Wenn es plötzlich „klick“ macht…

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Alles neu macht der Mai! Ist ein Sprichwort oder? Aber bei mir war das fast wirklich so. Zumindest meine ich, dass es mir ab Mai langsam und stetig besser ging. Das hatte gleich mehrere Gründe. Zum einen habe ich die Krankheit für mich angenommen. Ich habe nicht mehr dagegen angekämpft. Wenn ich Tage hatte an denen es mir zum Beispiel morgens schon nicht gut ging, dann habe ich das so akzeptiert (logisch, immer hat das natürlich nicht funktioniert). Aber ich habe mich dann versucht auszuruhen. Ich habe auf dem Sofa gelegen, meistens irgendeinen Film geschaut oder ich habe mich durch das deutsche Fernsehprogramm gezappt. Wobei letzteres schon eine wirkliche Herausforderung war! Bei dem größten Teil dessen was heutzutage im Fernsehen gezeigt wird frage ich mich ernsthaft, wer auf solche „Ideen“ kommt und wer sich so etwas wirklich gerne ansieht! Das ist doch größtenteils echt geistiger Müll oder? Also mal ehrlich, irgendwelche nachgestellten Polizei- und Rettungssätze die von zu meist grottenschlechten „Schauspielern“ dargeboten werden, Frauentausch & Co., das ist doch nur noch Verdummungsfernsehen. Das ist so nutzlos! Wer braucht so etwas? Gibt es wirklich Menschen, die daraus irgendeinen Mehrwert für sich ziehen? Okay, aber ich schweife ab…..

In meinem letzten Beitrag habe ich ja zum Schluss quasi drei neue Hausaufgaben meines Therapeuten benannt. 1. Ich soll nur noch eine Sache pro Tag machen, die ich meine machen zu müssen. 2. Ich muss mindestens eine Sache pro Tag machen, die mir Spaß bringt. Und 3. ich soll mit dem Gitarre spielen anfangen. Bääm, das saß erst einmal. „Wie soll ich das denn hinbekommen?“ fragte ich mich als ich nach dem Termin zurück zu meinem Auto lief. Aber im Grunde genommen, waren genau diese drei Hausaufgaben der Schlüssel für mich! Mit diesen Hausaufgaben veränderte sich alles! DENN Ich habe angefangen mein ganzen TUN zu HINTERFRAGEN! Egal was! Ich habe alles hinterfragt. Immer mit Fragen wie „Muss ich das jetzt machen?“, „Möchte ich das jetzt machen?“, „Warum mache ich das jetzt?“, „Glaube ich jetzt nur das machen zu müssen?“ und ich habe mich mit der Frage auseinandergesetzt „Was bringt mir Spaß?“ Ich war so erschrocken gewesen, dass ich in dem Therapietermin im ersten Moment nicht wusste wie ich diese Frage beantworten sollte! Es konnte doch nicht sein, dass es für mich nichts gab was mich wirklich erfüllt, was mich glücklich macht und mich die Zeit vergessen ließ!

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Zum Thema Gitarre spielen fragte mich mein Therapeut in der oben besagten Stunde noch, warum ich bisher nie mit dem Gitarre lernen angefangen haben. Ich antwortete ihm:

„Weil ich als Kind kein Instrument spielen lernen durfte. Und später als junge Erwachsene fehlte sehr oft das Geld. Es gab immer Dinge die wichtiger waren, gerade in der Zeit als ich Alleinerziehend war. Und jetzt, …. jetzt bin ich Anfang 40! Was, wenn ich gar kein Talent dazu habe? Was sollen denn die Leute denken, wenn sie mitbekommen, dass ICH jetzt Gitarre spielen anfange?“

Zu den letzten beiden Fragen meinte er:

„Und was ist, wenn das nicht eintrifft? Was ist, wenn sie sogar richtig viel Talent haben, und was ist wenn ihr Umfeld es toll findet das sie so etwas jetzt machen?“

Das saß!

„Gut das er nicht weiß, dass schon seit Jahren eine Gitarre daheim rumsteht!“ dachte ich beim heimfahren. Tatsächlich war es so, dass meine Tochter schon vor Jahren mal eine Gitarre von ihrem Vater geschenkt bekommen hatte. Nach anfänglicher Euphorie taugte sie allerdings nur noch als Staubfänger.

An den darauffolgenden zwei Tagen ging ich immer wieder in das Zimmer meiner Tochter, schaute die Gitarre an, blieb kurz stehen und ging dann wieder aus dem Zimmer. Das passierte so zwei oder drei Mal am Tag. „Soll ich wirklich?“

Am Samstagabend den 02.05.2020 lag ich im Bett, und auch da geisterte immer noch diese Gitarre in meinem Kopf. Es war ein Gedanke der wie ein Samenkorn in mein Hirn gepflanzt worden war und er keimte und keimte und keimte. Und plötzlich war es ganz klar! „Wenn ich WILL, kann ich jetzt Gitarre spielen lernen!“ Es war grandios! Ich lag da in meinem Bett und grinste vor mich hin! „Ich WERDE Gitarre spielen lernen!“ sagte ich mir immer wieder und wurde innerlich immer aufgeregter (aber vor Freude). Wie ein kleines Kind an Weihnachten habe ich mich gefühlt. Ich weiß noch, dass ich am liebsten sofort aufgesprungen wäre und am liebsten sofort losgelegt hätte 🙂

Am Sonntag 03.05.2020 war es dann soweit! Ich lernte Gitarre spielen. Natürlich nicht sofort! 😉 Aber ich habe angefangen. Und ich setzte mir einen „Termin“. Wenn ich bis zu meinem Geburtstag, der gut zwei Monate später war, immer noch so gefallen daran haben würde, dann würde ich in ein Geschäft gehen und mir eine eigene Gitarre kaufen. Was glaubt ihr, wie ging es weiter?

An meinem Geburtstag habe ich mir MEINE Gitarre gekauft. Eine James Neligan Westerngitarre. Und ich spiele immer noch mit absoluter Begeisterung! Gitarre spielen lässt mich die Zeit vergessen! Es ist unbeschreiblich schön für mich! Etwas das ich mir immer gewünscht hatte, und jetzt hatte ICH es mir endlich erfüllt. Und ich bin auch gar nicht so schlecht! 🙂 Mittlerweile nehme ich sogar an einem Volkshochschulkurs teil, wo ich neue Menschen kennengerlernt habe, die auch diesen Traum haben. Und ich habe einen Gitarrenlehrer gefunden, von dem ich regelmäßig Unterricht bekomme und der auch super sympathisch ist und von dem ich bestimmt jede Menge lernen kann.

Durch das Gitarre spielen habe ich enorm an Konzentrationsfähigkeit zurück gewonnen und das ohne, dass ich es krampfhaft gewollt hätte. Es kam einfach so nämlich weil ich Spaß dabei empfand, glücklich war in diesen Momenten und meistens nur aufhörte weil mir meine Finger wehtaten. Schon in den ersten Monaten, wo ich zunächst nur für mich allein daheim übte, habe ich ich jede Menge gelernt. Mithilfe einiger Onlinevideos kann man schon richtig viel alleine auf die Beine stellen. Gleichzeitig wird man aktiv weil man plötzlich etwas hat was einen begeistert. Es hat mir also in vielerlei Hinsicht enorm viel gebracht.

Wieso, weshalb, warum?

Aber ich möchte in diesem Beitrag auch noch auf eine der beiden anderen Hausaufgaben eingehen. Nur eine Sache zu erledigen die ich meine machen zu müssen. Für einen Workaholic gepaart mit einem absoluten Perfektionsstreben gar nicht einfach. Plötzlich musste ich mich mit meinen Handlungen und den dazugehörigen Gedanken auseinander setzen. Seien wir doch mal ehrlich, wer denkt schon groß darüber nach, was er glaubt angeblich an einem Tag alles erledigen zu müssen? Wir nehmen vieles als so selbstverständlich hin. Positives wie aber auch negatives. Vieles machen wir einfach so, weil wir es so machen, weil man es uns so vorgelebt oder gelernt hat, wir nicht wüssten wie wir es anders machen sollten, weil wir meinen das irgendwer das von uns erwartet und weil es einfach nun mal so ist. Im besten Fall stellen wir uns Fragen wie „Wer soll es denn sonst machen, wenn nicht ich?“ und machen dann trotzdem alles von dem wir meinen, dass es zu erledigen gehört. Aber ist das wirklich so? MUSS ich das alles so machen? Wer sagt das eigentlich? Stört es jemanden wenn ich es nicht mache oder wenn ich es anders mache? Wenn es jemanden stört, ist es dann SEIN Problem oder mache ich es nur zu meinem Problem?

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Ein Beispiel: Meine Küche war immer blitzeblank! Kein dreckiges Geschirr was irgendwo rumstand, die Arbeitsflächen sauber und aufgeräumt – Muss so sein oder? Normalzustand, war halt schon immer so. Macht man doch so oder? Aber für wen eigentlich? Stört es MICH wirklich wenn hier und da mal etwas rumsteht? Stört es MICH wenn die Krümel vom Brotschneiden nicht gleich weggewischt werden? Eines Abends machte ich einfach nach dem Abendessen die Tür zu Küche zu nachdem meine Tochter und ich den Tisch abgeräumt und alles in Kühlschrank verräumt hatten. Ich machte einfach die Tür zu und setzte mich auf meine Couch. Was glaubt ihr was passiert ist? NICHTS! Nichts ist passiert. Kein Donnerschlag und keine erboste Stimme die sprach „Aber das macht man doch nicht!“ Das Geschirr stand da und es hat niemanden interessiert!

Ich meine damit nicht, dass jetzt jeder seine Wohnung im Dreck versinken lassen soll! Nein das nicht. Bei mir ist es trotzdem noch ordentlich. Aber ICH entscheide was ich an einem Tag mache und was nicht. Es muss nicht jeden Tag die Wohnung pikobello sein. Man MUSS nicht jeden zweiten Tag staubsaugen. Dreckige Wäsche KANN auch mal in der Wohnung rumliegen, benutztes Geschirr schimmelt nicht innerhalb von 24 Stunden und so weiter. Und das lässt sich genauso auf den Umgang mit einem eventuell vorhandenen Garten, dem waschen eines Autos usw. anwenden. Hat jemand daran wirklich Spaß, geht jemand darin wirklich völlig auf DANN soll er das machen! Ich werde hier niemandem etwas vorschreiben. ABER VIELLEICHT kann auch der eine oder andere von euch mal sein eigenes Handeln und das dazugehörige darüber DENKEN hinterfragen. FÜR MICH hat es funktioniert. Wenn ich es schätzen müsste, dann würde ich sagen, dass ich maximal pro Tag nur noch eine halbe Stunde in die normalen Haushaltstätigkeiten investiere. Es lebt sich einfacher und es ist irgendwie auch wie eine Art Befreiung wenn man sich von diesen Zwängen löst, die man im Grunde genommen nur sich selber auferlegt hat. Man muss „nur“ mal wirklich hinsehen, in sich hineinhören, seine Gefühle dabei wahrnehmen – wie so eine Art innere Kommunikation – „MUSS ICH DAS WIRKLICH SO TUN?“

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Schreibt mir gerne eure Gedanken dazu in den Kommentaren! 🙂