soll nicht eingebildet klingen, auf gar keinen Fall. Aber mir ist klar, dass ich hier sehr persönliche Dinge von mir preisgebe und das es Menschen gibt, die mich auch im realen Leben kennen und die so einen großen Einblick in mein Leben bekommen. Für mich stellt genau das eine Herausforderung dar.

Ich möchte überhaupt nicht, dass mich jeder mag. Ich hatte noch nie den Anspruch das mich jeder mag. Und ich war in vielerlei Hinsicht auch nicht überrascht, wie mich meine Mitmenschen bisher wahrgenommen haben. „Diese Seite kenne ich gar nicht von dir!“ hieß es jetzt oft. Ja das weiß ich! Ich war auch immer sehr darauf bedacht nur das Nötigste (das was ich dafür hielt) von mir zu zeigen. „Gefühle zeigen, ist ein Zeichen von Schwäche“ war seit meiner Kindheit ein großes „Motto“ von mir. Und so bleibe ich lieber in gewisser Hinsicht als eine Art von hart, unnahbar, laut und taff im Kopf der Menschen. Ich bin das schon auch, aber eben „nur“ „auch“. Ich lache gerne, rede gerne und Menschen die ich mag habe ich gerne um mich. Ich glaube das ich loyal bin und das man sich auf mich verlassen kann. Tatsächlich ist es aber auch so, dass ich viele Menschen überhaupt nicht mag und dies dann auch nicht immer unbedingt verbergen kann. Und ich möchte das auch gar nicht. Ich lege überhaupt keinen Wert darauf das mich jeder mag! Und ich finde das auch absolut legitim.

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Ich konnte mich bisher nur ganz wenigen Menschen gegenüber öffnen, und ich finde dann oft auch nicht die richtigen Worte (denke ich jedenfalls). Mir fällt es unglaublich schwer Menschen zu vertrauen, denn das eine oder andere Mal wurde ich in dieser Hinsicht auch schon sehr enttäuscht (normal – ich weiß).

Jetzt darüber zu schreiben ist daher relativ neu für mich. Relativ, weil ich schon in meiner Kindheit angefangen hatte Tagebuch zu schreiben. Irgendwo mussten all diese Gedanken schon immer hin. Und wenn ich hier darüber schreibe, kann ich meine Worte mit Bedacht wählen. Im realen Leben neige ich dazu aufkommende Gedanken direkt auszusprechen 🙂 Das ist nicht immer von Vorteil. Den Vorsatz „Sage immer was du denkst“ – finde ich prinzipiell nicht schlecht, aber ist nicht immer so gut. Man tut dadurch auch mal schnell jemanden weh, obwohl man das (vielleicht) gar nicht wollte. Oder man sagt Dinge, die einem später leid tun und oftmals plappert man (ich) auch etwas aus, was man (ich) besser nur gedacht hätte. Auch ein Punkt an dem ich noch arbeiten möchte und definit für mich „Verbesserungspotential“ sehe 🙂

Das heißt jetzt aber nicht, dass ich hier jeden Satz tausendmal gegenlese und „korrekt“ rüberkommen möchte. Wenn jemand das was ich hier schreibe nicht mag, wäre es mir ehrlich gesagt auch ziemlich egal. Es kann jeder entscheiden was er mit seiner freien Zeit macht 🙂

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Mir ist auch klar, dass das was ich hier schreibe an manch einer Stelle auch mal – wie heißt es so schön – „nach hinten losgehen“ kann. Ich möchte ganz gewiss niemanden hiermit verletzen. Absolut nicht! Wenn ich das tue, dann tut es mir leid und war nicht von mir beabsichtigt.

Mir geht es hier auch nicht darum irgendjemanden an den Pranger zu stellen oder „dreckige Wäsche zu waschen“. Im Gegenteil, das wäre überhaupt nicht meine Art. Aber dennoch kann es vorkommen, dass ich bei dem einen oder anderen Beitrag Einblicke in meine Kindheit geben werde. Eine Kindheit wie ICH sie wahrgenommen habe und wie ICH sie empfunden habe. Das ist nur meine Perspektive! Ich habe aktuell nicht vor detailliert über meine Kindheit zu schreiben. Aber ich glaube, dass es gerade die Dinge in der Kindheit sind, die jeden Menschen prägen. Und daher wird es den einen oder anderen „Rückblick“ geben.

Wer bin ich denn nun eigentlich?

Ich weiß gar nicht, ob überhaupt ein Mensch das für sich so wirklich beantworten kann. Wenn Du während du das hier liest, dir diese Frage stellst: Was antwortest Du dir dann? Sagst du dann wie du heißt, was du beruflich machst, wo du wohnst oder herkommst. Das meine ich aber nicht. Wer bist DU? Was macht dich aus? Was bist du für ein Mensch? Ich glaube da müssen viele von uns dann erst einmal überlegen.

Antworten auf diese und andere „Lebensfragen“ erhoffte ich mir in der Psychotherapie zu finden. Anfang Januar 2020 beschrieb ich das mit den Worten „Ich möchte mit mir ins Reine kommen“ So steht es in meinem Tagebuch. Und: „Ich will verstehen, warum ich immer wieder in alte Verhaltensmuster verfalle und ich in bestimmten Situationen so reagiere wie ich reagiere. Und dann hoffe ich, dass ich das ändern kann.“ Auch stand (und steht auch jetzt noch) der Punkt „Männer“ ganz oben auf meiner „Baustellenliste“. Man musste kein Psychologe sein um zu erkennen, dass da bei mir in der Vergangenheit irgendetwas nicht in Ordnung war. Aber jetzt war ich fest dazu entschlossen all das mal anzugehen.

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Generell kann man sagen, dass der ganze Januar 2020 von zwei Gefühlsschwankungen geprägt war. Es war ein auf und ab von „ja das schaff ich“ und „was soll die ganze Scheiße“ (sorry). Ich setzte mich innerlich ganz oft, beinahe täglich, unter Druck. Ich wollte alles und das am besten gestern. Und wenn nicht gestern, dann wenigsten jetzt – sofort. Furchtbar. Das das nicht funktionieren konnte war mir aber zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht klar. Ich hatte an mich selber auch jetzt noch einen ungeheuren Anspruch und wollte das alles (ich) perfekt ist. Anderen Menschen konnte ich schon immer viel durchgehen lassen, aber an mich selber stellte ich unsagbar hohe Ansprüche. Ich war immer in Aktion, gönnte mir kaum Ruhe. Im beruflichen wie im privaten.

Auf Anraten meiner Psychologin nahm ich seit Anfang Januar Antidrepressiva. Vielleicht waren einige der Dinge die mir zu schaffen machten auch Nebenwirkungen dieser Tabletten, ich weiß es nicht. Ich war noch mehr müde als sonst, schlief aber in der Nacht sehr schlecht und hatte sehr oft Albträume. Tagsüber war ich sehr unruhig und körperlich sehr angespannt. Mein Kiefer tat extrem weh. Ich hatte sehr oft das Gefühl irgendwie „zu kurz zu atmen“ und ich hatte viel zu viele Gedanken in meinem Kopf die irgendwie total durcheinander waren und ich konnte sie nicht „ordnen“. Ich hatte das Gefühl nichts auf die Rehe zu bekommen. Ich schrieb mir „To-do-Listen“ für jede Woche und hoffte sie würden mich motivieren, aber größtenteils demotivierten sie mich, weil ich sie nicht schaffte „abzuarbeiten“.

Ende Januar 2020 – Meine erste Therapiestunde….

Puuhh was soll ich sagen. Ich war körperlich in diesem Momenten mega angespannt. Ich glaube beinahe jeder Muskel in meinem Körper war angespannt. Ich war nicht direkt nervös, aber irgendwie ängstlich. Ich wusste da ist jetzt gleich jemand (und dann auch noch ein Mann) dem du ja zumindest mal erzählen musst warum du jetzt hier bist. Gedankenlesen wäre toll, aber da das bisher noch niemand erfunden hat, müsste ich wohl einfach reden. „Einfach reden“…. ja das kann ich … nicht. Und so fing ich eigentlich gleich beim ersten Satz schon wieder an zu weinen.

In diesem ersten Gespräch kamen, auch durch viele Rückfragen seinerseits, eigentlich gleich alle Themen auf den Tisch. Ich fing mit den Problemen in der Arbeit an. Aber letztendlich redeten wir auch über Beziehungsprobleme, insbesondere über die letzte lange Beziehung die ich hatte und die mehr als schwierige Trennung, Und es kamen auch ein paar Kindheitsgeschichten zu Tage. Mir war klar, dass er sich in diesem ersten Termin sicherlich ein Bild vom „Großen/Ganzen“ machen wollte. Ich frage mich bis heute ob er bei den vielen Zeitsprüngen während meiner Erzählungen überhaupt durchgeblickt hat. Aber wahrscheinlich bringt das sein Job so mit sich. Während ich da saß in dem grünen Samtsessel und zumeist unter Tränen erzählte, war er total ruhig, machte sich viele Notizen und immer wieder schaute er mich an und sagte „Oh Gott. Das ist ja furchtbar!“. Ich weiß noch, dass ich mich wahnsinnig oft für das was ich ihm erzählte entschuldigte. So als ob mir das was ich ihm erzählte leid tun müsste und ich eine Art von Schuld in mir trage für all das was passiert ist. Heute weiß ich das das Quatsch war, aber damals… „Tut mir leid“ ich sagte ganz oft „Tut mir leid!“ in diesem ersten Gespräch.

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Er war wirklich toll! Er reagierte entgegen meiner damaligen Vermutung fast sanftmütig und total verständnisvoll. Damit hatte ich gar nicht gerechnet. Ich weiß nicht warum ich nicht damit rechnete. Ich glaube einfach, dass ich ein unglaublich schlechtes Bild von mir zu dieser Zeit hatte. Mein Selbstwertgefühl war gleich null!

Um einen Vergleich zu haben, hatte ich in den darauffolgenden zwei Wochen noch zwei weitere Termine bei anderen Therapeuten. Aber im Endeffekt habe ich mich dann für ihn entschieden, weil ich mir entgegen meiner Vermutung , bei ihm (als Mann) am wohlsten gefühlt habe. Diese Entscheidung kam rein aus dem Bauch heraus. Fachlich waren die anderen bestimmt auch toll, aber menschlich fühlte ich mich bei ihm am besten aufgehoben. Und das wollte ich – Ich wollte jemanden bei dem ich mich gut fühlen kann und der Verständnis für mich hat. Und ich glaube das ist in einer Psychotherapie das worauf es ankommt. Man braucht jemanden bei dem man sich gut fühlen kann.

Was hat das alles mit dem Titel dieses Beitrags „die Suche nach dem eigenen ICH“ zu tun. Weil ich genau auf dieser Suche war, und es auch heute noch zu großen Teilen bin. Ich versuche mich selbst zu finden!

Mehr dazu aber beim nächsten Mal!

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Einmal ab auf die Couch!

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Welche Couch? Also ich war bei drei Psychotherapeuten und keiner hatte eine Couch! Na toll! Wer hat sich das nur ausgedacht?… 🙂


Wenn man eine Psychotherapie anfangen möchte, ist es gar nicht mal so leicht einen Therapeuten zu finden. Bei mir hat es (nur) zwei Monate gedauert, bis ich meinen Therapeuten gefunden hatte. Andere suchen viel länger. Zudem macht einem die eigene Krankheit auch noch einen Strich durch die Rechnung. Man bekommt so schon nichts auf die Reihe, und soll sich dann mit so einer, für einen bis dahin unbekannten, Thematik beschäftigen.


Mit der Psychotherapie ist das so eine Sache. Ich wusste eigentlich überhaupt nicht was mich erwartet. Anfangs dachte ich auch hier wieder „der gibt dir jetzt Dinge zum abarbeiten und dann bist du wieder gesund.“ Rückwirkend betrachtend, mit einigen Monaten Therapie hinter mir, finde ich es schon ein wenig erschreckend in welchem „Modus“ ich damals unterwegs war. Ich war getrieben von rationaler Strebsamkeit, einem absoluten Perfektionsstreben, „auf Problem a folgt Lösung b“ Denken, alles zack zack, keine Zeit zum innehalten und durchschnaufen.

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Tatsächlich war ich überrascht, dass man in einer Verhaltenstherapie (wie ich sie mache) einfach „nur“ redet. Manchmal auch über ganz banale Dinge, wo man denkt „hää was hat das jetzt mit meinen Problemen zu tun?“ Die Sache ist – man weiß oftmals gar nicht, mit WAS man ein Problem hat. Klar, viele Probleme weiß man schon ganz klar zu benennen. Vieles hat man aber auch lange Zeit verdrängt, oder man dachte man ist schon darüber hinweg, wie so Art Schubladen die man zugemacht hat, und in die man niemals mehr reinschauen möchte bzw. wollte.

Aber andere Dinge hat man gar nicht so als Problem wahrgenommen. „Problem“ ist vielleicht auch nicht das richtige Wort. Eher Abläufe, bestimmte Szenarien die man immer auf die gleiche Art und Weise tut. Oder es sind bestimmte Ansichten / Denkmuster die man von Klein auf eingetrichtert bekommen hat, die man aber gar nicht in Frage gestellt hat weil „das ist eben so!“. Mitunter sind es dann aber Abläufe/ Denkmuster die einem nicht gut tun, aber man erkennt sie selber nicht. Und hierfür, wie auch für die real erkannten (aber teilweise aus den unterschiedlichsten Gründen verdrängten) Probleme hilft eine Psychotherapie.

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Ich habe mich ganz bewusst für eine Verhaltenstherapie entschieden. Eine Verhaltenstherapie basiert auf dem Prinzip, dass ungünstige Verhaltensweisen und Denkmuster erlernt wurden und demnach auch wieder verlernt werden können. In der Verhaltenstherapie ist man als Patient aktiv an seinem Heilungsprozess beteiligt, indem man neue Denk- und Verhaltensweisen einübt. Aber dazu muss man sie erst einmal erkennen und sich dann auch auf den Veränderungsprozess einlassen. Letzteres ist wie mit dem Kampf gegen einen inneren Schweinehundes zu vergleichen. So Mancher kennt dies schon aus diversen Abnehmversuchen oder dem immer wiederkehrenden Vorsatz sich mehr zu bewegen, weniger Süßes zu essen usw. Das ist wirklich schwierig und richtig harte Arbeit! Weniger Arbeit für den Körper, aber um so mehr für den Geist! Jeder der schon einmal wusste, dass etwas total ungesund ist – nehmen wir zum Beispiel das Thema rauchen – aber es dennoch immer wieder tut, weiß wovon ich spreche. Und genau so ist es mit schon immer gelebten Denk- und Verhaltensmustern wenn es um das Thema Psyche geht.

Wenn man es denn geschafft hat, sich für eine Psychotherapie zu entscheiden, mit dem festen Vorsatz, Wunsch und Willen dafür alles zu tun was nötig ist, auch wenn es vielleicht im ersten Moment unlogisch ist, DANN kommt der nächste Schritt.

Denk- und Verhaltensmuster erkennen – wie passiert das?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, denn es ist natürlich auch sehr individuell. In meinen nächsten Beiträgen würde ich euch gerne von meinen Veränderungen erzählen. Das ist natürlich sehr privat, aber ich finde es an dieser Stelle auch sehr wichtig. Von blanker Theorie hat noch nie jemand etwas gelernt und vielleicht hilft es der/dem einen oder anderen in seinem Leben auch seine persönlichen „Fallen“ zu entlarven.

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Nicht aufzugeben und sich immer wieder seinen Wunsch nach Veränderung ins Gedächtnis zu rufen hilft in Momenten, in denen man alles gegen die Wand fahren möchte. Rückschritte gibt es nicht. Rückschritte sind in Wirklichkeit immer nur Momente in denen man erkennt, dass man noch mehr tun muss, das man es vielleicht anders machen muss als wie man es schon versucht hat, die Perspektive zu ändern. Das klingt einfach geschrieben, aber ich weiß wovon ich spreche!

Wenn ich nach mehren Tagen oder Wochen an denen es mir gedacht schon wieder besser ging, auf einmal einen „Rückschlag“ hatte, dann fühlte sich das einfach nur furchtbar grausam an. Man glaubt noch gar nichts erreicht zu haben, vergräbt sich wieder im Bett, möchten keinen Menschen hören und sehen. Das ist wirklich nicht einfach. Man darf nicht vergessen, ich schreibe hier über eine psychische Erkrankung! Also keinen Normalzustand (wie auch immer der aussehen mag). Ein psychisch gesunder Mensch hat auch immer wieder Phasen in denen er sich kaputt und ausgelaugt fühlt. Das ist ganz normal. Für einen psychisch kranken Menschen ist das aber Dauerzustand! Und aus diesem Dauerzustand heraus eine persönliche Veränderung heraus zu vollziehen ist ein wirklicher Kraftakt – und das körperlich wie geistig.

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Nehmen wir zum Beispiel den schönen guten Ratschlag den Menschen mit psychischen Erkrankungen oft hören: „Geh einfach mal eine Runde raus spazieren. Die Sonne wird dir gut tun!“ Ja klar würde sie das. Das wissen psychisch kranke Menschen schon auch. Sie schaffen es aber oftmals körperlich nicht dies umzusetzen! In Gedanken wollen das die meisten, das ist überhaupt nicht das Ding! Sie wollen es, weil sie sich ihrer Erkrankung bewusst sind und nichts mehr wollen als wieder gesund sein.

Erinnert ihr euch noch an meinen letzten Beitrag, in dem ich schrieb, dass oftmals schon Zähneputzen und duschen eine absolute Herausforderung für mich waren, und das ich es an manchen Tagen noch nicht einmal vom Schlafanzug in den Jogginganzug geschafft habe? Kleine banale Dinge, die für einen psychisch gesunden Menschen überhaupt nicht erwähnenswert sind. Da denkt man gar nicht drüber nach! Für Menschen mit einer psychischen Erkrankung wie zum Beispiel einer Depression sind DAS schon mitunter Erfolgserlebnisse! Wie soll man da „einfach mal eine Runde draußen spazieren gehen“? Einfach ist nicht immer einfach. Allein bei diesem Beispiel spielt so vieles mit rein. Da ist nicht nur das umziehen in rausgehtaugliche Klamotten (damit meine ich nichts sonderlich schickes, sondern einfach nur nicht im Schlafanzug rauszugehen), vielleicht etwas Wasser ins Gesicht schütten, Zähne putzen und sich die Haare zu kämmen.

Man würde auch auf andere Menschen treffen! Für mich war das ein absolutes Problem. Ich hatte immer das Gefühl, dass mich alle Menschen denen ich begegnete anstarren und mir meine Krankheit ansehen, so als würde ein imaginäres Schild über mir schweben „ACHTUNG! PSYCHO!“. Der blanke Horror! Also vermied ich solche Aktivitäten auch weitestgehend, obwohl mir ein Spaziergang sicherlich gut getan hätte.

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Andere Sprüche die Menschen mit einer psychischen Erkrankung oft hören und die nicht besonders hilfreich sind:

„Stell dich nicht so an! Das ist nur so eine Phase!“

„Andere Menschen haben auch Probleme und machen nicht so ein Theater!“

„Burnout und Depression – dieser ganze neumodische Quatsch!“

„Das sieht man dir aber gar nicht an!“

„Du willst doch nur Aufmerksamkeit!“

„Letztens als ich dich gesehen habe, hast du doch noch gelacht. Du kannst doch gar keine Depression haben!“

An alle die selbst solche Sätze schon einmal gebracht haben (wobei solche Menschen wahrscheinlich nicht diesen Blog lesen) sei etwas gesagt: Ihr habt überhaupt gar keine Ahnung was ihr mit solchen Äußerungen alles bzw. was ihr noch mehr kaputt macht! Depression ist nämlich nicht nur eine einfache Traurigkeit. Depression stellt deine ganze Existenz in Frage. Sie gibt dir das Gefühl nichts wert zu sein und das niemand dich haben will und das dich kein Mensch braucht und versteht. Depression ist keine Stimmung. Sie ist ein Lebensgefühl. Deshalb lachen depressive Menschen auch, machen Witze und wirken unbekümmert oder sind sogar im Job erfolgreich. Unvergessen der Schauspieler Robin Williams. Fußballer (Torhüter) Robert Enke, der mit seinem Freitod das Thema Depression im Leistungssport enttabuisierte. Nirvana Frontman Kurt Cobain, US-Musiker und Soundgarden Sängers Chris Cornell und, ein Tod der mich auch schmerzlich sehr bewegt hat war, der Tod von Chester Bennigton – Frontmann und Sänger der Band Linkin Park. Wenn du also keine Ahnung von diesem Thema hast, sorry, aber dann halt einfach deine Fresse!

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Wenn ihr auch solche Sprüche gehört habt oder sie aktuell hört, dann lautet mein Rat: meidet solche Menschen! Meidet nicht alle Menschen, aber solche von denen ihr wisst (nicht denkt!) das sie so denken. Solche Sätze sind ein Zeichen von mangelndem Wissen, Desinteresse und/oder nicht zuletzt fehlender Empathie. Und da ihr momentan alle Kraftreserven für euch selber motivieren müsst, tut euch selber einen Gefallen, dreht euch um und geht. Alles andere kostet nur Kraft und Zeit – eure Kraft – eure Zeit. Ihr werdet irgendwann feststellen wie wunderbar befreiend es ist, sich nicht mehr mit diesen Menschen umgeben zu müssen! Das gleiche gilt für die Menschen, die immer gleich mit ihren Sorgen anfangen sobald man sagt „Mir geht es nicht gut!“ Solche Menschen plappern dann immer gleich drauf los, von ihren Problemen und auch das braucht ihr nicht! Ich meine damit nicht, dass man nicht für seine Freunde oder seine Familie da sein soll. Ich meine damit sogenannte „Energieräuber“ die nicht wirklich an euch, eurem Leben, euren Problemen ein Interesse haben. Ihr erkennt sie daran, dass diese Menschen sich NICHT von sich aus bei euch melden werden während ihr zum Beispiel krankgeschrieben seid. Später kommt dann „Ich wollte mich ja eigentlich auch melden, aber weißt du, bei mir war so viel los. Bla, bla, bla…“ Merkt ihr was? Wieder nur sie! Ab in die Tonne damit!

Das Leben ist schön und eine psychische Erkrankung kann auch der Start, die Möglichkeit in ein vollkommen neues und anderes Leben sein. Für aktuell Betroffene mag es unmöglich klingen, aber ALLES im Leben ist eine Chance! ALLES!


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