Depression als Chance!

In einem meiner ersten Beiträge habe ich schon mal geschrieben, dass man in einer Psychotherapie gewisse „Erkenntnisse“ über sich und sein Leben gewinnt. Meistens sind diese Erkenntnisse nicht direkt offensichtlich. Es macht nicht immer einfach nur „klick“ im Hirn und man versteht ganz plötzlich, warum man so ist wie man ist. Das wäre sicherlich schön, ist aber leider ganz anders.

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Ich gehöre zu den Menschen, die immer alles verstehen wollen was mit einem selber und um einen herum passiert. Es fällt mir äußerst schwer, Dinge einfach so hin- bzw. anzunehmen. Ich bin immer auf der Suche nach dem genauen, dem „einen“ Grund. Im Rahmen einer Psychotherapie ist dieses „verstehen wollen“ daher manchmal etwas hinderlich, weil man auf eine gewisse Art und Weise nicht ganz offen ist. Der Kopf „zerdenkt“ immer alles bzw. alles zu schnell. Hinzukommt, dass ich ein recht ungeduldiger Mensch bin. Zumindest wenn es um meine Angelegenheiten geht. Aber wenn die Psyche erst einmal einen richtigen, ich nenne es mal, Knacks bekommen hat, dann ist man selber irgendwie nicht mehr Herr der Lage. Manchmal schien es mir, als ob ein anderes Ich die Kontrolle übernommen hat. Nicht das jemand denkt ich wäre schizophren oder so etwas, nein das sind wir nicht 😉

Ich meine nur damit, dass es einfach ganz oft Momente oder Situationen gab in denen ich plötzlich ganz anders handelte, als wie ich es jemals zu vor tat. Und ich glaube, dass waren dann Momente in denen meine Seele ein Stück weit geheilt ist. Das klingt im ersten Moment etwas spirituell, ich weiß. Ich werde versuchen es etwas genauer zu erklären.

Manche Sachen kann man nicht mit dem logischen Verstand erdenken. Es hat viel mehr etwas mit Gefühlen zu tun. Gefühle die in einem auftauchen. Einfach so, in den unterschiedlichsten Situationen und Begebenheiten. Oft kann man sich diese Gefühle gar nicht erklären, oder zumindest konnte ich das nicht. Zumeist waren das bei mir eher unangenehme Gefühle. Gefühle die einen blockieren, die einengend auf einen wirken, man verkrampft innerlich und ich wurde dann meistens ganz still, sagte nichts mehr und zog mich vollkommen in mich zurück. Und dann begann der Kopf zu denken. Und diese Gedanken wurden dann zum Problem für mich.

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Ich bin mir sicher, dass auch die Antidepressiva die ich seit Anfang des Jahres bereits nahm, darauf einen entscheidenden Einfluss hatten. Ich wurde innerlich viel viel ruhiger! Situationen in denen ich sonst eher Angst bekam, wirkten weniger bis gar nicht bedrohlich auf mich. Wenn sich doch mal schlechte Gedanken in meinen Kopf einnisten wollten, verschwanden sie sofort wieder. Bildlich gesprochen habe ich mir diese Gedanken immer so vorgestellt, als säßen sie auf vielen kleinen grauen Wolken, die aufzogen und den Himmel verdunkelten. Doch plötzlich kam ein sanfter Wind und wehte sie einfach davon und der Himmel war wieder wunderbar blau. 🙂 Okay, wenn ich das jetzt so selber lese, dann möchte ich sagen „Das kam ganz klar von den Antidepressiva!“ 😀

Aber selbst wenn; es ist okay! Ich wurde durch sie im denken und fühlen etwas gedämpft. Ich glaube das ist der Grund warum es auch Menschen gibt, die sich gegen Antidepressiva entscheiden. Sie haben Angst nicht mehr Herr ihrer Gedanken und Gefühle zu sein. Eine Art von Fremdbestimmung oder so. Aber ich sehe das anders. Ich glaube, dass es gerade unsere Gedanken sind, die uns das Leben oftmals schwer machen. Gedanken sind ja auch wieder etwas ganz subjektives. Sie haben nichts mit dem Außen oder anderen Menschen in dem Sinne zu tun. Es sind rein UNSERE Gedanken. Wir erdenken uns unsere Welt, unser Gegenüber, unsere Mitmenschen. Wir denken (fragen uns) was sie wohl (über uns?) denken. Wir denken oft um sieben Ecken. „Was wäre wenn?“ Wollen unserem Leben mindestens einem Schritt voraus sein, in dem wir die nächsten Schritte „vordenken“.

„Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“

John Lennon

Ich war daher ganz froh, dass meine Gedanken um ein vielfaches weniger wurden. Denn dadurch wurden auch die eher schlechten Gefühle die ich in mir trug um ein vielfaches weniger. Im Gegenteil; es wurde sogar unheimlich viel Platz geschaffen für positive Gefühle und für positive Gedanken.

Aber es wäre auch falsch jetzt zu sagen, dass man einfach ein paar Tabletten schlucken muss und plötzlich ist die Welt wieder schön. Nein so ist es nicht. Es ist eine Kombination aus vielen Sachen. Und die Tabletten sind, für mich, ein Teil davon. Ein anderer Teil (wenn nicht sogar der größere Teil) hat auch damit zu tun, wie man selber mit der Erkrankung umgeht und was man bereit ist zu tun um wieder gesund zu werden. Man muss sich auf neue Dinge einlassen können. Offenheit, Geduld und auch Hoffnung für sich haben. Man muss lernen für sich und mit sich zur Ruhe zu kommen. Ruhe vor seinen Gedanken. Ruhe von zu vielen Gefühlen. Ruhe von äußeren Einflüssen. Ruhe von Menschen, insbesondere wenn sie einem nicht gut tun. Und das dauert! Und dadurch ändert sich auch sehr viel. Menschen oder Dinge die einem wichtig schienen, verlieren plötzlich an Priorität, weil man irgendwann merkt, dass sie in Wirklichkeit gar nicht wichtig sind. Aber man empfindet es dann nicht als Verlust, sondern viel mehr als eine Art Bereicherung.

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Ich habe mir zum Beispiel immer viele Gedanken und meine Mitmenschen gemacht. Ich bin immer gerne da gewesen, wenn jemand Probleme hatte, hab dann zugehört, nach Lösungen gesucht. „Was soll daran schlecht sein?“ – fragt sich jetzt bestimmt jemand von euch. Im Grunde genommen ist nichts daran falsch. Aber die Probleme anderer wurden schnell zu meinen Problemen, bzw. habe ich sie innerlich zu meinen Problemen werden lassen. Damit einhergehende Gefühle, konnte ich nicht oder nur schwer von mir selber distanzieren. Auch wenn mir schon klar war, dass das nicht meine Probleme waren, so trug ich immer ein wenig die daraus resultierenden Gefühle mit mir herum.

Ich habe in den letzten Monaten auch erkannt wer meine wirklichen Freunde sind, und wer „nur“ ein Bekannter in meinem Leben ist. Das ist nicht schlimm. Schon in meinem letzten Beitrag habe ich ja geschrieben, dass man auch solche Bekannte in seinem Leben braucht. Aber die Erkenntnis das jemand „nur“ ein Bekannter für mich ist und kein Freund, war in gewisser Art und Weise auch befreiend für mich. Ich weiß jetzt, dass ich mir um solche Menschen weniger Gedanken machen brauche. Auch gab es zwei oder drei Menschen um die ich mir zukünftig gar keine Gedanken mehr machen werde, und höchstwahrscheinlich meinerseits den Kontakt ganz abbrechen werde, weil sie sich in den letzten Monaten gar nicht von sich aus bei mir gemeldet haben. Einerseits ist das natürlich schon auch etwas verletzend gewesen, weil ich es gerne anders gehabt hätte. Andererseits….. dann soll es wohl so sein! Ich habe beschlossen es einfach nicht zu hinterfragen und es einfach so anzunehmen wie es ist. Klar könnte ich mit diesen Menschen jetzt auch den Dialog suchen um zu hören und eventuell zu verstehen warum sie sich nicht gemeldet haben. Aber ich denke das kostet mich nur Zeit und Energie und beides möchte ich zur Zeit nur für mich auf bringen. Ich nenne das „gesunden Egoismus“!

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Besonders beschäftigt haben mich aber immer die Fragen meines Therapeuten auf die ich im ersten Moment immer keine Antworten hatten. Da saß ich dann jedes Mal da, gedankenversunken und konnte nicht verstehen warum ich das jetzt nicht weiß. Zum Beispiel die Frage, was ich noch für Ziele und Wünsche in meinem Leben habe. Ich saß da und wusste gar nicht was er von mir will und konnte es andererseits auch nicht verstehen warum ich ihm da jetzt keine Antwort drauf geben kann. Es kann doch nicht sein, dass ich nicht weiß was ich mir vom Leben noch wünsche? Es dauerte eine ganze Weile bis ich erkannte, dass die Ursache dafür, dass ich nichts sofort benennen konnte. auch in meiner Kindheit liegt.

Ich habe als Kind immer versucht zu funktionieren. Ich war immer hin- und hergerissen zwischen den Gefühlen mich anpassen zu wollen oder anecken zu wollen. Aber immer mit dem einen gleichen Wunsch: beachtet und geliebt zu werden. Ich habe immer versucht alles richtig zu machen, wollte immer so sein wie man es von mir erwartete. Und bei alle dem habe ich nie richtig gelernt etwas ganz allein für mich zu wollen. Ich habe mir anerziehen lassen meine eigenen Bedürfnisse nicht wahrzunehmen, sie in gewisser Weise zu unterdrücken und in erster Linie immer das zu machen, was ich denke, was andere Menschen von mir erwarten. Und dieses Schema habe ganz unbewusst in mein erwachsenes Leben mitgenommen. Diese Erkenntnis ist einerseits traurig und andererseits absolut großartig! Traurig weil es natürlich nicht schön ist wenn ein Kind mit diesen Gedanken aufwächst, und auch traurig ist es, weil ich so lange Zeit für mich nicht erkannt habe. Aber großartig ist es, weil ich es jetzt erkannt habe. Ich bin jetzt kein Kind mehr, dass jemandem gefallen muss um geliebt zu werden. Ich bin noch jung genug um viele, wenn nicht sogar alle, der Sachen machen zu können die ich mag. Ganz unabhängig was der Rest der Welt davon hält. ICH entscheide was ICH tun möchte.

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Eine andere große Erkenntnis die ich in den letzten Monaten hatte, war mein Bezug zum Thema Geld. Geld zu haben war und ist mir persönlich absolut nicht wichtig! Ich wollte eigentlich nie in diesem Sinne reich sein oder einen Partner haben der viel Geld hat. Aus materiellem Besitz habe ich mir noch nie wirklich etwas gemacht. Ich habe versucht immer sehr sparsam zu leben. Größtenteils musste ich das auch. Als meine Tochter drei Jahre alt war, habe ich mich von ihrem Vater getrennt und in den darauffolgenden Jahren war das Geld sehr knapp. Mein Konto war permanent im Minus und ich musste jeden Monat mit dem mir zur Verfügung stehenden Geld jonglieren um über die Runden zu kommen. Jede Autoinspektion, jede Anschaffung musste ganz genau geplant werden. Und ich war da wirklich gut drin. Trotzdem hatte ich oft schlaflose Nächte und wusste oft nicht wie es weitergehen sollte. Vor meiner Tochter habe ich mir diese Ängste nicht anmerken lassen und auch meinem Umfeld gegenüber nie wirklich etwas gesagt. Im Gegenteil von so manchem kamen Sprüche „Wie schaffst du das alles bloß so alleine?“ Ich habe mir sehr wenig gekauft, vor allem so „unnütze Dinge“ die nur für mich hätten sein sollen. Für meine Tochter habe ich aber gerne Geld ausgegeben. Ich wollte das es ihr an nichts fehlte. Sie sollte nie das Gefühl haben, dass sie als Scheidungskind auf irgendetwas verzichten musste. Aber an mir habe ich gespart und habe sogar noch versucht jeden Cent „für schlechte Zeiten“ auf die Seite zu legen. Ich war dabei auch wirklich sehr akribisch. Ich habe eine Liste geführt über meine Einnahmen und Ausgaben, hab zukünftige Ausgaben ganz genau geplant usw. Ich hatte immer Angst das uns das Geld nicht reicht, das irgendetwas kaputt gehen könnte und hätte repariert werden müssen. Mit zunehmendem Alter meiner Tochter wurde es etwas einfacher. Ich konnte mehr Stunden pro Woche arbeiten und die finanzielle Situation entspannte sich etwas. Meine Ängste jedoch blieben! Auch das Listen führen, das planen von Ausgaben und das akribische sparen blieb. Irgendwann habe ich da auch gar nicht mehr wirklich drüber nachgedacht. Es war wie ein (schlechter) Bestandteil meines Lebens den ich nicht mehr wirklich hinterfragt habe.

In den letzten sechs Monaten seit Beginn meiner Erkrankung gab es dann plötzlich gleich mehrere Impulse, die meine Sichtweise dazu änderten bzw. die mich erkennen ließe warum ich zum Thema Geld ein ja fast zwanghaftes zwiegespaltenes Verhältnis hatte. Einerseits leistete ich mir für mich nichts bzw. total wenig, mir bedeute Geld auch nichts und anderseits hatte ich immer Angst zu wenig zu haben und versucht so viel wie möglich zu sparen.

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Den ersten Impuls hatte ich ganz genau am 23.12.2019. An diesem Tag besuchte mich mein großer Bruder. Wir kamen irgendwie auf mein Sofa zu sprechen und ich beschwerte mich wie doof, hässlich und unbequem es doch sei. Außerdem erinnerte es mich total an meinen Ex Freund, der das Sofa so toll fand und es damals als wir zusammen in die Wohnung zogen unbedingt (auch aus Bequemlichkeit) von unserem Vormieter abkaufen wollte. Mein Bruder fragte mich warum ich mir denn nicht einfach ein neues Sofa kaufen würde. „Das kostet ja Geld und wenn ich dann irgendwann mal umziehe dann passt es vielleicht nicht in die neue Wohnung“ war meine Antwort. „Aber dir gefällt das alte Sofa doch nicht. Kauf dir doch jetzt eins das dir gefällt und wenn du dann irgendwann mal umziehst, dann wird das schon passen.“ So ungefähr lautete seine Antwort. Sollte ich mir also tatsächlich ein Sofa kaufen was MIR gefällt? Geld ausgeben für etwas das für MICH war? Es klingt wirklich verrückt, aber auf diese Möglichkeit war ich gar nicht gekommen. Für mich gab es immer nur Gründe es nicht zu tun. Am Montag den 30.12.2019 standen meine Tochter und ich dann im Möbelhaus und suchten gemeinsam die für UNS tollste Couch der Welt aus! UND ich leistete mir an diesem Tag sogar noch ein neues Bett! Wahnsinn, ich war total begeistert. Und auch jetzt noch sage ich ganz oft zu meiner Tochter wenn ich mich auf unser Sofa fallen lassen „Wir haben so eine tolle Couch!“ 🙂

Einen anderen Impuls bekam ich durch meine Tochter. Wir waren irgendwann mal wieder ganz normal einkaufen. Lebensmittel und was man sonst noch braucht. Mein Töchterlein wolle sich noch etwas Makeup bei der Drogerie kaufen und meinte dann im Geschäft zu mir „Mama warum kaufst du dir eigentlich für dich so wenig?“ Und ich meinte, „Ach ich hab doch meine Tagescreme, die tut´s doch!“ Ihr Gesicht hättet ihr sehen sollen! 🙂 Okay, und dann landeten allerhand Pflegeprodukte in meinem Einkaufskorb. Tagescreme, getönte Tagescreme, Nachtcreme, verschiedene Körperöle, Gesichtstinkturen und Gesichtswässerchen, alle möglichen Badezusätze und Gesichtsmasken, Körperpeelings und was weiß ich noch alles… Es war der Wahnsinn! Das dachte ich mir dann allerdings auch als ich an der Kasse stand! 😉 Aber die nächsten Tage und Wochen (und auch jetzt noch) waren echt toll. Also ich war ja nie schmuddelig unterwegs oder so, aber ich fand es immer unnötig dafür (für mich) Geld auszugeben. Und jetzt? Es ist sooooo toll sag ich euch! 😉 Jetzt genieße ich es total mich zu pflegen, Baden zu gehen, einzucremen, ganz besonders mag ich Hautöle! Und ich freu mich dann jedes Mal total und bin total zufrieden in diesen Momenten. Ich tue etwas für mich und es fühlt sich großartig an!

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Ein letztendliches Verständnis zu dem Thema bekam ich dann wieder durch meinen Therapeuten, dem ich natürlich von allem was ich so erlebte und gemacht habe in meinen Sitzungen Bericht erstattete. Er fragte nach früheren Erlebnissen oder Ereignissen die damit irgendwie in Zusammenhang stehen könnten. Schließlich hatte ich ja ihm schon erzählt, dass ich seitdem ich 15 Jahre alt war alleine zurecht kommen musste. Also musste ich auch schon sehr früh alle finanziellen Dinge alleine regeln.

Als ich meine zweite Berufsausbildung machte, war es tatsächlich so, dass mein Lehrlingsgeld nicht einmal ausreichte um meine Miete zu bezahlen. Ich machte eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten, verdiente gerade einmal 550 DM und hatte aber schon eine Miete von 600 DM. Ich hatte einen alten roten VW Polo in den ich alle paar Kilometer das Öl nur so reinschütten musste. Hinzu kamen Geld für die Versicherung und Benzin und Geld für Lebensmittel. Es hatte hinten und vorne nicht gereicht. Ich ging sehr oft an den Wochenenden in einer Diskothek arbeiten. Das war eine mobile Disco die zumeist in Dörfern in irgendwelchen Hallen freitags und/oder samstags stattgefunden hatte. Freitags ab ca. 18 Uhr aufbauen. Dann arbeiten bis ca. 5 Uhr am Samstagmorgen. Anschließend heim um ein paar Stunden zu schlafen. Am späteren Nachmittag dann wieder zur nächsten Location fahren, wieder aufbauen helfen und bis in den Sonntagmorgen ca. 5 Uhr wieder arbeiten. Pro Abend gab es, wenn ich beim aufbauen und saubermachen half, 100 DM. Wenn ich also Glück hatte, dann konnte ich 200 DM an einem Wochenende verdienen. Von Erholung war dann natürlich keine Spur. Aber ich brauchte das Geld. Es war aber nicht an jedem Wochenende irgendwo eine Disco und manchmal konnte ich auch nur für einen Abend dort arbeiten. Ich bekam weder Unterhalt von meinem Vater oder von meiner Mutter und noch nicht einmal das Kindergeld. Das steckte sich nämlich mein Vater in seine Tasche. Es war eine verdammt schwierige Zeit für mich. Und wieder traue ich mich kaum das hier zu schreiben….. Ich hatte manchmal kaum etwas zu essen. Ich habe wirklich Hunger gelitten! Seit ihr schon mal wach geworden, weil euch der Magen vor lauter Hunger so richtig doll weh getan hat? Das ist grauenvoll! Das sind richtige Schmerzen. Ich habe über Wochen nur Hühnerbrühwürfel mit ein paar Suppennudeln drin gegessen. Ab und an hab ich da mal noch ein Ei rein gemacht, dann wurde es etwas dickflüssiger. Butterbrote gab es auch ab und an. Aber tendenziell hatte ich nur die Lebensmittel an denen ich sparen konnte. Irgendwann bekamen das meine damaligen Arbeitskollegen mit. Ich glaube ich sah damals auch nicht sonderlich gesund aus. Und als ich ihnen dann erzählte was los ist, brachten sie mir abwechseln Obst und Gemüse mit und kochten abends abwechselnd für mich mit so dass ich am darauffolgenden Tag etwas warmes essen konnte. Das war eine beschissene Zeit!

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Und ich glaube das erklärt auch warum ich in punkto Geld immer sehr ängstlich und vorsichtig war. Auch das hatte sich ganz tief in mir eingebrannt. Mein Therapeut sagte mir dann, dass ich versuchen muss mir jetzt immer bewusst zu machen, dass ich JETZT genügend Geld habe. Das ich JETZT keine Angst mehr haben brauche Hunger leiden zu müssen. Das diese Zeiten vorbei sind und ganz sicher auch nie wieder kommen werden.

Und obwohl ich es zunächst für unmöglich hielt, habe ich diese Sätze sehr schnell für mich verinnerlicht und versuche sie auch in anderen Situationen anzuwenden. Und das klappt sehr gut. Ich sage mir immer wieder, dass ich jetzt keine Angst mehr haben muss, dass ich erwachsen bin und selbst bestimmt handeln kann und das niemand mehr Macht über mich hat. Das ist ein Prozess, ein insgesamt langer Weg, bei dem man sehr viel Vergangenheit bewältigen muss und bei dem es immer wieder Rückschläge gibt. Und es ist richtig anstrengende Arbeit! Aber ich bin trotzdem unglaublich froh, dass ich diesen Weg jetzt gehe, weil ich jetzt schon an dieser Stelle weiß, dass es sich gelohnt hat und es sich noch immer weiter lohnen wird!

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Think positiv!

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Mein letzter Beitrag hat mich sehr aufgewühlt. Normalerweise schreibe ich bei meinen Beiträgen einfach drauf los und schreibe sie auch in einem „Rutsch“ runter. Ich lese zwar schon noch mal drüber, aber wirklich viel mache ich nicht mehr an ihnen wenn mir die Gedanken dazu erst einmal aus dem Hirn gesprudelt sind. Bei dem letzten Beitrag war das anders. Er war gar nicht so beabsichtigt wie er dann letztendlich geworden ist. Tatsächlich sah er erst ganz anders aus, war total allgemein gehalten und stellte meine allgemeinen Ansichten zu dem Thema „Beziehungen“ dar. Und irgendwann „verselbständigte“ es sich dann. Und da er sonst noch länger geworden wäre (ja das geht 😉 ) hab ich den allgemeinen Teil wieder gelöscht. Sicherlich werde ich noch einmal etwas zu dem Thema schreiben. Es ist an sich ja auch ein interessantes Thema, aber jetzt hab ich erst einmal genug davon 😉

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In meinem vorletzten Beitrag habe ich ja schon von zwei für mich großen Fortschritten für mich geschrieben, die ich im Mai 2020 hatte. Tatsächlich war der Monat Mai für mich wirklich sehr aufschlussreich. Gleich Anfang Mai habe ich für mich in meinem Tagebuch mal alles aufgeschrieben was ich schon alles positives seit dem ich krank geworden bin erreicht bzw. gemacht habe. Viele kleine schöne Dinge, mitunter nichts weltbewegendes, aber mir tat es sehr gut, mal alles das zu benennen was bisher auch an positiven Sachen im letzten halben Jahr passiert war.

 

Mein schönes neues Schlafzimmer

Natürlich hatte ich bisher auch schon ein Schlafzimmer, aber das war nicht besonders gemütlich und eher zweckmäßig. Seit Jahren wünschte ich mir schon einen richtig große Fototapete mit einem schönen Waldmotiv. Diesen Traum erfüllte ich mir mit Hilfe von meinem lieben „Brüderchen“ gleich Anfang des Jahres. Im März wurde mein neues Bett geliefert. Ich habe mir ein großes Boxspringbett für mich gegönnt. Ohne Quatsch, das war das erste Mal das ich mir für mich wirklich ein richtiges gemütliches Bett gegönnt habe! Es folgten richtig schöne schwere graue Übergardienen und jede Menge Lichterketten und ein schöner Teppich.

Neue Essgewohnheiten

Dank meiner Tochter habe ich meine Ernährung zu Beginn des Jahres umgestellt. Sie ernährte sich schon seit ein paar Monaten überwiegend vegetarisch (ab und an gab und gibt es Fisch – aber selten) und ab Januar tat ich es ihr gleich. Die Umstellung fiel mir auch nicht wirklich schwer. Wir aßen sowie so schon immer so gut wie nie Wurst und auch Fleisch gab es es bis auf Huhn und Pute kaum. Klar, an manchen Tagen vermisste ich schon etwas, aber im großen und ganzen fiel es mir leicht. Außerdem tat es meinem Gewissen auch gut.

Yoga und Mediation

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Ich bin mir sicher, dass viele die mich privat kennen, niemals damit rechnen würden, dass ich diese zwei Sachen für mich entdeckt habe. In Kombination mit meinem doch eher zumeist lauten Musikgeschmack 😉 gebe ich zu, dass es schon ein gewisser Kontrast ist 🙂 Tatsächlich schließen sich (wunderschöne laute) Metal- oder Rockmusik und Yoga und Meditation jedoch nicht aus. Man muss allerdings eine gewisse, ich würde es mal, spirituelle Ader dafür haben. In einer doch eher kopflastigen Gesellschaft, sicherlich doch eine Herausforderung.

Freundschaften

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Es heißt ja, dass man die Menschen erst dann richtig kennenlernt, wenn man mal nicht funktioniert. Und dem kann ich nur zustimmen! Auch in dieser Hinsicht habe ich neue Erkenntnisse gesammelt. Menschen die ich für Freunde hielt, waren „nur“ noch Bekannte. Das klingt im ersten Moment schlimm, aber das ist es nicht! Ich bin auch niemandem böse! Man braucht auch einen Bekanntenkreis! Ich habe halt nur erkannt, dass wir eher Bekannte als Freunde sind. Langjährige Freundschaften, wie die zu meiner lieben Freundin Karin oder meinem „Brüderchen“ Ron haben auch diesen „Sturm“ überstanden. Und ich habe auch drei neue Menschen in mein Leben „bekommen“. Sarina, Manuela und die Andrea. 🙂

Geld unter die Leute gebracht

An Geld habe ich im ersten halben Jahr wirklich viel ausgegeben! Aber das war auch so gewollt (mehr dazu im nächsten Blog) Neben einem neuen Bett habe ich mir auch ein neues Sofa für das Wohnzimmer gegönnt. Aber nicht irgendein Sofa, sondern eine richtig große Lümmelcouch. 🙂 Ein sogenanntes Big-Sofa. Das alte Sofa, war ein riesiges braunes Kunstledermonster. Furchtbar hässlich und altmodisch und erinnerte mich zu dem auch immer an meinen Ex, weil der es beim Einzug unbedingt vom Vormieter abkaufen wollte. Außerdem gab es gleich mehrere neue Regale eines schwedischen Möbelhauses 😉 und meine DVD Sammlung (von ca. 500 Filmen) fand endlich ein schönes „Zuhause“. Ich habe eine ganze Kofferraumladung Pflanzen geshoppt und seitdem ist es wunderbar grün in meiner Wohnung. Außerdem gab es neue Lampen, einen neuen Teppich für das Wohnzimmer, jede Menge Lichterketten und schönes Gedöns zum hinstellen und angucken 🙂

Jede Menge frische Luft

 

Die habe ich unter anderem bekommen, als ich meinen Garten „bearbeitet“ habe. Da sind einige Stunden Arbeit reingeflossen. Und obwohl es doch auch sehr anstrengend war, tat es mir gut. Und wenn dann etwas wächst was man selber angepflanzt hat, dann ist das schon schön. Und selbst angebautes Obst und Gemüse schmeckt gleich doppelt so lecker. Ich denke aber, dass ich es in dem Maße nicht beibehalten werde. Es kostet wirklich sehr viel Zeit und ich werde mich im nächsten Jahr auf ein paar wenige Dinge beschränken. Und auch sonst war ich oft spazieren oder bin mit dem Rad unterwegs gewesen.

Und zu guter Letzt waren dann auch noch die Dinge die ich schon erwähnt hatte: alleine in ein Café zu gehen, meine Begeisterung für Bücher, die Reparatur meines Fahrrads und das ich gelernt habe auch mal Dinge liegen zu lassen.

Im ganzen Monat Mai hatte ich nur zwei schlechte Phasen, die immer ca. drei bis vier Tage anhielten. Ich war jedes Mal sehr wütend! Aber nicht auf mich, sondern eher auf diese Krankheit. Am 11.05.2020 schrieb ich in mein Tagebuch:

„Heute bin ich seit halb fünf wach. Innerlich fühle ich mich als würde ich kämpfen. Es ist wie als wäre ich in mir gefangen und schlage und trete mit Händen und Füßen gegen meinen Körper. Ein total beklemmendes Gefühl, aufgewühlt, fahrig. Ich habe das Gefühl als würde mein Brustkorb zerquetscht und das atmen fällt mir schwer. Ich möchte am liebsten schreien oder auf irgendetwas einschlagen, aber selbst dazu fühle ich mich gerade viel zu schlapp.“

Ende Mai (29.05.2020) war es noch ein wenig krasser:

„Ich fühle mich schon seit mehreren Tagen nicht gut. Ich bin nur noch müde, möchte am liebsten nur noch schlafen und kann mich kaum aufraffen etwas zu tun. Nach Rücksprache mit Frau Dr. B. habe ich daher heute auch die Dosis meiner Antidepressiva noch mal erhöht. Gestern war ich Fahrradfahren, 21 km. Ich habe es gemacht, aber ich verspürte keine Freude dabei. Es war mir egal. Heute war ich gleich morgens spazieren und es ist mir einfach nur schwer gefallen. Ich habe die Vögel gehört, die Sonne und den Wind gespürt, aber es hat rein gar nichts in mir ausgelöst. Jetzt ist es kurz nach 12 und ich fühle mich schon wieder müde. Ich hab Angst das das nie aufhört, das es immer so sein wird. Das schlimme an dieser Krankheit ist, dass sie so unerwartet jedes Mal kommt, es für die einzelnen schlechten Phasen keinen erkennbaren Auslöser gibt. Und die Gedanken kreisen dann im Kopf und diese Gefühle in einem sind so viel und so durcheinander. Man ist nur mit sich und mit fühlen beschäftigt. Man sitzt da, starrt ins Leere, fühlt sich körperlich so angespannt. Man kann nichts machen auch bzw. obwohl man es möchte. Und genau das macht einen dann noch fertiger. Man fühlt sich noch schlechter. Ist noch enttäuschter von sich selbst. Hoffnungslos, traurig und auch gleichgültig. Keine Erfolge zählen in solchen Momenten. Alles schein sinnlos und aussichtslos. Man ist wie im Nebel durch den nichts hindurchgeht.“

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Aber insgesamt war der Mai ein guter Monat! In meiner Therapiesitzung am 14.05.2020 stellte mir mein Therapeut erneut eine Frage, auf die ich zu erst keine Antwort wusste und die mich auch wieder sehr zum nachdenken gebracht hat. „Was für Ziele und Wünsche haben Sie noch im Leben?“ In der Sitzung ist mir dazu nichts eingefallen. Aber ungefähr eine Woche später fiel mir plötzlich eine Liste ein, die ich 2013 einmal erstellt hatte. Vielleicht sagt dem einen oder anderen von euch der Begriff „Bucket-List“ oder „Löffelliste“ etwas.

Löffelliste – Liste mit Dingen die man machen möchte bevor man den Löffel abgibt

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Ich nahm die 2013er Liste zum Anlass und habe für mich eine „Aktualisierung“ geschrieben. Schließlich war die Liste schon sieben Jahre alt und manche Dinge waren veraltet und waren jetzt nicht mehr wirklich wichtig für mich. Das hat schon ein paar Tage Zeit gebraucht, aber es tat wirklich gut sich mal damit zu beschäftigen. Da wir ja hier unter uns sind 😉 möchte ich euch meine neue Löffelliste nicht vorenthalten, die ich im Mai 2020 schrieb bzw. umschrieb:

  • den Eifelturm in Paris sehen und mich trauen rauf zu gehen
  • in den Bergen einen Sonnenauf- oder Sonnenuntergang zu sehen (eingekuschelt in einer Decke und am besten mit jemandem zusammen den ich sehr mag)
  • ein kleines Häuschen mit Garten und schönen alten Holzfensterläden
  • ein Buch schreiben
  • mich noch mehr tätowieren lassen
  • barfuß im Regen tanzen
  • Ein Picknick in der Natur oder im Garten
  • lustige Fotos mit jemandem zusammen in einer Fotobox machen
  • einmal nach Wacken!
  • in London das Harry Potter Museum besuchen
  • mit einem VW-Bus (oder umgebauten Auto oder ähnliches) einfach drauf los in den Urlaub fahren
  • Die Nord- und Ostsee noch mal wiedersehen, im weichen Sand sitzen und auf´s Meer schauen
  • eine Wattwanderung machen
  • Gitarre spielen lernen und bei Lagerfeuer spielen können
  • Nur so viel arbeiten müssen, dass es zum Leben reicht
  • Urlaub in Irland und/oder Schweden
  • im Sommerregen tanzen
  • einen Selbstverteidigungskurs machen
  • einen Sushi Kurs machen
  • Thai Chi / Qi Gong lernen

…. Erweiterung jederzeit möglich…

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In meinem nächsten Therapietermin haben wir über diese Liste gesprochen. Mein Therapeut fand sie total toll! Er meinte, dass es so schöne normale Dinge sind, die mir aber wiederum sehr viel bedeuten und das ließe wiederum Rückschlüsse zu was ich für ein Mensch bin. Er meinte sogar ich hätte eine gewisse spirituelle Ader 😉 Seiner Meinung nach sind alle diese Wünsche realisierbar. Er meinte auch, manchmal kämen ja dann so Wünsche wie ins All reisen etc. (Klar, für Mr. Amazon und Co. ist das sicher kein Ding.) Er freute sich darüber, dass es schöne normale Dinge sind. Er wollte wissen, warum ich davon noch nichts (bis auf das Gitarre spielen anfangen) bisher gemacht habe. Ich wusste darauf allerdings zunächst erst einmal wieder keine Antwort. Doch mittlerweile wusste ich – erst kommt die Reflektion – dann kommt die Reaktion oder Aktion!

Ich glaube man schiebt so etwas immer vor sich hin, weil man denkt, man hat noch so unendlich viel Zeit dafür im Leben. „Irgendwann“ wird man schon dazu kommen. Dabei ist doch eigentlich nur wichtig was „jetzt“ ist, weil wir heute leben. Ich glaube der Grund warum wir als Erwachsene immer meinen, dass das Leben im zunehmenden Alter schneller vorbei geht, hat genau darin seine Ursache. Als Kind entdecken wir fast täglich neue Sachen. Alles ist spannend, vieles ganz neu. Neue Menschen, neue Situationen in die wir uns einfinden müssen, so viel Neues was wir lernen und erleben. Spannung pur! Beinahe jeder Tag ein Abenteuer. Wenn wir dann erwachsen werden, vielleicht sogar Kinder haben, dann wird das Leben in gewisser Weise zur Gewohnheit. Alltagstrott, immer die gleichen sich ähnelnden Routinen. Jeder Tag kommt einem vor wie der Tag zuvor. Und weil uns alles so endlos gleich vorkommt, uns die „Abenteuer“ im Alltag fehlen, jeder Tag gleich zu seien scheint, haben wir das Gefühl die Zeit würde als Erwachsener schneller vergehen. Dabei hat jeder Tag auch weiterhin 24 Stunden und es liegt nur an uns was wir aus ihnen machen. Wie ging der Spruch:

„Wer will findet Möglichkeiten, wer nicht will findet Ausreden!“

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Es gibt Menschen die hangeln sich förmlich von Wochenende zu Wochenende. Jammern über ihr langweiliges Leben, dass sie ja gar keine Zeit mehr für sich haben, immer nur arbeiten müssen, niemals genügend Geld zum Leben haben und so weiter. Im besten Fall fährt man zwei oder drei Mal pro Jahr in den Urlaub um dort neue spannende Dinge zu erleben. Man fiebert förmlich auf die Urlaube hin und vergisst das eigentliche Leben, das so ganz nebenbei an den vielen anderen Wochen im Jahr stattfindet. Ich glaube so Manchem ist das mitunter gar nicht so bewusst. Das Jammern ist klarer Lebensbestandteil geworden. Trotzdem glaube ich das man da auch wieder rauskommen kann. Es kostet allerdings Mut. Mut sich und sein Leben zu reflektieren, Routinen und Denkweisen zu analysieren und letztendlich zu ändern. Aber man gewinnt nicht weniger als sein Leben zurück.

Natürlich gibt es auch die andere Sorte Mensch, die sich mit Freizeitaktivitäten geradezu nur so zu bombardieren. Wenn es förmlich in „Freizeitstress“ ausartet, und man wohlmöglich noch jedem Hinz und Kunz unter die Nase hält, was man alles so tolles erlebt…. Ich glaube dann ist auch irgendetwas im Argen. Es trifft natürlich nicht für alle diese Menschen zu und stellt nur meine persönliche Meinung dar, allerdings glaube ich, dass sich solche Menschen dann von irgendetwas ablenken wollen. Wenn die Zeit zum nachdenken und reflektieren fehlt, kann und muss man sich auch nicht mit sich und seinem Leben auseinander setzen und kann somit auch nichts für sich erkennen. Ich würde es allerdings eher als „weglaufen“ bezeichnen.

Ach ja, auch eine eigene Spezies: „Wenn ich mal in Rente bin, dann mach ich alles was ich will!“ Derzeit liegt das Alter bei dem man abschlagsfrei in Deutschland in Rente gehen kann bei 67. Mal von einem normalen Durchschnittsverdienst ausgehend und weiterhin davon ausgehend, dass nur die aller wenigsten von uns die reiche Großtante in der Verwandtschaft haben, die man eines Tages beerben wird, ist glaube ich sowohl ein früherer Rentenbeginn, als auch eine großzügige Rente mit der man sich dann alles leisten kann „was man will“ kaum möglich. Viele Menschen erleben ihren Rentenbeginn auch gar nicht, oder sind dann schon mit allerlei Zipperlein „beschäftigt“. Gut, dann blieben natürlich noch das lesen der „Apothekenumschau“ und diverse Gespräche im Wartezimmer des Hausarztes mit den man sich beschäftigen kann. Das klang jetzt böse… ich mein es gar nicht so. Aber ich frage diese Menschen ernsthaft, was sie denken im Rentenalter noch alles erleben zu können? Wenn man mal ganz ehrlich zu sich ist, dann kennen wir alle doch wohl mehr Rentner die über gesundheitliche Probleme klagen, Politik- und/oder Gesellschaftsverdrossen sind, die alleine und eher unzufrieden sind, als die wohlmöglich golfspielenden, mit Yachten segelnden Weltenbummler oder? Okay, letztere Beispiele waren schon sehr hochgegriffen, aber ich denke ihr wisst was ich damit meine.

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Das Leben findet jetzt statt! Jetzt gerade in diesem Moment. Den Tag heute wird es niemals mehr geben! Du allein bestimmst über dein Leben und was du damit machst. Andere Menschen oder Situationen nehmen Einfluss darauf, Aber

DU ALLEIN ENTSCHEIDEST WAS DU DARAUS MACHST UND WIE DU DAMIT UMGEHST!

Wenn Du dich nicht in Ausreden flüchtest und etwas Mut aufbringst, dann kannst du heute schon damit anfangen dein Leben zu ändern! Man muss nur anfangen! Wie wäre es mit einer sogenannten „Löffelliste“ für dich selbst? Vielleicht sagst du dir „Das ist doch alles Quatsch!“ Aber fang doch einfach mal an! Was möchtest du noch alles machen? Wofür schlägt dein Herz? Kein „aber das geht doch nicht“ Kein „das klappt sowieso nicht“ oder „Dafür hab ich kein Geld“ Schreib einfach drauf los! Sei noch mal ein Kind und schreibe ein paar Abenteuer! Deine Abenteuer!

Schreib mir gerne Deine Meinung dazu!

Und falls Du meine Seite noch nicht abonniert hast, freue ich mich über Dein Abo!

 

Beziehung – nein Danke!

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Neulich habe ich auf Instagram einen Post gesehen der mich zu diesem Beitrag motivierte. Er lautete folgendermaßen:

Wie man eine Beziehung aufrechterhält:

Kommuniziert. Sprecht über die Dinge, die guten und die schlechten. Schafft Vertrauen. Seid ehrlich. Seid treu. Seid füreinander da. Nehmt euch Zeit füreinander. Lasst die Vergangenheit der Vergangenheit. Wisst, dass Argumente normal sind. Wisst, dass ihr nicht immer glücklich sein werdet. Erwartet nichts. Schätzt die Fehler. Schätzt euch gegenseitig. Werdet beste Freunde. Und zu guter Letzt, liebt euch bedingungslos.

Direkt nach dem lesen dachte ich „Oh Gott klingt das kompliziert. Gut das du Single bist!“ Sicherlich ist mir klar, dass eine Beziehung auch (harte) Arbeit ist. Aber ich habe mich gefragt, warum ich das Wort „Beziehung“ zumindest zur Zeit eher mit etwas negativem, als mit etwas positivem verbinde.

Ich habe mich auch gefragt warum wir heute so „tolle“ Sachen wie „Freundschaft+“ haben. Im Internet habe ich den Überbegriff „Generation Beziehungsunfähig“ gefunden. Ist es so? Sind wir heutzutage beziehungsunfähig? Liegt es an der schnelllebigen Zeit, dass wir lieber auch in Beziehungen unverbindlich bleiben wollen? Liegt es an dem unendlich scheinenden Konsum, dass wir auch in Beziehungen Angst haben das noch bessere „Angebot“ zu verpassen?

Erwarten wir heute zu viel (voneinander)?

„Besser nichts erwarten, dann wirst du nicht enttäuscht“ – Noch so ein toller Spruch… 😉 In dem Wort „enttäuscht“ steckt meiner Meinung nach schon die halbe Antwort „ent – täuscht“ beinhaltet das Wort „Täuschung“. Man wurde also getäuscht in SEINER / IHRER Erwartung. Und hier liegt für mich die zweit Hälfte der Antwort. Nicht der/die andere hat einen „getäuscht“, sondern man hat sich selber getäuscht! Der andere ist so wie er ist. Er ist so, wie er immer schon war. Nur wir selber erwarten einfach etwas anderes von ihm/ihr. Mitunter. Das muss natürlich nicht sein. Manchmal treffen Prinz und Prinzessin tatsächlich aufeinander. 🙂 Aber wohl doch eher selten. Erwartungen sind daher etwas rein subjektives und haben überhaupt nichts mit dem anderen zu tun. Aber oftmals sind das dann die „Fehler“ die wir bei anderen Menschen feststellen.

Beziehung – nein Danke! – Warum?

Wann immer ich ein altes (also ganz altes) Ehepaar händchenhaltend spazieren gehen sehe denke ich, „Das ist sooooo toll! Sowas hättest du später auch mal gerne!“ Wobei ich bei dem Wort „später“ schon selber schmunzeln muss, denn diesen Satz sage ich schon seit mehreren Jahr(zehnt)en in diesen Situationen. Mittlerweile würde das Wort „jetzt“ eher passen, als das Wort „später“. 😉

Tatsächlich denke ich, dass es auch ein schönes vertrautes Gefühl sein muss jemanden so lange Zeit um sich zu haben. Jemanden der einen mit all seinen Facetten kennt, der in guten und in schwierigen Zeiten zu einem steht und auf den man sich verlassen kann. Warum kann ich es mir also für mich selber momentan nicht vorstellen?

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Mir ist ein Satz eingefallen, den ich gleich in einer meiner ersten Sitzungen zu meinem Therapeuten sagte und den er äußerst „interessant“ fand, und ihn sich auch sogleich notierte:

„Das was ich mir am meisten wünsche, ist auch gleichzeitig das wovor ich am meisten Angst habe – Nähe.“

Klingt kompliziert oder? Tatsächlich war es bei mir so, dass ich schon sehr viele Beziehungen hatte. Mal ganz kurze von nur ein paar Wochen oder Monaten (wobei ich diese dann selber nicht als Beziehung definiere, sondern eher als Abenteuer oder ähnliches) Meine längste Beziehung hielt sechs Jahre und die zweitlängste hielt 5 Jahre. Ich persönlich finde das nicht besonders lang, aber auch nicht ganz soooo kurz. Ich verliebe mich zumeist recht schnell, ABER ich entliebe mich auch recht schnell! Ich möchte manchmal ganz viel Nähe, gemeinsame Aktivitäten, körperliche Zuneigung etc. und andererseits brauche sehr viel Zeit für mich. Mit Zurückweisung komme ich selber nur sehr schlecht klar, aber ich weiß, dass ich auch selber schon äußerst gefühlskalt auf den anderen Part wirken kann. Ich höre ganz genau zu was mein Gegenüber mir sagt, neige aber dazu zu viel in gesprochenes hineinzuinterpretieren. Ich mache mir wirklich viele viele Gedanken über denjenigen mit dem ich in einer Beziehung bin. Es kommt sowohl vor das ich klammere, als auch, dass ich mich mal gar nicht melde und das dann meinerseits als total normal empfinde. Ich kümmere mich gerne und bin auf der einen Seite auch sehr harmoniebedürftig, aber um meine Angelegenheiten kümmere ich mich gerne selber und mag nicht (bzw. selten) das man mir hilft. Zu einem Großteil liegt das natürlich auch an gemachten Erfahrungen. Ich habe immer große Angst verletzt zu werden. Ich hasse Lügen! Ich weiß, das sagt bestimmt jeder, aber für mich ist es tatsächlich das schlimmste was man mir antun kann. Jede noch so unbequeme Wahrheit ist mir lieber, als eine Lüge. Ich habe in bisherigen Bekanntschaften oder Beziehungen manchmal schon ganz früh gemerkt, dass es für mich nicht passt. Aus den unterschiedlichsten Gründen zum Beispiel verschiedene Wertevorstellungen, gegensätzliche Weltanschauungen, nicht annehmbare sexuelle Vorlieben oder aber auch Hobbys die für mich nicht bzw. zu wenig übereingestimmt haben. Anstatt dann aber die Reizleine zu ziehen, habe ich oftmals viel zu lange daran (bzw. an demjenigen) festgehalten. Klar das das dann natürlich nicht gut ging. Ich gebe hier prinzipiell nicht den Männern die alleinige Schuld daran (!), aber andererseits hatte ich auch schon echt viele Idioten und Arschlöcher 😉

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Aus therapeutischer Sicht bezeichnet man so ein Verhalten wie ich es habe als „Bindungsangst“ oder auch „Beziehungsangst“. Und ich muss auch ehrlich sagen, dass ich das Thema bis jetzt noch nicht angegangen bin. Das hat mehrere Gründe. Zum einen bin ich mir mittlerweile um die Komplexität dieser Thematik bewusst und weiß, dass es nichts ist was man mal eben schnell in zwei oder drei Sitzungen beim Therapeuten bespricht und behebt. Ich habe in gewisser Weise auch Angst dieses Thema anzugehen. Und zu guter Letzt ist es aber auch so, dass meine Prioritäten derzeit noch auf anderen Themen liegen. Ich versuche mich momentan einfach auf die Themen Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Selbstannahme zu fokussieren. MIR scheint das momentan wichtiger zu sein. Vielleicht auch, weil ich hoffe, dass mir mit einem besseren Selbstwertgefühl diese Thematik etwas leichter fällt anzugehen. Momentan mag ich erst einmal mit mir selber zufrieden sein. 🙂 und bin dabei auf einem sehr guten Weg!

Ursachenforschung….

Ich glaube, dass wir einerseits aufgrund unserer Erziehung und durch die Prägung unser Eltern und dem dabei vorgelebten Verhalten in deren Beziehung, unsere spätere innere Einstellung zu Beziehungen bekommen. Andererseits ist es natürlich auch ein eigenständiger Prozess, den wir im Laufe unseres Lebens machen. Unsere eigenen Erfahrungen also.

Ich glaube, dass Kinder die in einer größtenteils harmonischen Vater-Mutter-Kind Beziehung aufwachsen, auch für ihr späteres Leben die besten Voraussetzungen für eigene Beziehungen haben. Eltern fungieren als Vorbilder. Sie vermitteln gewisse Wertevorstellungen an ihre Kinder. Vertrauen, Ehrlichkeit und gegenseitige Rücksichtnahme würden hier zu den für mich wichtigsten Werter gehören, genauso wie Autonomie und Respekt. Auch mit dem allgemeine Wandel der Zeit, und den damit einhergehenden Änderungen, können daraus resultierende Erwachsene, so glaube ich, hier ein gutes Maß für ihre eigenen Beziehungen finden. Und ich glaube, dass eine Beziehung unter diesen Voraussetzungen auch heute noch durchaus ein Leben lang funktionieren kann. NATÜRLICH kann das auch Erwachsenen gelingen, die nicht unter diesen „günstigen“ Voraussetzungen aufwachsen. Aber ich glaube die innere Einstellung dazu ist eine andere.

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*****ACHTUNG! **** TRIGGERWARNUNG*****

Ich bin seit frühen Kindheitstagen sehr eigenverantwortlich. Ich wünschte ich könnte sagen, dass meine Eltern mich zu einer eigenständigen und selbstbewussten Frau herangezogen hätten, die sich ihrer Stärken und Schwächen stets bewusst ist. Vielleicht stimmt das auch, aber es hat weniger etwas mit Erziehung und noch viel weniger mit meinen „Eltern“ zu tun. Tatsächlich fühlte ich mich in meiner Kindheit meistens sehr einsam. Nicht zu verwechseln mit allein. Allein war ich nicht. Aber auch in einer Familie oder mit einen ganzen Haufen Menschen um einen herum kann man sehr einsam sein. Ich lernte sehr früh niemandem außer mir selbst zu vertrauen Ich hatte sehr oft sehr große Angst. Ich lernte auch, dass Menschen nicht ehrlich zu einander sind, und dass man sich nicht auf sie verlassen kann. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich nicht genug dafür tat, dass man mich mag. Es war teilweise egal wie gut, lieb oder wie schlecht oder böse ich war. Es hat nie für das Maß an Zuneigung gereicht, was sich jedes Kind von seinen Eltern wünscht und auch jedes Kind von seinen Eltern braucht. Ich fühlte mich meistens ungeliebt und auch nicht gewollt. Ich war halt da, aber mehr auch nicht. Ich lernte sehr früh was Alkohol mit Menschen macht, wusste was Jähzorn und Wut ist und auch wie sich beides körperlich „anfühlt“. Ich lernte nicht nur Tränen sondern auch Angst zu verstecken. „Gefühle zeigen ist ein Zeichen von Schwäche!“ – Das war mein Motto, auch noch für für viele Jahre später!

Als ich 11 Jahre alt war, glaubte ich das alles nicht mehr aushalten zu können. Ich wollte nicht mehr vorhanden sein! Ich hoffe jeder weiß was ich damit meine, ich möchte dieses Wort hier nicht schreiben… Aber auch das war, wenn man meine Eltern heute fragen würde, ja alles nur ein Hirngespinst meinerseits und ist ja niemals so passiert. „Was sollen denn die Leute denken? Nein, bei uns war alles in Ordnung!“ Die Narbe die ich vom gerade genannten Ereignis zurückbehielt kratzte ich mir für viele Jahre immer wieder auf. Warum? Wenn man einem Kind immer wieder sagt, dass es lügt, glaubt es das irgendwann selbst. Aber die Narbe sprach etwas anderes! Und ehrlich mit 11? Denkt sich eine 11jährige so etwas aus? Was waren eure Gedanken als ihr 11 Jahre alt wart? Wahrscheinlich reagiere ich selber deswegen heute auch so „allergisch“ darauf, wenn mich jemand anlügt….

Ich habe einmal versucht von zu Hause wegzulaufen. Ich weiß nicht mehr wie alt ich war, als kleines Kind auf jeden Fall. Ich lief einfach los, wollte nach Berlin (ich bin in der Nähe von Berlin aufgewachsen) aber dann bekam ich Angst und bin abends wieder nach Hause. Als meine Mutter die Wohnungstür öffnete – und diese Worte und ihren Blick werde ich niemals vergessen – sagte sie mit einem richtig zynischem Lachen im Gesicht „Wusste ich doch, dass du das nicht durchziehst“. Im nächsten Moment fiel mir meine kleine Schwester um den Hals und sagte „Bitte lass mich hier nicht allein!“.

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Und auch ein anderes Erlebnis hat sich in Bildern und Gefühlen tief und fest in meinem Hirn eingebrannt. Den genauen „Grund“ kann ich heute nicht mehr benennen. Ich rannte vor meinem Vater innerhalb unserer Wohnung weg. Irgendetwas musste ich wohl wieder angestellt haben. Meine „Flucht“ endete in der Küche. Ich hockte mich vor den in der linken Ecke sich befindenen Kühlschrank, hatte die Beine angezogen vor dem Bauch, und die Arme über Kreuz verschränkt vor meinem Gesicht. Mein Vater brüllte und tobte. Und plötzlich war mir ALLES egal was hätte passihren können. … Ich stand plötzlich auf, ging auf ihn zu, er erhob seine Hand und mit aller Wut die ich in mir hatte brüllte ich ihn an „Schlag doch zu du feige Sau!“ ….. Mein Vater hat mich seit diesem Tag nicht mehr angerührt.

Als spätere Jugendliche war ich eher der Rebell. Aufgrund schlechter schulischer Leistungen war ich vom Gymnasium abgegangen und ging für die 9. und 10. Klasse auf eine Gesamtschule. Meine Mutter war mehr oder weniger über Nacht „in den Westen“ abgehauen. Das war sehr schlimm für mich, aber kam auch nicht vollkommen unerwartet. Mein Vater hatte irgendwann, bzw. eigentlich glaube ich das es schon kurze Zeit später war, eine neue Freundin, die auch zwei Söhne mit in die Beziehung brachte. Mir waren sie und auch ihre beiden Söhne relativ egal. Ich habe mich die ersten Wochen überhaupt nicht mit ihnen beschäftigt. (Heute ist mein großer „Bruder“ einer meiner wichtigsten Bezugspersonen!) Ich war fast nur noch zum schlafen zu Hause, und die meiste Zeit mit meiner Clique unterwegs. Ich habe in dieser Zeit selber sehr viel Alkohol getrunken und auch jede Menge Mist gebaut. Schlägereien, Pöbeleien…. wären wir auch nur einmal von der Polizei erwischt worden, es hätte Anzeigen wegen Hausfriedensbruch, Vandalismus, Zerstörung öffentlichen Eigentums, Körperverletzung, Ruhestörung etc. gegeben. Ich glaube ich war ein weibliches Arschloch, zumindest was den Großteil meines Verhaltens anging. Rotzig, frech, unnahbar, laut und mit sehr viel Aggression im Bauch. Andererseits war der Zusammenhalt in der Clique schon auch etwas ganz besonderes für mich, weil man sich umeinander kümmerte, man bekam Hilfe wenn man (mit jemandem) Probleme hatte und es war immer jemand da. Und ich war auch zwei Mal schwer verliebt in dieser Zeit. 😉 Es war daher schon auch eine echt coole Zeit, aber heute weiß ich, dass es damals für mich die beste Entscheidung war mit 15 dort alle Zelte endgültig abzubrechen.

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Das ich heute (auch) anders sein kann, ist kein Verdienst meiner Eltern! Sondern es ist vielmehr einem Umstand geschuldet, der mich im Alter von 17 Jahren glücklicherweise ereilte. Im Alter von 17 Jahren lernte ich einen, damals 18 jährigen jungen Mann kennen. Heute würde ich sagen, dass er die Liebe meines Lebens war. In jedem Fall war diese Begegnung das Beste was mir passieren konnte, und ehrlich gesagt, auch jemals bisher passiert ist. Ich durfte erleben WAS Familie, was Liebe, Vertrauen und all die anderen schönen Werte wirklich sind! Sowohl er, als auch seine Eltern, sein Bruder und dessen Familie, als auch seine Großeltern waren ein wahres Geschenk für mich. Ich werde niemals in meinem Leben vergessen wie ich das erste Mal an dem großen ovalen alten Holztisch in der (Wohn-) Küche mit ihnen gesessen habe, und wir zu Abendaßen und plötzlich fragte man mich „Wie war dein Tag Alex?“ Alle Augen waren auf mich gerichtet und sahen mich fragend an. Es fällt mir gerade sehr schwer diesen Moment, dieses Gefühl in Worte zu fassen… Da wollten tatsächlich Menschen wissen wie es MIR geht! Vielleicht mag es für den einen oder andern unglaubwürdig klingen, aber ich glaube dass es bis zu diesem Tag überhaupt niemanden interessiert hatte wie es mir ging, wo ich war, mit wem ich bis spät abends unterwegs war und erst recht nicht wie mein Tag war. Aber dort – dort saß die ganze Familie abends zusammen, man unterhielt sich miteinander, lachte miteinander, ärgerte einander spaßeshalber. ES WAR WUNDERSCHÖN! Ich durfte in dieser Zeit kennenlernen wie Menschen AUCH miteinander umgehen können und was es heißt eine Familie zu sein. Ich wüsste nicht, was ich ohne diese Familie heute wäre!

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Auch heute zählt Vertrauen insbesondere in andere Menschen nicht unbedingt zu meinen Stärken und ich stecke sehr oft im „Einzelkämpfermodus“ fest, der in anderen Menschen tendenziell eher eine Gefahr sieht, als einen Gefährten. Mitunter bin ich mir dessen aber gar nicht bewusst. Und manchmal bin ich mir dessen bewusst, aber weiß nicht wie ich da selber wieder rauskomme.

Auch heute fällt es mir eher schwer wirkliche Beziehungen (freundschaftlich aber auch Paarbeziehungen) einzugehen. Ich bin immer etwas auf Distanz, immer wie in einer Art Lauerstellung um rechtzeitig die Flucht zu ergreifen. Ich bin über jeden Menschen dankbar der den Kontakt mit mir hält, weil mir selber das total schwer fällt. Ich habe heute keinen großen Freundeskreis. Es gibt nur eine Handvoll von Menschen denen ich mich wirklich nahe fühle. Bei den meistens Menschen ist es bisher eher immer so gewesen, dass ich alle das von mir denken lasse, was sie von mir denken wollen. Auch weil mir die meisten Menschen ehrlich gesagt ziemlich egal sind. Klingt furchtbar ich weiß.

Sollte ICH also über Beziehungen schreiben? Habe ich dazu eine objektive Meinung? Nein, die habe ich nicht! Es gibt nicht viele Menschen denen ich das sage, aber WENN ich zu jemandem sage das ich ihn mag, dann ist das absolut aufrichtig! Wenn mich jemand den ich mag um Rat frägt, werde ich immer ehrlich antworten! Wenn jemand den ich mag meine Hilfe braucht, werde ich da sein! Wenn ich mit jemanden den ich mag Zeit verbringen darf, dann bin ich sehr glücklich und dankbar! Und manchmal…. ab und an….versuche ich mich auch für neue Menschen in meinem Leben zu öffnen, weil ich gerne mehr Menschen mögen würde. Aber das ist nicht so ganz einfach. Aber was ist das schon!?

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Habt ihr bis hierhin durchgehalten? …. Respekt!!! 🙂 🙂

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Wenn es plötzlich „klick“ macht…

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Alles neu macht der Mai! Ist ein Sprichwort oder? Aber bei mir war das fast wirklich so. Zumindest meine ich, dass es mir ab Mai langsam und stetig besser ging. Das hatte gleich mehrere Gründe. Zum einen habe ich die Krankheit für mich angenommen. Ich habe nicht mehr dagegen angekämpft. Wenn ich Tage hatte an denen es mir zum Beispiel morgens schon nicht gut ging, dann habe ich das so akzeptiert (logisch, immer hat das natürlich nicht funktioniert). Aber ich habe mich dann versucht auszuruhen. Ich habe auf dem Sofa gelegen, meistens irgendeinen Film geschaut oder ich habe mich durch das deutsche Fernsehprogramm gezappt. Wobei letzteres schon eine wirkliche Herausforderung war! Bei dem größten Teil dessen was heutzutage im Fernsehen gezeigt wird frage ich mich ernsthaft, wer auf solche „Ideen“ kommt und wer sich so etwas wirklich gerne ansieht! Das ist doch größtenteils echt geistiger Müll oder? Also mal ehrlich, irgendwelche nachgestellten Polizei- und Rettungssätze die von zu meist grottenschlechten „Schauspielern“ dargeboten werden, Frauentausch & Co., das ist doch nur noch Verdummungsfernsehen. Das ist so nutzlos! Wer braucht so etwas? Gibt es wirklich Menschen, die daraus irgendeinen Mehrwert für sich ziehen? Okay, aber ich schweife ab…..

In meinem letzten Beitrag habe ich ja zum Schluss quasi drei neue Hausaufgaben meines Therapeuten benannt. 1. Ich soll nur noch eine Sache pro Tag machen, die ich meine machen zu müssen. 2. Ich muss mindestens eine Sache pro Tag machen, die mir Spaß bringt. Und 3. ich soll mit dem Gitarre spielen anfangen. Bääm, das saß erst einmal. „Wie soll ich das denn hinbekommen?“ fragte ich mich als ich nach dem Termin zurück zu meinem Auto lief. Aber im Grunde genommen, waren genau diese drei Hausaufgaben der Schlüssel für mich! Mit diesen Hausaufgaben veränderte sich alles! DENN Ich habe angefangen mein ganzen TUN zu HINTERFRAGEN! Egal was! Ich habe alles hinterfragt. Immer mit Fragen wie „Muss ich das jetzt machen?“, „Möchte ich das jetzt machen?“, „Warum mache ich das jetzt?“, „Glaube ich jetzt nur das machen zu müssen?“ und ich habe mich mit der Frage auseinandergesetzt „Was bringt mir Spaß?“ Ich war so erschrocken gewesen, dass ich in dem Therapietermin im ersten Moment nicht wusste wie ich diese Frage beantworten sollte! Es konnte doch nicht sein, dass es für mich nichts gab was mich wirklich erfüllt, was mich glücklich macht und mich die Zeit vergessen ließ!

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Zum Thema Gitarre spielen fragte mich mein Therapeut in der oben besagten Stunde noch, warum ich bisher nie mit dem Gitarre lernen angefangen haben. Ich antwortete ihm:

„Weil ich als Kind kein Instrument spielen lernen durfte. Und später als junge Erwachsene fehlte sehr oft das Geld. Es gab immer Dinge die wichtiger waren, gerade in der Zeit als ich Alleinerziehend war. Und jetzt, …. jetzt bin ich Anfang 40! Was, wenn ich gar kein Talent dazu habe? Was sollen denn die Leute denken, wenn sie mitbekommen, dass ICH jetzt Gitarre spielen anfange?“

Zu den letzten beiden Fragen meinte er:

„Und was ist, wenn das nicht eintrifft? Was ist, wenn sie sogar richtig viel Talent haben, und was ist wenn ihr Umfeld es toll findet das sie so etwas jetzt machen?“

Das saß!

„Gut das er nicht weiß, dass schon seit Jahren eine Gitarre daheim rumsteht!“ dachte ich beim heimfahren. Tatsächlich war es so, dass meine Tochter schon vor Jahren mal eine Gitarre von ihrem Vater geschenkt bekommen hatte. Nach anfänglicher Euphorie taugte sie allerdings nur noch als Staubfänger.

An den darauffolgenden zwei Tagen ging ich immer wieder in das Zimmer meiner Tochter, schaute die Gitarre an, blieb kurz stehen und ging dann wieder aus dem Zimmer. Das passierte so zwei oder drei Mal am Tag. „Soll ich wirklich?“

Am Samstagabend den 02.05.2020 lag ich im Bett, und auch da geisterte immer noch diese Gitarre in meinem Kopf. Es war ein Gedanke der wie ein Samenkorn in mein Hirn gepflanzt worden war und er keimte und keimte und keimte. Und plötzlich war es ganz klar! „Wenn ich WILL, kann ich jetzt Gitarre spielen lernen!“ Es war grandios! Ich lag da in meinem Bett und grinste vor mich hin! „Ich WERDE Gitarre spielen lernen!“ sagte ich mir immer wieder und wurde innerlich immer aufgeregter (aber vor Freude). Wie ein kleines Kind an Weihnachten habe ich mich gefühlt. Ich weiß noch, dass ich am liebsten sofort aufgesprungen wäre und am liebsten sofort losgelegt hätte 🙂

Am Sonntag 03.05.2020 war es dann soweit! Ich lernte Gitarre spielen. Natürlich nicht sofort! 😉 Aber ich habe angefangen. Und ich setzte mir einen „Termin“. Wenn ich bis zu meinem Geburtstag, der gut zwei Monate später war, immer noch so gefallen daran haben würde, dann würde ich in ein Geschäft gehen und mir eine eigene Gitarre kaufen. Was glaubt ihr, wie ging es weiter?

An meinem Geburtstag habe ich mir MEINE Gitarre gekauft. Eine James Neligan Westerngitarre. Und ich spiele immer noch mit absoluter Begeisterung! Gitarre spielen lässt mich die Zeit vergessen! Es ist unbeschreiblich schön für mich! Etwas das ich mir immer gewünscht hatte, und jetzt hatte ICH es mir endlich erfüllt. Und ich bin auch gar nicht so schlecht! 🙂 Mittlerweile nehme ich sogar an einem Volkshochschulkurs teil, wo ich neue Menschen kennengerlernt habe, die auch diesen Traum haben. Und ich habe einen Gitarrenlehrer gefunden, von dem ich regelmäßig Unterricht bekomme und der auch super sympathisch ist und von dem ich bestimmt jede Menge lernen kann.

Durch das Gitarre spielen habe ich enorm an Konzentrationsfähigkeit zurück gewonnen und das ohne, dass ich es krampfhaft gewollt hätte. Es kam einfach so nämlich weil ich Spaß dabei empfand, glücklich war in diesen Momenten und meistens nur aufhörte weil mir meine Finger wehtaten. Schon in den ersten Monaten, wo ich zunächst nur für mich allein daheim übte, habe ich ich jede Menge gelernt. Mithilfe einiger Onlinevideos kann man schon richtig viel alleine auf die Beine stellen. Gleichzeitig wird man aktiv weil man plötzlich etwas hat was einen begeistert. Es hat mir also in vielerlei Hinsicht enorm viel gebracht.

Wieso, weshalb, warum?

Aber ich möchte in diesem Beitrag auch noch auf eine der beiden anderen Hausaufgaben eingehen. Nur eine Sache zu erledigen die ich meine machen zu müssen. Für einen Workaholic gepaart mit einem absoluten Perfektionsstreben gar nicht einfach. Plötzlich musste ich mich mit meinen Handlungen und den dazugehörigen Gedanken auseinander setzen. Seien wir doch mal ehrlich, wer denkt schon groß darüber nach, was er glaubt angeblich an einem Tag alles erledigen zu müssen? Wir nehmen vieles als so selbstverständlich hin. Positives wie aber auch negatives. Vieles machen wir einfach so, weil wir es so machen, weil man es uns so vorgelebt oder gelernt hat, wir nicht wüssten wie wir es anders machen sollten, weil wir meinen das irgendwer das von uns erwartet und weil es einfach nun mal so ist. Im besten Fall stellen wir uns Fragen wie „Wer soll es denn sonst machen, wenn nicht ich?“ und machen dann trotzdem alles von dem wir meinen, dass es zu erledigen gehört. Aber ist das wirklich so? MUSS ich das alles so machen? Wer sagt das eigentlich? Stört es jemanden wenn ich es nicht mache oder wenn ich es anders mache? Wenn es jemanden stört, ist es dann SEIN Problem oder mache ich es nur zu meinem Problem?

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Ein Beispiel: Meine Küche war immer blitzeblank! Kein dreckiges Geschirr was irgendwo rumstand, die Arbeitsflächen sauber und aufgeräumt – Muss so sein oder? Normalzustand, war halt schon immer so. Macht man doch so oder? Aber für wen eigentlich? Stört es MICH wirklich wenn hier und da mal etwas rumsteht? Stört es MICH wenn die Krümel vom Brotschneiden nicht gleich weggewischt werden? Eines Abends machte ich einfach nach dem Abendessen die Tür zu Küche zu nachdem meine Tochter und ich den Tisch abgeräumt und alles in Kühlschrank verräumt hatten. Ich machte einfach die Tür zu und setzte mich auf meine Couch. Was glaubt ihr was passiert ist? NICHTS! Nichts ist passiert. Kein Donnerschlag und keine erboste Stimme die sprach „Aber das macht man doch nicht!“ Das Geschirr stand da und es hat niemanden interessiert!

Ich meine damit nicht, dass jetzt jeder seine Wohnung im Dreck versinken lassen soll! Nein das nicht. Bei mir ist es trotzdem noch ordentlich. Aber ICH entscheide was ich an einem Tag mache und was nicht. Es muss nicht jeden Tag die Wohnung pikobello sein. Man MUSS nicht jeden zweiten Tag staubsaugen. Dreckige Wäsche KANN auch mal in der Wohnung rumliegen, benutztes Geschirr schimmelt nicht innerhalb von 24 Stunden und so weiter. Und das lässt sich genauso auf den Umgang mit einem eventuell vorhandenen Garten, dem waschen eines Autos usw. anwenden. Hat jemand daran wirklich Spaß, geht jemand darin wirklich völlig auf DANN soll er das machen! Ich werde hier niemandem etwas vorschreiben. ABER VIELLEICHT kann auch der eine oder andere von euch mal sein eigenes Handeln und das dazugehörige darüber DENKEN hinterfragen. FÜR MICH hat es funktioniert. Wenn ich es schätzen müsste, dann würde ich sagen, dass ich maximal pro Tag nur noch eine halbe Stunde in die normalen Haushaltstätigkeiten investiere. Es lebt sich einfacher und es ist irgendwie auch wie eine Art Befreiung wenn man sich von diesen Zwängen löst, die man im Grunde genommen nur sich selber auferlegt hat. Man muss „nur“ mal wirklich hinsehen, in sich hineinhören, seine Gefühle dabei wahrnehmen – wie so eine Art innere Kommunikation – „MUSS ICH DAS WIRKLICH SO TUN?“

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Schreibt mir gerne eure Gedanken dazu in den Kommentaren! 🙂

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt!

Anfang März war ich super optimistisch. Zwei meiner Hausaufgaben hatte ich ja schon gleich erledigt (In die Sauna gehen und mich mit einer Freundin treffen). Und auch die nächste Hausaufgabe lief richtig gut. Es begann wie ein ganz normaler Spaziergang meiner (wie ich sie immer nenne) Hof- und Wiesenrunde. Eine Strecke die ich ganz oft laufe, weil sie landschaftlich schön und auch ruhig ist und außerdem geht sie ein ganzes Stück an einem Fluss entlang. Und ich mag Wasser total gerne zum anschauen!!

Die Hausaufgabe bestand darin, beim spazieren gehen nicht nachzudenken! Kein Grübeln, aufkommende Gedanken am besten sofort wieder wegzuschicken. Sie bestand darin, den Moment einmal voll und ganz wahrnehmen. Man könnte auch den Begriff Achtsamkeit dafür verwenden. Sich nur auf das Hier und Jetzt fokussieren.

Also lief ich los. Das Wetter war schön, die Sonne schien und es wehte ein leichter Wind. Ich versuchte den Blick nicht nach unten auf den Boden zu richten, sondern nach oben in den Himmel oder rechts und links neben mir. Das war zeitweise gar nicht so einfach. Auch das mit dem „nicht nachdenken“ ist einfacher gesagt als getan. Ich ertappte mich immer wieder dabei, wie ich an irgendetwas dachte, aber es gelang mir zunehmend mehr mich auf den Moment einzulassen. Ich blieb ganz oft stehen, machte die Augen zu und atmete mehrmals die frische Luft tief ein und aus. Das tat richtig gut. Ich begann immer öfter zu lächeln und fühlte mich sehr wohl. An einer Baumallee blieb ich abermals stehen, schloss die Augen und lauschte. Der Wind in den Bäumen hörte sich mit etwas Phantasie wie Meeresrauschen an. Das war ein großartiger Moment! Nach dem Spaziergang war ich zwar kaputt, weil ich auch echt lange unterwegs war, aber ich war auch irgendwie zufrieden und innerlich ruhig.

Bilder von meiner Hof- und Wiesenrunde

Ich hatte den ganzen März und April über aber nicht nur schöne Momente. Hochs und Tiefs wechselten sich so gut wie immer ab. Hinzu kam, dass durch die von Corona getroffenen Maßnahmen, wie die andauernde Ausgangssperre und das Kontaktverbot, mich doch auch sehr belasteten. Man sah kaum noch jemanden draußen. Die Straßen waren total leer. So viele Geschäfte hatten geschlossen. Begegnete man vereinzelt Menschen beim spazieren gehen, dann machten sie einen riesigen Bogen um einen. Im Supermarkt fühlte es sich teilweise an wie Spießrutenlaufen. Jeder versuchte ja keinem anderen zu Nahe zu kommen. Es war eine wirklich krasse Umstellung für das private Leben von jetzt auf gleich. Ich empfand es anfangs als total befremdlich und ich kam mir öfters ziemlich ausgegrenzt vor. Ich wusste zwar, dass die Menschen keinen Bogen um mich als Person machten, sondern aus Angst vor der Krankheit, aber trotzdem empfand ich es als belastend. Ich hatte mich auch sehr auf den Besuch meiner Schwestern mit ihrer Familie über Osten gefreut, aber auch das kam durch die Kontaktbeschränkungen nicht zustande. Darüber war ich sehr sehr traurig.

Durch die Ausgangssperre und das Kontaktverbot konnte ich auch nicht wirklich an meinen Hausaufgaben weiterarbeiten. Keine netten Menschen treffen, kein Besuch im Tierpark, keinen Kaffee trinken gehen, nichts…. Mehr als spazieren gehen war nicht mehr drin. Und auch das durfte man ja nur in seiner unmittelbaren Umgebung. Es fühlte sich für mich ganz oft wie totaler Stillstand an und darüber war ich an vielen Tagen sehr verzweifelt. Beinahe täglich änderte sich meine Stimmung. Ich konnte mich quasi auf mich selbst nicht mehr verlassen. An manchen Tagen wusste ich gleich beim wachwerden, dass heute kein guter Tag wird. An anderen Tagen kamen diese Momente von jetzt auf gleich, scheinbar ohne jeglichen Grund.

Ich versuchte andere Beschäftigungen zu finden.

Ich bestellte mir ganz viele Pflanzen für meinen Garten über einen Online Händler und fing an in meinem Garten zu arbeiten. Ich hab Bete angelegt, Erde umgegraben, Sträucher und jede Menge Blumenzwiebeln gepflanzt. Außerdem besorgte ich mir einiges an Gemüsepflanzen. Ich habe Kartoffeln, Zucchini, Paprika und Tomaten in Kübeln angepflanzt. Außerdem noch ein paar Beerensträucher. Das war körperlich total anstrengend für mich. Es war wirklich richtig viel und die Arbeit daran schien gar kein Ende zu nehmen. Ich habe allein dafür mehrere Tage gebraucht.

Eines der Beete die ich neu angelegt hatte (für den vielen Buchs kann ich allerdings nichts)

Ich habe im Internet recherchiert, wie ich bei Fahrrädern die Bereifung (also Fahrradschlauch und Mantel) wechsle. Das hatte ich zuvor noch nie gemacht. Ich habe mir das entsprechende Equipment sowie neue Reifen online besorgt und dann schließlich auch mein Fahrrad wieder fahrbar gemacht. Das brauchte auch mehrere Tage, da ich immer wieder im Internet nach Videos gesucht und geschaut hatte, wie das eine oder andere gemacht wird. Aber am Ende hat es funktioniert.

Mein Fahrrad noch mit alten Reifen.

Ich habe angefangen Bücher zu lesen, was mir früher so gar keinen Spaß gebracht hatte und ich auch (gefühlt) nie wirklich Zeit dafür hatte. Aber jetzt bestellte ich mir Sachbücher über Burnout und Depression. Das lesen fiel mir in dieser Zeit nicht wirklich leicht, weil meine Konzentration und dadurch auch meine Auffassungsgabe ziemlich eingeschränkt waren. Das hat mich des Öfteren ziemlich frustriert, weil ich ja wollte, aber es nicht hinbekommen habe.

Ich habe immer wieder versucht Sport zu machen. Bis wenige Monate vor meiner Erkrankung habe ich eine ganze lange Zeit lang richtig viel Sport gemacht. Ich war an bis zu 6 Tagen die Woche im Fitnessstudio und war, was meine körperliche Veränderung anging, auf einem echt guten Weg. Aber schon ein paar Monate bevor ich dann krank wurde, wurde auch das immer mehr zur Belastung für mich und ich hatte auch keine „Kraft“ mehr dazu, weil ich mich schon zu der Zeit sehr schwach fühlte. Im März 2020 habe ich dann mit Yoga und Meditation angefangen und das war, und ist es auch heute noch, für mich eine absolut tolle Erfahrung. Ich hatte sogar über meine Krankenkasse einen Yoga Kurs gebucht, der dann aber wegen Corona nach der 3. Stunde abgesagt wurde. An schlechten Tagen hat mir Yoga und auch Meditation besonders gut getan. Durch die Fokussierung auf die Atmung, konnte ich das eine oder andere Tief erheblich mildern.

Das war der Raum wo mein Yoga Kurs stattfand

Meine eigene kleine Yoga Ecke in meinem Schlafzimmer

Ich habe in dieser Zeit meinen Kaffee Konsum drastisch reduziert und stattdessen gerne mal auch einen leckeren Tee getrunken (besonders gerne abends). Für mich war das eine totale Umstellung, denn ich habe früher jede Menge Kaffee über den ganzen Tag verteilt getrunken. Ich war ein richtiger Junkie! Jetzt trinke ich auch noch Kaffee, aber nur noch am Morgen. Dann aber in aller Regel gleich zwei große Tassen hintereinander – muss sich ja lohnen 🙂

Ja, und auch sonst war ich sehr fleißig! Ich versuchte auch in dieser Zeit meine Wohnung, die mit 4 Zimmern und einer Wohnfläche von 140 m² nicht gerade klein ist, wie früher auch akribisch sauber zu halten. Staubsaugen, Staubwischen, Wäsche waschen, Küche aufräumen, Betten machen, Bad putzen, Küchenschränke sauber halten (ich habe eine Küche mit Lackfronten – war nicht meine Idee) und all das was dazu gehört.

Und ich habe meinen Keller und meine Garage aufgeräumt. Ich glaube ich muss niemandem erzählen was allein das an Arbeit war.

Alles in Allem habe ich in diesen beiden Monaten verdammt viel gemacht! An Tagen wo es mir gut ging, habe ich voll zugeschlagen und kaum ein Ende gefunden. Meistens lag ich am darauffolgenden Tag dann natürlich flach, weil es einfach zu viel war und ich körperlich eigentlich schon nach kurzer Zeit kaputt war. An Tagen wo es mir gut ging, habe ich auch nie ein wirkliches Ende gefunden. Immer wieder entdeckte ich NOCH MEHR was es zu erledigen galt, immer wieder sagte ich mir „Das noch, und dann höre ich auf!“. Manchmal tat ich das dann auch, aber des Öfteren auch nicht, weil ich wieder noch etwas anderes fand und es „nur noch schnell“ erledigen wollte. Ganz oft saß ich abends da und konnte überhaupt nicht mit mir zufrieden sein. Es stellte sich kein wirkliches Erfolgserlebnis für mich ein. Selbst wenn ich einen Satz damit begann „Heute habe ich viel geschafft…“ kam gleich hinterher „…nur leider das nicht!“ Ich war mit meiner Leistung nicht zufrieden.

Mein Therapeut meinte in einer der währenddessen stattfindenden Sitzungen, dass ich viel zu viel mache. Selbst für einen körperlich und geistig gesunden Menschen wäre das schon richtig viel gewesen. Meine Hausaufgabe bestand darin, bis zur nächsten Sitzung alles pro Tag aufzuschreiben was ich gemacht habe und auch zu notieren wie ich mich dabei oder danach gefühlt habe. Er meinte, dass wir (Menschen) manchmal Dinge tun, weil wir meinen, wir müssen sie machen. Wie so eine Art ungeschriebenes Gesetz. Und das es auch einfach richtig viele Dinge gibt, wo sich gar kein Erfolgserlebnis einstellen kann. Das sind Dinge die in der Natur der Sache überhaupt niemals fertig werden. Dazu zählt zum Beispiel auch das saubermachen der Wohnung. Da gibt es kein wirkliches Ende. Man entdeckt immer in der nächste Ecke etwas, was noch nicht dem gedachten Ideal entspricht.

Also schrieb ich alles auf was ich pro Tag machte. Gefühlsmäßig war es tatsächlich ein ständiges auf und ab. An machen Tagen machte ich total viel und vermerkte aber trotzdem das ich mich nicht gut fühlte. An dem darauffolgenden Tag lag ich entweder ganz flach oder hab nur ein oder zwei Dinge erledigen können, weil ich für mehr viel zu kaputt war. Und an diesen Tagen war ich dann natürlich auch sehr frustriert.

Tagebucheintrag 17.04.2020

18 Uhr und ich bin total erledigt. Ich habe gefühlt heute wieder echt zu viel gemacht. Manchmal hab ich mich dabei sogar über mich selber geärgert. Zum Beispiel gleich am Vormittag: Ich wollte eigentlich nur in die Küche gehen um meine Medikamente zu nehmen. Stattdessen räume ich erst die Spülmaschine aus und wieder ein, wische alle Küchenflächen ab, wische den Backofen aus und spüle Gläser von Hand ab, weil die nicht mehr in die Spülmaschine gepasst haben. Danach habe ich noch den Futterplatz der Katzen sauber gemacht und ihnen Futter und frisches Wasser hingestellt und erst DANN habe ich meine Tabletten genommen. Ansonsten habe ich heute noch:

Wohnung aufgeräumt

Garage aufgeräumt

ich war einkaufen

mit Hanna zusammen ihr Fahrrad sauber gemacht

zum Wertstoffhof gefahren und Müll weggebracht

Und jetzt sitze ich hier, bin mega platt und versuche mir zu sagen „Gut gemacht Alex!“, „Super Alex!“, „Sei stolz auf dich Alex!“ und es funktioniert nicht wirklich. Morgen will ich unbedingt den Rasen mähen und Fahrrad fahren.

Tagebucheintrag 19.04.2020

Gestern war wieder schlimm! Ich habe sehr schlecht geschlafen. Ich träume zur Zeit fast jede Nacht und leider sind es keine guten Träume. Sie sind voller Gewalt…….

Gestern fiel es mir dann total schwer aufzustehen. Gegen 10 Uhr habe ich es geschafft und dann bin ich auch ziemlich gleich raus in den Garten, weil ich es mir ja vorgenommen hatte. Aber es war die reinste Qual. Normal macht mir Rasenmähnen echt Spaß, aber gestern war es echt schlimm. Danach war ich schon total fertig. Ich bin dann aber noch zum Wertstoffhof gefahren um den Rasenschnitt wegzubringen und hab dann noch ein paar Kleinigkeiten eingekauft. Danach konnte ich mich nur noch hinlegen. Ich war total kraftlos, ausgelaugt, innerlich total unruhig und auch meine Atmung war wieder total unregelmäßig. Und ich war wieder so sauer auf mich. Mit kotzt das einfach so sehr an! Mein Magen spinnt auch schon wieder seit zwei Wochen. Alles zum kotzen! Heute habe ich mir erst gar nichts vorgenommen. Ich bin nur faul. Ich kann es nicht ändern.

Wenn nichts mehr geht….

Das aufschreiben meiner Aktivitäten und meiner täglichen Stimmung hat mir sehr viel gebracht. Ich habe dadurch schon auch selbst erkannt, dass es zu viel war was ich mir zugemutet hatte. An dem Tag selbst habe ich es nicht so gesehen, aber wenn ich mir dann die Einträge von einer Woche durchlas wurde es auch mir klar. Wäre ich gesund gewesen, wäre das vielleicht noch in Ordnung gewesen, aber ich war krank! Aber es hat mir noch viel mehr gebracht. Ich habe diese Krankheit auch etwas mehr verstanden. Ich habe gemerkt, dass es nicht an mir als Mensch lag, dass ich mich so fühlte und auch das ich solche Gedanken hatte.

Für meinen Therapeuten war die nächste Hausaufgabe ganz klar! Ich durfte bis zur nächsten Sitzung nur noch eine Sache pro Tag mache die ich meine machen zu müssen und ich musste mindestens eine Sache pro Tag machen, die ganz allein für mich ist. „Was bringt Ihnen Spaß?“ fragte er mich. Und ich saß da und wusste nicht was ich sagen sollte. (Das hat mich auch Tage später noch beschäftigt. Ich wusste nichts was mir Spaß bringt…..) Ich sagte dann nach einer Weile „Sport, ….Yoga…..“ Und er meinte „Ja aber das machen sie ja schon immer mal wieder, und es bringt Ihnen zwar etwas, aber so richtig auch nicht!“ Hhhmm, da war guter Rat teuer. Ich konnte nichts benennen bei dem ich wirklich richtig Freude empfand, was mich glücklich machte, was mich die Zeit vergessen lies. Dann frage er mich „Was wollten Sie in ihrem Leben schon immer mal tun?“ Und ich antwortet wie aus der Pistole geschossen „Gitarre spielen können“ Und da was sie geboren, meine nächste Hausaufgabe!

Hat dir der Beitrag gefallen? Lass mir gerne einen Kommentar da! 🙂

Von der „Schwäche“ loszulassen

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Ich habe sehr lange gebraucht bis ich mir die Krankheit wirklich eingestanden habe. Ich wusste das ich krank bin, das habe ich jeden Tag aufs Neue körperlich wie geistig gespürt. Trotzdem wollte ich es mir noch nicht wirklich eingestehen. Ich konnte…. nein ich wollte es einfach für mich nicht akzeptieren. Etwas in mir sagte immer wieder „Du hast schon so viel erlebt, so viel überstanden, da haut dich doch DAS jetzt nicht um!“ Im Grunde genommen weiß ich heute, dass die Antwort schon zu einem großen Teil in dem Satz selber lag. Im Januar 2020 sah ich das aber (noch) nicht.

Am 28.01.2020 hatte ich meine bis dahin schlimmste Panikattacke. Eigentlich war es nur ein normaler Kontrolltermin bei meinem Frauenarzt. Jede Frau kann mir sicherlich nachempfinden, dass der jährliche Termin zur Krebsvorsorge nicht unbedingt zu den angenehmsten Terminen im Leben einer Frau gehört. Doch an diesem Tag hatte ich mitten in der Brustultraschalluntersuchung eine Panikattacke. Eine meiner absoluten Ängste ist es Krebs zu bekommen. Ich muss dazu sagen, dass ich 2012 bereits Hautkrebs hatte, der aber vollständig entfernt werden konnte und ich, nach mehr als fünf Jahren ohne Befund, mittlerweile als geheilt gelte. Trotzdem war seit diesem Erlebnis die Angst immer wieder da. Die größte Angst hatte ich jedoch davor Brustkrebs zu bekommen. An diesem Tag lag ich auf der Liege im Untersuchungszimmer, der Raum war abgedunkelt, ich hatte überall auf dem Oberkörper dieses glitschige Gel und ich starte auf einen großen Bildschirm der extra für die Patientinnen an der gegenüberliegenden Decke angebracht war. Rechte Brust, linke Brust, linke Achselhöhle, rechte Achselhöhle, Rippenbogen, und wieder rechte Brust, linke Brust, noch mal rechte Brust…. Es dauerte gefühlt schon eine halbe Ewigkeit und immer wieder ging er auf die rechte Brust, machte irgendwelche Messungen und sagte aber nichts. Ich schaute abwechselnd zu ihm hoch und wieder auf den großen Bildschirm. Ich fand das er irgendwie besorgt aussah. „War da was? Sieht er was auf den Bildern? Oh mein Gott!“ Und dann kam der Punkt an dem ich merkte wie mir plötzlich ganz heiß wurde. Also nicht warm, sondern richtig beinahe brennend heiß und ich merkte wie, von den Füßen ausgehend, sich wie so eine Art „Welle“ nach oben schob. Mein Herz schlug wie verrückt. Mir war so heiß. Ich konnte nicht mehr still liegen, wollte am liebsten aufstehen und weglaufen. Ich fing an mich mit den den Armen zu bewegen. Plötzlich schaute er mich erschrocken an und sagte: „Ach du jeh was ist denn mit ihnen los? Sie sind ja schweißnass!“ Ich sah ihn nur an und fragte „Alles in Ordnung?“ und er antworte „Ja, alles soweit in Ordnung!“ Ich erzählte ihm daraufhin was gerade mit mir passiert war. Er versuchte mich zu beruhigen, aber ich war durch. Ich war plötzlich sowas von erschöpft…. Ich kam heim und habe den restlichen Tag nur noch gelegen.

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Den ganzen Januar und Februar konnte ich die Krankheit einfach nicht für mich akzeptieren. Jedem anderen Menschen hätte ich diese Krankheit zugestanden. Nicht gewünscht, aber ich hätte mit Verständnis und Hilfestellung reagiert. Nicht aber mir selbst gegenüber. Ich habe im Januar und auch im Februar immer regelmäßig meine Arbeits-Emails gelesen und wenn der Sachverhalt einer Email, sagen wir mal „technisch kompliziert“ klang, dann habe ich kontrolliert ob deren Umsetzung korrekt erledigt wurde und war dies nicht der Fall, dann habe ich es korrigiert. Ich konnte nicht loslassen.

Krankgeschrieben war ich zunächst bis zum 31.01.2020. Das war ein Freitag. Ich hatte ernsthaft schon überlegt am darauf folgenden Montag wieder arbeiten zu gehen, aber letztendlich ging ich doch zu meiner Psychologin und wurde weiterhin krankgeschrieben. Zum Glück! Ein Telefonat mit einer lieben Kollegin meiner Abteilung machte mir in der darauffolgenden Woche dann auch klar, dass es die richtige Entscheidung war. Denn während ich mir daheim schlimme Selbstvorwürfe machte mit Gedanken wie „du kannst doch nicht alle hängen lassen“ oder „es gibt so vieles was nur ich weiß wie man es macht“, haben sich andere Menschen, die sich eigentlich hätten Gedanken machen müssen, überhaupt keine Gedanken gemacht.

Tagebucheintrag Dienstag 18.02.2020

Depression ist so ein Arschloch!!!! Heute bzw. gerade kotzt mich diese Krankheit wieder total an. Das sich immer alles anstrengend anfühlt, man sich immer wieder aufraffen muss. Diese Momente wo man nur dasitzt und ins Nichts starrt. Wenn man überlegt was man eigentlich gerade tun wollte. Einfach so vieles vergisst. Sich nicht mehr an das gelesene bzw. die letzten Seiten eines Buches erinnert. Wenn man nach den richtigen Worten sucht. Es ist einfach furchtbar wenn man so vieles – auch Dinge die man gern hat – tun möchte und es einfach nicht schafft. Immer müde. Immer kaputt. ich bin jetzt schon so lange zu Hause und ich bin immer nur kaputt. Ich möchte mich am liebsten nur noch ein mein Bett verkrümeln, Decke über den Kopf und schlafen!

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Ich hatte weiterhin alle 14 Tage, manchmal waren es auch drei Wochen, meine Gesprächstherapie und ich las sehr viel über das was mit mir los war. Beides verhalf mir zu der Erkenntnis, dass ich erst ein Burnout und im Anschluss daran dann eine Depression bekam. Diese Konstellation ist auch gar nicht so unüblich. Wenn man bedenkt, dass jemand der ein Burnout hatte weil er sich aus den unterschiedlichsten Gründen oder Umständen heraus einfach viel zu lange viel zu viel zugemutet hat, plötzlich „Schachmatt“ gesetzt wird, der stürzt ganz unweigerlich in ein Loch. Plötzlich wird einem der Boden unter den Füßen weggezogen und man steht vor dem (gedachten) Nichts. Und es machen sich Gefühle wie Hilflosigkeit, Angst, Wut und Gedanken wie „Du bist nutzlos!“ in einem breit.

Meine erste Hausaufgabe

Ja Hausaufgabe! 🙂

Meine erste Hausaufgabe von meinem Therapeuten bestand darin alleine in ein Café zu gehen und ganz in Ruhe einen Kaffee zu trinken. Klingt einfach? Für die meisten Menschen ist es das mit Sicherheit auch. Für mich war schon allein der Gedanke daran ganz furchtbar. Unter Menschen zu sein(!) und dann ganz allein (!) da sitzen. Was denken sich dann die anderen Menschen? „Schau mal die ist ganz allein, die hat niemanden und muss jetzt ganz allein hier sitzen!“ Ziel dieser Hausaufgabe sollte es sein mein Selbstwertgefühl und mein Selbstbewusstsein zu stärken. Ich sollte den Mut aufbringen, sozusagen über meinen Schatten springen, ich sollte die Stille und die gefühlten Blicke der anderen Menschen aushalten.

Am 21.02.2020 war es dann soweit. Ich habe mich getraut. Ich ging morgens in das Café eines Bäckers. Ich holte mir einen großen Cappuccino und dazu ein Käsebrötchen und später sogar noch einen Pfefferminztee. Ich war unglaublich stolz auf mich in diesem Moment. Ich saß zwar ganz hinten in einer Ecke, aber das war mir egal. Ich habe mich getraut! Es war auch richtig viel los. Einige Menschen frühstückten zu zweit, aber andere waren auch ganz allein dort. Eine Frau telefonierte die ganze Zeit. Ein älterer Mann las in seiner Zeitung und ein anderer Mann mittleren Alters tippte irgendetwas in seinen Laptop und trank immer wieder zwischendurch von seinem Kaffee. Und obwohl ich es vorher nicht dachte, fühlte es sich gar nicht so schlimm an, und ich fühlte mich auch gar nicht allein. Und was noch viel besser war: keiner schien auch nur Notiz von mir zu nehmen. Alle waren so mit sich selber beschäftigt und plötzlich war ICH diejenige die die Leute beobachtete. Ich war innerlich total ruhig und als ich ging wusste ich, dass ich das nicht zum ersten und letzten Mal gemacht habe.

Auch die nächsten Hausaufgaben gingen primär weiterhin darum mein Selbstbewusstsein und somit mein Selbstwertgefühl zu stärken. Das war nämlich ganz ganz klein! Auf die Frage hin, was mir denn so Spaß machen würde, konnte ich meinem Therapeuten in einer der nächsten Therapiestunden keine Antwort geben. Verrückt oder? Ich konnte nichts benennen, so rein aus dem Bauch heraus, was mir Spaß bringt. Also haben wir zusammen eine kleine Liste erarbeitet, die ich in den nächsten Wochen „abarbeiten“ sollte.

Folgende Dinge standen auf meiner Hausaufgabenliste:

  • in die Sauna fahren
  • spazieren gehen an einem Ort wo ich noch nicht war
  • am besten gleich morgens spazieren gehen
  • noch mal einen Kaffee trinken gehen
  • mich mit Freunden verabreden

Nach meinem ersten Erfolgserlebnis war ich sogar auch richtig davon überzeugt, dass ich diese Aufgaben alle schaffen würde. Ich freute mich sogar darauf! Am 12.03.2020 bin ich in eine Therme gefahren zum saunieren UND ich war vorher noch nie dort, kannte mich also überhaupt nicht aus. Es war ein großartiger Tag. Ich war fast den ganzen Tag dort, konnte mich sogar richtig entspannen und fühlte mich total wohl.

Am Tag darauf fuhr ich eine Arbeitskollegin besuchen, die zu diesem Zeitpunkt in Elternzeit war. Mit ihr hatte ich mich schon immer gut in der Arbeit verstanden und wir waren früher auch schon mal gemeinsam auf Konzerten. Auch dieser Tag war richtig schön. Wir konnten gut miteinander reden. In mein Tagebuch schrieb ich an diesem Abend:

Ich würde mir wünschen das wir richtig gute Freundinnen werden. Es ist schön sich mit ihr zu unterhalten und ich glaube es tat uns beiden gut. Sie ist wirklich eine ganz Liebe!

Insgesamt kann ich sagen, das es bis Mitte März 2020 gedauert hat, bis ich diese Krankheit wirklich für mich annehmen konnte. Es gab dafür keinen Tag X. Vielmehr war es so, dass ich irgendwann in dieser Zeit angefangen habe diese Krankheit auch als Chance wahrzunehmen. Ich merkte, dass es nichts nutzte wenn ich gegen sie und somit gegen mich ankämpfte. Irgendetwas wollte mein Körper und meine Seele mir mitteilen, und anstatt mir weiterhin „die Ohren zuzuhalten“, wollte ich jetzt hinhören. Die ganzen vielen letzten Wochen wollte ich mir diese „Schwäche“ nicht eingestehen. Ich wollte wie immer stark sein. Mein eigener Fels in der Brandung. So war es immer. Aber manchmal oder vielleicht auch öfters, ist loslassen keine „Schwäche“, sondern die eigentliche Stärke!

Als ich gerade anfing Hoffnung für mich zu gewinnen. Als ich gerade anfing ganz offen mit dieser Erkrankung umzugehen, mich ihr zu stellen, da passierte das, mit dem wohl nie jemand von uns gerechnet hatte! CORONA!

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Am 16.03.2020 wurde für Bayern der Notstand ausgerufen und ab dem 17.03.2020 stand hier das ganze öffentliche Leben plötzlich still. Konzerte und Veranstaltungen wurden in den vergangen Wochen schon alle abgesagt. Doch jetzt wurden auch zum Beispiel Kinos, Hotels und Fitnessstudios geschlossen. Restaurants durften nur noch bis 15 Uhr öffnen und es mussten Sicherheitsabstände eingehalten werden. Lebensmittelmärkte, Drogeriemärkte und Tankstellen hatten weiterhin ganz normal geöffnet, aber auch hier musste man Sicherheitsabstände von 1,5 m einhalten und durfte Geschäfte nur noch mit einer Mund- und Nasenmaske betreten. Die Menschen machten plötzlich einen großen Bogen um einen, man sah wie alle versuchten sich gegenseitig aus dem Weg zu gehen. Die Straßen waren plötzlich ganz leer. Ein paar Tage später, ab dem 21.03. galt für Bayern eine Ausgangssperre. Man durfte noch einkaufen gehen aber ansonsten lediglich zum spazieren gehen und für Sport im Freien durfte man das Haus verlassen. Baumärkte, Friseurgeschäfte, Tattoo Studios und auch die Gastronomie wurden komplett geschlossen.

Was zuvor für mich persönlich eine Notbremse war, war plötzlich für die ganze Gesellschaft eingetreten. Stillstand. Ich bin mir sicher, dass es sich für alle Menschen total befremdlich angefühlt hat. Für mich war es teilweise kaum auszuhalten. Aber darüber ein anderes Mal dann mehr!

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Die Suche nach dem eigenen ICH

Wow, das klingt schon ganz schön tiefgründig 😉

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Nach meinem letzten Beitrag haben mich ein paar private Nachrichten erreicht. Ich muss sagen, dass ich teilweise sehr gerührt war und auch das eine oder andere Tränchen bei mir gekullert ist. Am meisten war die Rede von großem Mut meinerseits. Ich muss gestehen, dass ich es auch mutig finde so einen Blog zu schreiben. Das soll nicht eingebildet klingen, auf gar keinen Fall. Aber mir ist klar, dass ich hier sehr persönliche Dinge von mir preisgebe und das es Menschen gibt, die mich auch im realen Leben kennen und die so einen großen Einblick in mein Leben bekommen. Für mich stellt genau das eine Herausforderung dar.

Ich möchte überhaupt nicht, dass mich jeder mag. Ich hatte noch nie den Anspruch das mich jeder mag. Und ich war in vielerlei Hinsicht auch nicht überrascht, wie mich meine Mitmenschen bisher wahrgenommen haben. „Diese Seite kenne ich gar nicht von dir!“ hieß es jetzt oft. Ja das weiß ich! Ich war auch immer sehr darauf bedacht nur das Nötigste (das was ich dafür hielt) von mir zu zeigen. „Gefühle zeigen, ist ein Zeichen von Schwäche“ war seit meiner Kindheit ein großes „Motto“ von mir. Und so bleibe ich lieber in gewisser Hinsicht als eine Art von hart, unnahbar, laut und taff im Kopf der Menschen. Ich bin das schon auch, aber eben „nur“ „auch“. Ich lache gerne, rede gerne und Menschen die ich mag habe ich gerne um mich. Ich glaube das ich loyal bin und das man sich auf mich verlassen kann. Tatsächlich ist es aber auch so, dass ich viele Menschen überhaupt nicht mag und dies dann auch nicht immer unbedingt verbergen kann. Und ich möchte das auch gar nicht. Ich lege überhaupt keinen Wert darauf das mich jeder mag! Und ich finde das auch absolut legitim.

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Ich konnte mich bisher nur ganz wenigen Menschen gegenüber öffnen, und ich finde dann oft auch nicht die richtigen Worte (denke ich jedenfalls). Mir fällt es unglaublich schwer Menschen zu vertrauen, denn das eine oder andere Mal wurde ich in dieser Hinsicht auch schon sehr enttäuscht (normal – ich weiß).

Jetzt darüber zu schreiben ist daher relativ neu für mich. Relativ, weil ich schon in meiner Kindheit angefangen hatte Tagebuch zu schreiben. Irgendwo mussten all diese Gedanken schon immer hin. Und wenn ich hier darüber schreibe, kann ich meine Worte mit Bedacht wählen. Im realen Leben neige ich dazu aufkommende Gedanken direkt auszusprechen 🙂 Das ist nicht immer von Vorteil. Den Vorsatz „Sage immer was du denkst“ – finde ich prinzipiell nicht schlecht, aber ist nicht immer so gut. Man tut dadurch auch mal schnell jemanden weh, obwohl man das (vielleicht) gar nicht wollte. Oder man sagt Dinge, die einem später leid tun und oftmals plappert man (ich) auch etwas aus, was man (ich) besser nur gedacht hätte. Auch ein Punkt an dem ich noch arbeiten möchte und definit für mich „Verbesserungspotential“ sehe 🙂

Das heißt jetzt aber nicht, dass ich hier jeden Satz tausendmal gegenlese und „korrekt“ rüberkommen möchte. Wenn jemand das was ich hier schreibe nicht mag, wäre es mir ehrlich gesagt auch ziemlich egal. Es kann jeder entscheiden was er mit seiner freien Zeit macht 🙂

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Mir ist auch klar, dass das was ich hier schreibe an manch einer Stelle auch mal – wie heißt es so schön – „nach hinten losgehen“ kann. Ich möchte ganz gewiss niemanden hiermit verletzen. Absolut nicht! Wenn ich das tue, dann tut es mir leid und war nicht von mir beabsichtigt.

Mir geht es hier auch nicht darum irgendjemanden an den Pranger zu stellen oder „dreckige Wäsche zu waschen“. Im Gegenteil, das wäre überhaupt nicht meine Art. Aber dennoch kann es vorkommen, dass ich bei dem einen oder anderen Beitrag Einblicke in meine Kindheit geben werde. Eine Kindheit wie ICH sie wahrgenommen habe und wie ICH sie empfunden habe. Das ist nur meine Perspektive! Ich habe aktuell nicht vor detailliert über meine Kindheit zu schreiben. Aber ich glaube, dass es gerade die Dinge in der Kindheit sind, die jeden Menschen prägen. Und daher wird es den einen oder anderen „Rückblick“ geben.

Wer bin ich denn nun eigentlich?

Ich weiß gar nicht, ob überhaupt ein Mensch das für sich so wirklich beantworten kann. Wenn Du während du das hier liest, dir diese Frage stellst: Was antwortest Du dir dann? Sagst du dann wie du heißt, was du beruflich machst, wo du wohnst oder herkommst. Das meine ich aber nicht. Wer bist DU? Was macht dich aus? Was bist du für ein Mensch? Ich glaube da müssen viele von uns dann erst einmal überlegen.

Antworten auf diese und andere „Lebensfragen“ erhoffte ich mir in der Psychotherapie zu finden. Anfang Januar 2020 beschrieb ich das mit den Worten „Ich möchte mit mir ins Reine kommen“ So steht es in meinem Tagebuch. Und: „Ich will verstehen, warum ich immer wieder in alte Verhaltensmuster verfalle und ich in bestimmten Situationen so reagiere wie ich reagiere. Und dann hoffe ich, dass ich das ändern kann.“ Auch stand (und steht auch jetzt noch) der Punkt „Männer“ ganz oben auf meiner „Baustellenliste“. Man musste kein Psychologe sein um zu erkennen, dass da bei mir in der Vergangenheit irgendetwas nicht in Ordnung war. Aber jetzt war ich fest dazu entschlossen all das mal anzugehen.

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Generell kann man sagen, dass der ganze Januar 2020 von zwei Gefühlsschwankungen geprägt war. Es war ein auf und ab von „ja das schaff ich“ und „was soll die ganze Scheiße“ (sorry). Ich setzte mich innerlich ganz oft, beinahe täglich, unter Druck. Ich wollte alles und das am besten gestern. Und wenn nicht gestern, dann wenigsten jetzt – sofort. Furchtbar. Das das nicht funktionieren konnte war mir aber zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht klar. Ich hatte an mich selber auch jetzt noch einen ungeheuren Anspruch und wollte das alles (ich) perfekt ist. Anderen Menschen konnte ich schon immer viel durchgehen lassen, aber an mich selber stellte ich unsagbar hohe Ansprüche. Ich war immer in Aktion, gönnte mir kaum Ruhe. Im beruflichen wie im privaten.

Auf Anraten meiner Psychologin nahm ich seit Anfang Januar Antidrepressiva. Vielleicht waren einige der Dinge die mir zu schaffen machten auch Nebenwirkungen dieser Tabletten, ich weiß es nicht. Ich war noch mehr müde als sonst, schlief aber in der Nacht sehr schlecht und hatte sehr oft Albträume. Tagsüber war ich sehr unruhig und körperlich sehr angespannt. Mein Kiefer tat extrem weh. Ich hatte sehr oft das Gefühl irgendwie „zu kurz zu atmen“ und ich hatte viel zu viele Gedanken in meinem Kopf die irgendwie total durcheinander waren und ich konnte sie nicht „ordnen“. Ich hatte das Gefühl nichts auf die Rehe zu bekommen. Ich schrieb mir „To-do-Listen“ für jede Woche und hoffte sie würden mich motivieren, aber größtenteils demotivierten sie mich, weil ich sie nicht schaffte „abzuarbeiten“.

Ende Januar 2020 – Meine erste Therapiestunde….

Puuhh was soll ich sagen. Ich war körperlich in diesem Momenten mega angespannt. Ich glaube beinahe jeder Muskel in meinem Körper war angespannt. Ich war nicht direkt nervös, aber irgendwie ängstlich. Ich wusste da ist jetzt gleich jemand (und dann auch noch ein Mann) dem du ja zumindest mal erzählen musst warum du jetzt hier bist. Gedankenlesen wäre toll, aber da das bisher noch niemand erfunden hat, müsste ich wohl einfach reden. „Einfach reden“…. ja das kann ich … nicht. Und so fing ich eigentlich gleich beim ersten Satz schon wieder an zu weinen.

In diesem ersten Gespräch kamen, auch durch viele Rückfragen seinerseits, eigentlich gleich alle Themen auf den Tisch. Ich fing mit den Problemen in der Arbeit an. Aber letztendlich redeten wir auch über Beziehungsprobleme, insbesondere über die letzte lange Beziehung die ich hatte und die mehr als schwierige Trennung, Und es kamen auch ein paar Kindheitsgeschichten zu Tage. Mir war klar, dass er sich in diesem ersten Termin sicherlich ein Bild vom „Großen/Ganzen“ machen wollte. Ich frage mich bis heute ob er bei den vielen Zeitsprüngen während meiner Erzählungen überhaupt durchgeblickt hat. Aber wahrscheinlich bringt das sein Job so mit sich. Während ich da saß in dem grünen Samtsessel und zumeist unter Tränen erzählte, war er total ruhig, machte sich viele Notizen und immer wieder schaute er mich an und sagte „Oh Gott. Das ist ja furchtbar!“. Ich weiß noch, dass ich mich wahnsinnig oft für das was ich ihm erzählte entschuldigte. So als ob mir das was ich ihm erzählte leid tun müsste und ich eine Art von Schuld in mir trage für all das was passiert ist. Heute weiß ich das das Quatsch war, aber damals… „Tut mir leid“ ich sagte ganz oft „Tut mir leid!“ in diesem ersten Gespräch.

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Er war wirklich toll! Er reagierte entgegen meiner damaligen Vermutung fast sanftmütig und total verständnisvoll. Damit hatte ich gar nicht gerechnet. Ich weiß nicht warum ich nicht damit rechnete. Ich glaube einfach, dass ich ein unglaublich schlechtes Bild von mir zu dieser Zeit hatte. Mein Selbstwertgefühl war gleich null!

Um einen Vergleich zu haben, hatte ich in den darauffolgenden zwei Wochen noch zwei weitere Termine bei anderen Therapeuten. Aber im Endeffekt habe ich mich dann für ihn entschieden, weil ich mir entgegen meiner Vermutung , bei ihm (als Mann) am wohlsten gefühlt habe. Diese Entscheidung kam rein aus dem Bauch heraus. Fachlich waren die anderen bestimmt auch toll, aber menschlich fühlte ich mich bei ihm am besten aufgehoben. Und das wollte ich – Ich wollte jemanden bei dem ich mich gut fühlen kann und der Verständnis für mich hat. Und ich glaube das ist in einer Psychotherapie das worauf es ankommt. Man braucht jemanden bei dem man sich gut fühlen kann.

Was hat das alles mit dem Titel dieses Beitrags „die Suche nach dem eigenen ICH“ zu tun. Weil ich genau auf dieser Suche war, und es auch heute noch zu großen Teilen bin. Ich versuche mich selbst zu finden!

Mehr dazu aber beim nächsten Mal!

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Einmal ab auf die Couch!

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Welche Couch? Also ich war bei drei Psychotherapeuten und keiner hatte eine Couch! Na toll! Wer hat sich das nur ausgedacht?… 🙂


Wenn man eine Psychotherapie anfangen möchte, ist es gar nicht mal so leicht einen Therapeuten zu finden. Bei mir hat es (nur) zwei Monate gedauert, bis ich meinen Therapeuten gefunden hatte. Andere suchen viel länger. Zudem macht einem die eigene Krankheit auch noch einen Strich durch die Rechnung. Man bekommt so schon nichts auf die Reihe, und soll sich dann mit so einer, für einen bis dahin unbekannten, Thematik beschäftigen.


Mit der Psychotherapie ist das so eine Sache. Ich wusste eigentlich überhaupt nicht was mich erwartet. Anfangs dachte ich auch hier wieder „der gibt dir jetzt Dinge zum abarbeiten und dann bist du wieder gesund.“ Rückwirkend betrachtend, mit einigen Monaten Therapie hinter mir, finde ich es schon ein wenig erschreckend in welchem „Modus“ ich damals unterwegs war. Ich war getrieben von rationaler Strebsamkeit, einem absoluten Perfektionsstreben, „auf Problem a folgt Lösung b“ Denken, alles zack zack, keine Zeit zum innehalten und durchschnaufen.

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Tatsächlich war ich überrascht, dass man in einer Verhaltenstherapie (wie ich sie mache) einfach „nur“ redet. Manchmal auch über ganz banale Dinge, wo man denkt „hää was hat das jetzt mit meinen Problemen zu tun?“ Die Sache ist – man weiß oftmals gar nicht, mit WAS man ein Problem hat. Klar, viele Probleme weiß man schon ganz klar zu benennen. Vieles hat man aber auch lange Zeit verdrängt, oder man dachte man ist schon darüber hinweg, wie so Art Schubladen die man zugemacht hat, und in die man niemals mehr reinschauen möchte bzw. wollte.

Aber andere Dinge hat man gar nicht so als Problem wahrgenommen. „Problem“ ist vielleicht auch nicht das richtige Wort. Eher Abläufe, bestimmte Szenarien die man immer auf die gleiche Art und Weise tut. Oder es sind bestimmte Ansichten / Denkmuster die man von Klein auf eingetrichtert bekommen hat, die man aber gar nicht in Frage gestellt hat weil „das ist eben so!“. Mitunter sind es dann aber Abläufe/ Denkmuster die einem nicht gut tun, aber man erkennt sie selber nicht. Und hierfür, wie auch für die real erkannten (aber teilweise aus den unterschiedlichsten Gründen verdrängten) Probleme hilft eine Psychotherapie.

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Ich habe mich ganz bewusst für eine Verhaltenstherapie entschieden. Eine Verhaltenstherapie basiert auf dem Prinzip, dass ungünstige Verhaltensweisen und Denkmuster erlernt wurden und demnach auch wieder verlernt werden können. In der Verhaltenstherapie ist man als Patient aktiv an seinem Heilungsprozess beteiligt, indem man neue Denk- und Verhaltensweisen einübt. Aber dazu muss man sie erst einmal erkennen und sich dann auch auf den Veränderungsprozess einlassen. Letzteres ist wie mit dem Kampf gegen einen inneren Schweinehundes zu vergleichen. So Mancher kennt dies schon aus diversen Abnehmversuchen oder dem immer wiederkehrenden Vorsatz sich mehr zu bewegen, weniger Süßes zu essen usw. Das ist wirklich schwierig und richtig harte Arbeit! Weniger Arbeit für den Körper, aber um so mehr für den Geist! Jeder der schon einmal wusste, dass etwas total ungesund ist – nehmen wir zum Beispiel das Thema rauchen – aber es dennoch immer wieder tut, weiß wovon ich spreche. Und genau so ist es mit schon immer gelebten Denk- und Verhaltensmustern wenn es um das Thema Psyche geht.

Wenn man es denn geschafft hat, sich für eine Psychotherapie zu entscheiden, mit dem festen Vorsatz, Wunsch und Willen dafür alles zu tun was nötig ist, auch wenn es vielleicht im ersten Moment unlogisch ist, DANN kommt der nächste Schritt.

Denk- und Verhaltensmuster erkennen – wie passiert das?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, denn es ist natürlich auch sehr individuell. In meinen nächsten Beiträgen würde ich euch gerne von meinen Veränderungen erzählen. Das ist natürlich sehr privat, aber ich finde es an dieser Stelle auch sehr wichtig. Von blanker Theorie hat noch nie jemand etwas gelernt und vielleicht hilft es der/dem einen oder anderen in seinem Leben auch seine persönlichen „Fallen“ zu entlarven.

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Nicht aufzugeben und sich immer wieder seinen Wunsch nach Veränderung ins Gedächtnis zu rufen hilft in Momenten, in denen man alles gegen die Wand fahren möchte. Rückschritte gibt es nicht. Rückschritte sind in Wirklichkeit immer nur Momente in denen man erkennt, dass man noch mehr tun muss, das man es vielleicht anders machen muss als wie man es schon versucht hat, die Perspektive zu ändern. Das klingt einfach geschrieben, aber ich weiß wovon ich spreche!

Wenn ich nach mehren Tagen oder Wochen an denen es mir gedacht schon wieder besser ging, auf einmal einen „Rückschlag“ hatte, dann fühlte sich das einfach nur furchtbar grausam an. Man glaubt noch gar nichts erreicht zu haben, vergräbt sich wieder im Bett, möchten keinen Menschen hören und sehen. Das ist wirklich nicht einfach. Man darf nicht vergessen, ich schreibe hier über eine psychische Erkrankung! Also keinen Normalzustand (wie auch immer der aussehen mag). Ein psychisch gesunder Mensch hat auch immer wieder Phasen in denen er sich kaputt und ausgelaugt fühlt. Das ist ganz normal. Für einen psychisch kranken Menschen ist das aber Dauerzustand! Und aus diesem Dauerzustand heraus eine persönliche Veränderung heraus zu vollziehen ist ein wirklicher Kraftakt – und das körperlich wie geistig.

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Nehmen wir zum Beispiel den schönen guten Ratschlag den Menschen mit psychischen Erkrankungen oft hören: „Geh einfach mal eine Runde raus spazieren. Die Sonne wird dir gut tun!“ Ja klar würde sie das. Das wissen psychisch kranke Menschen schon auch. Sie schaffen es aber oftmals körperlich nicht dies umzusetzen! In Gedanken wollen das die meisten, das ist überhaupt nicht das Ding! Sie wollen es, weil sie sich ihrer Erkrankung bewusst sind und nichts mehr wollen als wieder gesund sein.

Erinnert ihr euch noch an meinen letzten Beitrag, in dem ich schrieb, dass oftmals schon Zähneputzen und duschen eine absolute Herausforderung für mich waren, und das ich es an manchen Tagen noch nicht einmal vom Schlafanzug in den Jogginganzug geschafft habe? Kleine banale Dinge, die für einen psychisch gesunden Menschen überhaupt nicht erwähnenswert sind. Da denkt man gar nicht drüber nach! Für Menschen mit einer psychischen Erkrankung wie zum Beispiel einer Depression sind DAS schon mitunter Erfolgserlebnisse! Wie soll man da „einfach mal eine Runde draußen spazieren gehen“? Einfach ist nicht immer einfach. Allein bei diesem Beispiel spielt so vieles mit rein. Da ist nicht nur das umziehen in rausgehtaugliche Klamotten (damit meine ich nichts sonderlich schickes, sondern einfach nur nicht im Schlafanzug rauszugehen), vielleicht etwas Wasser ins Gesicht schütten, Zähne putzen und sich die Haare zu kämmen.

Man würde auch auf andere Menschen treffen! Für mich war das ein absolutes Problem. Ich hatte immer das Gefühl, dass mich alle Menschen denen ich begegnete anstarren und mir meine Krankheit ansehen, so als würde ein imaginäres Schild über mir schweben „ACHTUNG! PSYCHO!“. Der blanke Horror! Also vermied ich solche Aktivitäten auch weitestgehend, obwohl mir ein Spaziergang sicherlich gut getan hätte.

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Andere Sprüche die Menschen mit einer psychischen Erkrankung oft hören und die nicht besonders hilfreich sind:

„Stell dich nicht so an! Das ist nur so eine Phase!“

„Andere Menschen haben auch Probleme und machen nicht so ein Theater!“

„Burnout und Depression – dieser ganze neumodische Quatsch!“

„Das sieht man dir aber gar nicht an!“

„Du willst doch nur Aufmerksamkeit!“

„Letztens als ich dich gesehen habe, hast du doch noch gelacht. Du kannst doch gar keine Depression haben!“

An alle die selbst solche Sätze schon einmal gebracht haben (wobei solche Menschen wahrscheinlich nicht diesen Blog lesen) sei etwas gesagt: Ihr habt überhaupt gar keine Ahnung was ihr mit solchen Äußerungen alles bzw. was ihr noch mehr kaputt macht! Depression ist nämlich nicht nur eine einfache Traurigkeit. Depression stellt deine ganze Existenz in Frage. Sie gibt dir das Gefühl nichts wert zu sein und das niemand dich haben will und das dich kein Mensch braucht und versteht. Depression ist keine Stimmung. Sie ist ein Lebensgefühl. Deshalb lachen depressive Menschen auch, machen Witze und wirken unbekümmert oder sind sogar im Job erfolgreich. Unvergessen der Schauspieler Robin Williams. Fußballer (Torhüter) Robert Enke, der mit seinem Freitod das Thema Depression im Leistungssport enttabuisierte. Nirvana Frontman Kurt Cobain, US-Musiker und Soundgarden Sängers Chris Cornell und, ein Tod der mich auch schmerzlich sehr bewegt hat war, der Tod von Chester Bennigton – Frontmann und Sänger der Band Linkin Park. Wenn du also keine Ahnung von diesem Thema hast, sorry, aber dann halt einfach deine Fresse!

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Wenn ihr auch solche Sprüche gehört habt oder sie aktuell hört, dann lautet mein Rat: meidet solche Menschen! Meidet nicht alle Menschen, aber solche von denen ihr wisst (nicht denkt!) das sie so denken. Solche Sätze sind ein Zeichen von mangelndem Wissen, Desinteresse und/oder nicht zuletzt fehlender Empathie. Und da ihr momentan alle Kraftreserven für euch selber motivieren müsst, tut euch selber einen Gefallen, dreht euch um und geht. Alles andere kostet nur Kraft und Zeit – eure Kraft – eure Zeit. Ihr werdet irgendwann feststellen wie wunderbar befreiend es ist, sich nicht mehr mit diesen Menschen umgeben zu müssen! Das gleiche gilt für die Menschen, die immer gleich mit ihren Sorgen anfangen sobald man sagt „Mir geht es nicht gut!“ Solche Menschen plappern dann immer gleich drauf los, von ihren Problemen und auch das braucht ihr nicht! Ich meine damit nicht, dass man nicht für seine Freunde oder seine Familie da sein soll. Ich meine damit sogenannte „Energieräuber“ die nicht wirklich an euch, eurem Leben, euren Problemen ein Interesse haben. Ihr erkennt sie daran, dass diese Menschen sich NICHT von sich aus bei euch melden werden während ihr zum Beispiel krankgeschrieben seid. Später kommt dann „Ich wollte mich ja eigentlich auch melden, aber weißt du, bei mir war so viel los. Bla, bla, bla…“ Merkt ihr was? Wieder nur sie! Ab in die Tonne damit!

Das Leben ist schön und eine psychische Erkrankung kann auch der Start, die Möglichkeit in ein vollkommen neues und anderes Leben sein. Für aktuell Betroffene mag es unmöglich klingen, aber ALLES im Leben ist eine Chance! ALLES!


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Wo geht´s lang bitte?

Ein Wendepunkt – Was ist das überhaupt?

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Momente an dem man sich ganz genau bewusst ist, dass das eigene Leben oder das eigene Handeln nicht mehr so weitergehen kann bzw es nicht sollte wie bisher hatte schon jeder von uns. Eine schlimme aber überstandene Krankheit, die x-te Beziehung die gescheitert ist, anhaltender Frust im Job, Familiendramen usw. Ein jeder kennt das.

In solchen Momenten hat man meiner Meinung nach nur zwei Möglichkeiten zu reagieren. Ignorieren und weiter machen wie bisher, oder „Augen auf und durch“. Ja ich weiß, der Spruch heißt eigentlich „Augen zu und durch“. Aber auf dem Weg der bei dieser Möglichkeit vor einem liegt, sollte man besser hellwach und aufmerksam sein. Er ist zugegebenermaßen auch der schwierigere Weg von beidem. Einfacher ist es einfach so weiterzumachen wie bisher. Das tut einem zwar nicht gut, aber da kennt man sich aus und man weiß worauf man sich einlässt. Ich verurteile letzteres nicht! Ich habe selbst jahrelang danach gehandelt.

Also dann „Ärmel hochkrempeln und los“ oder etwa nicht?

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Tatsächlich war ich am Anfang meines Wendepunks noch energiegeladen. Von meiner Allgemeinärztin, bei der ich am 25. Oktober 2020 weinend saß, wurde ich erst einmal sechs Wochen krank geschrieben. Dieses Mal auch ohne Protest meinerseits. Ich sollte mich zunächst erst einmal nur ausruhen, nichts machen und sie verschrieb mir Beruhigungstabletten. Das ausruhen und nichts machen war aber gar nicht so einfach, und so verliefen die sechs Wochen insgesamt eher holprig und unkoordiniert. Ich versuchte viel damit es mir besser ging. Ich ging spazieren, versuchte wieder zum Sport zu gehen, habe angefangen Bücher zu lesen. Aber ich dachte auch sehr viel an die Arbeit und es ging mir überhaupt nicht gut bei diesen Gedanken. Ich kam mir manchmal vor wie in einem Film, habe agiert und reagiert, aber war nicht der Regisseur. Es ist schwer diesen Zustand zu beschreiben. Ich dachte immer noch, das ich jetzt nur so eine Art Liste abarbeiten müsste und war davon überzeugt, dass dann schon wieder alles in Ordnung sei.

Und so versuchte ich auch nach den sechs Wochen wieder arbeiten zu gehen. Ich nahm immer wieder einzelne Urlaubstage und versuchte in der Arbeit kürzer zu treten. Kurz vor Weihnachten hatte ich einen Termin bei einer Psychologin. Auch dort weinte ich und erzählte ihr Dinge, sie sprudelten förmlich aus mir heraus, an die ich schon lange nicht mehr gedacht hatte. Sie wusste einfach welche Fragen sie stellen musste. Insgesamt war es wirklich ein sehr gutes Gespräch! Ich war froh und sicher das dies eine richtige Entscheidung war. Andererseits fühlte ich mich danach aber auch echt schlecht. Sie führte mir „Baustellen“ vor Augen, die ich lange verdrängt hatte oder die ich für mich versucht hatte „schön zu reden“. Sie riet mir dringend davon ab momentan arbeiten zu gehen und meinte ich würde in einer schweren depressiven Episode sein.

Aber ich wusste es ja besser….

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Nach meinem Weihnachtsurlaub ging ich wieder ganz normal in die Arbeit. Die ersten Tage waren auch noch ganz okay. Viele meiner Kollegen waren noch im Urlaub und auch insgesamt war es in der Firma noch sehr ruhig.

Dann kam der 13. Januar 2020. Ich fuhr morgens ganz normal in die Arbeit, aber schon kurze Zeit später saß ich wie geistesabwesend auf mein Bürostuhl. Ich saß da, wusste ich müsste jetzt anfangen mit arbeiten, aber es ging nicht. Es ging einfach nicht. Ich hab mich umgeschaut, ins Nichts, und ich konnte NICHTS tun. Für jemanden der das nicht erlebt hat mag das unvorstellbar klingen. Aber es war tatsächlich so. Ich ging zu zwei Kolleginnen ins Büro im Stockwerk über mir und fing dort eigentlich gleich unmittelbar an zu weinen und sagte nur „Ich kann nicht!“ Sie waren wirklich lieb und redeten auf mich ein. Ich sollte doch heim gehen, das bringe doch nichts.

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Eine andere Kollegin begleitete mich dann schließlich auch ins Parkhaus zu meinem Auto. Ich fuhr direkt zu meiner Psychologin und seitdem bin ich bis heute krankgeschrieben.


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Ich hatte das Glück sehr schnell einen Psychotherapeuten zu finden. Für den sogenannten Konsiliarbericht (braucht man für den Beginn einer Psychotherapie) bescheinigte mir meine Psychologin:

„Es liegt eine an Intensität eher zunehmendes depressives Syndrom in Form von Antriebsschwäche, Überforderungsgefühl, Erschöpfungsgefühl, Affektlabilität, psychovegetativen Beschwerden, Ängsten über körperliche Gesundheit, Panikattacken, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Grübeln vor. Krankheitsaufrechterhaltend ist eine Überforderungssituation am Arbeitsplatz, zudem bestehen weitere psychosoziale Belastungsfaktoren. Diagnostisch liegt eine schwere depressive Episode sowie eine somatoforme autonome Funktionsstörung vor.“

Okay und jetzt?

Die nächsten Wochen / Monate hatte ich überhaupt keinen Plan mehr. Ich, die sonst immer ALLES managte, die immer perfekt organisiert war und die immer einen blöden Spruch auf den Lippen hatte, wusste plötzlich nicht mehr wie es weitergehen sollte. Tatsächlich ging mehrere Wochen so gut wie gar nichts. Weinen ging und schlafen ging auch. Ich war die erste Zeit so unfassbar müde und habe tatsächlich die meisten Zeit nur gelegen. Ich habe viel geweint. Manchmal wusste ich gar nicht warum.

Im Haushalt blieb das meiste liegen. Bestenfalls lag ich in Jogginghose auf der Couch, aber an vielen Tagen blieb ich einfach gleich den ganzen Tag im Schlafanzug.

Zähneputzen und Duschen stellte schon eine absolute Herausforderung dar und waren sehr oft alles, was ich an einem Tag geschafft habe. Meiner Tochter gegenüber hatte ich sehr oft ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht so für sie da sein konnte wie ich es wollte. Trotzdem waren das dann Momente in denen ich mich absolut versucht habe zusammenzureißen. Generell wollte ich wirklich viel tun und habe es auch immer wieder probiert. Ich glaube jeder der diese Krankheit hat oder hatte, weiß wovon ich spreche, aber es fällt wirklich schwer es in Worte zu fassen.

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Die Tage erscheinen so nutzlos. So unglaublich viele Gedanken und Gefühle im Kopf, das man denkt „dir platz gleich der Schädel“. Ein Gedanke führt zum Nächsten und letztendlich führt aber alles ins Nichts. Man sucht Antworten auf Fragen die man nicht wirklich kennt, man denkt und denkt ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Mitunter konnte ich die Gedanken gar nicht mehr klar ordnen, es wirkte größtenteils alles total durcheinander. Gequirltes Gedankenchaos übersäht mit viel zu vielen Gefühlen.

Und für mich das schlimmste daran war dieses Bewusstheit!

Ich war mir meiner Lage vollkommen bewusst! In jedem einzelnen Moment – Tag für Tag. Aber ich war unfähig irgendetwas daran zu ändern! Die Tage scheinen unendlich lang zu sein. Man fängt an einfach alles und jeden in Frage zu stellen, mitunter die eigene Existenz. Man fühlt sich kraftlos, nutzlos, überflüssig, unwichtig, dreckig und so viel mehr.

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Nachdem man viel zu lange alle Warnzeichen die einem der Körper gesetzt hat ignorierte hat, ist er auf null runtergefahren. Und das mit so einer Wucht, wie als würde jemand die Notbremse in einem Zug ziehen. Aber es ist genau das!

Eine Notbremse!

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Aber auch Weichen kann man ganz neu stellen….

Doch dazu ein anderes Mal mehr 🙂


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Einmal Reset zum mitnehmen bitte….

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Wie eine Entscheidung alles änderte…

Es ist der 24. Oktober 2019. Ich sitze in meinem super schick eingerichteten Büro. Ich hab es mir in all den vielen Jahren hier richtig gemütlich eingerichtet. Mein Büro hat so viele Pflanzen wie kaum ein anderes Büro. Große Fotoaufnahmen von den Traumstränden dieser Welt an den Wänden, ein Foto meiner Tochter welches an einem Ostseeurlaub entstanden ist steht auf meinem Tisch, bunte Kritzlereien von ihr als sie noch im Kindergarten war hängen an den Schränken. Richtig gemütlich, man soll sich ja wohl fühlen in der Arbeit. Schließlich bin ich die meiste Zeit des Tages dort. Da will ich´s ja schön haben! Seit fast 20 Jahren bin ich jetzt schon hier.

Aber auch heute fühle ich mich wieder nicht gut. Ich habe mal wieder schlecht geschlafen. Wie schon seit vielen Monaten schlafe ich keine Nacht mehr durch und finde abends im Bett keine Ruhe. Mein letzter Urlaub ist gerade erst vier Wochen her, aber ich bin total kaputt. Anders als die letzten Jahre, kam ich aus dem Urlaub und fühlte mich überhaupt nicht erholt. Seit Monaten plagten mich schon schlimme Magenschmerzen. Vor zwei Wochen erst hatte ich eine so schlimme Schmerzattacke hier in der Arbeit, dass meine Kolleginnen beinahe einen Krankenwagen rufen wollten. Und vor einer Woche hatte ich plötzlich einen Migräneanfall wie aus dem Nichts.

Ich wusste nicht was mit mir los war. Erst Anfang Juli war ich wegen meiner Beschwerde bei meiner Allgemeinärztin gewesen. Neben den damals schon auftretenden Symptomen hatte ich einen stark juckenden Hautausschlag an den äußeren Oberarmen, an den Schienbeinen und an den Oberschenkeln. Kein Allergietest brachte Aufklärung. Ihre mahnenden Worte „Könnte es sein, dass sie sich zu viel zugemutet haben in letzter Zeit?“ hab ich abgetan mit „Ich hab bald drei Wochen Urlaub. Dann kann ich ausruhen.“ Der Urlaub kam, die Erholung nicht. Und so sitze ich hier vier Wochen nach meinem Urlaub und weiß plötzlich nicht mehr weiter.

Gerade hat mich eine Kollegin wieder innerlich zur Weißglut gebracht. „Will sie nicht verstehen, dass ich das heute nicht mehr schaffe was sie mir gerade anschaffen wollte?“ frage ich mich. „Ich habe ihr doch gerade noch gesagt, dass ich sowieso schon nicht mehr weiß was ich als Erstes machen soll.“ Seit vielen vielen Monaten geht das nun schon so. Es ist schon lange keine Frage mehr OB etwas von meiner Arbeit hinten runter fällt. Aber alles reden und bitten hat seit Monaten nichts gebracht. „Ich habe kein Budget für eine Neueinstellung Fr. S“ war stets die typische Antwort meines Chefs.

Aber heute ist irgendetwas anders….

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Plötzlich ist mir eines klar „Du musst hier weg!“ Es ist fast so etwas wie eine innere Stimme die zu mir sagt „Pack deinen Kram ein und GEH! – JETZT – SOFORT!“ Und das mache ich dann auch. Wie ferngesteuert räume ich noch meinen Schreibtisch auf, es muss ja schließlich alles ordentlich sein – ich will mir ja nichts nachsagen lassen. Ich sage noch irgendetwas zu meiner Kollegin und dann gehe ich. – ICH GEHE EINFACH –

Ich saß im Anschluss über eine Stunde weinend im Auto. Ich war unfähig los zu fahren oder irgendetwas anderes zu tun. Wie ich nach Hause gekommen bin, weiß ich nicht mehr so genau. Aber mir war klar – „Morgen gehst du da nicht mehr hin!“

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Was dann folgte, und warum ich heute sage, das es mit das Beste war was mir jemals passiert ist…. Drei mal dürft ihr raten…..

Dazu ein anderes Mal mehr 🙂

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