„Damals“ und „Heute“

Es gibt Momente, da habe ich das Gefühl, es hätte sich nichts in den letzten ca. 1,5 Jahren seitdem ich krank geworden bin, geändert. Dann habe ich den Eindruck, ICH hätte mich nicht verändert, und das ich, und allgemein alles um mich herum, noch genau so ist wie damals.

Und dann gibt es aber auch wieder Momente, da habe ich das Gefühl ein vollkommen neuer Mensch zu sein. Als ob sich meine kleine Welt vollkommen verändert hat. Auf mentaler Ebene möchte man meinen, dass sich letzteres sehr viel besser anfühlt. Aber das tut es auch nicht immer. Es ist ungewohnt und manchmal macht es mir auch Angst.

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„Damals“ habe ich eigentlich nur noch funktioniert. Ich habe mich um alles und jeden gekümmert – nur nicht um mich. Aber das war mir selber gar nicht bewusst. Ich habe wie ein Roboter alles gemacht von dem ich dachte, dass es gemacht werden muss, und von dem ich annahm, dass andere es von mir erwarteten. Ich hatte gerne ein offenes Ohr für die Probleme und Sorgen Anderer, und suchte für sie nach Lösungen, Alternativen und Kompromissen. Ich war perfekt im Ratschläge geben. Ich habe das auch immer gerne gemacht, gab es mir doch das Gefühl wichtig zu sein und gebraucht zu werden. Ich habe ganz oft nach Bestätigung gesucht. Bestätigung dahingehend, dass ich spüren wollte das ich wertvoll bin, das ich für jemanden wichtig bin und ich in gewisser Weise eine Daseinsberechtigung habe. Aber innerlich, in mir drin…. innerlich war ich damals einfach nur noch leer. Aber darüber war ich mir damals nicht wirklich bewusst. Irgendwann glich einfach jeder Tag nur noch dem vorherigen – aufstehen – arbeiten – Haushalt – Kind – schlafen. Für mich „fühlte“ sich das „normal“ an. Wobei das Wort „fühlen“ hier wohl absolut deplatziert ist. Manchmal fragte ich mich innerlich schon „Ist das Alles?“.

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„Damals“ war ich die, die immer taff war. Die, die sich nichts hätte sagen lassen, die die scheinbar unbeirrt ihren Weg gegangen ist. Scheiß drauf was andere denken und sagen – „Ist mir doch egal!“ Alle Welt – und auch ich – sollten glauben, dass ich stark bin. „Nichts bringt mich so schnell ins wanken.“„Ich gegen den Rest der Welt“ Nichts und niemand sollte glauben, mir mit Worten und Taten weh tun zu können. Ich wollte in gewisser Weise unnahbar sein, oder zumindest spiegelte ich das durch mein Verhalten, durch meine Worte und meinem Auftreten wieder. Möglichst niemand sollte wissen wie es in mir aussieht. Jeder sollte nur das von mir zu sehen bekommen, was ich bereit war von mir zu zeigen. Insbesondere galt das für mich in der Arbeit.

Müsste ich die letzten Monate mit einem einzigen Wort beschreiben, dann wäre es wohl „Selbstreflexion“.

Selbstreflexion bezeichnet die Tätigkeit, über sich selbst nachzudenken. Das bedeutet, sein Denken, Fühlen und Handeln zu analysieren und zu hinterfragen mit dem Ziel, mehr über sich selbst herauszufinden. 

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„Heute“ weiß ich, dass mein „Damals“ größtenteils nur eine Art Schutzschild war. Ich habe über viele Jahre fast mühsam eine „unsichtbar Mauer“ um mich aufgebaut. Ich wollte und konnte einfach nicht zulassen das mir jemand wirklich nah kommt. Damit meine ich nicht die körperliche Nähe, sondern die gefühlsmäßige Nähe. Dahinter steckte einfach nur Angst! Angst die bei mir ganz existenziell war. Die Angst nicht angenommen zu werden, nicht gemocht zu werden, Angst zu versagen, Angst etwas falsch zu machen, Angst nicht zu genügen. Indirekt habe ich durch mein damaliges Verhalten nur verhindern wollen, das man mir weh tut. Also habe ich versucht niemandem zu zeigen wer und wie ich wirklich bin bzw. wer und wie ich auch sein kann – ich glaube ich wusste es damals irgendwann selber nicht mehr – und im Grunde habe ich mich damit selbst belogen. Ich habe mich im laufe der Zeit immer mehr distanziert. Distanziert zu anderen Menschen, aber in erster Linie zu mir selbst.

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„Heute“ ist diese unsichtbare Mauer für mich gefühlt fast gänzlich gefallen. Mein Leben und auch ich sind nicht mehr so „laut“ wie früher. Ich bin innerlich sehr ruhig geworden. Ich fühle mich mehr bei mir und glaube das ich endlich ICH bin. Ich bin zufrieden mit mir! Am Anfang dieses Weges hätte ich nie gedacht, dass ich das jemals über mich sagen würde! Allein nur dieser eine Satz:

ICH BIN ZUFRIEDEN MIT MIR!

Der fühlt sich so großartiger an.

„Heute“ ist mein „Schutzschild“ fast vollständig weg, und ich fühle mich oftmals verletzlicher als jemals zuvor. Es macht mich in gewisser Weise ja auch verletzlicher als jemals zuvor. Und das wiederum macht mir ehrlich gesagt sehr oft große Angst.

Ich habe erkannt, dass ich sehr viele tiefsitzende Muster, sogenannte Glaubenssätze habe. Und diese Glaubenssätze haben immer wieder mein Leben unbewusst bestimmt. Sie haben mich in den unterschiedlichsten Situationen auf die immer gleiche Weise reagieren und agieren lassen. Wie eine Art Programmierung die unterbewusst abgelaufen ist. Und diese Programmierungen gibt es auch heute noch. Aber heute bin ich mir ihrer (mehr) bewusst. Und damit einher geht ein gewisse Angst. Und diese Angst einfach da sein zu lassen, sie nicht überzubewerten und mich nicht in ihr zu verlieren…. das fällt mir sehr schwer.

„Heute“ bin ich immer noch auf Distanz zu anderen Menschen. Es ist aber eine andere Distanziertheit als früher. Ich schenke nicht mehr jedem und allem meine Aufmerksamkeit. Ich denke mehr an mich. Dadurch habe ich jetzt zwar noch weniger Menschen um mich herum, aber deren Qualität (wenn man es denn so bezeichnen möchte) ist eine Andere, eine Bessere. Manchmal ist weniger dann doch mehr.

„Heute“ fällt mir es mir immer noch sehr schwer auf neue Menschen zuzugehen. Und es fällt mir auch schwer den Kontakt zu neuen Menschen zu halten. Nicht weil ich es nicht will, ich weiß auch ehrlich gesagt gar nicht warum das so ist… Vielleicht bin ich zu sehr auf „Ich mach das allein“ gepolt.

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Mit den vielen Veränderungen die ich an mir festgestellt habe, ist aber auch eine neue Angst hinzugekommen. Ich habe Angst vor meinem alten ICH bzw. davor, dass es irgendwann wieder so sein könnte wie „damals“. Ich habe Angst in alte Verhaltensmuster zurück zu fallen. Ich habe Angst, dass ich noch einmal an so einen Punkt komme wie Mitte/Ende 2019. Davor habe ich wirklich furchtbare Angst. Und das ist eine richtige existenzielle Angst. Würde ich das noch einmal schaffen? Das sind dann sehr schlimme Momente für mich und ich merke, dass ich mich immer noch in solche Ängste reinsteigern kann und das es mir schwer fällt sie einfach auszuhalten.

Achte auf deine Gedanken! Sie sind der Anfang deiner Taten.

Chinesische Weisheit

„Heute“ hinterfrage ich, ob ich jemals wieder eine Beziehung habe kann bzw. ob ich das überhaupt möchte! Ich bin was dieses Thema angeht gefühlt noch kein Stück weiter gekommen. Manchmal denke ich, dass ich es möchte und das es doch eigentlich ganz schön wäre. Und andererseits spricht für mich zu viel dagegen. Aber auch hier spielt sicher wieder die Angst vor dem verletzt werden mit hinein. Ich weiß einfach nicht, ob ich einen Mann in mein Leben lassen kann, ob ich noch einmal einen Versuch starten soll. Aktuell macht mir das einfach zu viel Angst. Mein Therapeut macht es in fast jeder Therapiestunde zum Thema. Aber ich will mich dem irgendwie noch nicht so ganz stellen. Zu viele Fragen und Unsicherheiten. Insgeheim glaube ich, hatte ich immer eine sehr romantische Vorstellung von einer Beziehung. Diese Vorstellung konnte der Realität jedoch nie standhalten. Lag es an mir, an den anderen, daran das ich keine „Vorbilder“ hatte die es zu erreichen galt? Sicherlich auch davon von allem etwas. Fakt ist, ich war noch nie so lange Single wie ich es jetzt bin! Aber gerade fehlt mir auch nichts, ich vermisse nichts und die Argumente die dagegen sprechen sind einfach zu viele und zu „laut“ in meinem Kopf.

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„Damals“ hatte ich keinerlei Träume und Ziele für mich. Ich lebte eigentlich nur für die Arbeit und wenn ich nach Hause kam, dann wartete meine Tochter und der Haushalt auf mich. An den Wochenenden um den Garten kümmern, Rasen mähen, Müll zur Deponie fahren, einkaufen fahren, Haushalt schmeißen…. das habe ich als mein Leben definiert. Für alles andere, dachte ich, hätte ich schon mal die Zeit bzw. ich glaube ich kam größtenteils noch nicht einmal auf die Idee, dass da noch etwas anderes möglich wäre. Und ich glaube ich wusste noch nicht einmal so genau was „alles andere“ für mich überhaupt bedeutet.

„Heute“ habe ich schon sehr viele Sachen gefunden dir mir Freude bereiten. Manchmal fällt es mir fast schwer mich zwischen ihnen zu entscheiden 🙂 Ich habe zum ersten Mal auch Träume und Ideen die ganz allein MEIN Leben betreffen, die nur für MICH sind. Heute macht mir „nur“ ein Virus einen Strich durch die Rechnung. Ich glaube, ich wäre ansonsten auch schon in diesen Punkten um einiges weiter. Aber ich bin gespannt auf das was noch kommen wird und ich freue mich darauf.

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Ich weiß das ich noch so einige Entscheidungen treffen muss. Ich weiß, dass ich noch viele innere „Baustellen“ habe. Aber allein schon das ich mir dieser „Baustellen“ bewusst bin, fühlt sich schon sehr gut an. Nichts ist schlimmer als das, was man nicht benennen kann, was man aber permanent in sich spürt. Wahrscheinlich oder eventuell wird sich auch einiges nicht vollständig auflösen lassen. Aber „heute“ will ich versuchen mich auch der damit einhergehenden Angst zu stellen, mutig sein, aufgeschlossen und vor allem zuversichtlich.

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Alles ist vergänglich!

Die Idee zu diesem Beitrag kam mir bei dem Lesen eines Beitrags auf Instagram. Es ging in dem Post um gesellschaftlich anerkannte Schönheitsideale und dem Zwang und dem Druck diesen zu entsprechen und das so lange, bis rein gar nichts mehr von uns selbst und unserer Individualität übrig bleibt. Vornehmlich ging es bei dem Beitrag um Frauen, aber ich glaube, dass auch Männer heutzutage einem großen öffentlichen Druck diesbezüglich ausgesetzt sind. Der Beitrag machte mich nachdenklich und zugleich hinterfragte ich meine eigene Einstellung und Ansichten zu diesem Thema.

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An „Idealen“, oder daran ein „Ideal“ zu haben, finde ich grundsätzlich nichts verkehrt. Ganz individuell kann und sollte das meines Erachtens für den Einzelnen etwas rein Subjektives sein. Wenn allerdings ein „Ideal“ verallgemeinert wird und auf die Allgemeinheit „ausgerollt“ wird, finde ich es bedenklich.

Jede zweite Frau in Deutschland findet, dass ihre Schönheit dadurch bestimmt wird, wie Andere sie wahrnehmen.

Philipps Beauty Index, 2018

Zugegeben, 2018 ist nicht gerade gestern, aber was denkst du wenn du das liest? Ich fand es zum einen sehr erschreckend, und zum anderen habe ich mich in diesem Satz auch wiedergefunden. Leider…. Ich habe mich gefragt; Wie kommt es, dass in der heutigen Gegenwart die Perfektion des äußeren Erscheinungsbildes einen derartigen Stellenwert für uns hat? Was steckt noch dahinter?

Wer sagt eigentlich was schön ist?

„Schönheit liegt im Auge des Betrachters“ – Ich glaube jeder hat dieses Sprichwort schon einmal gehört. Und ich mag es wirklich! Denn es sagt eigentlich genau das für mich aus, wie es meiner Meinung nach sein sollte. Schönheit – oder das was jeder von uns als schön empfindet – sollte für jeden ganz individuell sein dürfen und jeder sollte es ganz individuell ausleben dürfen. Schönheit sollte nicht – von wem auch immer – vorgegeben werden. Und niemand sollte sich schlecht fühlen, weil er nicht jedem Trend oder irgendeinem vermeintlichem Ideal entspricht.

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In puncto Mode habe ich nie zu den Frauen gehört die irgendwelchen Trends hinterhergelaufen ist. Ehrlich gesagt fand und finde ich viele Modetrends einfach nur furchtbar schrecklich. Ich kann bzw. es fällt mir auch schwer zu glauben, dass Frauen die jeden Trend mitmachen WIRKLICH überzeugt davon sind und solche Klamotten tragen weil sie sie EHRLICH schön finden. Ich glaube der prozentuale Teil der Frauen die damit nur up-to-date sein wollen ist wesentlich höher als der, die sie ernsthaft schön finden. Ich finde auch nicht das es etwas mit Modebewusstsein zu tun hat, wenn man jeden Style mitnimmt. Im Gegenteil; ich neige dazu solchen Menschen zu unterstellen das sie gar kein eigenes Bewusstsein für Mode haben, weil sie einfach alles tragen was ihnen vorgegeben wird. Was denkst du?

Bis vor ca. ….. jetzt muss ich überlegen…. ungefähr vier bis fünf Jahren habe ich ab und an noch Absatzschuhe getragen. High Heels bewohnten zwar noch nie meinen Schuhschrank, aber das eine oder andere paar Pumps hatte ich schon. Optisch gesehen fand ich die schon echt schön, aber ich hab mich irgendwann gefragt warum ich meinen Füßen und somit mir das antue. Mir kann auch keine Frau erzählen, dass ihr die Füße in solchen Schuhen nicht nach unmittelbarer Zeit weh tun. Und wenn man sich dann noch die orthopädischen Gründe vor Augen führt (Instabilität der Füße und somit der ganzen Haltung, Verkürzung von Muskeln und Sehnen, Fehlstellung der Zehen etc.)… wofür? Dafür das es schön aussieht? Mal ganz ehrlich – ist das nicht ziemlich blöd? Bitte nicht falsch verstehen – ich sage damit nicht, dass Frauen die High Heels tragen blöd sind. Aber wenn man mal versucht es ganz objektiv zu sehen (was zugegebener Maßen nicht wirklich funktioniert, weil es immer etwas mit persönlichen Empfindungen zu tun hat), macht es doch überhaupt keinen Sinn etwas zu tragen, was einem gesundheitlich schadet. Aber zugegeben – das wäre ungefähr damit vergleichbar, wie wenn man einen Raucher fragt warum er raucht wenn er doch weiß, dass ihm das rauchen gesundheitlich schadet.

Klamotten technisch war schon immer eine Jeans mit T-Shirt und Sneakern meine bevorzugte Kleiderwahl. Apropos „Kleiderwahl“ – ich habe kein einziges Kleid in meinem Kleiderschrank. Auch keine Röcke oder irgendwelche „schicken“ Blusen, geschweige denn Business Outfits. Zu langweilig? Ja, sicherlich kann das auf den eine oder anderen langweilig wirken. Aber ICH mag es! Ich fühl mich darin wohl und darauf kommt es doch letztendlich an oder? Ich möchte mich und meinen Wert nicht über die Kleidung die ich trage definieren.

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Warum trifft mich diese Studie dann?

Ich glaube diese Studie trifft auch auf mich zu, weil ich immer noch ein sehr labiles Selbstwertgefühl habe. Auch wenn ich in puncto Mode schon viele Jahre meinen eigenen Weg gehe, so hinkt mein Selbstwertgefühl noch um Längen hinterher. Ich glaube das ich immer NOCH besser sein muss, mich NOCH mehr anstrengen muss, mir NOCH mehr Mühe geben sollte. Der Wunsch von anderen Menschen gemocht zu werden und mich dadurch besser zu fühlen ist sehr groß in mir. Und ich glaube auch in puncto Schönheit kann ich mich davon nicht ausnehmen. Das Denken wenn ich:

  • nur endlich abnehmen würde
  • einen schlanken und sportlich athletischen Körper hätte
  • coole Klamotten tragen würde
  • perfekt durchgestylt wäre

spiegelt im Grunde genommen eigentlich nur meinen Wunsch, dass man mich mag. Mehr noch, dass man gerne mit mir zusammen ist, dass man mich gerne um sich hat, gut von mir bei bzw. mit anderen spricht, in gewisser Weise auch zu mir aufsieht oder mich auch ein Stück weit bewundert. Ich kann mich also leider auch nicht ganz davon lossagen einem vermeintlichem Ideal entsprechen zu wollen.

Wenn ich wirklich innerlich davon überzeugt wäre, dass ich all das nicht bräuchte, dass ich all das nicht sein müsste um gemocht zu werden, würde ich mich nicht von Äußerlichkeiten oder anderen Menschen abhängig machen oder? Aber es geht noch weiter! Wenn ich ein wirklich gutes Selbstwertgefühl hätte, dann würde ich gar keinen Wert darauf legen von allen gemocht zu werden! Was bedeutet überhaut dieses „alle“? Wer sind überhaupt „die Anderen“? Kann man ernsthaft „alle anderen“ von sich überzeugen bzw. ernsthaft glauben das das geht?

Wenn es also heißt, dass jede zweite Frau ihre Schönheit dadurch bestimmt wie andere Menschen sie wahrnehmen, dann denke ich hat das größtenteils mit unglaublich viel Verunsicherung zu tun und mit ganz vielen Selbstzweifeln.

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Die Medien – Ursprung allen Übels

Nein so provokativ meine ich das gar nicht. Aber ein Fünkchen Wahrheit steckt für mich schon dahinter. Vollkommene Reizüberflutung. Informationen – wichtig oder unwichtig – wann immer, wo immer und so oft wie man meint sie haben zu wollen. Das gilt für Nachrichten aus aller Welt genauso wie für die neusten Trends in Sachen Schönheit, Mode, Sport etc.

Nun gehöre ich zu den Menschen, die schon ganz gerne die eine oder andere Stunde auf Instagram verbringen. Und insbesondere in solchen sozialen Netzwerken findet man immer mehr vermeintliche Perfektion. In der heutigen Gesellschaft tragen Modeschöpfer, Werbefachleute, Diätpillenhersteller, Kosmetikfirmen und Showstars zur Verkündung von Schönheitsidealen bei – und verdienen damit prächtig.

Als Influencer (von englisch to influence ‚beeinflussen‘) werden seit den 2000er Jahren Personen bezeichnet, die aufgrund ihrer starken Präsenz und ihres hohen Ansehens in sozialen Netzwerken als Träger für Werbung und Vermarktung in Frage kommen (sogenanntes Influencer-Marketing).

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Aber keine Sorgen – es folgt jetzt keine Moralpredigt von wegen Vorbildverhalten usw. Mir geht es nur darum aufzuzeigen, dass wir heute immer und überall über die neuesten Trends informiert werden und das uns vorgelebt wird, das wir nur dieses oder jenes bräuchten um perfekt zu sein. Wir erleben auch, dass heutzutage alles noch schneller vergänglich ist, als es das ohnehin schon ist. Wir jagen den immer neusten Information mit dem Wunsch (oder ist es eher Angst?) hinterher, ja nichts zu verpassen und leben in ständiger Verunsicherung schon morgen nicht mehr up-to-date zu sein. Ein Teufelskreis.

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„Es darf nicht immer die Aufgabe der Frauen sein, Lösungen zu finden für Probleme, die sich nicht verursachen, sondern deren Opfer sie sind. Stattdessen muss jeder Einzelne seine Vorurteile überprüfen (…) Die Gesellschaft muss lernen: Frauen dürfen so aussehen, wie sie nun einmal aussehen. Sie dürfen Haar, Fingernägel, Klamotten oder Make-up so tragen, wie es Ihnen gefällt.“

SZ Autorin Katrin Werner über Schönheitsideale und Karriere

Was mich am meisten umtreibt sind die vielen vermeintlichen Zwänge die wir Frauen uns tagtäglich aussetzen. Zum Teil sind es Zwänge denen wir uns selber auferlegen, zum anderen Teil sind es meiner Meinung nach aber auch gewisse „Anforderungen“ die an uns gestellt werden.

Zum Thema Aussehen fallen mir dazu zum Beispiele Folgende Dinge ein:

  • graue Haare scheinen bei Frauen ein absolutes Tabu zu sein
  • Frauen „dürfen“ nicht altern
  • Körperbehaarung bei Frauen – bitte nur auf dem Kopf
  • Kinder ja – Dehnungsstreifen & Co. bitte nicht
  • 90 – 60 – 90 bis ins Hohe Alter

Aber auch auf gesellschaftlicher Ebene stören mich viele Dinge:

  • Karriere? – Klar für die Quote!
  • Verhütung? – Frauensache
  • Frauen gelten als emotional – Männer als durchsetzungsstark
  • Menstruation? – bitte nur heimlich
  • Stillen? – Titten ja gerne immer und überall, aber nicht mit Baby dran

In Beziehungen erlebe ich es immer noch, dass Frauen sich unterordnen und viel gefallen lassen:

  • Frauen „müssen“ es aushalten wenn Männer neben ihnen schnarchen
  • Sex? Natürlich, immer!
  • Job – Haushalt – Kinder – für Frauen normal

Ich bin sicherlich keine Feministin im klassischen Sinne. Es ist für mich auch total okay wenn gewisse Geschlechterrollen in Beziehungen gelebt werden – vorausgesetzt es ist für beide okay. Wenn ich aber zum Beispiel in der Werbung sehe was wir Frauen uns alles in unsere Haare, in unser Gesicht und an unseren restlichen Körper schmieren, ölen, kleben sollen und es uns vermittelt wird, als wäre DAS ganz normal, dann finde ich es schon echt krank.

Ich bin immer wieder entsetzt darüber, wie Frauen von Männern (natürlich nicht von allen) scheinbar selbstverständlich als Freiwild angesehen werden, wenn sie es wagen in High Heels und Minikleidchen auf Partys zu gehen. Wie Männer auf der einen Seite es gerne sehen wenn ihre Frauen sich schick machen. Andererseits aber sich das Maul darüber zerreißen oder sich anmaßen über Frauen in eben diesen Outfits zu urteilen.

Wie kann es zum Beispiel sein, dass ein Politiker der sich noch 1997 gegen die Strafbarkeit der Vergewaltigung sofern sie in einer Ehe stattfindet aussprach, im Jahr 2021 als Parteivorsitzender einer Volkspartei kandidieren darf?

Ich bin schockiert das Frauen heutzutage immer noch dafür kämpfen müssen, dass sie allein darüber entscheiden was mit ihrem Körper passiert oder auch nicht. Am 22. Oktober 2020 ist zum Beispiel in Polen ein neues Gesetz in Kraft getreten, das es ungewollt Schwangeren fast gänzlich verbietet, ihre Schwangerschaft abzubrechen. In Deutschland werden Abtreibungen zwar unter bestimmten Voraussetzungen geduldet, sind aber gesetzlich als Straftat verankert. 

Sicherlich haben dich diese Satire Videos auch zum lachen gebracht oder? Aber ich denke die Botschaft dahinter wurde auch klar. Ich finde es wirklich schlimm, dass wir Frauen immer noch in einer von Männern dominierten Welt leben. Und ich finde es schlimm, das so selten jemand darüber spricht und es für alle okay zu sein scheint. Wird etwas besser wenn man darüber nicht spricht?

Wir können nur vermindert Einfluss nehmen auf das was im Außen passiert. Aber wir können Dinge und Menschen hinterfragen. Das gilt für Parteien und ihre politischen Programme genauso wie für irgendwelche Werbungen oder irgendein Z Promi der uns vorgaukelt, dass Produkt XY gut für uns ist. Ich finde das gerade wir Frauen jegliche von außen dargestellten Ideale hinterfragen sollten. Geht es dabei um uns, oder geht es in Wirklichkeit nur um Andere? Will nur irgendwer seinen Profit damit machen, sein Monopol oder seine Macht damit aufrecht erhalten?

Es sind nicht die paar Kilos zu viel auf der Wage, die Fältchen im Gesicht oder natürlich grau werdende Haare die für unsere Minderwertigkeitsgefühle verantwortlich sind. Unser Körper tut uns nichts! Er lebt sozusagen friedlich neben uns her. Wir sollten nicht zulassen, dass uns irgendwer etwas anderes darüber einredet! Sei wie du bist! Es ist Dein Leben, Dein Körper und allein Du solltest darüber entscheiden!

Schreib mir gerne Deine Meinung dazu!

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Wie die Zeit vergeht…

„viel zu schnell!“ wäre sicherlich meine Antwort gegen Ende des Jahres 2020 gewesen. Tatsächlich passierte (wahrscheinlich auch im Vergleich zu den Monaten zuvor) richtig viel in der Zeit von Oktober bis Dezember 2020.

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Der Oktober 2020 begann gleich am ersten Tag mit einer erneuten Sitzung bei meinem Therapeuten. Unsere Gespräche waren in den letzten Wochen recht locker geworden und wir redeten immer öfter über dies und das. Ich würde nicht direkt Small-Talk dazu sagen, aber oftmals waren es Dinge denen ich nicht wirklich einem therapeutischen Hintergrund zuordnen würde. Andererseits dachte ich mir aber auch, dass es ja auch ein gutes Zeichen sein könnte, wenn wir nicht mehr über die ganz so schweren Themen reden müssten. In diesem Termin erzählte ich ihm, dass meine Schwester und ihre Familie planen würden mich Ende Oktober für ein paar Tage zu besuchen, und dass ich etwas Angst bzw. etwas nervös deswegen wäre. Ich hatte meiner Schwester bis dahin nichts von meinem (diesem) Blog erzählt und ich hatte die Befürchtung, dass sie das hier geschriebene vielleicht falsch auffassen könnte, vielleicht sogar böse deswegen mit mir wäre, und im schlimmsten Fall sogar den Kontakt zu mir beenden könnte. Mein Therapeut wollte natürlich wissen woher diese Angst käme.

ich bin mir immer nicht so ganz sicher, wie meine Schwester unsere Kindheit erlebt hat. Wir haben bis heute nur ganz selten, und wenn dann nur kurz über einzelne Dinge gesprochen. So richtig wollte und möchte wohl keiner von uns beiden das Thema ansprechen. Ich kann das aber gut verstehen. Jeder hat seine eigene Wahrnehmung der Dinge, jeder erlebt Dinge anders, fühlt sie anders, verarbeitet sie anders und eigentlich möchte jeder auch gewisse Erlebnisse einfach vergessen und sie nicht wieder durch Gespräche ins Gedächtnis zurückholen. Das ist okay. Und so sagte ich es auch ungefähr meinem Therapeuten als er mich fragte, wie meine Schwester unsere Kindheit denn erlebt hätte. Er wollte auch wissen wie heute unser beider Kontakt zu unseren Eltern sei, und insbesondere wollte er von mir wissen, wie meine Gefühle gegenüber meinen Eltern aus heutiger Sicht wären.

”Für jede Handlung gibt es eine Konsequenz. Das Karma wird uns alle etwas lehren, egal ob wir es wollen oder nicht.”

Quelle: unbekannt

Sowohl meine Schwester als auch ich haben schon seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr zu unserer Mutter. Taggenau habe ich meine Mutter an meinem 18. Geburtstag das letzte Mal gesehen. Ich habe auch seit ca. 13 Jahren keinen Kontakt mehr zu unserem Vater. Meine Schwester hingegen telefoniert (wenn auch nur ganz selten) aber ab und an mit unserem Vater. Und ich weiß auch, dass er ihr in dem Sinne nicht egal ist. Das liegt mit Sicherheit auch daran, dass ihr Verhältnis zueinander doch eher etwas besser war. Ich will mir darüber aber kein Urteil erlauben, denn es wäre lediglich Spekulation.

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Ich weiß das es im ersten Moment hartherzig klingt, wenn ich sage, dass ich keinerlei Gefühle gegenüber meinen Eltern habe. Aber so ist es. Sie sind mir völlig gleichgültig. Es ist mir egal ob es ihnen gut oder schlecht geht, ich denke eigentlich auch nie an sie – weder an Geburtstagen noch an Feiertagen und ich vermisse sie auch nicht. Es gab viele viele Jahre da habe ich „Eltern“ vermisst, bzw. das was ich mit dem Wort „Eltern“ eigentlich verbinde. Sie als Personen habe ich hingegen nicht vermisst, denn in meinen Augen hat weder meine Mutter das Wort „Mutter“ noch mein Vater das Wort „Vater“ verdient. Auch das klingt jetzt sicherlich hartherzig für den einen oder anderen für euch. Aber alles hat seine Geschichte. Vielleicht schreibe ich auch eines Tages mal darüber, aber für heute möchte ich diese „Geister“ nicht „wecken“.

„Bevor du mich verurteilst, versuche mich zu lieben. Schau in dein Herz und frage dann: Hast du meine Kindheit gesehen?“

Michael Jackson

Auch meinem Therapeuten gegenüber äußerte ich diese Meinung. Aufgrund meiner Vorgeschichte konnte er sie absolut nachvollziehen. Die Frage die er mir dann jedoch stellte, und die damit einhergehende Hausaufgabe, brachte mich dann aber doch noch Tage danach zum nachdenken.

„Wie würden die Grabsteine ihrer Eltern aussehen und was für einen Text würden sie drauf schreiben lassen?“

Klar, das ich darauf nicht sofort eine Antwort wusste. Aber im laufe der nächsten Tage wurde mir auch klar, dass es eines Tages vielleicht um solche Fragen gehen könnte.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich bis heute keine 100 %ige Antwort weiß. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich ihnen beiden in irgendeiner Art und Weise etwas „schuldig“ wäre, und dass ich ihnen, bis auf meine biologische Entstehung, nichts zu verdanken habe. Wenn ich es also alleine zu entscheiden hätte, dann würde es wohl für beide – weder für meine Mutter noch für meinen Vater – einen Grabstein geben, so dass sich eine etwaige Gravur erübrigen würde. Was sollte ich auch drauf schreiben? Ich habe ihnen nicht wirklich etwas zu sagen. Ich brauche auch keinen Ort zum trauern oder einen Ort um in liebevollen Erinnerungen zu schwelgen. Ein anonymes Grab auf irgendeiner Wiese auf irgendeinem Friedhof – das wäre sicherlich für meine Mutter die richtige Wahl. Meinen Vater würden meine Schwester und ich sicherlich (wenn überhaupt möglich) in unmittelbarer Nähe zum Grab seiner Mutter beerdigen. Sollte meine Schwester diese Entscheidung treffen, würde ich sie mittragen. „Ruhe in Frieden“ – das würde wohl auf dem Stein stehen. Für meinen Vater empfinde ich allerhöchstens Mitleid, daher würde ich ihm seinen Frieden damit geben.

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Was soll ich denn auf einer Reha?

Bereits im Sommer 2020 hatte ich von meiner Krankenkasse die Aufforderung bekommen einen Reha Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung zu stellen. Als Frist für die Antragseinreichung nannte man mir damals den 2. November. Würde ich den Antrag nicht fristgemäß stellen, so würde ich ab dem 2. November kein Krankengeld mehr bekommen. Ich war über diese „Aufforderung“ zunächst gar nicht sonderlich erfreut. Diejenigen von euch die schon einmal einen Reha Antrag stellen mussten wissen sicherlich noch, das das nicht nur ein kleiner Zettel zum ausfüllen ist. Ich fühlte mich im Sommer mit so viel Bürokratie noch total überfordert. Ich habe immer mal wieder etwas eingetragen und mich um das ein oder andere gekümmert (Arztbefunde etc.), aber letztendlich habe ich bis Ende Oktober gebraucht um wirklich alle Seiten dieses Antrags auszufüllen. Hinzu kam, dass mir im Sommer der Gedanke an eine Reha überhaupt nicht gefiel. Vor meinem geistigen Auge schwirrten so Bilder von Gruppentherapien, in der jeder sein Leid klagen muss und viel zu viele neue fremde Menschen auf die ich mich einstellen müsste. Das war gar nicht meins. Aber um den Krankengeldbezug nicht zu gefährden, musste ich den Antrag wohl stellen. Prompt drei Wochen später erhielt ich auch schon die Genehmigung von der Deutschen Rentenversicherung für 5 Wochen Reha, und kurz darauf meldete sich auch die Reha Einrichtung und teilte mir meinen Aufnahmetermin mit. Es lag auch ein kleines Prospekt dabei, was dort alles angeboten wird. Gleich ins Auge ist mir „therapeutisches Boxen“ gefallen. Das klang toll. Boxen könnte ich mir gut für mich vorstellen! Zum einen finde ich es schon sehr interessant und zum anderen könnte ich es mir sehr gut als emotionalen Ausgleich für mich vorstellen. Gerade wenn man sich innerlich angespannt fühlt oder nicht weiß wohin mit seinen Emotionen oder Gefühlen. Das könnte was für mich sein…. Nicht so begeistert war ich dagegen als ich „Tanztherapie“ las. Neeeee das ist nix für mich! 🙂 Aber dort wird auch Yoga angeboten und es gibt ein Schwimmbad mit Sauna. Alles in allen klang das schon alles recht gut und mittlerweile freue ich mich schon sehr darauf! 🙂 Aber ich bin auch echt nervös! Ich war noch nie so lange von daheim weg!

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Mein neues Tattoo!!

Wochen – nein Monate habe ich mir Gedanken zu diesem Tattoo gemacht! Und am 13. Oktober 2020 war es soweit – ich hatte meinen Termin im Tattoo Studio. Ich weiß gar nicht mehr wie viele Entwürfe es gab! Ich habe so viele schöne Ideen gefunden. Einzeln für sich gesehen hat mir vieles gefallen. Aber mit der letztendlichen Entscheidung bin ich mehr als glücklich! Aus vier Bildern hab ich dieses Tattoo „gebastelt“ und es bedeutet mir unglaublich viel!

Sooo happy mit meinem neuen Tattoo!!

Alles fing mit dem Wort „Breathe“ an! In all den letzten Monaten habe ich gemerkt wie wichtig die richtige Atmung ist und wie viel man allein über die Atmung regulieren kann. Nicht zuletzt steht „Breathe“ für „LEBEN“.

Die Lotusblüte hat in der buddhistischen Religion eine entscheidende Bedeutung. Vor allem der grundlegende spirituelle Hintergrund der Lotuspflanze besteht darin, dass diese sich aus dem schmutzigen, morastigen Untergrund – dem Erdreich -, erhebt und trotz allem eine mit der wundervollsten Blüten ausbildet, die die Flora zu bieten hat. Übertragen auf den Menschen bedeutet dies, dass aus den widrigsten Umständen trotz allem bewusst sich etwas Gutes oder Positives entwickeln kann.

Quelle: Internet

In vergangen Beiträgen habe ich ja auch bereits schon erwähnt, dass mir in den letzten Monaten Yoga und Meditation unglaublich viel gebracht hat. Auch das wollte ich in diesem Tattoo festhalten.

Die drum herum fliegenden Vögel symbolisieren für mich „Freiheit“ und „Neubeginn“. Sie umfliegen das ganze Tattoo und enden auf der Vorderseite meines Unterarms am Handgelenksknochen (sieht man auf dem Foto leider nicht).

Alles in allem möchte ich mich durch dieses Tattoo immer an diese Zeit zurück erinnern, aber nicht im schlechten, sondern im Guten. Es soll mich daran erinnern wie es war, wo ich nicht mehr hin möchte und was ich alles schaffen kann.


Zurück zum Job!

Ein lieber Willkommensgruß meiner Kolleginnen

Am 5. November war es dann soweit – Meine Wiedereingliederung begann. Und das mitten im Lockdown. Ich war wahnsinnig nervös! Bevor ich an diesem Tag aus dem Auto stieg, saß ich erst einmal noch eine kleine gefühlte Ewigkeit im Auto im Parkhaus meiner Firma. „Was sie wohl sagen werden?“„Was wenn ich das jetzt nicht packe?“ „Ist jemand böse auf mich?“ Viele „wunderbare“ Gedanken schossen mir durch den Kopf. Irgendwann stieg ich einfach aus und lief langsam rein.

In meinem (neuen) Büro wartete dann auch schon meine liebe Kollegin Andrea auf mich und nahm mich ganz herzlich in Empfang. Auf meinem Platz standen ein paar Blumenpflanzen, ein paar entspannende Teesorten und eine Karte mit lieben Worten meiner Kolleginnen. Das hat mich wirklich sehr gefreut!!! Mulmig war´s mir trotzdem etwas. Es fühlte sich so ungewohnt an, so als wäre ich schon ewig nicht mehr hier gewesen (stimmte ja auch) und auch irgendwie als gehöre ich nicht hier her. Schon bald kamen andere Kolleginnen und begrüßten mich. Alle freuten sich – alle waren super lieb! Nach vier Stunden war mein erster Tag geschafft. Und ich war es auch! Ich war sehr froh, dass es zu Beginn nur ein Tag pro Woche war, den ich arbeiten gehen musste.

An meinem zweiten (Wiedereingliederungs-) Arbeitstag hatte ich ein Gespräch mit meinem Chef. Ich hatte mir im Vorfeld ein wenig meine Gedanken gemacht, was ich ihm auf jeden Fall sagen wollte. Ich hatte allerdings aber auch schon im Vorfeld nicht zu viel von diesem Gespräch erwartet, und wie sich herausstellte, war das auch gut so.

Die ersten zehn Minuten von unserem Gespräch waren auch noch ganz in Ordnung. Bissl Small-Talk halt. Er wollte wissen wie das Jahr so für mich war und wie er sich das vorstellen muss. Er sagte dann auch, dass ich erst einmal in Ruhe ankommen soll…. aber dann…. dann haute er auf einmal raus:

„Ihr Perfektionsstreben war der Auslöser für ihre Krankheit und das sie nichts abgeben wollten!“

(Während er das sagte machte er so „Klammergeste“, in dem er beide Arme vor seinem Oberkörper verschränkte, fast so als würde er sich umarmen.)

– Bäähm –

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Ich hab echt gedacht „Jetzt hackt´s!“. Ich hab dann noch einmal nachgefragt ob ich das jetzt gerade richtig verstanden habe. Und er antwortete, dass ich selber Schuld an meiner Erkrankung gewesen sei. In den letzten Monaten hätte er gemerkt, dass es ja gar nicht so viel Arbeit sein kann, denn schließlich hätten meine Kolleginnen nicht sonderlich viele Überstunden gemacht. Außerdem sagte er mir, dass er erwartet, dass ich meinen Job wieder so übernehme wie er war. Die Krönung war dann noch als er meinte, dass wir sowieso überbesetzt sind, und das er ohnehin eine Stelle streichen müsste.

Daraufhin habe ich ihn dann ganz direkt gefragt, ob er mich in eine andere Abteilung stecken will oder wie ich das jetzt verstehen soll. „Nein, ich brauche ihr Wissen.“ war seine Antwort. Fakt wäre für ihn, dass wir eine Personalstelle zu viel hätten.

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– Bäähm –

Ich hab mich gefühlt wie in einem falschen Film. Ich konnte das gar nicht richtig glauben was ich da gerade gehört hatte. Ich war teils geschockt, teils wütend und ich hab im ersten Moment überlegt ob ich dazu jetzt wirklich etwas sagen soll oder ob ich einfach aufstehen und gehen soll. Aber dann habe ich mich an so vieles erinnert was ich in den vergangenen Monaten erlebt und gelernt habe. Ich schaute kurz auf den Boden, machte meine Augen zu und atmete einmal tief ein und aus.

Dann hab ich gemeint, dass ich es jetzt schon echt heftig fände, das er mir an meinem zweiten Tag der Wiedereingliederung um die Ohren haut, ich wäre selber Schuld an meiner Erkrankung. Außerdem seien mir seine Budgetzahlen echt total egal. Ich habe ihm außerdem gesagt, das ich es nicht zulassen werde, dass es mir irgendwann noch einmal so geht wie Anfang 2020, dass ich niemandem diese Erkrankung wünsche, und das ich alles mir erdenkliche und gesetzlich mögliche tun werde, damit es soweit niemals wieder kommt. Schließlich hätte er als Arbeitgeber eine gewisse Fürsorgepflicht gegenüber seinen Mitarbeitern. Solche Äußerungen, so sagte ich ihm, vor allem mit dem Hintergrund das ich jetzt schon die dritte seiner direkt unterstellten Mitarbeiterinnen mit einer psychischen Erkrankung innerhalb kürzester Zeit bin, schon absolut fragwürdig fände.

– Bäähm Bäähm-

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Mann könnte jetzt meinen, dass ich bei dem was ich sagte recht laut und aggressiv war. Aber, und das hat mich selber am meisten überrascht, ich war total ruhig! Alles was ich sagte, sagte ich in einem ganz klaren ruhigen aber sehr bestimmten Ton. Und dabei sah ich ihm in die Augen!

Den Rest des Gesprächs kann ich ganz kurz zusammenfassen. Er ruderte sehr in seinen Worten und in seiner Wortwahl zurück. Ich sah ihm an, dass er mit einer solchen Reaktion nicht gerechnet hatte, und ich glaube er wusste in diesem Moment ganz genau, dass ich mir so etwas nicht mehr gefallen lasse.

Auch im Nachhinein war ich sehr froh über meine Art der Reaktion. Ich war froh und stolz auf mich, dass ich ihm alles sagte was ich in dem Moment dachte und auch über die Art und Weise wie ich es ihm sagte. Früher wäre ich wahrscheinlich so dermaßen geschockt und irritiert gewesen, dass ich in dem Moment gar nichts gesagt hätte. Im Nachhinein wären mir dann sicherlich viele schlaue Antworten eingefallen und ich hätte mich geärgert sie nicht gesagt zu haben. Aber so war die Situation für mich okay. Auch wenn es vielleicht nicht so ganz nachvollziehbar für den einen oder andere ist, aber ich bin meinem Chef noch nicht einmal böse. Ich hatte mich nicht wirklich auf ein verständnisvolles und positives Gespräch eingestellt. Und andererseits hatte ich aber alles gesagt was ich sagen wollte. Für mich blieb somit nichts ungesagt und das hat MIR gereicht. Für mich war dieses Gespräch irgendwie auch wie ein finaler Schlussstrich unter dem was früher war. ICH hab für meinen Teil meinen Frieden damit gemacht. Der Rest – ist mir egal.

„Wenn du weißt was du nicht mehr willst bist du schon ein ganzes Stück weiter!“


Immer der Reihe nach…

Um in einer gewissen Chronologie meiner Entwicklung zu bleiben, werde ich in meinem heutigen Beitrag noch einmal zurück gehen auf das Jahr 2020. Genauer gesagt auf die Monate August und September. Viel Spaß beim lesen….

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Anfang August 2020 war ich gefühlsmäßig etwas ins Ungleichgewicht geraten. Es gab keinen genauen Grund oder Auslöser, aber mich trieben unzählige Fragen um. Und diese Fragen riefen zugleich gute, aber auch unangenehme, irgendwie auch traurige Gefühle in mir hervor. Ich hatte große Angst davor wieder in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Obwohl zu diesem Zeitpunkt eigentlich nichts dafür sprach, hatte ich Angst, dass wieder alles über mich einbrechen könnte, ich mich wieder vernachlässige und dass ich wieder nur funktionieren würde. Gedanken, dass alles was ich bisher in den letzten Monaten erreicht hatte umsonst sein könnte, und sich meine Fortschritte quasi in Luft auflösen würden. Andererseits war da aber auch dieses Gefühl „so nah dran“ wie noch nie zu sein, und dieses hin und her der Gedanken glich wieder einmal einer Achterbahnfahrt.

Fragen wie:

* Warum bin ich so wie ich bin?

*Warum mache ich immer wieder die gleichen Fehler obwohl ich weiß das es „nicht richtig“ ist?

*Warum fällt es mir so schwer jemanden zu vertrauen?

*Warum wirke ich nach außen eher laut, stark und mutig und fühle mich aber selber immer klein und ängstlich?

*Warum lasse ich niemanden wirklich richtig nah an mich heran und baue unsichtbare Mauern auf, sobald mir jemand zu nah kommt?

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Es waren so ganz elementare Fragen nach dem „Warum“ die mich stark gefühlsmäßig beschäftigten und auch belastet haben, weil irgendwie keine Antwort parat war, mit der mein logisches Ich zufrieden gewesenwäre.

Irgendwann versuchte ich mir selber bei solch aufkommenden Gedanken zu sagen, dass genau solche Fragen wohlmöglich für mich der Weg zur Heilung sein könnten. Das sie sozusagen zur Heilung „dazugehören“ und sie mir zeigen, dass ES in mir arbeitet und mein Verstand nach logischen Antworten sucht. Die Fragen wurden durch diese für mich getroffene Erkenntnis natürlich nicht weniger, aber irgendwie gefiel mir der Gedanke, dass mein „ICH“ für mich nach Antworten suchte. Und so beschloss ich gnädig mit mir zu sein. 🙂 „Kommt Zeit, kommt Rat!“

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Es sind nicht die kleinen Dinge im Leben die zählen, sondern der Sinn dafür sie wahrzunehmen

Robert Maly

Dieses Zitat habe ich im August auf einem Instagram Profil entdeckt und fand es einfach nur toll! Viele Menschen sagen immer so dahin „Es sind die kleinen Dinge die zählen“. Aber in ihrem eigenen Leben nehmen sie diese kleinen Dinge gar nicht (mehr) wahr. Ich kann oder konnte mich da selber sicherlich nicht von ausnehmen. Trotzdem brachte mich dieses Zitat zum nachdenken und traf mich auch in einer gewissen Art und Weise. Aber dies eher positiv, denn es machte mir einerseits bewusst wie mein Leben früher war, und aber auch was ich in den letzten Monaten bereits alles gelernt hatte, und auch in gewisser Weise wo ich hin möchte.

In meinem Tagebuch schrieb ich dazu am 10.08.2020

„… Ich war „früher“ immer so leistungsorientiert, akribisch genau, wollte in wirklich allem perfekt sein – Im Haushalt, im Job, als Mutter, als Freundin. Ich habe so viel gemacht und getan. Mein Tag war ausgefüllt mit so vielen Dingen die ich machen „musste“. Aber ICH war es die mir das alles auferlegt hatte. Das kam selten von Außen. Höchstens im Job wo mir immer mehr abverlangt wurde. Aber auch hier war ich es, die sich das hat gefallen lassen. Meine Wohnung war immer akkurat sauber und ordentlich. Alles stand an seinem Fleck, kein unerledigter Abwasch in der Küche, keine zerknüllten Decken oder Kissen auf dem Sofa. Wenn ich in einer Beziehung war, dann habe ich (gefühlt) immer alles dafür getan damit die Beziehung gut lief. An sich ist das ja in Ordnung, aber ich habe meine eigenen Grenzen von dem was ich in Ordnung finde, wofür ich stehe und was mir wichtig ist, meine Werte, ganz oft vergessen bzw. diese Grenzen zu oft überschritten. Wofür? Wohin hat mich das gebracht? …….. Da gab es so viele „kleine Dinge“ die ich für mich nicht mehr in ihrer Gesamtheit wahrgenommen habe. Und dann kam Tag X an dem dann gar nichts mehr ging. Es blieben nur noch ganz viele Tränen und eine ganz ganz große innere Leere in mir. Und ich habe Monate gebraucht um das für mich zu erkennen und zu begreifen und zu verstehen und vor allem auch zu akzeptieren!….“

Auch wenn ich heute an die damalige Zeit zurückdenke, fühlt es sich manchmal für mich an, als würde ich über jemand anderes Leben schreiben bzw. an jemand anderen Leben denken. Mein altes Ich….. es fühlt sich für mich total befremdlich an. So als wäre es Meilenweit/Jahrzehnte weit weg, oder wie ein altes Leben das ich zurückgelassen habe und das allenfalls als drohende Mahnung wie ein Schatten hinter mir liegt. Irgendwie gruselig.

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Aus der Erkenntnis heraus, dass ich mich mit meinen Bedürfnissen viel zu sehr vernachlässigt hatte, entstand auch im August eine zunächst kleine Liste von Dingen, die mir aktuell schon Spaß machten oder die ich noch ausprobieren wollte.

  • regelmäßig Yoga machen und einen Kurs oder eine Gruppe dafür finden
  • weiterhin Gitarre spielen und einen Gitarrenlehrer suchen und mal nach einem VHS Kurs diesbezüglich Ausschau halten
  • regelmäßig einen Sauna-Auszeit-Tag ganz allein für mich fest einplanen
  • regelmäßig alleine ins Kino gehen
  • zwei feste Tage pro Woche für das Fitnessstudio einplanen (nicht mehr so viele Tage wie früher um mehr Zeit für andere schöne Dinge zu haben)
  • Ab und an mal frühstücken gehen bzw. eine Freundin zum Frühstück zu besuchen

Eine kleine aber feine Liste! Ich hatte mich gefreut, dass mir doch so viel eingefallen war, denn das zeigte mir wiederum, dass ich mir meiner eigenen Bedürfnisse schon wesentlich bewusster geworden war.

Und es blieb auch nicht nur einfach eine Liste! Noch im August machte ich mich online auf die Suche nach einem Gitarrenlehrer und landetet schließlich auf der Homepage meines heutigen Gitarrenlehrers, dem ich „einfach“ mal eine Nachricht schrieb. Ich weiß noch, dass ich richtig nervös war beim schreiben dieser Nachricht und ich lange überlegt hab, ob ich sie überhaupt abschicken soll. Da war wieder so ein Zwiespalt in mir, so ein Ding hin- und hergerissen zwischen guten und schlechten Gedanken. Wie Stimmen im Kopf die einerseits bestärkend sagten „Schick es ab, das wird bestimmt total toll!“ und andererseits „Du bist viel zu schlecht dafür! Da sind bestimmt nur Kinder und der lacht dich doch aus wenn gerade DU jetzt daherkommst und jetzt meinst Gitarre spielen zu wollen!“ Aber ich war mutig und habe auf „absenden“ geklickt und hab die schlechten Gedanken in die Ecke zum schmollen geschickt! 😉

https://www.saitensurfer.com/

Und am 16. September war es dann soweit! Ich hatte meine erste Gitarrenstunden bei Chris! F*** war ich aufgeregt!!!! (ich hör dich lachen Chris! 🙂 ) Nein im Ernst! Ihr kennt sicherlich alle das Gefühl, wenn man total aufgeregt ist und sich total freut, und andererseits möchte man sich am liebsten in eine stille Ecke verkriechen wo einen niemand findet. So ungefähr war das. Aber es war mit eine der besten Entscheidungen die ich in 2020 getroffen habe!

Und auch bei zwei weiteren Aktivitäten von meiner obigen Liste blieb es nicht nur bei einer Idee. Anfang September habe ich über die Volkshochschule zwei Kurse für mich gebucht.

  • Yoga und Mediation am Abend
  • Lagerfeuer Gitarre für Erwachsene – Anfänger

Beide Kurse konnte ich jedoch leider nicht vollständig zu Ende machen. Da kam mir Mitte / Ende Oktober dann leider Corona und der 2. Lockdown in die Quere. Aber an den Abenden wo ich daran teilnehmen konnte, hatte ich sehr viel Spaß und es tat einfach auch sehr gut mit Menschen zusammen zu sein, die das gleiche Interesse hatten. Daher bereute ich auch das nicht und kann nur jeden dazu ermutigen, auch einfach mal einen Kurs in einer Volkshochschule in der Nähe zu besuchen. Sowohl Kosten, als auch die zu investierende Zeit sind überschaubar. Im schlimmsten Fall gefällt es einem nicht. Im besten Fall hat man eine schöne Zeit!

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August und September 2020 waren auch zwei Monate in denen ich mich gedanklich sehr viel mit der Arbeit auseinander gesetzt habe. Genauer gesagt mit dem Thema Wiedereingliederung. Ich fühlte mich nicht so ganz wohl bei den Gedanken daran. Andererseits wollte ich mich aber auch gerne damit auseinandersetzen. Auch zu diesem Thema war ich gedanklich also hin- und hergerissen. Ich konnte nicht so richtig für mich einschätzen, ob es schon an der Zeit dafür war oder noch zu früh. Ich traf mich eines Nachmittags auch mit zwei meiner Kolleginnen und erfuhr was es alles so Neues in der Arbeit gibt. Wir redeten darüber wie meine Arbeit in den letzten Monaten aufgeteilt wurde, was gut und was schlecht lief. Ich fühlte mich nicht schlecht bei diesem Treffen, aber mein Bauchgefühl war irgendwie trotzdem nicht so gut. Obwohl ich mich freute meine Kolleginnen wiederzusehen, war ich doch auch innerlich sehr angespannt. Ich beschloss letztendlich das Thema Wiedereingliederung noch etwas aufzuschieben und ich denke, nein ich weiß, das war eine gute Entscheidung!

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Und auch die letzten drei Monate des Jahres 2020 sollten nicht langweilig werden….. Reha Anträge, eine Testamentseröffnung, ein neues Tattoo, eine skurril klingende Hausaufgabe meines Therapeuten (ich sag nur „Grabsteine“), sowie ein unschönes Aufeinandertreffen mit meinem Chef….. All das erwartet euch in meinem nächsten Beitrag!

Ich möchte meinen heutigen Beitrag mit einem Gedicht beenden, dass ich die Tage in einer Yoga Sequenz gehört habe und das ich wirklich sehr schön fand.

In der Stille angekommen,

gehe ich in mich,

stehe ich zu meinen Stärken und Schwächen,

liegen mir mein Leben und die Liebe am Herzen.

In der stille angekommen,

sehe ich mich, dich, euch

und die Welt mit anderen Augen,

mit den Augen des Herzens.

In der Stille angekommen,

höre ich auf mein Inneres,

spüre ich Geborgenheit,

lerne ich Gelassenheit,

tanke ich Vertrauen.

— Ernst Ferstl

Ich wünsche euch allen eine ganz wunderbare Zeit! Lasst euch nicht unterkriegen!

Liebe Grüße

Alexandra

Futter für die Seele

Ich hoffe ihr seid alle gut in das neue Jahr gekommen!!! Ich weiß nicht wie es euch momentan mit der aktuellen Lage geht, aber ich blicke ehrlich gesagt mittlerweile gar nicht mehr durch was man darf und was nicht. Ich muss allerdings auch zugeben, dass das zum Teil wohl auch daran liegt, dass ich so wenig Fernsehen schaue (was ich generell ja gut finde) 🙂 Aber ich habe beschlossen mich über das ewige Hin und Her nicht aufzuregen, weil es erstens absolut nichts an der Lage ändern würde und zweitens, weil ich ja sowieso zu den Menschen gehöre, die sehr gut daheim sein können. 🙂

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Nach meinem letzten Beitrag haben mich wieder einige Nachrichten privat erreicht, und ich möchte auch hier noch einmal ganz offiziell „Danke“ dafür sagen! 🙂 Wie ihr ja schon wisst war dieser Blog ja ursprünglich als eine Art Selbsttherapie gestartet. Ich hatte immer das Gefühl so viele Gedanken im Kopf zu haben und brauchte dafür irgendwie eine Art Ventil. Mit dem erstellen dieses Blogs habe ich aber nicht nur dafür eine Möglichkeit gefunden, sondern ich hatte zur damaligen Zeit auch wieder eine Aufgabe die mich mental forderte. Allein schon das erstellen eines Blogs war für mich totales Neuland, kostetet mich einige Stunden an Arbeit und ordentlich Hirnschmalz. Damit habe ich mir aber auch selbst „bewiesen“, dass ich etwas kann, was wiederum gut für mein bis dahin sehr angeknackstes Selbstwertgefühl war. Das ich mit dem was ich hier schreibe nun auch noch Menschen erreiche bedeutet mir wirklich unglaublich viel! Zu lesen, dass Menschen aufgrund dessen ihr eigenes Leben etwas reflektieren, bzw. allein das ich sie dadurch zum nachdenken anrege ist für mich unglaublich schön zu wissen. DANKE!!!

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Ich musste in diesem Zusammenhang auch wieder an diese Arbeitskollegin von mir denken, die mir kurz vor Weihnachten beinahe verschämt sagte, dass sie sich freuen würde dieses Weihnachten ENDLICH mal nicht die ganze Verwandtschaft einladen zu müssen. Und ebenso an ihren Gesichtsausdruck als ich sie fragte, warum sie es nicht einfach jedes Jahr so macht wie SIE es möchte.

Mir gefällt der Gedanke, dass eine Frage die man jemandem stellt wie eine Art Samenkorn ist. Wenn man ein Samenkorn pflanzt, dann sieht man erst einmal mehrere Tage oder Wochen gar nichts. Fast könnte man meinen es tue sich nichts. Und plötzlich bricht die Erde auf und ein kleines Pflänzchen wird sichtbar. Denn auch wenn man es nicht gesehen hat, so hat das kleine Samenkorn für das Auge unsichtbar kleine Wurzeln in der Erde geschlagen.

Ähnlich kann es mit einer Frage oder mit einem gelesenen Text sein. Ähnlich wie ein Samenkorn kann (!) eine Frage oder etwas gelesenes zunächst im unterbewussten insgeheim in einem wachsen. Vielleicht denkt man sogar schon gar nicht mehr daran, aber dann bricht eines Tages scheinbar wie aus dem Nichts ein Gedanke aus einem hervor. Und man hat plötzlich eine Antwort auf eine Frage gefunden, die man so in diesem Moment vielleicht gar nicht gestellt hat. Oder man weiß plötzlich was man verändern möchte ohne wirklich konkret in diesem Moment überhaupt daran gedacht zu haben.

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Eigentlich ist das genau das was bei mir in der Psychotherapie passiert. Es ist im Grunde genommen auch nur ein Gespräch. Teilweise mit unangenehmen Fragen gerade in der Anfangszeit, aber eigentlich „nur“ ein Gespräch. Und darüber denkt man dann mal mehr und mal weniger nach. Mal passiert gar nichts. Und ein anderes Mal passiert gleich ganz bewusst etwas, und wieder ein anderes Mal arbeitet es unterbewusst in einem wie im geheimen weiter und ist nicht gleich sofort „sichtbar“.

Eine ähnliche Erfahrung habe ich auch beim lesen von Büchern gemacht. Ich muss dazu sagen, dass ich nie die große Leseratte war. Die Zahl der Bücher die ich tatsächlich bis zum Beginn meiner Erkrankung freiwillig gelesen habe, kann ich mit Sicherheit an 10 Fingern abzählen. Keine Ahnung warum, aber Bücher haben mich einfach nicht wirklich interessiert. Vielleicht war ich dafür bisher auch zu ungeduldig oder habe mir die Ruhe und die Zeit dafür nicht genommen. Keine Ahnung.

Das änderte sich allerdings als ich krank geworden bin. Es mag zum einen an der mir neu zur Verfügung gestandenen Zeit gelegen haben, oder aber auch an meinem absoluten Wunsch, unbedingt mehr über meine Erkrankung erfahren zu wollen. Und so habe ich angefangen Bücher über, ich nenne es mal im weitestens Sinne, Persönlichkeitsbildung zu lesen.

Ein paar dieser Bücher möchte ich euch heute ganz kurz vorstellen. In Anbetracht meiner nicht vorhandenen Erfahrungen in punkto Bücher und Rezessionen der selbigen, was ganz unweigerlich an meiner mangelnder Leseerfahrung liegt, seht es mir bitte nach, wenn diese nicht besonders fachmännisch erfolgen. 😉

„Wir sollten uns bewusst sein, dass wir selbst für uns das Wichtigste sind, das wir haben. Dass wir in unserem eigenen, aber auch im Interesse unserer Kinder und Familien dafür sorgen müssen, dass es uns gut geht. Kein anderer kann das im Alltag für uns tun“

Cosima Sieger „Dein Weg aus dem Stress zurück in die Freiheit“

Eine absolut sympathische Autorin die ich jedem nur empfehlen kann ist Cosima Sieger. Von ihr habe ich gleich mehrere Bücher gelesen. Alle ihre Bücher haben eines gemeinsam: Man hat das Gefühl als würde eine liebe Freundin zu einem sprechen. Letzteres liest man auch in diversen Rezessionen zu ihren Büchern. Aber es ist genau so! Ihre Bücher bzw. Ratgeber lesen sich total angenehm, sie hat einen schönen Schreibstil und man fühlt sich einfach wohl dabei. Das erste Buch was ich von ihr gelesen habe, und welches mich dann auch zum Kauf der anderen Bücher animiert hat, war „Dein Weg aus dem Stress zurück in die Freiheit“. Das hat mich in meiner damaligen Situation einfach direkt schon vom Titel her angesprochen und auch beim lesen nicht enttäuscht. Von den Büchern auf dem Foto habe ich bis auf „Minimalismus – für ein Leben in Leichtigkeit und Freiheit“ und „Großes Praxisbuch der Selbstfindung“ alle bereits gelesen und kann sie ohne wenn und aber absolut weiterempfehlen. Die anderen beiden möchte ich aber auch noch lesen, da ich die Themen auch total spannend finde.

Ein absolut bemerkenswertes Büchlein war „Das Café am Rande der Welt“ vom Autor John Strelecky. Da dieses Buch ein absoluter Bestseller war bzw. auch immer noch ist, hat es sicherlich der eine oder andere von euch schon gelesen. Und wenn nicht, dann gibt es dafür von mir eine absolute Kaufempfehlung! Es ist großartig! Es ist ein so dermaßen schönes und wundervoll geschriebenes Buch zum Thema Selbstfindung. Im laufe des Lesens macht man sich ganz unweigerlich über den Sinn des eigenen Lebens seine Gedanken, und wie von selbst stellt man sich Fragen, die man sich selber so noch nicht gestellt hat. Das waren die wohl besten 176 Seiten die ich jemals gelesen habe! (Und das heißt schon was!) Die beiden Fortsetzungen kamen für mein Empfinden nicht an den ersten Teil heran, sind aber trotzdem auch lesenswert.

„Warum bist du hier? – Hast du Angst vor dem Tod? – Führst du ein erfülltes Leben?“

DIE drei Fragen aus „Das Café am Rande der Welt“

Auch ein sehr nettes Buch von John Strelecky, und zudem auch schön illustriert, ist „Was ich gelernt habe“. In diesem Buch schildert der Autor in kurzen Kapiteln seine Beobachtungen, Einfällen und Erkenntnissen zu Themen wie Liebe, Freundschaft und Natur. Es liest sich wirklich sehr schön.

Ein absolut großartiges Buch zum Thema Depression und Burnout wurde vom Autor Klaus Bernhardt geschrieben und trägt den Titel „Depression und Burnout loswerden“. Ich bin mir sicher, dass dies nicht nur ein Buch für Betroffene, sondern auch ein großartiges Buch zur Prävention ist. Es gibt viele gute Anregungen die man mehr oder weniger sofort umsetzen kann und der Autor verweist auch auf viele weitere gute Bücher anderer Autoren, die ich mir zum Großteil im Anschluss sogar auch noch gekauft habe. Unter anderem hat mich genau DIESES Buch zum erstellen bzw. zum schreiben dieses Blogs inspiriert!

Eine Autorin an der man zum Thema Persönlichkeitsbildung absolut nicht vorbeikommen sollte ist meiner Meinung nach Stefanie Stahl! Von ihr habe ich gleich vier Bücher daheim. Das Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden“ habe ich regelrecht verschlungen.

„Das „innere Kind“ ist die Summe aller Kindheitsprägungen, die wir durch unsere Eltern und andere Bezugspersonen erfahren haben. Insbesondere die Kränkungen und Verletzungen aus der Kindheit verankern sich tiem im Unterbewusstsein und hindern uns als Erwaachsene daran, unser volles Potenzial zu leben“

Stefanie Stahl

Das Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden“ hat für mich den Ausschlag gegeben mich mit dem Thema „Glaubenssätze“ auseinander zu setzen. Ich habe sie mithilfe dieses Buches nicht nur erkannt, was allein schon ein enormer (!!) Fortschritt für mich war. Ich habe auch erkannt was dieses Glaubenssätze mit mir im erwachsenen Alter gemacht haben! Ich habe für mich nach dem lesen damit so viel erklären können und in vielerlei Hinsicht gemerkt warum ich so bin wie ich bin. Es ist nicht so ganz einfach, dass in Worten auszudrücken, aber das war ein ganz gewaltiger Fortschritt für mich.

Diese Bücher haben alle etwas gemeinsam: Sie haben sehr viel zu meiner persönlichen Veränderung beigetragen. Generell denke ich mir bei allem was man dazu lernen kann immer, wenn nur eine Sache dabei war die mich weiter bringen kann, dann hat es sich gelohnt. Daher kann ich euch auch jedes dieser Bücher absolut empfehlen.

(Vielleicht sollte ich an dieser Stelle noch anmerken, dass es sich bei den gerade vorgestellten Büchern um unbezahlte Werbung für eben diese handelt.)

„Lesen ist für den Geist, was Gymnastik für den Körper ist.“

Joseph Addison

Auch zukünftig werde ich weiterhin Bücher lesen. Es ist nicht mein Hobby Nr. 1 geworden, aber es macht mir schon im gewissen Sinne auch Spaß. Und ich bin neugierig geworden auf die vielen Dinge, die ich dadurch noch über mich herausfinden kann. Daher habe ich auch schon jede Menge andere neue Bücher daheim liegen. 🙂

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Ein anderes Thema was ich noch ansprechen bzw. mit euch teilen möchte, ist das Thema Meditation. Ich kenne eigentlich nur zwei Sorten von Menschen: Die, die Meditation für absolut großartig halten und die, die Meditation für den totalen Blödsinn halten. Das kann grundsätzlich jeder so sehen wie er es möchte! Zu meditieren ist auch nicht wirklich so ganz leicht. Man muss sich wirklich Zeit dafür nehmen und vor allem Geduld mit sich haben. Ich glaube letztendlich scheitern aus diesen zwei Gründen viele daran. Aber wenn man es einmal „kann“, dann gehört es meiner Meinung nach zu den Dingen im Leben, die man sich wünschte schon viel früher „erlernt“ zu haben.

Wie so viele andere Menschen bin ich durch Yoga zum meditieren gekommen. Das liegt zum einen daran, dass viele Menschen die Yoga praktizieren auch Meditation in ihr Leben integriert haben. Zum anderen gibt es gewissen „Gemeinsamkeiten“ in diesen beiden Praktiken. Sowohl beim Yoga als auch beim meditieren, lernt man im Hier und Jetzt zu sein. Man lernt sich auf sich zu fokussieren und man hört auf zu viel nachzudenken! Meditation kann einem zudem helfen ruhiger zu werden, mit Stress oder Angst besser umzugehen und hilft ganz wunderbar zum entspannen. Aber ich finde es ist nicht so ganz einfach wie es immer so gerne dargestellt wird. Es ist nämlich nicht von Anfang an „einfach“ sich irgendwo in Ruhe hinzusetzen und einfach mal an nichts zu denken. Ganz im Gegenteil! Meditation heißt komplett abschalten und absolut 100 prozentig bei sich zu sein, und dafür braucht man Geduld. Geduld mit sich selbst. Und ich glaube das gerade DAS heutzutage das absolute Problem ist. Alles muss immer schnell, schnell gehen und die Welt da draußen ist so wahnsinnig laut geworden. Jeder ist getrieben und gehetzt und wenn wir etwas tun, dann sind wir mit unseren Gedanken schon bei der nächsten Aufgabe die heute unbedingt noch erledigt werden muss. Wir haben verlernt in uns rein zu hören und auf unser inneres Gleichgewicht zu achten. Aber auch darin lag für mich die absolute Herausforderung! Ich wollte wissen wie das ist, im „Hier und Jetzt“ ganz bei sich zu sein.

Und wie schon gesagt, das braucht Zeit und Geduld. Geholfen haben mir dabei geführte Mediationen aus dem Internet, welche ich mir entweder über einen App Streaming Dienst oder über YouTube über (ganz wichtig) Kopfhörer angehört habe. Kopfhörer daher, weil man sich damit besser auf die Mediation konzentrieren kann und dadurch auch nicht so leicht abgelenkt wird. Ich mag es zudem mich dann in eine Decke einzukuscheln und es mir richtig bequem und gemütlich zu machen. Anfangs musste ich dann allerdings immer aufpassen das ich nicht einschlafe. Aber auch das ist am Anfang ganz normal und passiert mir jetzt auch noch hin und wieder.

Sollte sich jemand von euch für das Thema Meditation interessieren und es einfach mal ausprobieren wollen, so kann ich euch hier zwei Kanäle auf YouTube empfehlen (Auch an dieser Stelle sei erwähnt, dass es sich hierbei um unbezahlte Werbung handelt.)

Der YouTube Kanal von Anika Henkelmann ist absolut toll. Sie hat eine wunderbar ruhige und angenehme Stimme und jede Menge guter Meditationen auf ihrem Kanal:

https://www.youtube.com/channel/UCwJvTLVrrAFrWWQqoBM7u9g

Wem ich auch total gerne zuhöre ist Thomas Andres. Seine Meditationen sind zugegebener Maßen etwas lang. Dafür hat er aber fast zu jedem Thema sowohl eine Tages- als auch eine Nachtvariante. Und seine Stimme ist einfach auch ganz wunderbar:

https://www.youtube.com/channel/UCphnbSdDub2GGUGU92DQN-A

Probiert es doch einfach mal aus! Was habt ihr schon zu verlieren?

Photo by Breakingpic on Pexels.com

Jetzt ist der Beitrag schon wieder so lang geworden… 🙂

Mich würde an dieser Stelle sehr eure Meinung interessieren. Kennt jemand von euch eines oder mehrere der Bücher die ich hier vorgestellt habe und wie fandet ihr sie? Habt ihr Bücher im Bereich der Persönlichkeitsbildung gelesen die ihr mir empfehlen könnt? Wie steht ihr zum Thema Meditation?

Schreibt mir dazu doch gerne etwas in den Kommentaren.

Willkommen 2021!

Neues Jahr – neues Glück! So lautet doch ein Sprichwort wenn ich mich recht erinnere….
Ich bin mir sicher, dass viele von euch sich ein neues – besseres Jahr als das letzte Jahr wünschen! Ja es war schon ein ganz besonderes Jahr das hinter uns liegt. Ich für meinen Teil hätte mit so etwas wie ein Virus, dass die halbe Welt lahm legt absolut niemals gerechnet! Und dabei habe ich mit meinen 43 Jahren auch schon viel geschichtliches und politisches, und auch viele wirtschaftliche Veränderungen erlebt.

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Aufgewachsen ohne Handy (wir hatten noch nicht einmal ein Telefon) und Auto, war die politische Wende 1989 das wohl größte Erlebnis welches ich miterleben durfte, und an das ich mich auch noch gut erinnere. Ich bin mit Kassetten anstatt CD´s aufgewachsen, Filme gab es irgendwann auf Videokassetten und in meiner frühen Kindheit gab es nur zwei Fernsehsender und die sendeten auch nicht rund um die Uhr. Ich habe quasi die „Entstehung“ des Internets und der ersten Online-Chats miterlebt, die Einführung von Smartphones, die Einführung des Euros…. Jetzt komme ich mir gerade furchtbar alt vor! Lassen wir das lieber!!! 🙂

„Die schwerste Aufgabe im Leben ist es, an schlechten Tagen genauso zu denken, wie an guten Tagen.“

Ich gehöre zu den Menschen die dem Jahr 2020 auch sehr viel positives abgewinnen konnten. Natürlich war und ist dieses Corona Virus eine wirklich furchtbar angsteinflößende Sache. Wie aber auch schon in einem meiner vorherigen Beiträge erwähnt, bin ich aber ein Mensch, der in jedem noch so schlimmen Ereignis das Positive sucht. Ich habe aber schon durchaus die Erfahrung gemacht, dass das für viele Menschen äußerst schwierig ist. Mitunter ernte ich nur ratloses oder verständnisloses Kopfschütteln wenn ich das eine oder andere positive in dieser Zeit hervorhebe. Aber ich frage die Menschen dann immer: „Was bringen euch die schlechten Gedanken und das beschweren über die äußeren Umstände?“ Dann blicke ich zumeist in ratlose Gesichter. „Nichts! Es bringt euch rein gar nichts!“ – ist dann meine Antwort! Es bringt nämlich nur weiterhin schlechte Gedanken. Wenn ich mit einem mürrischen Gemütszustand rumlaufen kann ich nicht erwarten, dass mein Gesichtsausdruck etwas anderes ausdrückt. Und wenn ich mit einem mürrischen Gesichtsausdruck rumlaufe kann ich in den seltensten Fällen davon ausgehen, dass ich ein Lächeln von meinen Mitmenschen bekomme. „Gesetzt der Anziehung“ nennt sich das ganze Prinzip.

„Das was ich denke, strahle ich aus und das was ich ausstrahle, ziehe ich an“.

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Nun gibt es mit Sicherheit die Klugscheißerfraktion – „Ja ich weiß schon…. ich stell mich täglich vor einen Spiegel und rede mir ein, dass mir das Leben rosarot glitzernd zu Füßen liegt…..!“ Was ich diesen Menschen dazu sage? Meistens gar nichts, weil ich mich ungern mit negativen Menschen unterhalte, und wenn dann beschränke ich den Kontakt auf das Nötigste. Hört sich egoistisch oder eingebildet für dich an? Ja das mag sein, aber eine Erkenntnis die ich auch erst im letzten Jahr so wirklich verstanden habe ist – Es ist MEIN Leben und daher muss es sich auch NUR FÜR MICH richtig anfühlen! Wenn das für jemanden egoistisch oder eingebildet klingt – bitte sehr – damit kann ich sehr gut leben.

„Das Leben ist bezaubernd, man muss es nur durch die richtige Brille sehen.“

Alexandre Dumas

Aber noch mal zurück…. Was ich damit meine ist folgendes; Ich finde, dass man sich gerade in schwierigen Zeiten auf das besinnen muss was GUT ist im Leben. Und das müssen keine großen oder gar materielle Dinge sein! Ein schöner Sonnenaufgang, eine leckere Tasse Kaffee am Morgen die man sich in Ruhe gönnt oder eine liebevolle Umarmung der Kinder oder des Partners. Es ist so wahnsinnig viel selbstverständlich für uns geworden, dass wir die kleinen Besonderheiten gar nicht mehr würdigen können. Aber was wären wir ohne all das? Ich habe es zum Beispiel schon im Frühjahr 2020 total genossen, dass weniger Verkehr auf den Straßen unterwegs war und ich fand es toll, dass man in den Abendstunden mal wieder die Sterne am Himmel gesehen hat. Ich fand es toll, dass wieder mehr Familien zusammen spazieren waren und Väter mit ihren Kindern Fußball vor dem Haus gespielt haben. Und auch für mich hat das Jahr 2020 unheimlich viele persönliche Veränderungen bereit gehalten.

„Die Dinge haben nur den Wert, den man ihnen verleiht.“

Jean Baptiste Moliere

Für den einen oder anderen klingt es sicherlich verrückt, aber das Jahr 2020 war bis dato (nach der Geburt meiner Tochter vor 17 Jahren) das wohl bemerkenswerteste, wichtigste und beste Jahr welches ich erleben durfte! Und dafür bin ich unglaublich dankbar! Ich habe sehr viel über mich und mein Leben gelernt und fast möchte ich behaupten, dass ich ein neuer Mensch geworden bin…. okay fast! 😉 Manche meiner Eigenheiten habe ich schon noch beibehalten. Ich kann immer noch furchtbar viel und gern beim Auto fahren über andere Autofahrer schimpfen, vor meinem zweiten….. naja eher dritten Kaffee bin ich immer noch nicht wirklich ansprechbar und ich kann immer noch eine Menge Blödsinn quatschen und machen wenn mir danach ist. Aber viele Sachen haben sich für mich einfach im letzten Jahr geändert.

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Was mich das Jahr 2020 gelernt hat und wofür ich dankbar bin:

  • Karin ist und bleibt meine absolut engste Vertraute
  • Ich habe wieder mehr Kontakt zu meinem „großen Bruder“ gehabt
  • Ich durfte in Andrea, Manuela und Sarina drei ganz wunderbare Menschen (neu) kennenlernen
  • Ich habe eine Psychotherapie angefangen und mich damit endlich mit mir und meinem Leben auseinander gesetzt.  (Die absolut beste Entscheidung in 2020!)
  • Ich habe mir eine Auszeit ganz für mich allein genommen
  • Ich habe meine Wohnung fast komplett neu eingerichtet und freue mich an jeder einzelnen Sache beinahe jeden Tag.
  • Ich habe mir meinen Jugendtraum erfüllt und habe mit dem Gitarre spielen angefangen. Ich habe mir eine neue Gitarre gekauft und in Chris einen super netten Gitarrenlehrer gefunden.
  • Meine Tochter hat in diesem Jahr einen großartigen Schulabschluss gemacht.
  • Ich habe mir ein wunderschönes Tattoo stechen lassen
  • Ich kann alleine sein ohne mich einsam zu fühlen
  • Ich habe mich intensiv mit Yoga und Meditation beschäftigt und darin ganz wundervolle Möglichkeiten der Entspannung und Reflektion gefunden.
  • Ich habe angefangen Bücher über Persönlichkeitsbildung und Psychotherapie zu lesen und dadurch so viel Neues erfahren.
  • Ich kann alleine ins Kino gehen und habe Spaß dabei.
  • Ich schlafe wieder ohne grübelnde Gedanken ein.
  • Ich kann Stille aushalten.
  • Ich bin in sehr vielen Momenten zufrieden mit mir und meinem Leben.
  • Ich bin so dankbar das ich meine Schwester Anika habe. Ich habe sie unglaublich doll lieb.
  • Meine zwei flauschige Stubentieger sind einfach die wundervollsten Mietzemänner dieser Welt.
  • Ich habe erkannt wer Freunde, und wer Bekannte für mich sind.
  • Ich bin wesentlich ruhiger und gelassener geworden und schenke nicht mehr jedem und alles meine Aufmerksamkeit.
  • Ich habe erkannt, dass es kein „perfekt“ gibt und das alle Versuche Perfektion zu erreichen nur viel zu viel Energie kosten.
  • Ich bin nicht mehr so unzufrieden mit meinem Körper und kann mich viel besser so akzeptieren wie ich bin.
  • Ich glaube ich bin ein durchaus liebenswerter Mensch.
  • Ich mag mich!

Als ich das kurz vor Weihnachten in meinem Tagebuch festhielt war ich selber darüber erstaunt wie viel es insgesamt war! Aber es hat mich auch wahnsinnig glücklich gemacht! Und ich finde wir sollten alle viel mehr darauf schauen, was gutes in unserem Leben passiert und uns darauf besinnen und uns diese Dinge immer wieder ins Gedächtnis rufen. Dann passiert das mit dem lächeln im Gesicht (fast) von ganz allein und man strahlt es auch aus. Und ich glaube daran, dass das was man gibt, auch immer wieder zu einem zurück kommt! Eine Arbeitskollegin meinte im November 2020 zu mir „Du strahlst irgendwie so von innen heraus!“ 

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„Sei wie die Sonne: Stehe morgens auf und strahle, egal welches Wetter gestern war.“

Und was ist mit diesem neuen Jahr?

Auch dazu habe ich mir gegen Ende des Jahres so meine Gedanken gemacht. Ich war allerdings noch nie ein Freund von sogenannten Neujahrsvorsätzen. An so etwas glaube ich nicht. Das sind in meinen Augen zwar zum einen schon Wünsche derjenigen die sie haben, aber zum aller größten Teil bleibt es bei diesen Wünschen. Ich glaube das liegt zum einen daran, weil diese Wünsche oder Ziele nicht klar genug definiert sind und zum anderen, weil der wirkliche Wille dahinter fehlt. Es ist einfach zu sagen „Ich höre mit dem rauchen auf“ oder „Ich nehme ab“. Aber meistens bleibt es bei diesen Sätzen und der sich in Anschluss einkehrenden Enttäuschung (wieder) etwas nicht geschafft zu haben. Ich möchte sogar behaupten, dass die meisten mit solchen Vorsätzen schon im Vornherein insgeheim wissen, dass sie ihr Vorhaben nicht in die Tat umsetzen werden. Gibt es etwas deprimierendes?

Ich habe daher für mich keine dieser klassischen Neujahrsvorsätze getroffen. Ich habe vielmehr überlegt, was ich aktiv tun könnte damit es mir noch besser geht als jetzt. 

Und das ist meine „Wunschliste“ für 2021:

  • Ich möchte verstehen wie man Beziehungen führt ohne Angst zu haben.
  • Ich möchte lernen Menschen zu vertrauen.
  • Ich möchte meine gewonnenen Freundschaften beibehalten und besser pflegen und für neue Menschen offen sein.
  • Ich möchte meine innere Ruhe beibehalten und mich persönlich noch weiter entwickeln, um all das schon gelernte nicht wieder zu verlieren.
  • Ich möchte mich trauen im Sommer an die Nord- oder Ostsee zu fahren.
  • Ich möchte lernen zum Gitarre spielen zu singen.
  • Ich möchte insgesamt noch viel mutiger werden.
  • Ich möchte meine eigenen Bedürfnisse noch besser erkennen und sie ohne Angst und Scham ausleben.
  • Und ich möchte den Flur und das Arbeitszimmer meiner Wohnung renovieren.
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Was ich in jedem Fall in diesem neuen Jahr beibehalten werde ist mein Glücksmomenteglas! Was das ist? Ich habe ein großes Glas im Wohnzimmer stehen und jedes Mal wenn ich etwas schönes erlebe, dann schreibe ich es auf einen kleinen bunten Zettel und stecke ihn in dieses Glas. Am Silvesterabend mache ich dann diese kleinen zusammengefalteten Zettelchen auf, lese sie und freue mich noch einmal über die vielen wunderschönen Momente die ich im Jahr hatte. Gibt es etwas schöneres als das Jahr mit einem Lächeln zu beenden?

Quelle: Visualstatements

Selbst in einem so turbulenten Jahr wie 2020 hatte 24 Glücksmomente, die ich mir geschaffen habe und erleben durfte! Wenn man es so nimmt, so hatte ich ca. alle zwei Wochen einen schönen Augenblick. Und das ist doch großartig oder?

Glück bekommt man nicht geschenkt. Glück erschafft man sich.

Ich wünsche jedem von euch ein ganz wundervolles 2021, mit vielen Momenten des Lächelns und des glücklichseins. Gerade ist es eine schöne Vorstellung für mich, wenn auch nur einer von euch in den nächsten Monaten etwas genauer hinschaut, etwas genauer wahrnimmt und etwas mehr scheinbar Alltägliches schätzen kann. Es gibt so viel unnötiges in unser aller Leben, dem wir viel zu oft und viel zu sehr unsere Aufmerksamkeit schenken. Wir setzen nur allzu oft Prioritäten, die aber meistens noch nicht einmal unseren eigenen Werten entsprechen. Viele Menschen kennen noch nicht einmal ihre eigenen Werte und leben ein Leben, dass sie meinen führen zu müssen, weil es „nun mal so ist“. 

„Lebst du schon, oder erfüllst du noch Erwartungen?“

Was möchtest du für DICH im neuen Jahr angehen? Was sind deine Werte? Wer willst du sein?

Auf in ein neues Jahr voller spannender Möglichkeiten!

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Endlich Weihnachten!

Bald ist es wieder soweit“ Das „Fest der Liebe“ steht quasi schon vor der Tür! Und endlich ist sie wieder da – die Zeit der Einkehr und Besinnlichkeit, in der die Menschen zur Ruhe kommen und innekehren. Endlich dürfen wir die Lebkuchen, Marzipankartoffeln und Spekulatius Kekse essen, die schon seit Monaten in den Regalen der Supermärkte auf uns gewartet haben. Endlich kein schlechtes Gewissen mehr, wenn wir genussvoll den Kopf eines Schoko Weihnachtsmannes abbeißen.

ENDLICH!

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Oder geht es dir da anders? Es soll ja tatsächlich Menschen geben, die mit der ganzen Weihnachtszeit so überhaupt nichts anfangen können. Von wegen „Besinnlichkeit“! Diese Menschen verbinden Weihnachten mit purem Stress! Da wird die Wohnung geputzt, meterhohe Weihnachtsbäume gekauft, das „gute Geschirr“ aus dem Schrank geholt, Gläser poliert, Servietten gebügelt, ein 5 Gänge Menü wird gezaubert… Und diese vielen Fragen… „Was soll ich nur wem schenken?“, „Wann muss ich wen besuchen?“, „Wen lade ich wann ein?“ UND DIE SCHLIMMSTE FRAGE ÜBERHAUPT: „WAS sollen wir nur essen?“ – Blanker Stress also! Ich muss dann immer nur lächeln und frage solche Menschen ganz gerne „Wer sagt denn, dass du das alles so machen musst?“

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Eine Arbeitskollegin meinte neulich zu mir, sie wäre so froh, dass sie dieses Jahr wegen der Corona Beschränkungen nicht so viele Verwandte einladen MÜSSTE und endlich mal ruhigere Weihnachten hätte.

Was bedeutet Weihnachten für mich?

Ich bin nicht religiös, also weder katholisch noch evangelisch. Ich gehöre daher nicht zu den Menschen die an Weihnachten in die Kirche gehen. Aber ich habe nichts dagegen. Im Gegenteil. Ich glaube so ein Gottesdienst an Weihnachten kann dem Ganzen etwas Besonderes verleihen. Ich stelle mir das sehr andächtig und auch respektvoll vor.

Weihnachten steht für mich für solche wunderschönen Werte wie Ruhe, Gemütlichkeit, Wärme und Frieden. Ich bin an Weihnachten gerne daheim. Ich gehöre überhaupt nicht zu den Menschen die an Weihnachten gerne wegfahren und von einem Verwandtenbesuch zum nächsten tiegern. Ich muss an Weihnachten auch nicht unbedingt schick Essen gehen. Ich zwänge mich auch an Weihnachten nicht in irgendeinen schicken Fummel. Ich brauche weder teure Geschenke noch einen zwei Meter hohen Weihnachtsbaum. Aber es ist okay für mich wenn viele Menschen darauf stehen. Ich habe da auch nichts gegen. Soll jeder so machen wie er es mag. Ich finde es nur schade, wenn viele Menschen immer so tun, als MÜSSTEN sie das alles tun! Denn das müssen sie nicht! Sie fühlen sich nur dazu verpflichtet!

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Mein Weihnachten der letzten Jahre

In den letzten Jahren hat sich da bei mir viel verändert. Mein Ex-Freund empfand Weihnachten als nicht wichtig und leider habe ich es auch hier zugelassen, dass ich viele meiner Werte vernachlässigt und nicht gelebt habe. Zu der Zeit war Weihnachten genauso wie ich es eigentlich gar nicht haben möchte. Wir waren an keinem der Weihnachtstage daheim, sondern am 24.12. immer bei seinen Eltern und an den darauffolgenden Weihnachtsfeiertagen mit seinen Verwandten beim Essen. Immer schick angezogen, stundenlang mit dem Auto unterwegs und jedes Geschenk musste „etwas hermachen“. Und auf keinen Fall durfte in ihrer Tradition das obligatorische Weihnachtsfoto nicht fehlen, dass dann in einer halbstündigen Prozedur mit strahlenden Gesichtern gemacht wurde.

Natürlich war auch hier nicht alles schlecht! Aber es war eben nicht so wie ich es für mich gerne gehabt hätte. In diesen 5 Jahren habe ich mich nur ein einziges Mal durchsetzen können und wir blieben am 24.12. daheim. Ich erinnere mich, dass ich an diesem Abend eine Weihnachtsgans nach dem Rezept meiner Oma machen wollte. Das endetet allerdings darin, dass mir mein Ex Freund die ganze Zeit im Rücken stand, und mich auf Fehler in der Zubereitung dieser Gans „dezent“ hinwies. Irgendwann verlies ich einfach stinksauer die Küche und das war´s dann mit der Gans nach dem Rezept meiner Oma.

Wir trennten uns im November 2018. Das Weihnachten in diesem Jahr verbrachte ich zusammen mit meiner Tochter bei meiner Schwester, und das war dann wirklich wieder sehr schön. Meine kleinen Nichten glaubten zwar schon damals nicht mehr an das Christkind, aber sie hatten so viel Spaß mit ihren Geschenken. Und ich habe dieses Gemütlichkeit umgeben von Menschen die ich, und die mich lieben, so richtig genießen können. Alles stressfrei, einfach und toll.

Die Weihnachtszeit 2019 war dann schon auch etwas von meiner Erkrankung beeinträchtigt. Aber meine Tochter und ich waren auf einem Weihnachtsmarkt! Und das war ein richtig schöner Tag. Wir haben jede Menge Kinderpunch getrunken, lecker gegessen, viel gelacht und das eine oder andere kleine Geschenk gekauft. Alles ohne Stress und Hektik. Was für ein schöner Tag! An Weihnachten selber war ich dann alleine, denn meine Tochter war in diesem Jahr bei ihrem Vater. Ich gebe zu, dass ich erst etwas Angst davor hatte alleine an Weihnachten zu sein. Aber es war dann wirklich okay. Ich hab es mir schon sehr gemütlich gemacht, habe viele schöne Filme geschaut und mir für mich alleine sogar etwas leckeres gekocht. Es gab Gänsekeulen mit Klößen und Rotkohl. Richtig lecker!

Was ich dieses Jahr vermisse!

Ganz ehrlich – ich vermisse die Weihnachtsmärkte! Ich bin ein Fan von kleinen Weihnachtsmärkten. Große Massenaufläufe wie auf dem Nürnberger Weihnachtsmarkt kann ich nichts abgewinnen und brauche ich überhaupt nicht. Das ist mir alles zu kommerziell und überlaufen. Ich mag es auch hier gemütlich. Ich liebe Weihnachtsmusik, Kinderpunsch und kandierte Äpfel. Ich mag das gemütliche dahinlaufen, das stehenbleiben und schauen. Ich genieße die schönen bunten Lichter und die vielen Dekorationen. Das fehlt mir dieses Jahr schon wirklich sehr!!!

Weihnachtsbaum und CO.

Als meine Tochter klein war haben wir immer zusammen in der Vorweihnachtszeit einen Baum ausgesucht und ihn irgendwie in unsere kleine Zwei Zimmer Wohnung transportiert. Dort stand er dann immer im Flur, weil sonst nirgends Platz war. Am 24.12. haben wir ihn dann schön zusammen geschmückt, ich habe etwas leckeres gekocht, dann sind wir spazieren gegangen und dann war aus heiterem Himmel das Christkind genau in dieser Zeit da und hat die Geschenke heimlich unter den Baum gelegt! Als Alleinerziehende musste man da schon sehr kreativ sein und einen wasserdichten Plan haben, damit dann auch ja alles funktionierte. In den Wochen davor haben wir zusammen Plätzchen gebacken und Weihnachtsmusik gehört. Es war eine wunderschöne Zeit! Ich glaube so richtig schön ist es mit Kindern an Weihnachten.

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Kitschig – na und?

Ehrlich gesagt kann ich die Menschen die Weihnachten nicht mögen nicht wirklich verstehen. Ich liebe es! Weihnachten war und ist für mich der Inbegriff von Freude, Liebe, Wohlwollen und auch von Dankbarkeit. Vielleicht mag das auch daran liegen, dass ich persönlich mir aus kommerziellen Dingen nicht so viel mache, und mich von der allgemeinen Hektik die bei so vielen Menschen damit einhergeht, überhaupt nicht anstecken lassen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich insgeheim eine hoffnungslose Romantikerin bin (die ich natürlich gerne verstecke). Weihnachten ist die Zeit der Kerzen, der vielen schönen Lichter und der leckeren Gerüche. Außerdem gibt es so unglaublich viele wunderschöne Weihnachtsfilme die man sich einfach nicht entgehen lassen sollte.


Hier meine Favoriten aus der Reihe „Filme die man unbedingt an Weihnachten schauen muss“:

  • Charlie und die Schokoladenfabrik
  • Das Wunder von Manhattan
  • Der Polarexpress
  • Die Geister die ich rief
  • Die Hüter des Lichts
  • Die Muppets Weihnachtsgeschichte
  • Drei Nüsse für Aschenbrödel
  • Kevin allein zu Haus
  • Lemony Snickets Rätselhafte Ereignisse
  • Liebe braucht keine Ferien
  • Tatsächlich Liebe
  • Und täglich grüßt das Murmeltier
  • Vier Hochzeiten und ein Todesfall

Generell schaue ich gerade an Weihnachten gerne Liebesfilme. Unvergessen:

  • Schlaflos in Seattle
  • Email für dich
  • French Kiss
  • Harry und Sally

Jaaaaa ich bin totaler Fan von der unfassbar schönen Meg Rayn 🙂

Und wenn wir doch das ganze Jahr über meinen so ernst sein zu müssen, kann gerade an Weihnachten eine gute Portion Humor doch nicht schaden oder? Filme bei denen mir der Bauch weh tut vor lauter lachen:

  • Bridget Jones natürlich alle drei Verfilmungen (Gleich bei Teil 1 im Vorspann, wo sie mit einem Glas Alkohol und ich glaube im Schlafanzug auf ihrem Sofa sitzt und lauthals und voller Hingabe ein Lied mitsingt – unbezahlbar)
  • Dark Shadows (die Kombination von Tim Burton und Johnny Depp – unschlagbar)
  • Der Tod steht ihr gut (Meryl Streep und Goldie Hawn – was für ein Duo)
  • Hangover (Allerdings mag ich hier nur den 1. Teil)
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Geschenkeeeeeee!!!!

Ich schenke wirklich von Herzen sehr gerne! Ich freue mich immer, wenn ich das Leuchten in den Augen des Beschenkten sehe. Zu sehen wie andere sich freuen gibt mir unglaublich viel. Ja das mag abgedroschen klingen, aber es ist wirklich so. Ich genieße es die Freude bei anderen zu sehen. Das macht mich glücklich! Beim Geschenke einpacken verfahre ich übrigens nach dem Grundsatz „Fehlendes Talent wird durch Klebestreifen ersetzt!“.

Das schönste Weihnachtsgeschenk für mich ist ZEIT! Zeit mit Menschen die ich liebe! In erster Hinsicht meine ich damit Zeit mit meiner Tochter. Am liebsten hätte ich auch gerne meine Schwester und ihre Familie an Weihnachten immer bei mir, aber das passiert leider nicht sehr oft. Sie ist nämlich auch gerne an Weihnachten daheim bei ihrer Familie. Und das verstehe ich natürlich.

Jedes Jahr schenke ich mir tatsächlich auch immer selber etwas! Und das packe ich mir auch schön ein und es kommt ein Kärtchen dran auf dem steht „von Alex für Alex“! Ich liebe Geschenke auspacken! 🙂

„Wenn uns bewusst wird, dass die Zeit, die wir uns für einen anderen Menschennehmen, das Kostbarste ist, was wir schenken können, haben wir den Sinn der Weihnacht verstanden.“

Roswitha Huch

Was soll ich nur schenken?

Tatsächlich hatte ich bis jetzt noch nie wirklich das Problem, dass ich nicht wusste was ich jemandem schenken soll. Ich beobachte Menschen nämlich sehr gerne und merke mir schon unter dem Jahr was dem anderen eine Freude bereiten könnte. Oftmals sind die Beschenkten dann ganz erstaunt „Woher weißt du das denn?“ oder „Das du dir das gemerkt hast!“ Der Preis spielt dabei dann eher eine untergeordnete Rolle. Mal kostet es etwas mehr und mal kostet es etwas weniger. Darum geht es dabei ja auch nicht. Es geht um die Freude die man dem anderen damit macht.
Braucht ihr noch die eine oder andere Inspiration? Okay, zugegeben die nachfolgenden Dinge sind Sachen die mir gefallen, und von denen ich manche auch schon daheim habe. ABER vielleicht ist ja für jemanden von euch noch etwas dabei:

  • ein Shiatsu Massagegerät für die Schultern/Nacken und den Rücken (Ein Träumchen sag ich euch!)
  • eine Akupressurmatte (ich gebe meine niemals wieder her)
  • Yogamatte / Yogablock / Yogakissen / Yogabolster
  • Schon mal Qi Gong ausprobiert? Von „Einfach besser leben“ gibt es ganz wunderbare DVD´s zum Beispiel „Qi Gong für Anfänger“
  • „Das Café am Rande der Welt“ – eines der schönsten Bücher die ich dieses Jahr gelesen habe! Passend zum Buch gibt es für 2021 auch einen Jahreskalender!
  • Sogenannte „6 Minuten Tagebücher“ zur Selbstreflexion und Achtsamkeitstraining
  • Achtsamkeitskalender / Achtsamkeitskärtchen für jeden Tag
  • Malbücher für Erwachsene
  • weitere Buchempfehlungen:
    • Weil du einzigartig bist
    • Die 7 Geheimnisse der Schildkröte
    • Das Kind in Dir muss Heimat finden
    • Was ich gelernt habe
    • So bin ich eben!
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Take it easy!

Ich glaube vielen Menschen steht an Weihnachten der Wunsch nach Perfektion im Weg. Es soll immer alles perfekt sein wenn Tanten, Onkels, Geschwister, Großeltern und die Kinder kommen! Der BESTE Weihnachtsbaum, das BESTE Weihnachtsessen, die BESTEN Geschenke! Vielleicht ist es auch die Angst vor der eigenen Courage. Ich gehöre zwar nicht zu den Menschen die Weihnachten unter Palmen verbringen möchten, aber eines machen diese Menschen in jedem Fall richtig – sie verbringen diese Zeit so wie SIE es möchten. Sicherlich gehört auch eine Portion Mut dazu zu sagen, ich möchte das so bzw. so nicht. Aber in diesem Jahr liegt ja genau darin auch die Chance oder?

Ich denke immer noch an das beinahe verschämte Gesicht meiner Arbeitskollegin als sie meinte, wie sehr sie sich freuen würde dieses Jahr mal nicht die ganze Verwandtschaft einladen zu müssen. VIELLEICHT liegt in diesem Jahr die Chance darin, sich fernab von allen privaten und kommerziellen vermeintlichen Verpflichtungen zu lösen und EINFACH mal für sich zu sein. Einfach mal Ruhe finden und Weihnachten wieder ganz neu für sich zu entdecken. Traditionen sind etwas wunderbares, aber sie sind nicht in Stein gemeißelt. Sie können auch ganz neu entdeckt, erlebt und genossen werden.

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In diesem Sinne! Ich wünsche euch allen eine ganz wunderbare und schöne Weihnachtszeit. Gestaltet sie so wie IHR es möchtet! Das wichtigste ist gemeinsame Zeit!

Ich freue mich wenn ihr auch im kommenden Jahr weiterhin meinen Blog lest! Bis dahin, bleibt gesund und seid lieb zueinander!

Die Sache mit dem EX

Gegen Ende August 2020 war ich mit meiner Tochter in Ingolstadt unterwegs um ein paar Besorgungen zu machen. Auf dem Rückweg sah ich beim Autofahren wie so oft in den Rückspiegel. Hinter mir fuhr ein Toyota und zwar genau der gleiche (in Modell und Farbe) wie ihn mein Ex-Freund fuhr zu dem Zeitpunkt als wir uns kennenlernten. Ich habe mich in dem Moment total erschrocken. Auch weil ich das Auto sofort mit ihm in Verbindung brachte. Ich wusste zwar auch gleich das er das nicht sein kann, weil er das Auto kurz nachdem wir zusammen gekommen waren weggegeben hatte. Trotzdem verspürte ich in diesem Moment fast so ein Gefühl wie Angst. Das wühlte mich innerlich sehr auf. Mein Ex Freund und ich waren zu diesem Zeitpunkt bereits 1,5 Jahre getrennt und ich dachte eigentlich, dass ich schon mit diesem Kapitel abgeschlossen hatte. In diesem Moment fühlte es sich aber ganz anders für mich an. Auch als ich später schon längst daheim war, lies mich dieses Erlebnis nicht los.

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Vor den nächsten Zeilen habe ich aber eine Bitte an all diejenigen von euch, die mich privat, und somit auch meinen Ex Freund kennen! Wie in allem was ich hier schreibe, geht es mir nicht darum irgendjemanden an den Pranger zu stellen, oder wie man so schön sagt, „dreckige Wäsche“ zu waschen. Es ist immer meine Wahrnehmung bzw. meine Sicht auf die Dinge wie ich sie empfunden habe. Mir ist klar, dass es immer zwei Seiten gibt! Aber für mich war insbesondere diese Beziehung sehr traumatisch. Sie hat sowohl ganz viele alte Wunden aufgerissen, als mich auch nachhaltig psychisch unglaublich belastet und tut es auch jetzt noch. Wenn meine folgenden Worte daher in irgendeiner Form böse klingen, dann bitte ich euch trotzdem um euer Stillschweigen.

– DANKE –

Mein Ex Freund und ich waren und sind Arbeitskollegen und haben uns auch in der Arbeit kennengelernt. Wir waren insgesamt fünf Jahre von Dezember 2013 bis November 2018 zusammen. Gerade in der Anfangszeit war er äußerst aufmerksam und führsorglich. Er war ein ganz lieber Mensch. Und besonders hoch habe ich ihm angerechnet, dass er sich voll und ganz auch auf meine damals 9jährige Tochter eingelassen hat und ihr wie ein Vater war. Er war mit mir auf jedem Elternabend, bei jeder schulischen Veranstaltung und meine Tochter hat ihn sehr gemocht. Insbesondere in den ersten Monaten tat er mir und auch meiner Tochter unglaublich gut. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass ich mich auf diese Beziehung total einlassen kann, dass er ein guter Mensch ist, der mir nichts böses möchte oder jemals tun könnte.

Aber schon ca. ein halbes Jahr später passierte das, was sich auch die kommenden Jahre immer wieder ereignete. Mein Ex Freund konnte überhaupt nicht mit Geld umgehen! Ich bekomme es jetzt ehrlich gesagt nicht mehr hundertprozentig zusammen. Es ging meines Wissens um eine eher mittelgroße Menge Geld, die er brauchte um irgendetwas bezahlen zu können. Ich glaube (!) es ging um ca. 2000,- Euro und ich glaube (!) es ging um Kosten für einen Internet und Telefonanbieter. Da ich wusste, dass unser gemeinsamer Arbeitgeber zum damaligen Zeitpunkt Arbeitgeberdarlehen anbot, riet ich ihm dazu, sich über diesen Weg das Geld zu leihen und seine Schulden zu bezahlen. Die monatlichen Raten zu dem Darlehen würden ganz unkompliziert über seine Gehaltsabrechnung in Abzug gebracht werden, er bezahlt seinen Kram, alles gut! So war zumindest mein Plan. Ich freute mich, dass ich ihm helfen konnte und es schien alles gut zu sein. Aber der Frieden hielt nicht lange an! Schon sehr kurze Zeit später kam eine Kollegin der Entgeltabrechnung auf mich zu und meinte mit fast besorgtem Blick „Sagst du dem … mal das er mich unbedingt mal anrufen soll?“

„Puh“ dachte ich in diesem Moment! Was war da los? Mir war klar, dass irgendetwas sein muss und mir war auch klar, dass meine Kollegin mir mit dieser Frage einen Wink geben wollte, den sie wohlmöglich hätte gar nicht machen dürfen! Ich richtete ihm am selben Abend also ihre Bitte aus. Er sagte nur mit ganz normalen Ton, ohne auch nur den Anflug von Nervosität an den Tag zu legen, „Ja mach ich“. Er tat das am folgenden Tag dann auch und ich stellte ihn am Abend zur Rede und wollte wissen was los ist.

Eher kleinlaut erzählte er mir dann, dass er noch mehr Schulden hätte, und das sich diese Gläubiger jetzt mittels einer Gehaltspfändung ihr Geld zurück holen würden. Es stand eine Summe von ca. 9000,- Euro im Raum! Hinzukam, dass er diese Schulden hätte angeben müssen als er sich das Arbeitgeberdarlehen hat auszahlen lassen. Unter diesen Umständen hätte er dieses dann nämlich nicht bekommen und die Vorwürfe unseres Arbeitgebers ihm gegenüber waren dementsprechend groß. Verständlich! Ich weiß auch bis heute nicht, ob mir meine Kollegen aus der Entgeltabrechnung glaubten, dass ich nichts von diesen Schulden wusste. Ich hatte auch ein schlechtes Gewissen meinem Arbeitgeber gegenüber, weil ich es war die ihm zu dem Arbeitgeberdarlehen geraten hatte.

Über die Summe war ich entsetzt und ich verstand nicht, warum er das nicht erwähnt hatte. Ich hatte wirklich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl oder den Verdacht, dass er Geldprobleme hatte. Im Gegenteil! Er machte uns Geschenke, lud uns zum Essen ein etc. Wenige Tage bevor diese Gehaltspfändung Thema wurde hatte ich noch einen gemeinsamen Sommerurlaub gebucht und auch in diesem Moment erwähnte er nicht, dass er sich diesen Urlaub eigentlich gar nicht leisten könnte. Ich war so unglaublich enttäuscht, auch wütend und traurig und auch ratlos!

Eigentlich möchte ich gar nicht weiter drüber schreiben. Es wäre auch von der Menge der dann folgenden Ereignisse her viel zu viel.

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Ausgelöst von der an sich doch eigentlich total harmlosen „Begegnung“ mit „seinem“ alten Auto wurden so unglaublich viele Erinnerungen und Gefühle in mir geweckt. Es gab so viele Lügen, so viele Versprechungen seinerseits und so viel Gutgläubigkeit und Dummheit meinerseits. Ich habe immer gehofft das es besser wird, das er sich ändern wird. Dabei hätte ich schon bei diesen ersten beiden Ereignissen die Reizleine ziehen müssen, denn danach wurde es nicht besser. Aber ich wollte so sehr das diese Beziehung funktioniert, dass ich mir all seine Lügen „schöngeredet“ habe. Und weil ich es auch nicht verstanden habe, wie man jemanden den man angeblich liebt immer wieder in solche derartigen Schwierigkeiten bringen kann. Für mich wäre das undenkbar! Hätte ich ihn damals früher verlassen, vielleicht hätte ich dann noch einen Mann kennengelernt, mit dem ich mir meinen Traum von einer großen Familie noch hätte erfüllen können. Zum damaligen Zeitpunkt wollte ich nämlich gerne noch weitere Kinder haben. Mindestens eins, wenn nicht sogar noch zwei. Aber ich habe zugelassen, dass mein Traum von einer großen Familie nicht wahrgeworden ist! Etwas das ich mir lange, wenn nicht sogar jetzt noch, nicht verzeihen kann!

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Im Nachhinein kann ich kaum fassen was ich alles zugelassen habe. Er hat mich mehrfach fast in den finanziellen Ruin getrieben. Ich habe mehrfach nichts ahnend kein Geld mehr am Geldautomaten bekommen, weil der Disporahmen voll ausgeschöpft war. Drei Mal war es kurz vor knapp und der Gerichtsvollzieher hätte vor der Tür gestanden! Er hat meine Kreditkarte ohne mein Wissen über all die Zeit mit weiteren ca. 3000 Euro belastet und hat mein Konto bei seinem PayPal Account hinterlegt und eingekauft. Und ich habe es zugelassen! Immer im guten Glauben, das seine Versprechungen sich zu ändern, es nicht mehr zu machen wahr wären. Ich habe ihm immer und immer wieder verziehen!

Er hat mich teilweise richtig manipuliert. Es kam mehr als einmal vor, dass er felsenfest behauptete irgendwelche Ausgaben seinerseits wären vorher mit mir abgesprochen gewesen und ich hätte es jetzt „nur wieder“ vergessen. Sein Satz war immer „Aber das haben wir doch besprochen!“ Er legte teilweise so passiv aggressives Verhalten an den Tag …..

Ein Beziehungspartner verhält sich passiv-aggressiv indem er jeden Affront und jede böse Absicht leugnet– und damit implizit sogar den Spieß umdreht – er lässt das Opfer als Provokateur dastehen. Menschen, die sich passiv-aggressiv verhalten, sind für andere schwer auszuhalten. Denn sie agieren ambivalent, unverbindlich und verletzend, leugnen jedoch gleichzeitig jeden Affront.

gefunden auf „Psychologie heute“

…..und konnte andererseits von jetzt auf gleich total jähzornig werden. Wie er mich dann dann angesehen hat – so als wäre ich der aller letzte Dreck.

Seine heimliche Trinkerei… was ich Schnapsflaschen in seinem Zimmer immer und immer wieder gefunden habe. Bierflaschen stapelweise in Umzugskartons im Keller versteckt. Ich übertriebe wirklich nicht, ich bin nach der Trennung von ihm dreimal mit dem Auto zum Leergut wegbringen gefahren! Wenn ich ihn auf das Thema Alkohol angesprochen habe, hat er es stets geleugnet oder bestenfalls verharmlost. Meistens kam aber als Antwort auf die Frage, wo der Alkohol jetzt her kommt, die Antwort „Die stehen schon ewig hier.“

Gesundheitlich war er nicht der Wiederstandskräftigste. Er hatte gleich mehrere Immunkrankheiten, unter anderem eine Magen/Darm Erkrankung. Schon allein wegen dieser Erkrankung sollte er möglichst gar keinen Alkohol trinken und sich gesund ernähren. Stattdessen aber gab es Alkohol und jede Menge leere Süßigkeiten Schachteln in seinem Zimmer. Auch hier zeigte er keinerlei Einsicht oder sah keinen Anlass zur Änderung seines Verhaltens. Ich glaube er war wirklich davon überzeugt, dass er er alles tat um gesund zu werden. Bestimmt habe ich auch da wieder nur übertrieben. (Ironie off)

Es war fast unmöglich mit ihm irgendwo hin zu gehen wo sich andere/mehrere Menschen aufhielten, denn dann kippte seine Stimmung jedes Mal ins beinahe aggressive, weil er keine Menschenansammlungen mochte. Er wurde dann immer ganz schnell maulig und lief nicht mit uns, sondern lief hinter uns her. Dann gab es nur „ja“ und „nein“ Antworten seinerseits, und wehe man sprach ihn darauf an was ihm jetzt nicht passt. Dann stritt er alles ab, mit einem dermaßen genervten Blick, so dass uns beinahe jedes Mal die Lust an derartigen Ausflügen verging.

Ich glaube im Nachhinein ist man immer schlauer oder? (Bitte sagt „ja“ 🙂 )

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Die Trennung und die Zeit danach

Im September 2018 hatten wir uns mal wieder wegen einer Belastung meiner Kreditkarte gestritten. Neu war bei diesem Streit, dass ich richtig laut geworden bin. Ich hab ihn zuvor noch nie angeschrieben dabei, aber an dem Tag tat ich es und ich sagte ihm klipp und klar, dass wenn es noch einmal vorkommt, dann trenne ich mich! Insgeheim hoffte ich damals noch, dass diese Drohung eine Veränderung seines Verhaltens herbeiführen würde.

Nach diesem Streit ignorierte er mich und meine Tochter komplett. Er lebte quasi auch nur noch in seinem Zimmer, kam kaum noch raus. Wenn er mit mir sprach, dann nur in absolut herablassender Art und Weise. Meine Tochter meinte in dieser Zeit einmal zu mir „Mama, man könnte meinen Du hättest ihm gesagt, dass du ihm fremdgegangen wärst, so beschissen wie er dich behandelt. Der hat sie doch nicht alle!“ Ich wusste in dieser Zeit auch echt nicht mehr was ich noch denken geschweige denn tun sollte. Ich fühlte mich wie im falschen Film.

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Fast exakt vier Wochen nach diesem letzten Streit – es war Oktober – checkte ich online mein Bankkonto. Und dann sah ich es. Zwei Abbuchungen über PayPal hinter denen sich dann jeweils ein ITunes Kauf verbarg und eine Abbuchung über 100 Euro durch einen Online Shop, der mir überhaupt nichts sagte. Schon in Erwartung was er wieder für Ausreden bringen würde, sprach ich ihn darauf an. Aber was dann seinerseits kam übertraf meine Erwartungen! Total ruhig, und so als wäre es das normalste auf der Welt, und ohne auch nur das kleinste Anzeichen von Reue oder Unrechtsbewusstsein sagte er: „Die 100 Euro…. ja das wollte ich dir noch sagen, da hab ich mir einen Tee für gekauft! Und das andere… ja da hab ich mir zwei Apps für gekauft!“ Ich konnte dazu ehrlich rein gar nichts mehr sagen! Ich hab ihn nur angesehen und da machte es „Klick“! Genau in diesem Moment war mir ein für alle Mal klar, dass er sich niemals ändern wird! Und auch an diesem Abend beschloss ich mich von ihm zu trennen.

Zwei Wochen später hatte sich meine Schwester mit ihrer Familie zu einem Besuch angemeldet. Da sich mein Ex mir gegenüber immer noch total abwertend verhielt, bat ich ihn eines Abends, er soll sich bitte in der Zeit wenn meine Schwester da ist zusammenreißen. Ich sagte sogar „Ich möchte das du mich in der Zeit vernünftig behandelst!“ Und seine Antwort war „Das weiß ich noch nicht ob ich das kann!“ Hammer! Ich dachte ich höre nicht richtig!

Meine Schwester und auch ihr Mann haben in punkto Beziehungsfragen eher konservative Vorstellung bzw. Einstellungen (das ist zumindest mein Eindruck). Aber wir nutzten natürlich die erstbeste Gelegenheit um zu reden. Konkret sprach sie mich in der Küche an (und ihr Mann kam dann auch direkt dazu) und meinte „So, jetzt erzähl mal.“ Und dann habe ich mir alles von der Seele gesprochen. Es tat so unglaublich gut! Ich habe natürlich in all den Monaten auch schon immer mal mit ihr oder anderen Menschen darüber gesprochen, aber ein persönliches Gespräch mit der eigenen Schwester ist es dann doch noch mal etwas ganz anderes. Ich weiß heute gar nicht mehr warum, aber ich hatte in dem Moment nicht wirklich damit gerechnet, dass mir beide dazu anrieten ihn zu verlassen. Aber genau das taten sie. Sie boten mir auch Unterstützung an, sei es bei einem eventuellen Umzug oder auch finanziell. Ich war wirklich total erleichtert. Es tat so gut sie hinter mir zu wissen. Ich hatte mir insgeheim auch schon eine Art Plan gemacht wann ich mich trennen würde bzw. wann ich es ihm sagen würde und auch welche Dinge ich vorher schon (heimlich) erledigen würde. Dazu zählten Änderung der EC Karten Pin, Änderung des Online Banking Pins, Kündigung der Kreditkarte etc. Auch davon erzählte ich meiner Schwester und sie fand die Ideen auch gut und sagte mir „Genau so machst du es!“

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Ich weiß nicht ob in diesem Fall das Wort „berechnend“ wirklich passend ist. Ich setzte jedenfalls alle meine Ideen die ich mir überlegt hatte in die Tat um. Kurz bevor das Novembergehalt kam, bei dem auch unser beider Weihnachtsgeld ausgezahlt wurde, änderte ich alle Passwörter und Zugangsdaten. Als das Geld dann auf dem Konto war beglich ich meine Kreditkarte, auf dem zu diesem Zeitpunkt 800 Euro Miese waren. Außerdem stellte ich ihm 50% des Vormonatsminus auf unserem Konto „in Rechnung“. Ich zog außerdem anteilig Miete und Kosten für Strom und anderer Nebenkosten ab, und holte dann sein restliches Gehalt inkl. dem verbleibenden Weihnachtsgeld in bar von unserem Konto.

Und dann kam der Tag der Wahrheit. Ich war wirklich nervös und hatte ehrlich gesagt auch etwas Angst vor seiner Reaktion. Ich fasste all meinen Mut zusammen und ging in sein Zimmer. Natürlich weiß ich meinen genauen Wortlaut nicht mehr, aber es war in etwa so „Da ich ja in letzter Zeit sowieso den Eindruck habe, dass dir an unserer Beziehung nichts mehr liegt, mache ich es dir jetzt einfach und mache Schluss. Hier ist dein letztes Gehalt, ich habe aufgeschrieben was ich abgezogen habe. Wir können uns gerne zusammensetzen und die nächsten Schritte zusammen planen, aber eins vorweg – DAS ist meine Entscheidung und da gibt es auch KEIN zurück!“ Er sagte kein Wort und somit verließ ich kommentarlos sein Zimmer.

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Die nächsten Stunden, Tage und Wochen waren seinerseits sehr… wie soll ich es sagen ohne das es kalt kling…. Er hat sich äußerst erniedrigt. Er hat total viel geweint, hat gebeten und gebettelt, hat mir total viele Briefe geschrieben die alle über viele viele Seiten gingen, Textnachrichten von solch einer Länge das sie mein Handy nicht auf einmal anzeigen konnte, Sprachnachrichten von 20 Minuten Länge und länger…. Es war schlimm! Sogar seine Schwester schrieb mir einen echt langen Brief, in dem sie mich bat meine Entscheidung noch einmal zu überdenken. Das war mir ja dann gleich total suspekt. Aber gut…. kann sie ja machen. Ich blieb auf jeden Fall bei meiner Entscheidung. Ich weiß nicht genau wie ich es beschreiben soll, aber mit dem Tag an dem ich diesen Schlussstrich zog, änderte sich auch mein Verhalten. Ich war plötzlich ganz klar, strukturiert, redete meinerseits mit ihm nur noch das Nötigste und war in meinem Wesen eher kalt und abweisend.

Die Weihnachtstage 2018 verbrachten meine Tochter und ich bei meiner Schwester und diese Auszeit tat einfach unglaublich gut! Ich konnte wieder etwas zur Ruhe kommen, hatte liebe Menschen um mich und konnte mich auch ausruhen. Wir waren zu diesem Zeitpunkt knapp 4 Wochen getrennt. Ich suchte eine Wohnung für meine Tochter und mich. Wir sahen uns auch ein paar an die finanziell in Frage kommen würden. Einmal hätte es beinahe geklappt, doch kurz vor Vertragsabschluss sagte der Vermieter ab. Es war schwierig. Und mein Ex? Der dachte gar nicht daran auszuziehen! Nein er machte das was er schon immer am besten konnte – Geld ausgeben das er nicht hat! Er kaufte und kaufte und kaufte. UNGELOGEN – an vier von sechs Werktagen pro Woche kam mindestens (!) ein Paket für ihn an. Meistens waren es aber gleich mehrere. Seine Shoppingerlebnisse inklusive der dazugehörigen Rechnungen drapierte er dann schön für alle einsehbar auf unserem großen Esstisch. Ich kann euch nicht sagen was das mit mir gemacht hat! Äußerlich versuchte ich mir nichts anmerken zu lassen, aber innerlich fühlte es sich an wie ein Schlag ins Gesicht! Er machte genau mit dem weiter, wo er genau wusste, das dies ein Grund für unsere Trennung war! Es war unfassbar für mich! Und was er sich kaufte!!!! Man sollte meinen, jemand der in eine Wohnung zieht kauft sich sinnvolle Dinge wie…. keine Ahnung…. Geschirr, Töpfe, Handtücher und so etwas. Nein, mein Ex kaufte sich (ich glaube) sämtliche Zauberstäbe von Harry Potter und aus den Herr der Ringe Filmen. Ich habe nachrecherchiert; allein dafür hat er gut 600 Euro ausgegeben. Außerdem gönnte er sich diverse, natürlich alles Markenartikel, Wander- und Campingzubehör Artikel. Vom Luxus Rucksack bis hin zum Zelt für das übernachten an Felsvorsprüngen, Taschenmesser für 100 Euro, etc. Es war alles dabei! Dazu fiel mir nix mehr ein außer:

ALLES RICHTIG GEMACHT!

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Dieses Verhalten seinerseits zog sich über mehrere Monate. Ich für meinen Teil habe im Februar/März 2019 jemanden über das Internet kennengelernt und mich auch sofort verliebt. Ich erlebte viele schöne Wochenenden (Fernbeziehung) in allen möglichen Städten von Süddeutschland. Aber was soll ich sagen…. es war im Nachhinein betrachtet mehr eine Art Flucht von mir. Ich genoss diese schönen Momente, seine Aufmerksamkeiten! Absolut! Ich fühlte mich gut. Größtenteils fühlte es sich irgendwie leicht an, und auch mein Traum vom Motorrad (mit)fahren erfüllte sich in dieser Zeit. Und an den Wochenenden an denen meine Tochter bei ihrem Vater war, war ich unterwegs und musste mich nicht mit meinem Ex auseinander setzen. Aber auch in dieser „Beziehung“ (es war für mich nicht wirklich eine Beziehung) merkte ich schnell, dass nicht alles was er mir erzählte auch der Wirklichkeit entsprach. Vielleicht war ich auch zu sehr darauf gepolt, eventuell vorhandene Defizite zu ermitteln. Ich weiß es nicht! Ich trennte mich im September 2019 wieder von ihm, und ich habe diese Entscheidung auch bis heute nicht bereut.

Bis mein Ex auszog wurde es Juli 2019! Wir wohnten also acht Monate nach unserer Trennung noch zusammen. Diese Zeit war im Großen und Ganzen sehr belastend für mich. Ich habe mich in meinem eigenen Zuhause nicht mehr wohl gefühlt. Es war alles so erdrückend, immer eine angespannte Stimmung. Man konnte nicht in Ruhe telefonieren, keine Freunde einladen. Es war nicht schön! Und acht Monate sind lang!

Als er dann final auszog erwartete ich eine Art Euphorie in mir, eine Art Freude oder ein Gefühl der Befreiung! Aber es passierte nichts dergleichen. Das ganze Gegenteil passierte weniger Woche darauf. Ich fiel in ein totales seelisches Loch. Plötzlich wurde mir bewusst wie viel Kraft ich in diese Beziehung gesteckt hatte. Wie viele Jahre ich gekämpft hatte, wie viele Tränen ich geweint hatte. Es gab so unendlich viele Nächte an denen ich vor Kummer nicht schlafen konnte, weil ich nicht wusste wie es weitergehen soll. Ich habe in Chancen und Möglichkeiten gedacht, bin alle möglichen Konstellationen gedanklich tausendmal durchgegangen. Und wofür? Ich war so leer! In der Zeit nach seinem Auszug habe ich erst gemerkt, wie viel ich von mir in dieser Beziehung gelassen habe und wie viel in mir in dieser Zeit kaputt gegangen ist! Es war ein grausames Gefühl!

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Auch nachdem er ausgezogen war lies er mich nicht wirklich in Ruhe. Immer wieder kamen lange lange Whatsapp Nachrichten. Ich weiß noch, dass er das eine Mal recht freundlich anfing zu schreiben. Es war ca. November 2019, also zu der Zeit als ich das erste Mal krankgeschrieben wurde. Er wollte wissen wie es mir geht. Ich schrieb mit ihm ein paar Nachrichten hin und her, und von der einen zur anderen Nachricht kippte Seine Stimmung. Er wurde total aggressiv, beschimpfte und beleidigte mich und er drohte mir sogar. Ich antwortete ihm nicht mehr. In der gleichen Nacht (gut das ich immer den Flugmodus über Nacht anhabe) kamen dann auch wieder ewig lange Sprachnachrichten. Es war ein Mix aus Entschuldigungen, Anschuldigungen, Bitten, Vorhaltungen und Liebesbekundungen. Aber auch darauf habe ich nicht reagiert. Insgesamt ging das so bis ca. Februar 2020. Dann hatte ich die Nase voll und habe mir eine neue Handynummer geben lassen. Und ratet wem ich sie nicht gegeben habe?

Heute spüre ich zwar keinen Groll mehr gegenüber meinem Ex, er ist mir als Mensch egal! Aber es ist in der Tat so, dass ich immer noch daran bzw. an den seelischen Folgen die diese Beziehung bei mir hinterlassen hat, arbeite. Ich bin mir inzwischen sicher, dass er bzw. das in dieser Beziehung mit ihm, tiefsitzende negative Glaubenssätze in mir getriggert wurden, und das über einen sehr langen Zeitraum! Glaubenssätze wie „Ich bin nicht gut genug“, „Ich muss mich mehr anstrengen“, „Ich muss mich anpassen“ oder „Ich muss vorsichtig sein“. Ich habe auch noch keine „Lösung“ gefunden. Es ist für mich auch heute noch unfassbar schwer zu begreifen was da damals abging. Wie auch ich mich so verhalten konnte in dieser Beziehung, warum ich das alles so hab mit mir machen lassen etc. Vom unerfüllten Kinderwunsch bis hin zu seinem herablassenden Verhalten mir gegenüber. Das hat wirklich richtig tiefe seelische Narben in mir hinterlassen und ich hoffe inständig, dass ich diese eines Tages nicht mehr so präsent in meinem Leben spüre!

Daher auch dieser Beitrag!

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Danke für´s Lesen! Gerne könnt ihr mir auch heute dazu eure Meinungen mitteilen!

Und solltest Du meinen Block noch nicht abonniert haben, dann freue ich mich wenn du es jetzt tust! 🙂

Selbst(und)bewusst(sein)

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Selbstbewusst – Dieses Wort habe ich schon immer mit dem Begriff Stärke kombiniert. Selbstbewusst waren für mich immer die Menschen, die Präsent sind sowie sie den Raum betreten, die laut und klar formulieren wer oder was sie sind, die jederzeit und entgegen aller Widrigkeiten ihre Meinungen vertreten und immer sicher in ihren Handlungen und in ihrem Denken sind. Selbstbewusst – ich hätte es aber auch immer eher mit Wörtern wie „Laut“, „Kälte“, „Abgeklärtheit“ oder auch „Starrheit“ in Verbindung gebracht. Daher habe ich dieses Wort auch eher immer mit zu wenig Emotionalität anderen Menschen gegenüber in Verbindung gebracht.

Selbst(und)bewusst(sein)

Das hört sich für mich gleich viel entspannter und auch ruhiger an. Es klingt für mich irgendwie nicht mehr so hart, sondern eher weich und auch aufgeschlossen. Jemand der sich seiner selbst bewusst ist. Es ist an sich das gleiche Wort, aber es klingt irgendwie harmonischer.

Ich glaube ich wäre lieber selbst und bewusst als Selbstbewusst! (zumindest in meiner ganz eigenen Definition) 🙂

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Dies ist ein Beitrag den ich ganz unabhängig von meinen anderen Beiträgen schreibe. Unabhängig in dem Sinne, da ich ja sonst immer in meinem Tagebuch blättere um in einer gewissen Chronologie von meiner Erkrankung, meinem Leben und meiner ganz eigenen Entwicklung zu schreiben. Warum ich das mache? Weil ich auch mit diesem Beitrag hoffe jemanden mit meinen Worten zu erreichen. Vielleicht jemanden dem es gerade ähnlich geht wie mir oder aber auch jemanden, der vielleicht ganz anders in der aktuellen Zeit mit den Geschehnissen und seinen Gefühlen umgeht.

Wir leben momentan in einer verrückten Zeit. Wer hätte jemals gedacht, dass so etwas kleines wie ein Virus mal unser aller Leben bestimmt! Keine Sorge – es kommt jetzt keine Argumentation pro oder contra zu den derzeitigen Maßnahmen. Ich möchte hier keine Diskussion über Sinn oder Unsinn von etwas anstoßen, oder etwas als gefährlich oder ungefährlich hinstellen. Es geht mir um etwas anderes.

Wir können zu allem eine Meinung haben oder nicht. Wir können versuchen andere mit Argumenten von unserer Meinung zu überzeugen oder auch nicht. Wir können uns aufregen oder auch nicht. Wir können uns informieren, nachdenken, Diskussionen anstoßen, uns engagieren um etwas zu bewegen oder zu ändern. Das alles ist gut! Aber was nicht gut ist, was schon immer etwas negatives hervorgebracht hat, ist Wut!

In der Wut verliert der Mensch seine Intelligenz

Dalai Lama

Ich erlebe heute sehr viele Menschen die sich über alles was heute passiert und vor sich geht furchtbar aufregen und die wütend sind. Ich möchte es fast mit der Zeit der Flüchtlingswelle 2015 vergleichen, als man als „Willkommensklatscher“ oder „Gutbürger“ bezeichnet bzw. in deren Sinne eher beschimpft wurde, wenn man Offenheit und Hilfsbereitschaft gezeigt hat. Damals wie heute hat man diese Wut, diese Aggression andauernd und überall gespürt. Vor allem in den sozialen Medien! Da wird gewütet und geschimpft, teils mit einer solchen Aggressivität, mit so viel Hass…. Ich frage mich ernsthaft ob diese Menschen meinen, dass aus dieser Aggressivität heraus, mit dieser Wut im Inneren und Außen etwas Produktives und Gutes geschehen kann.

Ich spreche gleichwohl niemandem seine persönliche Meinung ab! Ich finde es größtenteils wichtig eine Meinung zu haben und diese auch zu äußern. Die Frage ist immer nur WIE man das macht!

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Ich habe schon immer versucht in jeder vorerst sich negativ anfühlenden Erfahrung etwas positives zu sehen. Das heißt nicht, dass ich etwas schön rede oder es relativieren möchte. Nein das heißt es ganz und gar nicht. Es gibt furchtbar viele schlimme Dinge die jedem einzelnen von uns ganz persönlich oder uns allen als Gemeinschaft passieren. Wie auch jetzt in den letzten Monaten. Da gibt es einerseits die vielen erkrankten und gestorbenen Menschen. Andererseits die vielen vielen Einschränkungen in unser persönlichen Freiheit, in unserem (Er)leben. Existenz- und Zukunftsängste. Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, Insolvenzen…. Es gibt aktuell so viel Unsicherheit und Angst. Aber ich glaube es ist ein Fehler oder besser gesagt ein falscher Ansatz sich von Negativität, Unsicherheit und Angst leiten zu lassen.

Positivität – sicherlich ein Wort dessen Bedeutung nach man dieser Tage, in der aktuellen Situation kaum als „Kompatibel“ meint. Positiv zu denken heißt aber nicht, dass man alles gut heißen muss was um einen rum passiert. Positivität bedeutet nicht keine Meinung zu haben. Positivität heißt nicht „wegzusehen“ oder „auszuhalten“ oder „stillzuhalten“. Positivität kann aber eine andere Art des Umgangs mit der Situation, mit den eigenen Emotionen oder den Gefühlen und Gedanken anderer sein.

Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.

unbekant

Es gibt viele Dinge im Leben oder in der Welt, die wir selber nicht wirklich beeinflussen können. Kriege, Unruhen, Attentate, Korruption, menschliche Grausamkeiten jeglicher Art. Das alles sind furchtbar schlimme Dinge! Es ist auch wichtig und okay, dass darüber in den Medien berichtet wird. Ich finde es auch wichtig zu wissen was in der Welt und um mich herum passiert. So grausam und bitter vieles ist was in der Welt passiert, aber wir selber haben darauf zumeist überhaupt keinen Einfluss. Aber was wir IMMER beeinflussen können sind WIR SELBST und wie wir ganz BEWUSST damit und mit uns umgehen.

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Egal welchen Fernsehsender man einschaltet, es ist doch immer das Gleiche oder? Man hat das Gefühl es gäbe nur noch Mord und Todschlag um einen herum. In den sozialen Netzwerken wird so viel geschimpft, gemeckert, gejammert und auch beleidigt und gedroht. Es schlägt einem so viel Hass und Missgunst entgegen. Ich frage dich: Was machen die ganzen Nachrichten mit dir, die du ständig überall konsumierst? Was lösen sie in dir aus?

Wie wäre es stattdessen mal mit Nachrichten die aus guten Neuigkeiten bestehen? Es kommt heutzutage schon fast einem Wunder gleich wenn in einem Nachrichtensender gute Neuigkeiten verkündet werden! Ist euch das nicht auch schon mal aufgefallen? Was würde passieren, wenn du von den vielen guten Dingen erfahren würdest die um dich herum passieren? Was würden diese Nachrichten in dir auslösen? Welches Bild würden sie dir von der Welt vermitteln? Wie würde es in dir aussehen, wie würdest du dich fühlen nachdem du gute / positive Neuigkeiten erfahren hast?

Ich bin ganz bestimmt nicht naiv oder gutgläubig! Ich weiß das nicht alles Sonnenschein ist. Aber ich frage dich – Was bringt dir Negativität? Wenn du jetzt „nichts“ als Antwort sagen möchtest, dann frage ich dich, warum umgibst du dich dann mit Negativität? Warum lässt du es zu, dass Negativität in dein Leben tritt? Warum suchst du nicht nach den positiven Dingen in deinem Leben? Warum versuchst du nicht das positive um dich herum wieder wahrzunehmen. Warum SCHAFFST du dir nicht positive Dinge in deinem Leben, die dich bereichern, die dich weiter bringen, die dich wachsen lassen und die dich und dein Leben vollkommen ausfüllen und daher gar keinen Platz bieten für Negativität!?

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Das einfachste was du aktuell machen kannst und was du sofort umsetzen kannst, ist die Masse an negativen Neuigkeiten die auf dich einprasseln zu reduzieren! Schaue weniger Fernsehen! Ich sage nicht, schaue gar kein fernsehen mehr! Ich sage nicht, interessiere dich nicht mehr für Politik und das Weltgeschehen! Schau einfach nur weniger Nachrichten! Checke nicht, wohlmöglich mehrmals täglich, die neuesten Corona-Fallzahlen. Mach dich nicht selber verrückt! Es ändert nichts! Im Gegenteil! Es verunsichert dich nur noch mehr! Aber ich meine das nicht nur in Bezug auf Corona und der damit einhergehenden Berichterstattung. Es kann (!) genauso für alle anderen Nachrichten, die nicht dein persönliches Leben betreffen, gelten. So schlimm wie es ist, aber was hat ein eingestürztes Haus irgendwo am Ende der Welt mit dir zu tun? Ich hoffe ihr versteht was ich damit meine! Ich möchte nicht gleichgültig klingen, aber DU oder ICH, was können wir für dieses „eingestürzte Haus“ (als Sinnbild für viele schlechte Neuigkeiten stehend)? Nichts oder? Warum belasten wir dann unser Unterbewusstsein damit? Auch wenn es viele Menschen für Quatsch halten, aber ALLES was wir konsumieren hinterlässt Spuren in uns! Es macht etwas mit uns!

Eintrag von meinem privaten Instagram Account vom 13. April 2020:

Ich frage mich in letzter Zeit immer sehr oft, was mir wirklich wichtig ist. Ich gehöre zu den Menschen, die der jetzigen Situation auch sehr viel Gutes abgewinnen. Es gibt nur wenige Dinge die ich wirklich vermisse. Meine Familie zum Beispiel, oder auch mein kleines Lieblingskino, asiatisch Essen gehen und auch mein Fitnessstudio zählen dazu. Und dann? Dann hört es eigentlich auch schon auf. Ich genieße „die Ruhe der Welt“ gerade sehr. Mir war das Leben immer viel zu „laut“. Dieses hauen und stechen überall. So Viele wollten immer besser sein als der Andere. Das Geprotze was man hat an „Besitz,“ wo der nächste Urlaub hingeht, das noch schnellere Auto, der geile Job, die tausenden „Freunde“, die Partypeoplegesellschaft…. Ist das wirklich so erstrebenswert? Will man wirklich dahin zurück? Kann man das auch anders machen? Es klingt naiv…. idealistisch… was weiß ich denn schon. Ich hätte gerne weniger Ich-Menschen in meinem Leben. Die Ruhe da draußen auch weiterhin. Mehr Natur. Einfache Dinge die einen glücklich (wirklich glücklich) machen. Mehr echte Nähe. Echte Gedanken und Gefühle. Ehrlichkeit. Und schon bald wenn diese Zeit vorbei ist, werden viele und wird vieles wieder so sein wie es war…. .

Du könntest versuchen die allein schon dadurch gewonnene Zeit mit positiven Erlebnissen zu füllen! Wie schon im April diesen Jahres auch, vermisse ich auch jetzt Kinobesuche oder das Treffen mit lieben Menschen. Ich würde auch wahnsinnig gerne mal wieder auf ein Konzert gehen! Aber wenn ich mich darüber aufrege das ich es jetzt nicht kann, was ändert es? Dadurch kann ich es auch nicht tun! Aber es würde Frust, schlechte Laune in mir hinterlassen. Also rege ich mich nicht darüber auf! Nochmal, das heißt nicht das ich die getroffenen Maßnahmen unserer Regierung als richtig erachte! Ich finde sie weder falsch noch richtig! Ich glaube das gibt es in diesem Zusammenhang gar nicht! Es gibt kein vollkommen falsch oder ein vollkommen richtig! Ich kann die Maßnahmen nicht ändern, aber ich kann ändern wie ich damit umgehe!

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Was ist das wirkliche Problem?

Ich glaube wir neigen immer sehr schnell dazu andere Menschen verändern zu wollen, sie unserer Meinung anpassen zu wollen. Unsere Meinung und unser Ideale, unsere Wertevorstellung sollen die von allen sein! Aber das ist Bullshit! Aber ich habe gerade momentan das Gefühl, dass genau das das Problem ist.

Manchmal frage ich mich auch, ob viele Menschen einfach zur Zeit so aggressiv sind, weil sie gar nicht wissen was sie im Leben eigentlich wollen! Im Ernst, manchmal glaube ich, dass viele Menschen schon so sehr durch den unendlich scheinenden und immer verfügbaren Konsum, gar nichts mehr mit sich als Person, als Mensch, anfangen können. Alles wird nur durch Konsum gesteuert. Und jetzt wo so vieles wegfällt, wissen sie nichts mit sich anzufangen. Waren es doch immer „andere“ die sich um uns, unser Vergnügen unser Glück oder was auch immer wir meinten damit zu verbinden, gekümmert haben.

4 Worte die jeder respektieren sollte:

ES IST MEIN LEBEN

Ich glaube wir sind in den letzten Jahrzehnten einfach unglaublich Fremdbestimmt geworden! Wir haben teilweise komplett verlernt was es heißt Eigenbestimmt und bewusst das eigene Leben zu kreieren und zu erleben. Wir lassen uns durch die Werbung sagen was wir anziehen sollen, was schick ist, wann „in“ ist. Wir lassen andere darüber entscheiden was Erfolg ist, was gut und was schlecht für uns ist. Wie Marionetten, erfüllen wir Erwartungen anderer und machen sie zu unseren. Es ist wie ein Wettkampf geworden. Wir rennen unserem vermeintlichem Glück hinterher ohne eigentlich zu wissen was wir wirklich wollen. Wann sind wir zufrieden?

Was kannst du tun?

Es ist einfach immer das zu machen was andere machen. Es ist natürlich einfacher mit dem Strom mit zu schwimmen. Oder das als Erfolg, Glück oder Schönheit zu betrachten oder anzunehmen, was einen von außen suggeriert wird. Aber wer sagt das das richtig ist? Wer sagt, dass das was dir als Erfolgt, Glück oder Schönheit „verkauft“ wird, auch dem entspricht was du damit wirklich im Inneren verbindest?

Beschäftige dich wieder mit dir selber! Finde deine eigenen Fragen und deine eigenen Antworten! Komm wieder zu dir zurück! Entdecke dich neu! Es muss nicht immer das Große-Ganze sein, dass man verändert oder verändern möchte. Es reicht vollkommen wenn du bei dir anfängst! Und vielleicht liegt in der momentanen Situation ja auch jetzt DIE Chance!

Eigene Fragen könnten zum Beispiel sein:

Bewertung: 5 von 5.

Was bedeutet Erfolg für dich? Hinterfrage diesen Begriff für dich. Ist es das was andere als Erfolg definieren oder das was du als Erfolg definierst? Was könnte dein eigener persönlicher Erfolg sein?

Bewertung: 5 von 5.

Was bedeuten die Werte Schönheit und Glück für dich? Was macht diese Werte für dich aus? Sind es Deine Werte oder die von anderen?

Bewertung: 5 von 5.

Was für ein Mensch möchtest du sein? Wie oder wer bist du jetzt? Wo willst du für dich, in deiner eigenen Entwicklung, hin?

Bewertung: 5 von 5.

Lebst du dein Leben oder das Leben das andere von dir erwarten?

Bewertung: 5 von 5.

Bist du so wie du bist, oder wie du denkst das andere dich gerne hätten? Wie fühlt sich dein ICH an?

Ich weiß, diese Fragen klingen im ersten Moment recht spirituell 😉 Aber es geht mir darum, dass du dich und dein Leben einmal hinterfragst. Vielleicht lohnt sich ja ein gewisser „Neuanfang“? Wenn uns Corona eines gezeigt hat, dann das, dass ALLES passieren kann und sich jeder von jetzt auf gleich umstellen (muss) kann.

Erkenne Deine eigenen Chancen und Möglichkeiten! Entdecke deine eigene innere Welt und lebe sie nach außen. Finde deine eigenen persönlichen Schätze. Du hast jetzt die Chance alles loszulassen was dich unter Druck gesetzt hat, du kannst vermeintliche Ziele und Ideale ablegen, deine eigene Definition von Glück und Erfolg oder Schönheit definieren und leben. Du kannst jetzt lernen „ja“ zu dir selbst zu sagen und deine eigenen Ziele mit Fokus und vor allem Freude verfolgen. Wir wünschen uns immer Liebe, Zuneigung und Vertrauen von anderen. Warum wünschen wir uns das nicht von uns selbst für uns selbst? Überlege dir was du wirklich brauchst in deinem Leben. Höre auf es allen anderen recht zu machen!

Nutze die Zeit und werde dir selbst wieder bewusst!

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No Drama!

Juni / Juli 2020

Im ersten Moment wollte ich jetzt schreiben, dass in diesen beiden Monaten nicht wirklich viel passiert ist. Aber eigentlich hatte ich im Juni und Juli auch viele kleinere schöne Momente, die insgesamt ein großes Ganzes an schönen Momenten in mir hinterlassen haben.

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Anfang Juni zum Beispiel habe ich mich das erste Mal mit einer Arbeitskollegin getroffen, die ich bisher zwar schon recht gemocht habe, aber privat hatten wir uns bisher noch nie gesehen. Ich habe mal in einem sehr zeitaufwendigen Projekt in der Arbeit mit ihr zusammen arbeiten dürfen. Und ich glaube damals haben wir uns beide gegenseitig ganz neu gesehen bzw. wahrgenommen. Ich glaube sie hat gesehen, dass es hinter der stets Metallshirts tragenden, immer eher mürrisch und laut wirkenden Alex, doch auch eine andere Seite gibt. Und ich mochte total ihre ruhige, immer irgendwie ausgeglichene Art und Weise die Dinge anzugehen. Sie bliebt stets ruhig, egal wer wieder irgendwie versuchte das Projekt zu „behindern“, sie war gechillt und besänftigte mich wieder wenn ich wieder wie ein kleiner Giftzwerg zu toben begann. 😉 Ich habe sie damals schon auf eine ganz andere Art und Weise kennenlernen dürfen, als so manch anderer in der Abteilung und war darüber wirklich echt froh. Um so mehr traf es mich dann auch, als ich mitbekam das es ihr gesundheitlich nicht mehr gut ging in der Arbeit. Ich glaube ich habe das auch recht spät bemerkt. Kurz bevor sie dann auch für mehrere Monate ausgefallen ist, begegnete sie mir einmal auf dem Gang vor unseren Büros. Ich fragte sie wie es ihr ginge und sagte auch sowas wie, das sie nicht gesund aussieht, aber sie wirkte wie abwesend, wie so ein einer Art Blase. Ich weiß nicht genau wie ich das beschreiben soll. Kurz danach fiel sie dann, wie schon gesagt, für mehre Monate aus. Diagnose Depression!

Am 05.06.2020 haben wir uns das erste Mal in einem kleine Café getroffen. Wir haben leckeren Kuchen gegessen und Tee getrunken. Das war echt toll. Es tat sehr gut mit jemanden zu sprechen, der genau wusste und nachempfinden konnte wie es in einem aussieht und welche Ängste, Sorgen und Gedanken man mit sich rumträgt. Ich glaube dieses Treffen tat uns beiden gut. Und wir haben uns seitdem auch jetzt schon mehrmals privat gesehen und ich kann für mich ganz klar sagen, dass sie ein absolut feiner Mensch ist und ich sehr froh bin, dass ich sie kenne! (Ja ich weiß, dass du das hier liest und ja, der Querkopf in mir hat schon versucht es nicht allzu sentimental zu schreiben 😉 )

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Absolut nicht zu vergessen ist mein Geburtstag und der damit verbundene Kauf meiner wunderschönen Gitarre. Auch heute ist es einerseits für mich noch total unfassbar, dass ich mir diesen Traum erfüllt habe und andererseits ist es für mich genauso unfassbar dass ich so viele Jahre damit gewartet habe. Daher noch mal mein Apell für euch: Solltet ihr irgendeinen Wunsch haben, den ihr euch schon immer mal erfüllen wolltet dann MACHT ES! FANGT AN!!! Nichts bereuen wir mehr als die Dinge, die wir nicht getan haben!

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Meine Tochter hatte Anfang Juli auch ihre Abschlussprüfungen in der Realschule. Corona bedingt erst später als die Jahrgänge zuvor. Sie hat richtig viel gelernt, war eigentlich fast nur noch damit beschäftigt und hat sich jede Menge Stress und Druck gemacht. Ich habe versucht sie immer mal wieder abzulenken, bin mit ihr spazieren gegangen oder hab ihr mal ab und an eine Lernpause verordnet. Viel mehr konnte ich fast gar nicht tun. Aber das Resultat ihres Fleißes war wirklich großartig! Sie war mit einem Schnitt von 1,3 die Drittbeste aus ihrer Klasse! Bei ihrer Zeugnisausgabe, die auch wegen Corona nur im Rahmen einer kleineren Abschlusszeremonie stattgefunden hatte, wurden sie und die anderen beiden Schülerin auch separat nach vorne gerufen und bekamen auch eine Auszeichnung. Ich kann euch gar nicht sagen wie wahnsinnig stolz ich auf sie war und es auch immer bin!

Meine Tochter und ich haben ein ganz besonderes Verhältnis. Okay, ich denke viele werden das über die Beziehung zu ihrem Kind oder ihren Kindern sagen. Aber ich glaube Hanna und mich verbindet schon ein ganz besonderes Band. Sie ist für mich die Tochter die ich immer haben wollte. Es ist echt viel schief gelaufen in meinem Leben, aber bei ihr habe ich immer das Gefühl das ich etwas richtig gut gemacht habe. Sie ist ein ehrlicher und aufrichtiger Mensch geworden, die immer sagt was sie denkt. So manches Mal bekam ich schon große Augen, wenn sie für sich und ihre Meinung eingestanden ist. Sie gehört noch zu den Kindern die „bitte“ und „danke“ sagen und freundlich und offen ihren Mitmenschen gegenüber sind. Eigenschaften die man bei sehr vielen Kindern heutzutage vermisst. Wir können sehr gut miteinander reden, lachen sehr viel, helfen uns gegenseitig, kochen gerne zusammen, gehen zusammen ins Kino und es ist einfach richtig angenehm und unkompliziert zwischen uns. Das ist wirklich großartig! Ich bin mir schon bewusst, dass alle meine Erfahrungen die ich gemacht habe und die sie mitbekommen hat, auch einen Einfluss auf ihr Leben haben bzw. haben werden. So manches hätte ich ihr gerne erspart. Trotzdem hoffe ich, dass die vielen positiven Erlebnisse und auch meine guten Seiten einen entscheidenden Einfluss auf ihr Leben haben werden. Ich glaube mehr kann man sich als Mutter für sein Kind auch nicht wünschen.

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Meine Krankheit machte mir in diesen beiden Monaten in punkto Konzentration und Durchhaltevermögen immer wieder zu schaffen. Auch wenn ich keine wirklichen Tiefs hatte, so war ich körperlich sehr schnell kaputt und geschafft und das machte mich wiederum gedanklich und gefühlsmäßig oft fertig. Sehr oft musste ich Aktivitäten unterbrechen oder ganz aufhören, weil ich es einfach nicht geschafft habe. Dieser Zwiespalt Dinge tun zu wollen, und sie andererseits nicht zu schaffen, nagte sehr an mir. Aber anders als in den Vormonaten schrieb ich diese Zustände nicht mehr mir als Person zu, sondern wusste es dieser Krankheit zuzuordnen. Das hat es dann natürlich nicht direkt besser gemacht, aber verständlicher. Zumindest für mich oder anderen Menschen die auch von dieser Erkrankung betroffen sind oder schon mal betroffen waren. Es nervte mich auch sehr, dass ich selbst bei Dingen die mir Spaß machten sehr schnell die Konzentration verlor und unterbrechen oder auch ganz aufhören musste. Das war beim lesen so oder auch beim Gitarre spielen. Beides Dinge die ich auch jetzt noch sehr gerne mache, aber auch heute ist es noch oft so, dass ich manchmal schon nach kurzer Zeit aufhören muss. Vor allem die Sorge dass mich diese „Begleiterscheinungen“ und die Erkrankung nun eventuell ein Leben lang begleiten würde, trieb mich sehr oft um. Ich weiß auch ehrlich gesagt gar nicht, ob man in dem Sinne wirklich jemals von Depressionen geheilt sein wird. Ich denke das sicherlich immer etwas davon in einem zurückbleiben wird.

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Immer wenn ich einen Beitrag für diesen Blog schreibe, dann lese ich immer sehr viel in meinem Tagebuch nach. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das schon einmal in einem der früheren Beiträge erwähnt habe, aber Tagebuch schreibe ich schon seit dem ich ein Kind bin. Es gab mal Jahre da hab ich es gar nicht getan oder nur sehr wenig. Aber als ich krank wurde habe ich diese wundervolle Beschäftigung wieder angefangen. Wundervoll weil, Tagebuch zu schreiben einfach etwas unfassbar befreiendes hat. Also zumindest für mich. Es ist so als würde man mit einen richtig guten Freund reden, nur das der einem nicht antwortet. Aber man kann irgendwie alles los werden was einen beschäftigt und ich habe schon sehr früh gemerkt, dass es gerade die angestauten und unausgesprochenen Gedanken sind, die einen so fertig machen oder in seinen Handlungen lähmen. Tagebuch zu schreiben ist wie so eine Art Ventil, bei dem ein Teil der Gedanken den Kopf sogar gänzlich verlassen. Nicht weil sie wirklich weg sind, sondern weil sie in einer gewissen Form „gesagt“ wurden. Und manchmal findet man im schreiben bzw. während des Schreibens auch seine eigenen Antworten.

Beim durchblättern und lesen meines Tagebuchs für diesen Beitrag habe ich gesehen, dass mich das Thema Männer und meine Beziehungen die ich bisher zu ihnen hatte, immer wieder sehr beschäftigt haben. Allein im Juni und Juli habe ich ganze fünf Beiträge dazu in meinem Tagebuch geschrieben. In meinem Blog Beitrag „Beziehung – nein Danke“ habe ich das Thema ja schon mal genauer beschrieben bzw. auch geschildert warum meine Einstellung zu Männern äußerst kompliziert ist. Anfang Juli habe ich einen Eintrag gemacht, der mit einem Zitat/Spruch begann, den ich in Instagram gefunden habe:

Ich habe schon Töpfe gesehen, die auch ohne Deckel glücklich lebten.

Autor unbekannt

Sicherlich war es nicht nur dieser Spruch der mich insbesondere in diesen zwei Monaten zu der Einsicht brachte, dass ich zumindest vorerst alleine bleiben möchte und keine Beziehung (mehr) haben möchte. Und für mich fühlte sich diese Entscheidung auch irgendwie befreiend an. Ich habe die Männerwelt nicht gänzlich für mich abgeschrieben, aber in gewisser Weise habe ich meinen Frieden damit gemacht. Ich habe erkannt, das wir zumindest vorerst nicht zusammen passen – also die Männerwelt und ich. Und das das auch absolut okay ist! Die Ursachen für diese Denkweise sind mir in den letzten Monaten ganz klar geworden und das ist für mich schon eine absolute Bereicherung! Es ist von der Priorisierung her gesehen, aber nicht die Nummer eins für mich. Es spielt eher eine untergeordnete Rolle. Früher undenkbar, aber ich genieße mein Singledasein wirklich sehr! Es ist so schön ruhig! 🙂 Keine Diskussionen, außer die die ich selber mit mir führe. Keine Probleme anderer die ich meine lösen zu müssen. Ich kann mir meine Zeit allein für mich, und die Dinge die ich mag und machen möchte einteilen. Ich muss auf niemanden Rücksicht nehmen, keine Dramen die mich Nachts wach halten und nicht schlafen lassen. Es ist nicht so, dass ich Beziehungen allgemein als etwas schlechtes oder so sehe. Ich habe nur einfach momentan einfach überhaupt keinen Bock darauf! 😉 In gewisser Weise hoffe ich auch, dass sich das Thema quasi selbst erledigt. Damit meine ich, dass ich das Thema an sich gar nicht in der Therapie behandeln muss, sondern dass es sich mit der Stärkung meines Selbstwertgefühls und dem erkennen und ausleben von eigenen Wünschen und Träumen von selbst erledigt.

Ich glaube nämlich an die Kraft oder die Magie der Anziehung.

Wer eine schöne Ausstrahlung hat, zieht schöne, positive Dinge an – und umgekehrt. Was ich denke und fühle, strahle ich aus – und was ich ausstrahle, ziehe ich an.

Wenn ich also mit mir glücklich, und sich mein Leben für mich gut anfühlt, dann strahle ich das aus und dann sollte ich auch genau solche Menschen anziehen. Diese Vorstellung gefällt mir sehr gut!

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Für alle die meinen oben genannte Beitrag noch nicht gelesen haben, verlinke ich ihn unten gerne noch einmal.

Ich hoffe der Beitrag hat euch wieder gefallen, auch wenn er sicherlich nicht so ganz spektakulär war, wie schon so manch anderer. Aber wie schon die Überschrift besagt; ich war auch mal ganz froh über etwas weniger Drama 😉

Bis zum nächsten Mal!


Beziehung – nein Danke!

Neulich habe ich auf Instagram einen Post gesehen der mich zu diesem Beitrag motivierte. Er lautete folgendermaßen: Wie man eine Beziehung aufrechterhält: Kommuniziert. Sprecht über die Dinge, die guten und die schlechten. Schafft Vertrauen. Seid ehrlich. Seid treu. Seid füreinander da. Nehmt euch Zeit füreinander. Lasst die Vergangenheit der Vergangenheit. Wisst, dass Argumente normal sind. … Beziehung – nein Danke! weiterlesen

Depression als Chance!

In einem meiner ersten Beiträge habe ich schon mal geschrieben, dass man in einer Psychotherapie gewisse „Erkenntnisse“ über sich und sein Leben gewinnt. Meistens sind diese Erkenntnisse nicht direkt offensichtlich. Es macht nicht immer einfach nur „klick“ im Hirn und man versteht ganz plötzlich, warum man so ist wie man ist. Das wäre sicherlich schön, ist aber leider ganz anders.

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Ich gehöre zu den Menschen, die immer alles verstehen wollen was mit einem selber und um einen herum passiert. Es fällt mir äußerst schwer, Dinge einfach so hin- bzw. anzunehmen. Ich bin immer auf der Suche nach dem genauen, dem „einen“ Grund. Im Rahmen einer Psychotherapie ist dieses „verstehen wollen“ daher manchmal etwas hinderlich, weil man auf eine gewisse Art und Weise nicht ganz offen ist. Der Kopf „zerdenkt“ immer alles bzw. alles zu schnell. Hinzukommt, dass ich ein recht ungeduldiger Mensch bin. Zumindest wenn es um meine Angelegenheiten geht. Aber wenn die Psyche erst einmal einen richtigen, ich nenne es mal, Knacks bekommen hat, dann ist man selber irgendwie nicht mehr Herr der Lage. Manchmal schien es mir, als ob ein anderes Ich die Kontrolle übernommen hat. Nicht das jemand denkt ich wäre schizophren oder so etwas, nein das sind wir nicht 😉

Ich meine nur damit, dass es einfach ganz oft Momente oder Situationen gab in denen ich plötzlich ganz anders handelte, als wie ich es jemals zu vor tat. Und ich glaube, dass waren dann Momente in denen meine Seele ein Stück weit geheilt ist. Das klingt im ersten Moment etwas spirituell, ich weiß. Ich werde versuchen es etwas genauer zu erklären.

Manche Sachen kann man nicht mit dem logischen Verstand erdenken. Es hat viel mehr etwas mit Gefühlen zu tun. Gefühle die in einem auftauchen. Einfach so, in den unterschiedlichsten Situationen und Begebenheiten. Oft kann man sich diese Gefühle gar nicht erklären, oder zumindest konnte ich das nicht. Zumeist waren das bei mir eher unangenehme Gefühle. Gefühle die einen blockieren, die einengend auf einen wirken, man verkrampft innerlich und ich wurde dann meistens ganz still, sagte nichts mehr und zog mich vollkommen in mich zurück. Und dann begann der Kopf zu denken. Und diese Gedanken wurden dann zum Problem für mich.

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Ich bin mir sicher, dass auch die Antidepressiva die ich seit Anfang des Jahres bereits nahm, darauf einen entscheidenden Einfluss hatten. Ich wurde innerlich viel viel ruhiger! Situationen in denen ich sonst eher Angst bekam, wirkten weniger bis gar nicht bedrohlich auf mich. Wenn sich doch mal schlechte Gedanken in meinen Kopf einnisten wollten, verschwanden sie sofort wieder. Bildlich gesprochen habe ich mir diese Gedanken immer so vorgestellt, als säßen sie auf vielen kleinen grauen Wolken, die aufzogen und den Himmel verdunkelten. Doch plötzlich kam ein sanfter Wind und wehte sie einfach davon und der Himmel war wieder wunderbar blau. 🙂 Okay, wenn ich das jetzt so selber lese, dann möchte ich sagen „Das kam ganz klar von den Antidepressiva!“ 😀

Aber selbst wenn; es ist okay! Ich wurde durch sie im denken und fühlen etwas gedämpft. Ich glaube das ist der Grund warum es auch Menschen gibt, die sich gegen Antidepressiva entscheiden. Sie haben Angst nicht mehr Herr ihrer Gedanken und Gefühle zu sein. Eine Art von Fremdbestimmung oder so. Aber ich sehe das anders. Ich glaube, dass es gerade unsere Gedanken sind, die uns das Leben oftmals schwer machen. Gedanken sind ja auch wieder etwas ganz subjektives. Sie haben nichts mit dem Außen oder anderen Menschen in dem Sinne zu tun. Es sind rein UNSERE Gedanken. Wir erdenken uns unsere Welt, unser Gegenüber, unsere Mitmenschen. Wir denken (fragen uns) was sie wohl (über uns?) denken. Wir denken oft um sieben Ecken. „Was wäre wenn?“ Wollen unserem Leben mindestens einem Schritt voraus sein, in dem wir die nächsten Schritte „vordenken“.

„Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“

John Lennon

Ich war daher ganz froh, dass meine Gedanken um ein vielfaches weniger wurden. Denn dadurch wurden auch die eher schlechten Gefühle die ich in mir trug um ein vielfaches weniger. Im Gegenteil; es wurde sogar unheimlich viel Platz geschaffen für positive Gefühle und für positive Gedanken.

Aber es wäre auch falsch jetzt zu sagen, dass man einfach ein paar Tabletten schlucken muss und plötzlich ist die Welt wieder schön. Nein so ist es nicht. Es ist eine Kombination aus vielen Sachen. Und die Tabletten sind, für mich, ein Teil davon. Ein anderer Teil (wenn nicht sogar der größere Teil) hat auch damit zu tun, wie man selber mit der Erkrankung umgeht und was man bereit ist zu tun um wieder gesund zu werden. Man muss sich auf neue Dinge einlassen können. Offenheit, Geduld und auch Hoffnung für sich haben. Man muss lernen für sich und mit sich zur Ruhe zu kommen. Ruhe vor seinen Gedanken. Ruhe von zu vielen Gefühlen. Ruhe von äußeren Einflüssen. Ruhe von Menschen, insbesondere wenn sie einem nicht gut tun. Und das dauert! Und dadurch ändert sich auch sehr viel. Menschen oder Dinge die einem wichtig schienen, verlieren plötzlich an Priorität, weil man irgendwann merkt, dass sie in Wirklichkeit gar nicht wichtig sind. Aber man empfindet es dann nicht als Verlust, sondern viel mehr als eine Art Bereicherung.

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Ich habe mir zum Beispiel immer viele Gedanken und meine Mitmenschen gemacht. Ich bin immer gerne da gewesen, wenn jemand Probleme hatte, hab dann zugehört, nach Lösungen gesucht. „Was soll daran schlecht sein?“ – fragt sich jetzt bestimmt jemand von euch. Im Grunde genommen ist nichts daran falsch. Aber die Probleme anderer wurden schnell zu meinen Problemen, bzw. habe ich sie innerlich zu meinen Problemen werden lassen. Damit einhergehende Gefühle, konnte ich nicht oder nur schwer von mir selber distanzieren. Auch wenn mir schon klar war, dass das nicht meine Probleme waren, so trug ich immer ein wenig die daraus resultierenden Gefühle mit mir herum.

Ich habe in den letzten Monaten auch erkannt wer meine wirklichen Freunde sind, und wer „nur“ ein Bekannter in meinem Leben ist. Das ist nicht schlimm. Schon in meinem letzten Beitrag habe ich ja geschrieben, dass man auch solche Bekannte in seinem Leben braucht. Aber die Erkenntnis das jemand „nur“ ein Bekannter für mich ist und kein Freund, war in gewisser Art und Weise auch befreiend für mich. Ich weiß jetzt, dass ich mir um solche Menschen weniger Gedanken machen brauche. Auch gab es zwei oder drei Menschen um die ich mir zukünftig gar keine Gedanken mehr machen werde, und höchstwahrscheinlich meinerseits den Kontakt ganz abbrechen werde, weil sie sich in den letzten Monaten gar nicht von sich aus bei mir gemeldet haben. Einerseits ist das natürlich schon auch etwas verletzend gewesen, weil ich es gerne anders gehabt hätte. Andererseits….. dann soll es wohl so sein! Ich habe beschlossen es einfach nicht zu hinterfragen und es einfach so anzunehmen wie es ist. Klar könnte ich mit diesen Menschen jetzt auch den Dialog suchen um zu hören und eventuell zu verstehen warum sie sich nicht gemeldet haben. Aber ich denke das kostet mich nur Zeit und Energie und beides möchte ich zur Zeit nur für mich auf bringen. Ich nenne das „gesunden Egoismus“!

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Besonders beschäftigt haben mich aber immer die Fragen meines Therapeuten auf die ich im ersten Moment immer keine Antworten hatten. Da saß ich dann jedes Mal da, gedankenversunken und konnte nicht verstehen warum ich das jetzt nicht weiß. Zum Beispiel die Frage, was ich noch für Ziele und Wünsche in meinem Leben habe. Ich saß da und wusste gar nicht was er von mir will und konnte es andererseits auch nicht verstehen warum ich ihm da jetzt keine Antwort drauf geben kann. Es kann doch nicht sein, dass ich nicht weiß was ich mir vom Leben noch wünsche? Es dauerte eine ganze Weile bis ich erkannte, dass die Ursache dafür, dass ich nichts sofort benennen konnte. auch in meiner Kindheit liegt.

Ich habe als Kind immer versucht zu funktionieren. Ich war immer hin- und hergerissen zwischen den Gefühlen mich anpassen zu wollen oder anecken zu wollen. Aber immer mit dem einen gleichen Wunsch: beachtet und geliebt zu werden. Ich habe immer versucht alles richtig zu machen, wollte immer so sein wie man es von mir erwartete. Und bei alle dem habe ich nie richtig gelernt etwas ganz allein für mich zu wollen. Ich habe mir anerziehen lassen meine eigenen Bedürfnisse nicht wahrzunehmen, sie in gewisser Weise zu unterdrücken und in erster Linie immer das zu machen, was ich denke, was andere Menschen von mir erwarten. Und dieses Schema habe ganz unbewusst in mein erwachsenes Leben mitgenommen. Diese Erkenntnis ist einerseits traurig und andererseits absolut großartig! Traurig weil es natürlich nicht schön ist wenn ein Kind mit diesen Gedanken aufwächst, und auch traurig ist es, weil ich so lange Zeit für mich nicht erkannt habe. Aber großartig ist es, weil ich es jetzt erkannt habe. Ich bin jetzt kein Kind mehr, dass jemandem gefallen muss um geliebt zu werden. Ich bin noch jung genug um viele, wenn nicht sogar alle, der Sachen machen zu können die ich mag. Ganz unabhängig was der Rest der Welt davon hält. ICH entscheide was ICH tun möchte.

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Eine andere große Erkenntnis die ich in den letzten Monaten hatte, war mein Bezug zum Thema Geld. Geld zu haben war und ist mir persönlich absolut nicht wichtig! Ich wollte eigentlich nie in diesem Sinne reich sein oder einen Partner haben der viel Geld hat. Aus materiellem Besitz habe ich mir noch nie wirklich etwas gemacht. Ich habe versucht immer sehr sparsam zu leben. Größtenteils musste ich das auch. Als meine Tochter drei Jahre alt war, habe ich mich von ihrem Vater getrennt und in den darauffolgenden Jahren war das Geld sehr knapp. Mein Konto war permanent im Minus und ich musste jeden Monat mit dem mir zur Verfügung stehenden Geld jonglieren um über die Runden zu kommen. Jede Autoinspektion, jede Anschaffung musste ganz genau geplant werden. Und ich war da wirklich gut drin. Trotzdem hatte ich oft schlaflose Nächte und wusste oft nicht wie es weitergehen sollte. Vor meiner Tochter habe ich mir diese Ängste nicht anmerken lassen und auch meinem Umfeld gegenüber nie wirklich etwas gesagt. Im Gegenteil von so manchem kamen Sprüche „Wie schaffst du das alles bloß so alleine?“ Ich habe mir sehr wenig gekauft, vor allem so „unnütze Dinge“ die nur für mich hätten sein sollen. Für meine Tochter habe ich aber gerne Geld ausgegeben. Ich wollte das es ihr an nichts fehlte. Sie sollte nie das Gefühl haben, dass sie als Scheidungskind auf irgendetwas verzichten musste. Aber an mir habe ich gespart und habe sogar noch versucht jeden Cent „für schlechte Zeiten“ auf die Seite zu legen. Ich war dabei auch wirklich sehr akribisch. Ich habe eine Liste geführt über meine Einnahmen und Ausgaben, hab zukünftige Ausgaben ganz genau geplant usw. Ich hatte immer Angst das uns das Geld nicht reicht, das irgendetwas kaputt gehen könnte und hätte repariert werden müssen. Mit zunehmendem Alter meiner Tochter wurde es etwas einfacher. Ich konnte mehr Stunden pro Woche arbeiten und die finanzielle Situation entspannte sich etwas. Meine Ängste jedoch blieben! Auch das Listen führen, das planen von Ausgaben und das akribische sparen blieb. Irgendwann habe ich da auch gar nicht mehr wirklich drüber nachgedacht. Es war wie ein (schlechter) Bestandteil meines Lebens den ich nicht mehr wirklich hinterfragt habe.

In den letzten sechs Monaten seit Beginn meiner Erkrankung gab es dann plötzlich gleich mehrere Impulse, die meine Sichtweise dazu änderten bzw. die mich erkennen ließe warum ich zum Thema Geld ein ja fast zwanghaftes zwiegespaltenes Verhältnis hatte. Einerseits leistete ich mir für mich nichts bzw. total wenig, mir bedeute Geld auch nichts und anderseits hatte ich immer Angst zu wenig zu haben und versucht so viel wie möglich zu sparen.

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Den ersten Impuls hatte ich ganz genau am 23.12.2019. An diesem Tag besuchte mich mein großer Bruder. Wir kamen irgendwie auf mein Sofa zu sprechen und ich beschwerte mich wie doof, hässlich und unbequem es doch sei. Außerdem erinnerte es mich total an meinen Ex Freund, der das Sofa so toll fand und es damals als wir zusammen in die Wohnung zogen unbedingt (auch aus Bequemlichkeit) von unserem Vormieter abkaufen wollte. Mein Bruder fragte mich warum ich mir denn nicht einfach ein neues Sofa kaufen würde. „Das kostet ja Geld und wenn ich dann irgendwann mal umziehe dann passt es vielleicht nicht in die neue Wohnung“ war meine Antwort. „Aber dir gefällt das alte Sofa doch nicht. Kauf dir doch jetzt eins das dir gefällt und wenn du dann irgendwann mal umziehst, dann wird das schon passen.“ So ungefähr lautete seine Antwort. Sollte ich mir also tatsächlich ein Sofa kaufen was MIR gefällt? Geld ausgeben für etwas das für MICH war? Es klingt wirklich verrückt, aber auf diese Möglichkeit war ich gar nicht gekommen. Für mich gab es immer nur Gründe es nicht zu tun. Am Montag den 30.12.2019 standen meine Tochter und ich dann im Möbelhaus und suchten gemeinsam die für UNS tollste Couch der Welt aus! UND ich leistete mir an diesem Tag sogar noch ein neues Bett! Wahnsinn, ich war total begeistert. Und auch jetzt noch sage ich ganz oft zu meiner Tochter wenn ich mich auf unser Sofa fallen lassen „Wir haben so eine tolle Couch!“ 🙂

Einen anderen Impuls bekam ich durch meine Tochter. Wir waren irgendwann mal wieder ganz normal einkaufen. Lebensmittel und was man sonst noch braucht. Mein Töchterlein wolle sich noch etwas Makeup bei der Drogerie kaufen und meinte dann im Geschäft zu mir „Mama warum kaufst du dir eigentlich für dich so wenig?“ Und ich meinte, „Ach ich hab doch meine Tagescreme, die tut´s doch!“ Ihr Gesicht hättet ihr sehen sollen! 🙂 Okay, und dann landeten allerhand Pflegeprodukte in meinem Einkaufskorb. Tagescreme, getönte Tagescreme, Nachtcreme, verschiedene Körperöle, Gesichtstinkturen und Gesichtswässerchen, alle möglichen Badezusätze und Gesichtsmasken, Körperpeelings und was weiß ich noch alles… Es war der Wahnsinn! Das dachte ich mir dann allerdings auch als ich an der Kasse stand! 😉 Aber die nächsten Tage und Wochen (und auch jetzt noch) waren echt toll. Also ich war ja nie schmuddelig unterwegs oder so, aber ich fand es immer unnötig dafür (für mich) Geld auszugeben. Und jetzt? Es ist sooooo toll sag ich euch! 😉 Jetzt genieße ich es total mich zu pflegen, Baden zu gehen, einzucremen, ganz besonders mag ich Hautöle! Und ich freu mich dann jedes Mal total und bin total zufrieden in diesen Momenten. Ich tue etwas für mich und es fühlt sich großartig an!

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Ein letztendliches Verständnis zu dem Thema bekam ich dann wieder durch meinen Therapeuten, dem ich natürlich von allem was ich so erlebte und gemacht habe in meinen Sitzungen Bericht erstattete. Er fragte nach früheren Erlebnissen oder Ereignissen die damit irgendwie in Zusammenhang stehen könnten. Schließlich hatte ich ja ihm schon erzählt, dass ich seitdem ich 15 Jahre alt war alleine zurecht kommen musste. Also musste ich auch schon sehr früh alle finanziellen Dinge alleine regeln.

Als ich meine zweite Berufsausbildung machte, war es tatsächlich so, dass mein Lehrlingsgeld nicht einmal ausreichte um meine Miete zu bezahlen. Ich machte eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten, verdiente gerade einmal 550 DM und hatte aber schon eine Miete von 600 DM. Ich hatte einen alten roten VW Polo in den ich alle paar Kilometer das Öl nur so reinschütten musste. Hinzu kamen Geld für die Versicherung und Benzin und Geld für Lebensmittel. Es hatte hinten und vorne nicht gereicht. Ich ging sehr oft an den Wochenenden in einer Diskothek arbeiten. Das war eine mobile Disco die zumeist in Dörfern in irgendwelchen Hallen freitags und/oder samstags stattgefunden hatte. Freitags ab ca. 18 Uhr aufbauen. Dann arbeiten bis ca. 5 Uhr am Samstagmorgen. Anschließend heim um ein paar Stunden zu schlafen. Am späteren Nachmittag dann wieder zur nächsten Location fahren, wieder aufbauen helfen und bis in den Sonntagmorgen ca. 5 Uhr wieder arbeiten. Pro Abend gab es, wenn ich beim aufbauen und saubermachen half, 100 DM. Wenn ich also Glück hatte, dann konnte ich 200 DM an einem Wochenende verdienen. Von Erholung war dann natürlich keine Spur. Aber ich brauchte das Geld. Es war aber nicht an jedem Wochenende irgendwo eine Disco und manchmal konnte ich auch nur für einen Abend dort arbeiten. Ich bekam weder Unterhalt von meinem Vater oder von meiner Mutter und noch nicht einmal das Kindergeld. Das steckte sich nämlich mein Vater in seine Tasche. Es war eine verdammt schwierige Zeit für mich. Und wieder traue ich mich kaum das hier zu schreiben….. Ich hatte manchmal kaum etwas zu essen. Ich habe wirklich Hunger gelitten! Seit ihr schon mal wach geworden, weil euch der Magen vor lauter Hunger so richtig doll weh getan hat? Das ist grauenvoll! Das sind richtige Schmerzen. Ich habe über Wochen nur Hühnerbrühwürfel mit ein paar Suppennudeln drin gegessen. Ab und an hab ich da mal noch ein Ei rein gemacht, dann wurde es etwas dickflüssiger. Butterbrote gab es auch ab und an. Aber tendenziell hatte ich nur die Lebensmittel an denen ich sparen konnte. Irgendwann bekamen das meine damaligen Arbeitskollegen mit. Ich glaube ich sah damals auch nicht sonderlich gesund aus. Und als ich ihnen dann erzählte was los ist, brachten sie mir abwechseln Obst und Gemüse mit und kochten abends abwechselnd für mich mit so dass ich am darauffolgenden Tag etwas warmes essen konnte. Das war eine beschissene Zeit!

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Und ich glaube das erklärt auch warum ich in punkto Geld immer sehr ängstlich und vorsichtig war. Auch das hatte sich ganz tief in mir eingebrannt. Mein Therapeut sagte mir dann, dass ich versuchen muss mir jetzt immer bewusst zu machen, dass ich JETZT genügend Geld habe. Das ich JETZT keine Angst mehr haben brauche Hunger leiden zu müssen. Das diese Zeiten vorbei sind und ganz sicher auch nie wieder kommen werden.

Und obwohl ich es zunächst für unmöglich hielt, habe ich diese Sätze sehr schnell für mich verinnerlicht und versuche sie auch in anderen Situationen anzuwenden. Und das klappt sehr gut. Ich sage mir immer wieder, dass ich jetzt keine Angst mehr haben muss, dass ich erwachsen bin und selbst bestimmt handeln kann und das niemand mehr Macht über mich hat. Das ist ein Prozess, ein insgesamt langer Weg, bei dem man sehr viel Vergangenheit bewältigen muss und bei dem es immer wieder Rückschläge gibt. Und es ist richtig anstrengende Arbeit! Aber ich bin trotzdem unglaublich froh, dass ich diesen Weg jetzt gehe, weil ich jetzt schon an dieser Stelle weiß, dass es sich gelohnt hat und es sich noch immer weiter lohnen wird!

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Think positiv!

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Mein letzter Beitrag hat mich sehr aufgewühlt. Normalerweise schreibe ich bei meinen Beiträgen einfach drauf los und schreibe sie auch in einem „Rutsch“ runter. Ich lese zwar schon noch mal drüber, aber wirklich viel mache ich nicht mehr an ihnen wenn mir die Gedanken dazu erst einmal aus dem Hirn gesprudelt sind. Bei dem letzten Beitrag war das anders. Er war gar nicht so beabsichtigt wie er dann letztendlich geworden ist. Tatsächlich sah er erst ganz anders aus, war total allgemein gehalten und stellte meine allgemeinen Ansichten zu dem Thema „Beziehungen“ dar. Und irgendwann „verselbständigte“ es sich dann. Und da er sonst noch länger geworden wäre (ja das geht 😉 ) hab ich den allgemeinen Teil wieder gelöscht. Sicherlich werde ich noch einmal etwas zu dem Thema schreiben. Es ist an sich ja auch ein interessantes Thema, aber jetzt hab ich erst einmal genug davon 😉

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In meinem vorletzten Beitrag habe ich ja schon von zwei für mich großen Fortschritten für mich geschrieben, die ich im Mai 2020 hatte. Tatsächlich war der Monat Mai für mich wirklich sehr aufschlussreich. Gleich Anfang Mai habe ich für mich in meinem Tagebuch mal alles aufgeschrieben was ich schon alles positives seit dem ich krank geworden bin erreicht bzw. gemacht habe. Viele kleine schöne Dinge, mitunter nichts weltbewegendes, aber mir tat es sehr gut, mal alles das zu benennen was bisher auch an positiven Sachen im letzten halben Jahr passiert war.

 

Mein schönes neues Schlafzimmer

Natürlich hatte ich bisher auch schon ein Schlafzimmer, aber das war nicht besonders gemütlich und eher zweckmäßig. Seit Jahren wünschte ich mir schon einen richtig große Fototapete mit einem schönen Waldmotiv. Diesen Traum erfüllte ich mir mit Hilfe von meinem lieben „Brüderchen“ gleich Anfang des Jahres. Im März wurde mein neues Bett geliefert. Ich habe mir ein großes Boxspringbett für mich gegönnt. Ohne Quatsch, das war das erste Mal das ich mir für mich wirklich ein richtiges gemütliches Bett gegönnt habe! Es folgten richtig schöne schwere graue Übergardienen und jede Menge Lichterketten und ein schöner Teppich.

Neue Essgewohnheiten

Dank meiner Tochter habe ich meine Ernährung zu Beginn des Jahres umgestellt. Sie ernährte sich schon seit ein paar Monaten überwiegend vegetarisch (ab und an gab und gibt es Fisch – aber selten) und ab Januar tat ich es ihr gleich. Die Umstellung fiel mir auch nicht wirklich schwer. Wir aßen sowie so schon immer so gut wie nie Wurst und auch Fleisch gab es es bis auf Huhn und Pute kaum. Klar, an manchen Tagen vermisste ich schon etwas, aber im großen und ganzen fiel es mir leicht. Außerdem tat es meinem Gewissen auch gut.

Yoga und Mediation

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Ich bin mir sicher, dass viele die mich privat kennen, niemals damit rechnen würden, dass ich diese zwei Sachen für mich entdeckt habe. In Kombination mit meinem doch eher zumeist lauten Musikgeschmack 😉 gebe ich zu, dass es schon ein gewisser Kontrast ist 🙂 Tatsächlich schließen sich (wunderschöne laute) Metal- oder Rockmusik und Yoga und Meditation jedoch nicht aus. Man muss allerdings eine gewisse, ich würde es mal, spirituelle Ader dafür haben. In einer doch eher kopflastigen Gesellschaft, sicherlich doch eine Herausforderung.

Freundschaften

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Es heißt ja, dass man die Menschen erst dann richtig kennenlernt, wenn man mal nicht funktioniert. Und dem kann ich nur zustimmen! Auch in dieser Hinsicht habe ich neue Erkenntnisse gesammelt. Menschen die ich für Freunde hielt, waren „nur“ noch Bekannte. Das klingt im ersten Moment schlimm, aber das ist es nicht! Ich bin auch niemandem böse! Man braucht auch einen Bekanntenkreis! Ich habe halt nur erkannt, dass wir eher Bekannte als Freunde sind. Langjährige Freundschaften, wie die zu meiner lieben Freundin Karin oder meinem „Brüderchen“ Ron haben auch diesen „Sturm“ überstanden. Und ich habe auch drei neue Menschen in mein Leben „bekommen“. Sarina, Manuela und die Andrea. 🙂

Geld unter die Leute gebracht

An Geld habe ich im ersten halben Jahr wirklich viel ausgegeben! Aber das war auch so gewollt (mehr dazu im nächsten Blog) Neben einem neuen Bett habe ich mir auch ein neues Sofa für das Wohnzimmer gegönnt. Aber nicht irgendein Sofa, sondern eine richtig große Lümmelcouch. 🙂 Ein sogenanntes Big-Sofa. Das alte Sofa, war ein riesiges braunes Kunstledermonster. Furchtbar hässlich und altmodisch und erinnerte mich zu dem auch immer an meinen Ex, weil der es beim Einzug unbedingt vom Vormieter abkaufen wollte. Außerdem gab es gleich mehrere neue Regale eines schwedischen Möbelhauses 😉 und meine DVD Sammlung (von ca. 500 Filmen) fand endlich ein schönes „Zuhause“. Ich habe eine ganze Kofferraumladung Pflanzen geshoppt und seitdem ist es wunderbar grün in meiner Wohnung. Außerdem gab es neue Lampen, einen neuen Teppich für das Wohnzimmer, jede Menge Lichterketten und schönes Gedöns zum hinstellen und angucken 🙂

Jede Menge frische Luft

 

Die habe ich unter anderem bekommen, als ich meinen Garten „bearbeitet“ habe. Da sind einige Stunden Arbeit reingeflossen. Und obwohl es doch auch sehr anstrengend war, tat es mir gut. Und wenn dann etwas wächst was man selber angepflanzt hat, dann ist das schon schön. Und selbst angebautes Obst und Gemüse schmeckt gleich doppelt so lecker. Ich denke aber, dass ich es in dem Maße nicht beibehalten werde. Es kostet wirklich sehr viel Zeit und ich werde mich im nächsten Jahr auf ein paar wenige Dinge beschränken. Und auch sonst war ich oft spazieren oder bin mit dem Rad unterwegs gewesen.

Und zu guter Letzt waren dann auch noch die Dinge die ich schon erwähnt hatte: alleine in ein Café zu gehen, meine Begeisterung für Bücher, die Reparatur meines Fahrrads und das ich gelernt habe auch mal Dinge liegen zu lassen.

Im ganzen Monat Mai hatte ich nur zwei schlechte Phasen, die immer ca. drei bis vier Tage anhielten. Ich war jedes Mal sehr wütend! Aber nicht auf mich, sondern eher auf diese Krankheit. Am 11.05.2020 schrieb ich in mein Tagebuch:

„Heute bin ich seit halb fünf wach. Innerlich fühle ich mich als würde ich kämpfen. Es ist wie als wäre ich in mir gefangen und schlage und trete mit Händen und Füßen gegen meinen Körper. Ein total beklemmendes Gefühl, aufgewühlt, fahrig. Ich habe das Gefühl als würde mein Brustkorb zerquetscht und das atmen fällt mir schwer. Ich möchte am liebsten schreien oder auf irgendetwas einschlagen, aber selbst dazu fühle ich mich gerade viel zu schlapp.“

Ende Mai (29.05.2020) war es noch ein wenig krasser:

„Ich fühle mich schon seit mehreren Tagen nicht gut. Ich bin nur noch müde, möchte am liebsten nur noch schlafen und kann mich kaum aufraffen etwas zu tun. Nach Rücksprache mit Frau Dr. B. habe ich daher heute auch die Dosis meiner Antidepressiva noch mal erhöht. Gestern war ich Fahrradfahren, 21 km. Ich habe es gemacht, aber ich verspürte keine Freude dabei. Es war mir egal. Heute war ich gleich morgens spazieren und es ist mir einfach nur schwer gefallen. Ich habe die Vögel gehört, die Sonne und den Wind gespürt, aber es hat rein gar nichts in mir ausgelöst. Jetzt ist es kurz nach 12 und ich fühle mich schon wieder müde. Ich hab Angst das das nie aufhört, das es immer so sein wird. Das schlimme an dieser Krankheit ist, dass sie so unerwartet jedes Mal kommt, es für die einzelnen schlechten Phasen keinen erkennbaren Auslöser gibt. Und die Gedanken kreisen dann im Kopf und diese Gefühle in einem sind so viel und so durcheinander. Man ist nur mit sich und mit fühlen beschäftigt. Man sitzt da, starrt ins Leere, fühlt sich körperlich so angespannt. Man kann nichts machen auch bzw. obwohl man es möchte. Und genau das macht einen dann noch fertiger. Man fühlt sich noch schlechter. Ist noch enttäuschter von sich selbst. Hoffnungslos, traurig und auch gleichgültig. Keine Erfolge zählen in solchen Momenten. Alles schein sinnlos und aussichtslos. Man ist wie im Nebel durch den nichts hindurchgeht.“

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Aber insgesamt war der Mai ein guter Monat! In meiner Therapiesitzung am 14.05.2020 stellte mir mein Therapeut erneut eine Frage, auf die ich zu erst keine Antwort wusste und die mich auch wieder sehr zum nachdenken gebracht hat. „Was für Ziele und Wünsche haben Sie noch im Leben?“ In der Sitzung ist mir dazu nichts eingefallen. Aber ungefähr eine Woche später fiel mir plötzlich eine Liste ein, die ich 2013 einmal erstellt hatte. Vielleicht sagt dem einen oder anderen von euch der Begriff „Bucket-List“ oder „Löffelliste“ etwas.

Löffelliste – Liste mit Dingen die man machen möchte bevor man den Löffel abgibt

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Ich nahm die 2013er Liste zum Anlass und habe für mich eine „Aktualisierung“ geschrieben. Schließlich war die Liste schon sieben Jahre alt und manche Dinge waren veraltet und waren jetzt nicht mehr wirklich wichtig für mich. Das hat schon ein paar Tage Zeit gebraucht, aber es tat wirklich gut sich mal damit zu beschäftigen. Da wir ja hier unter uns sind 😉 möchte ich euch meine neue Löffelliste nicht vorenthalten, die ich im Mai 2020 schrieb bzw. umschrieb:

  • den Eifelturm in Paris sehen und mich trauen rauf zu gehen
  • in den Bergen einen Sonnenauf- oder Sonnenuntergang zu sehen (eingekuschelt in einer Decke und am besten mit jemandem zusammen den ich sehr mag)
  • ein kleines Häuschen mit Garten und schönen alten Holzfensterläden
  • ein Buch schreiben
  • mich noch mehr tätowieren lassen
  • barfuß im Regen tanzen
  • Ein Picknick in der Natur oder im Garten
  • lustige Fotos mit jemandem zusammen in einer Fotobox machen
  • einmal nach Wacken!
  • in London das Harry Potter Museum besuchen
  • mit einem VW-Bus (oder umgebauten Auto oder ähnliches) einfach drauf los in den Urlaub fahren
  • Die Nord- und Ostsee noch mal wiedersehen, im weichen Sand sitzen und auf´s Meer schauen
  • eine Wattwanderung machen
  • Gitarre spielen lernen und bei Lagerfeuer spielen können
  • Nur so viel arbeiten müssen, dass es zum Leben reicht
  • Urlaub in Irland und/oder Schweden
  • im Sommerregen tanzen
  • einen Selbstverteidigungskurs machen
  • einen Sushi Kurs machen
  • Thai Chi / Qi Gong lernen

…. Erweiterung jederzeit möglich…

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In meinem nächsten Therapietermin haben wir über diese Liste gesprochen. Mein Therapeut fand sie total toll! Er meinte, dass es so schöne normale Dinge sind, die mir aber wiederum sehr viel bedeuten und das ließe wiederum Rückschlüsse zu was ich für ein Mensch bin. Er meinte sogar ich hätte eine gewisse spirituelle Ader 😉 Seiner Meinung nach sind alle diese Wünsche realisierbar. Er meinte auch, manchmal kämen ja dann so Wünsche wie ins All reisen etc. (Klar, für Mr. Amazon und Co. ist das sicher kein Ding.) Er freute sich darüber, dass es schöne normale Dinge sind. Er wollte wissen, warum ich davon noch nichts (bis auf das Gitarre spielen anfangen) bisher gemacht habe. Ich wusste darauf allerdings zunächst erst einmal wieder keine Antwort. Doch mittlerweile wusste ich – erst kommt die Reflektion – dann kommt die Reaktion oder Aktion!

Ich glaube man schiebt so etwas immer vor sich hin, weil man denkt, man hat noch so unendlich viel Zeit dafür im Leben. „Irgendwann“ wird man schon dazu kommen. Dabei ist doch eigentlich nur wichtig was „jetzt“ ist, weil wir heute leben. Ich glaube der Grund warum wir als Erwachsene immer meinen, dass das Leben im zunehmenden Alter schneller vorbei geht, hat genau darin seine Ursache. Als Kind entdecken wir fast täglich neue Sachen. Alles ist spannend, vieles ganz neu. Neue Menschen, neue Situationen in die wir uns einfinden müssen, so viel Neues was wir lernen und erleben. Spannung pur! Beinahe jeder Tag ein Abenteuer. Wenn wir dann erwachsen werden, vielleicht sogar Kinder haben, dann wird das Leben in gewisser Weise zur Gewohnheit. Alltagstrott, immer die gleichen sich ähnelnden Routinen. Jeder Tag kommt einem vor wie der Tag zuvor. Und weil uns alles so endlos gleich vorkommt, uns die „Abenteuer“ im Alltag fehlen, jeder Tag gleich zu seien scheint, haben wir das Gefühl die Zeit würde als Erwachsener schneller vergehen. Dabei hat jeder Tag auch weiterhin 24 Stunden und es liegt nur an uns was wir aus ihnen machen. Wie ging der Spruch:

„Wer will findet Möglichkeiten, wer nicht will findet Ausreden!“

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Es gibt Menschen die hangeln sich förmlich von Wochenende zu Wochenende. Jammern über ihr langweiliges Leben, dass sie ja gar keine Zeit mehr für sich haben, immer nur arbeiten müssen, niemals genügend Geld zum Leben haben und so weiter. Im besten Fall fährt man zwei oder drei Mal pro Jahr in den Urlaub um dort neue spannende Dinge zu erleben. Man fiebert förmlich auf die Urlaube hin und vergisst das eigentliche Leben, das so ganz nebenbei an den vielen anderen Wochen im Jahr stattfindet. Ich glaube so Manchem ist das mitunter gar nicht so bewusst. Das Jammern ist klarer Lebensbestandteil geworden. Trotzdem glaube ich das man da auch wieder rauskommen kann. Es kostet allerdings Mut. Mut sich und sein Leben zu reflektieren, Routinen und Denkweisen zu analysieren und letztendlich zu ändern. Aber man gewinnt nicht weniger als sein Leben zurück.

Natürlich gibt es auch die andere Sorte Mensch, die sich mit Freizeitaktivitäten geradezu nur so zu bombardieren. Wenn es förmlich in „Freizeitstress“ ausartet, und man wohlmöglich noch jedem Hinz und Kunz unter die Nase hält, was man alles so tolles erlebt…. Ich glaube dann ist auch irgendetwas im Argen. Es trifft natürlich nicht für alle diese Menschen zu und stellt nur meine persönliche Meinung dar, allerdings glaube ich, dass sich solche Menschen dann von irgendetwas ablenken wollen. Wenn die Zeit zum nachdenken und reflektieren fehlt, kann und muss man sich auch nicht mit sich und seinem Leben auseinander setzen und kann somit auch nichts für sich erkennen. Ich würde es allerdings eher als „weglaufen“ bezeichnen.

Ach ja, auch eine eigene Spezies: „Wenn ich mal in Rente bin, dann mach ich alles was ich will!“ Derzeit liegt das Alter bei dem man abschlagsfrei in Deutschland in Rente gehen kann bei 67. Mal von einem normalen Durchschnittsverdienst ausgehend und weiterhin davon ausgehend, dass nur die aller wenigsten von uns die reiche Großtante in der Verwandtschaft haben, die man eines Tages beerben wird, ist glaube ich sowohl ein früherer Rentenbeginn, als auch eine großzügige Rente mit der man sich dann alles leisten kann „was man will“ kaum möglich. Viele Menschen erleben ihren Rentenbeginn auch gar nicht, oder sind dann schon mit allerlei Zipperlein „beschäftigt“. Gut, dann blieben natürlich noch das lesen der „Apothekenumschau“ und diverse Gespräche im Wartezimmer des Hausarztes mit den man sich beschäftigen kann. Das klang jetzt böse… ich mein es gar nicht so. Aber ich frage diese Menschen ernsthaft, was sie denken im Rentenalter noch alles erleben zu können? Wenn man mal ganz ehrlich zu sich ist, dann kennen wir alle doch wohl mehr Rentner die über gesundheitliche Probleme klagen, Politik- und/oder Gesellschaftsverdrossen sind, die alleine und eher unzufrieden sind, als die wohlmöglich golfspielenden, mit Yachten segelnden Weltenbummler oder? Okay, letztere Beispiele waren schon sehr hochgegriffen, aber ich denke ihr wisst was ich damit meine.

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Das Leben findet jetzt statt! Jetzt gerade in diesem Moment. Den Tag heute wird es niemals mehr geben! Du allein bestimmst über dein Leben und was du damit machst. Andere Menschen oder Situationen nehmen Einfluss darauf, Aber

DU ALLEIN ENTSCHEIDEST WAS DU DARAUS MACHST UND WIE DU DAMIT UMGEHST!

Wenn Du dich nicht in Ausreden flüchtest und etwas Mut aufbringst, dann kannst du heute schon damit anfangen dein Leben zu ändern! Man muss nur anfangen! Wie wäre es mit einer sogenannten „Löffelliste“ für dich selbst? Vielleicht sagst du dir „Das ist doch alles Quatsch!“ Aber fang doch einfach mal an! Was möchtest du noch alles machen? Wofür schlägt dein Herz? Kein „aber das geht doch nicht“ Kein „das klappt sowieso nicht“ oder „Dafür hab ich kein Geld“ Schreib einfach drauf los! Sei noch mal ein Kind und schreibe ein paar Abenteuer! Deine Abenteuer!

Schreib mir gerne Deine Meinung dazu!

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Beziehung – nein Danke!

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Neulich habe ich auf Instagram einen Post gesehen der mich zu diesem Beitrag motivierte. Er lautete folgendermaßen:

Wie man eine Beziehung aufrechterhält:

Kommuniziert. Sprecht über die Dinge, die guten und die schlechten. Schafft Vertrauen. Seid ehrlich. Seid treu. Seid füreinander da. Nehmt euch Zeit füreinander. Lasst die Vergangenheit der Vergangenheit. Wisst, dass Argumente normal sind. Wisst, dass ihr nicht immer glücklich sein werdet. Erwartet nichts. Schätzt die Fehler. Schätzt euch gegenseitig. Werdet beste Freunde. Und zu guter Letzt, liebt euch bedingungslos.

Direkt nach dem lesen dachte ich „Oh Gott klingt das kompliziert. Gut das du Single bist!“ Sicherlich ist mir klar, dass eine Beziehung auch (harte) Arbeit ist. Aber ich habe mich gefragt, warum ich das Wort „Beziehung“ zumindest zur Zeit eher mit etwas negativem, als mit etwas positivem verbinde.

Ich habe mich auch gefragt warum wir heute so „tolle“ Sachen wie „Freundschaft+“ haben. Im Internet habe ich den Überbegriff „Generation Beziehungsunfähig“ gefunden. Ist es so? Sind wir heutzutage beziehungsunfähig? Liegt es an der schnelllebigen Zeit, dass wir lieber auch in Beziehungen unverbindlich bleiben wollen? Liegt es an dem unendlich scheinenden Konsum, dass wir auch in Beziehungen Angst haben das noch bessere „Angebot“ zu verpassen?

Erwarten wir heute zu viel (voneinander)?

„Besser nichts erwarten, dann wirst du nicht enttäuscht“ – Noch so ein toller Spruch… 😉 In dem Wort „enttäuscht“ steckt meiner Meinung nach schon die halbe Antwort „ent – täuscht“ beinhaltet das Wort „Täuschung“. Man wurde also getäuscht in SEINER / IHRER Erwartung. Und hier liegt für mich die zweit Hälfte der Antwort. Nicht der/die andere hat einen „getäuscht“, sondern man hat sich selber getäuscht! Der andere ist so wie er ist. Er ist so, wie er immer schon war. Nur wir selber erwarten einfach etwas anderes von ihm/ihr. Mitunter. Das muss natürlich nicht sein. Manchmal treffen Prinz und Prinzessin tatsächlich aufeinander. 🙂 Aber wohl doch eher selten. Erwartungen sind daher etwas rein subjektives und haben überhaupt nichts mit dem anderen zu tun. Aber oftmals sind das dann die „Fehler“ die wir bei anderen Menschen feststellen.

Beziehung – nein Danke! – Warum?

Wann immer ich ein altes (also ganz altes) Ehepaar händchenhaltend spazieren gehen sehe denke ich, „Das ist sooooo toll! Sowas hättest du später auch mal gerne!“ Wobei ich bei dem Wort „später“ schon selber schmunzeln muss, denn diesen Satz sage ich schon seit mehreren Jahr(zehnt)en in diesen Situationen. Mittlerweile würde das Wort „jetzt“ eher passen, als das Wort „später“. 😉

Tatsächlich denke ich, dass es auch ein schönes vertrautes Gefühl sein muss jemanden so lange Zeit um sich zu haben. Jemanden der einen mit all seinen Facetten kennt, der in guten und in schwierigen Zeiten zu einem steht und auf den man sich verlassen kann. Warum kann ich es mir also für mich selber momentan nicht vorstellen?

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Mir ist ein Satz eingefallen, den ich gleich in einer meiner ersten Sitzungen zu meinem Therapeuten sagte und den er äußerst „interessant“ fand, und ihn sich auch sogleich notierte:

„Das was ich mir am meisten wünsche, ist auch gleichzeitig das wovor ich am meisten Angst habe – Nähe.“

Klingt kompliziert oder? Tatsächlich war es bei mir so, dass ich schon sehr viele Beziehungen hatte. Mal ganz kurze von nur ein paar Wochen oder Monaten (wobei ich diese dann selber nicht als Beziehung definiere, sondern eher als Abenteuer oder ähnliches) Meine längste Beziehung hielt sechs Jahre und die zweitlängste hielt 5 Jahre. Ich persönlich finde das nicht besonders lang, aber auch nicht ganz soooo kurz. Ich verliebe mich zumeist recht schnell, ABER ich entliebe mich auch recht schnell! Ich möchte manchmal ganz viel Nähe, gemeinsame Aktivitäten, körperliche Zuneigung etc. und andererseits brauche sehr viel Zeit für mich. Mit Zurückweisung komme ich selber nur sehr schlecht klar, aber ich weiß, dass ich auch selber schon äußerst gefühlskalt auf den anderen Part wirken kann. Ich höre ganz genau zu was mein Gegenüber mir sagt, neige aber dazu zu viel in gesprochenes hineinzuinterpretieren. Ich mache mir wirklich viele viele Gedanken über denjenigen mit dem ich in einer Beziehung bin. Es kommt sowohl vor das ich klammere, als auch, dass ich mich mal gar nicht melde und das dann meinerseits als total normal empfinde. Ich kümmere mich gerne und bin auf der einen Seite auch sehr harmoniebedürftig, aber um meine Angelegenheiten kümmere ich mich gerne selber und mag nicht (bzw. selten) das man mir hilft. Zu einem Großteil liegt das natürlich auch an gemachten Erfahrungen. Ich habe immer große Angst verletzt zu werden. Ich hasse Lügen! Ich weiß, das sagt bestimmt jeder, aber für mich ist es tatsächlich das schlimmste was man mir antun kann. Jede noch so unbequeme Wahrheit ist mir lieber, als eine Lüge. Ich habe in bisherigen Bekanntschaften oder Beziehungen manchmal schon ganz früh gemerkt, dass es für mich nicht passt. Aus den unterschiedlichsten Gründen zum Beispiel verschiedene Wertevorstellungen, gegensätzliche Weltanschauungen, nicht annehmbare sexuelle Vorlieben oder aber auch Hobbys die für mich nicht bzw. zu wenig übereingestimmt haben. Anstatt dann aber die Reizleine zu ziehen, habe ich oftmals viel zu lange daran (bzw. an demjenigen) festgehalten. Klar das das dann natürlich nicht gut ging. Ich gebe hier prinzipiell nicht den Männern die alleinige Schuld daran (!), aber andererseits hatte ich auch schon echt viele Idioten und Arschlöcher 😉

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Aus therapeutischer Sicht bezeichnet man so ein Verhalten wie ich es habe als „Bindungsangst“ oder auch „Beziehungsangst“. Und ich muss auch ehrlich sagen, dass ich das Thema bis jetzt noch nicht angegangen bin. Das hat mehrere Gründe. Zum einen bin ich mir mittlerweile um die Komplexität dieser Thematik bewusst und weiß, dass es nichts ist was man mal eben schnell in zwei oder drei Sitzungen beim Therapeuten bespricht und behebt. Ich habe in gewisser Weise auch Angst dieses Thema anzugehen. Und zu guter Letzt ist es aber auch so, dass meine Prioritäten derzeit noch auf anderen Themen liegen. Ich versuche mich momentan einfach auf die Themen Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Selbstannahme zu fokussieren. MIR scheint das momentan wichtiger zu sein. Vielleicht auch, weil ich hoffe, dass mir mit einem besseren Selbstwertgefühl diese Thematik etwas leichter fällt anzugehen. Momentan mag ich erst einmal mit mir selber zufrieden sein. 🙂 und bin dabei auf einem sehr guten Weg!

Ursachenforschung….

Ich glaube, dass wir einerseits aufgrund unserer Erziehung und durch die Prägung unser Eltern und dem dabei vorgelebten Verhalten in deren Beziehung, unsere spätere innere Einstellung zu Beziehungen bekommen. Andererseits ist es natürlich auch ein eigenständiger Prozess, den wir im Laufe unseres Lebens machen. Unsere eigenen Erfahrungen also.

Ich glaube, dass Kinder die in einer größtenteils harmonischen Vater-Mutter-Kind Beziehung aufwachsen, auch für ihr späteres Leben die besten Voraussetzungen für eigene Beziehungen haben. Eltern fungieren als Vorbilder. Sie vermitteln gewisse Wertevorstellungen an ihre Kinder. Vertrauen, Ehrlichkeit und gegenseitige Rücksichtnahme würden hier zu den für mich wichtigsten Werter gehören, genauso wie Autonomie und Respekt. Auch mit dem allgemeine Wandel der Zeit, und den damit einhergehenden Änderungen, können daraus resultierende Erwachsene, so glaube ich, hier ein gutes Maß für ihre eigenen Beziehungen finden. Und ich glaube, dass eine Beziehung unter diesen Voraussetzungen auch heute noch durchaus ein Leben lang funktionieren kann. NATÜRLICH kann das auch Erwachsenen gelingen, die nicht unter diesen „günstigen“ Voraussetzungen aufwachsen. Aber ich glaube die innere Einstellung dazu ist eine andere.

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*****ACHTUNG! **** TRIGGERWARNUNG*****

Ich bin seit frühen Kindheitstagen sehr eigenverantwortlich. Ich wünschte ich könnte sagen, dass meine Eltern mich zu einer eigenständigen und selbstbewussten Frau herangezogen hätten, die sich ihrer Stärken und Schwächen stets bewusst ist. Vielleicht stimmt das auch, aber es hat weniger etwas mit Erziehung und noch viel weniger mit meinen „Eltern“ zu tun. Tatsächlich fühlte ich mich in meiner Kindheit meistens sehr einsam. Nicht zu verwechseln mit allein. Allein war ich nicht. Aber auch in einer Familie oder mit einen ganzen Haufen Menschen um einen herum kann man sehr einsam sein. Ich lernte sehr früh niemandem außer mir selbst zu vertrauen Ich hatte sehr oft sehr große Angst. Ich lernte auch, dass Menschen nicht ehrlich zu einander sind, und dass man sich nicht auf sie verlassen kann. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich nicht genug dafür tat, dass man mich mag. Es war teilweise egal wie gut, lieb oder wie schlecht oder böse ich war. Es hat nie für das Maß an Zuneigung gereicht, was sich jedes Kind von seinen Eltern wünscht und auch jedes Kind von seinen Eltern braucht. Ich fühlte mich meistens ungeliebt und auch nicht gewollt. Ich war halt da, aber mehr auch nicht. Ich lernte sehr früh was Alkohol mit Menschen macht, wusste was Jähzorn und Wut ist und auch wie sich beides körperlich „anfühlt“. Ich lernte nicht nur Tränen sondern auch Angst zu verstecken. „Gefühle zeigen ist ein Zeichen von Schwäche!“ – Das war mein Motto, auch noch für für viele Jahre später!

Als ich 11 Jahre alt war, glaubte ich das alles nicht mehr aushalten zu können. Ich wollte nicht mehr vorhanden sein! Ich hoffe jeder weiß was ich damit meine, ich möchte dieses Wort hier nicht schreiben… Aber auch das war, wenn man meine Eltern heute fragen würde, ja alles nur ein Hirngespinst meinerseits und ist ja niemals so passiert. „Was sollen denn die Leute denken? Nein, bei uns war alles in Ordnung!“ Die Narbe die ich vom gerade genannten Ereignis zurückbehielt kratzte ich mir für viele Jahre immer wieder auf. Warum? Wenn man einem Kind immer wieder sagt, dass es lügt, glaubt es das irgendwann selbst. Aber die Narbe sprach etwas anderes! Und ehrlich mit 11? Denkt sich eine 11jährige so etwas aus? Was waren eure Gedanken als ihr 11 Jahre alt wart? Wahrscheinlich reagiere ich selber deswegen heute auch so „allergisch“ darauf, wenn mich jemand anlügt….

Ich habe einmal versucht von zu Hause wegzulaufen. Ich weiß nicht mehr wie alt ich war, als kleines Kind auf jeden Fall. Ich lief einfach los, wollte nach Berlin (ich bin in der Nähe von Berlin aufgewachsen) aber dann bekam ich Angst und bin abends wieder nach Hause. Als meine Mutter die Wohnungstür öffnete – und diese Worte und ihren Blick werde ich niemals vergessen – sagte sie mit einem richtig zynischem Lachen im Gesicht „Wusste ich doch, dass du das nicht durchziehst“. Im nächsten Moment fiel mir meine kleine Schwester um den Hals und sagte „Bitte lass mich hier nicht allein!“.

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Und auch ein anderes Erlebnis hat sich in Bildern und Gefühlen tief und fest in meinem Hirn eingebrannt. Den genauen „Grund“ kann ich heute nicht mehr benennen. Ich rannte vor meinem Vater innerhalb unserer Wohnung weg. Irgendetwas musste ich wohl wieder angestellt haben. Meine „Flucht“ endete in der Küche. Ich hockte mich vor den in der linken Ecke sich befindenen Kühlschrank, hatte die Beine angezogen vor dem Bauch, und die Arme über Kreuz verschränkt vor meinem Gesicht. Mein Vater brüllte und tobte. Und plötzlich war mir ALLES egal was hätte passihren können. … Ich stand plötzlich auf, ging auf ihn zu, er erhob seine Hand und mit aller Wut die ich in mir hatte brüllte ich ihn an „Schlag doch zu du feige Sau!“ ….. Mein Vater hat mich seit diesem Tag nicht mehr angerührt.

Als spätere Jugendliche war ich eher der Rebell. Aufgrund schlechter schulischer Leistungen war ich vom Gymnasium abgegangen und ging für die 9. und 10. Klasse auf eine Gesamtschule. Meine Mutter war mehr oder weniger über Nacht „in den Westen“ abgehauen. Das war sehr schlimm für mich, aber kam auch nicht vollkommen unerwartet. Mein Vater hatte irgendwann, bzw. eigentlich glaube ich das es schon kurze Zeit später war, eine neue Freundin, die auch zwei Söhne mit in die Beziehung brachte. Mir waren sie und auch ihre beiden Söhne relativ egal. Ich habe mich die ersten Wochen überhaupt nicht mit ihnen beschäftigt. (Heute ist mein großer „Bruder“ einer meiner wichtigsten Bezugspersonen!) Ich war fast nur noch zum schlafen zu Hause, und die meiste Zeit mit meiner Clique unterwegs. Ich habe in dieser Zeit selber sehr viel Alkohol getrunken und auch jede Menge Mist gebaut. Schlägereien, Pöbeleien…. wären wir auch nur einmal von der Polizei erwischt worden, es hätte Anzeigen wegen Hausfriedensbruch, Vandalismus, Zerstörung öffentlichen Eigentums, Körperverletzung, Ruhestörung etc. gegeben. Ich glaube ich war ein weibliches Arschloch, zumindest was den Großteil meines Verhaltens anging. Rotzig, frech, unnahbar, laut und mit sehr viel Aggression im Bauch. Andererseits war der Zusammenhalt in der Clique schon auch etwas ganz besonderes für mich, weil man sich umeinander kümmerte, man bekam Hilfe wenn man (mit jemandem) Probleme hatte und es war immer jemand da. Und ich war auch zwei Mal schwer verliebt in dieser Zeit. 😉 Es war daher schon auch eine echt coole Zeit, aber heute weiß ich, dass es damals für mich die beste Entscheidung war mit 15 dort alle Zelte endgültig abzubrechen.

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Das ich heute (auch) anders sein kann, ist kein Verdienst meiner Eltern! Sondern es ist vielmehr einem Umstand geschuldet, der mich im Alter von 17 Jahren glücklicherweise ereilte. Im Alter von 17 Jahren lernte ich einen, damals 18 jährigen jungen Mann kennen. Heute würde ich sagen, dass er die Liebe meines Lebens war. In jedem Fall war diese Begegnung das Beste was mir passieren konnte, und ehrlich gesagt, auch jemals bisher passiert ist. Ich durfte erleben WAS Familie, was Liebe, Vertrauen und all die anderen schönen Werte wirklich sind! Sowohl er, als auch seine Eltern, sein Bruder und dessen Familie, als auch seine Großeltern waren ein wahres Geschenk für mich. Ich werde niemals in meinem Leben vergessen wie ich das erste Mal an dem großen ovalen alten Holztisch in der (Wohn-) Küche mit ihnen gesessen habe, und wir zu Abendaßen und plötzlich fragte man mich „Wie war dein Tag Alex?“ Alle Augen waren auf mich gerichtet und sahen mich fragend an. Es fällt mir gerade sehr schwer diesen Moment, dieses Gefühl in Worte zu fassen… Da wollten tatsächlich Menschen wissen wie es MIR geht! Vielleicht mag es für den einen oder andern unglaubwürdig klingen, aber ich glaube dass es bis zu diesem Tag überhaupt niemanden interessiert hatte wie es mir ging, wo ich war, mit wem ich bis spät abends unterwegs war und erst recht nicht wie mein Tag war. Aber dort – dort saß die ganze Familie abends zusammen, man unterhielt sich miteinander, lachte miteinander, ärgerte einander spaßeshalber. ES WAR WUNDERSCHÖN! Ich durfte in dieser Zeit kennenlernen wie Menschen AUCH miteinander umgehen können und was es heißt eine Familie zu sein. Ich wüsste nicht, was ich ohne diese Familie heute wäre!

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Auch heute zählt Vertrauen insbesondere in andere Menschen nicht unbedingt zu meinen Stärken und ich stecke sehr oft im „Einzelkämpfermodus“ fest, der in anderen Menschen tendenziell eher eine Gefahr sieht, als einen Gefährten. Mitunter bin ich mir dessen aber gar nicht bewusst. Und manchmal bin ich mir dessen bewusst, aber weiß nicht wie ich da selber wieder rauskomme.

Auch heute fällt es mir eher schwer wirkliche Beziehungen (freundschaftlich aber auch Paarbeziehungen) einzugehen. Ich bin immer etwas auf Distanz, immer wie in einer Art Lauerstellung um rechtzeitig die Flucht zu ergreifen. Ich bin über jeden Menschen dankbar der den Kontakt mit mir hält, weil mir selber das total schwer fällt. Ich habe heute keinen großen Freundeskreis. Es gibt nur eine Handvoll von Menschen denen ich mich wirklich nahe fühle. Bei den meistens Menschen ist es bisher eher immer so gewesen, dass ich alle das von mir denken lasse, was sie von mir denken wollen. Auch weil mir die meisten Menschen ehrlich gesagt ziemlich egal sind. Klingt furchtbar ich weiß.

Sollte ICH also über Beziehungen schreiben? Habe ich dazu eine objektive Meinung? Nein, die habe ich nicht! Es gibt nicht viele Menschen denen ich das sage, aber WENN ich zu jemandem sage das ich ihn mag, dann ist das absolut aufrichtig! Wenn mich jemand den ich mag um Rat frägt, werde ich immer ehrlich antworten! Wenn jemand den ich mag meine Hilfe braucht, werde ich da sein! Wenn ich mit jemanden den ich mag Zeit verbringen darf, dann bin ich sehr glücklich und dankbar! Und manchmal…. ab und an….versuche ich mich auch für neue Menschen in meinem Leben zu öffnen, weil ich gerne mehr Menschen mögen würde. Aber das ist nicht so ganz einfach. Aber was ist das schon!?

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Habt ihr bis hierhin durchgehalten? …. Respekt!!! 🙂 🙂

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Wenn es plötzlich „klick“ macht…

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Alles neu macht der Mai! Ist ein Sprichwort oder? Aber bei mir war das fast wirklich so. Zumindest meine ich, dass es mir ab Mai langsam und stetig besser ging. Das hatte gleich mehrere Gründe. Zum einen habe ich die Krankheit für mich angenommen. Ich habe nicht mehr dagegen angekämpft. Wenn ich Tage hatte an denen es mir zum Beispiel morgens schon nicht gut ging, dann habe ich das so akzeptiert (logisch, immer hat das natürlich nicht funktioniert). Aber ich habe mich dann versucht auszuruhen. Ich habe auf dem Sofa gelegen, meistens irgendeinen Film geschaut oder ich habe mich durch das deutsche Fernsehprogramm gezappt. Wobei letzteres schon eine wirkliche Herausforderung war! Bei dem größten Teil dessen was heutzutage im Fernsehen gezeigt wird frage ich mich ernsthaft, wer auf solche „Ideen“ kommt und wer sich so etwas wirklich gerne ansieht! Das ist doch größtenteils echt geistiger Müll oder? Also mal ehrlich, irgendwelche nachgestellten Polizei- und Rettungssätze die von zu meist grottenschlechten „Schauspielern“ dargeboten werden, Frauentausch & Co., das ist doch nur noch Verdummungsfernsehen. Das ist so nutzlos! Wer braucht so etwas? Gibt es wirklich Menschen, die daraus irgendeinen Mehrwert für sich ziehen? Okay, aber ich schweife ab…..

In meinem letzten Beitrag habe ich ja zum Schluss quasi drei neue Hausaufgaben meines Therapeuten benannt. 1. Ich soll nur noch eine Sache pro Tag machen, die ich meine machen zu müssen. 2. Ich muss mindestens eine Sache pro Tag machen, die mir Spaß bringt. Und 3. ich soll mit dem Gitarre spielen anfangen. Bääm, das saß erst einmal. „Wie soll ich das denn hinbekommen?“ fragte ich mich als ich nach dem Termin zurück zu meinem Auto lief. Aber im Grunde genommen, waren genau diese drei Hausaufgaben der Schlüssel für mich! Mit diesen Hausaufgaben veränderte sich alles! DENN Ich habe angefangen mein ganzen TUN zu HINTERFRAGEN! Egal was! Ich habe alles hinterfragt. Immer mit Fragen wie „Muss ich das jetzt machen?“, „Möchte ich das jetzt machen?“, „Warum mache ich das jetzt?“, „Glaube ich jetzt nur das machen zu müssen?“ und ich habe mich mit der Frage auseinandergesetzt „Was bringt mir Spaß?“ Ich war so erschrocken gewesen, dass ich in dem Therapietermin im ersten Moment nicht wusste wie ich diese Frage beantworten sollte! Es konnte doch nicht sein, dass es für mich nichts gab was mich wirklich erfüllt, was mich glücklich macht und mich die Zeit vergessen ließ!

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Zum Thema Gitarre spielen fragte mich mein Therapeut in der oben besagten Stunde noch, warum ich bisher nie mit dem Gitarre lernen angefangen haben. Ich antwortete ihm:

„Weil ich als Kind kein Instrument spielen lernen durfte. Und später als junge Erwachsene fehlte sehr oft das Geld. Es gab immer Dinge die wichtiger waren, gerade in der Zeit als ich Alleinerziehend war. Und jetzt, …. jetzt bin ich Anfang 40! Was, wenn ich gar kein Talent dazu habe? Was sollen denn die Leute denken, wenn sie mitbekommen, dass ICH jetzt Gitarre spielen anfange?“

Zu den letzten beiden Fragen meinte er:

„Und was ist, wenn das nicht eintrifft? Was ist, wenn sie sogar richtig viel Talent haben, und was ist wenn ihr Umfeld es toll findet das sie so etwas jetzt machen?“

Das saß!

„Gut das er nicht weiß, dass schon seit Jahren eine Gitarre daheim rumsteht!“ dachte ich beim heimfahren. Tatsächlich war es so, dass meine Tochter schon vor Jahren mal eine Gitarre von ihrem Vater geschenkt bekommen hatte. Nach anfänglicher Euphorie taugte sie allerdings nur noch als Staubfänger.

An den darauffolgenden zwei Tagen ging ich immer wieder in das Zimmer meiner Tochter, schaute die Gitarre an, blieb kurz stehen und ging dann wieder aus dem Zimmer. Das passierte so zwei oder drei Mal am Tag. „Soll ich wirklich?“

Am Samstagabend den 02.05.2020 lag ich im Bett, und auch da geisterte immer noch diese Gitarre in meinem Kopf. Es war ein Gedanke der wie ein Samenkorn in mein Hirn gepflanzt worden war und er keimte und keimte und keimte. Und plötzlich war es ganz klar! „Wenn ich WILL, kann ich jetzt Gitarre spielen lernen!“ Es war grandios! Ich lag da in meinem Bett und grinste vor mich hin! „Ich WERDE Gitarre spielen lernen!“ sagte ich mir immer wieder und wurde innerlich immer aufgeregter (aber vor Freude). Wie ein kleines Kind an Weihnachten habe ich mich gefühlt. Ich weiß noch, dass ich am liebsten sofort aufgesprungen wäre und am liebsten sofort losgelegt hätte 🙂

Am Sonntag 03.05.2020 war es dann soweit! Ich lernte Gitarre spielen. Natürlich nicht sofort! 😉 Aber ich habe angefangen. Und ich setzte mir einen „Termin“. Wenn ich bis zu meinem Geburtstag, der gut zwei Monate später war, immer noch so gefallen daran haben würde, dann würde ich in ein Geschäft gehen und mir eine eigene Gitarre kaufen. Was glaubt ihr, wie ging es weiter?

An meinem Geburtstag habe ich mir MEINE Gitarre gekauft. Eine James Neligan Westerngitarre. Und ich spiele immer noch mit absoluter Begeisterung! Gitarre spielen lässt mich die Zeit vergessen! Es ist unbeschreiblich schön für mich! Etwas das ich mir immer gewünscht hatte, und jetzt hatte ICH es mir endlich erfüllt. Und ich bin auch gar nicht so schlecht! 🙂 Mittlerweile nehme ich sogar an einem Volkshochschulkurs teil, wo ich neue Menschen kennengerlernt habe, die auch diesen Traum haben. Und ich habe einen Gitarrenlehrer gefunden, von dem ich regelmäßig Unterricht bekomme und der auch super sympathisch ist und von dem ich bestimmt jede Menge lernen kann.

Durch das Gitarre spielen habe ich enorm an Konzentrationsfähigkeit zurück gewonnen und das ohne, dass ich es krampfhaft gewollt hätte. Es kam einfach so nämlich weil ich Spaß dabei empfand, glücklich war in diesen Momenten und meistens nur aufhörte weil mir meine Finger wehtaten. Schon in den ersten Monaten, wo ich zunächst nur für mich allein daheim übte, habe ich ich jede Menge gelernt. Mithilfe einiger Onlinevideos kann man schon richtig viel alleine auf die Beine stellen. Gleichzeitig wird man aktiv weil man plötzlich etwas hat was einen begeistert. Es hat mir also in vielerlei Hinsicht enorm viel gebracht.

Wieso, weshalb, warum?

Aber ich möchte in diesem Beitrag auch noch auf eine der beiden anderen Hausaufgaben eingehen. Nur eine Sache zu erledigen die ich meine machen zu müssen. Für einen Workaholic gepaart mit einem absoluten Perfektionsstreben gar nicht einfach. Plötzlich musste ich mich mit meinen Handlungen und den dazugehörigen Gedanken auseinander setzen. Seien wir doch mal ehrlich, wer denkt schon groß darüber nach, was er glaubt angeblich an einem Tag alles erledigen zu müssen? Wir nehmen vieles als so selbstverständlich hin. Positives wie aber auch negatives. Vieles machen wir einfach so, weil wir es so machen, weil man es uns so vorgelebt oder gelernt hat, wir nicht wüssten wie wir es anders machen sollten, weil wir meinen das irgendwer das von uns erwartet und weil es einfach nun mal so ist. Im besten Fall stellen wir uns Fragen wie „Wer soll es denn sonst machen, wenn nicht ich?“ und machen dann trotzdem alles von dem wir meinen, dass es zu erledigen gehört. Aber ist das wirklich so? MUSS ich das alles so machen? Wer sagt das eigentlich? Stört es jemanden wenn ich es nicht mache oder wenn ich es anders mache? Wenn es jemanden stört, ist es dann SEIN Problem oder mache ich es nur zu meinem Problem?

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Ein Beispiel: Meine Küche war immer blitzeblank! Kein dreckiges Geschirr was irgendwo rumstand, die Arbeitsflächen sauber und aufgeräumt – Muss so sein oder? Normalzustand, war halt schon immer so. Macht man doch so oder? Aber für wen eigentlich? Stört es MICH wirklich wenn hier und da mal etwas rumsteht? Stört es MICH wenn die Krümel vom Brotschneiden nicht gleich weggewischt werden? Eines Abends machte ich einfach nach dem Abendessen die Tür zu Küche zu nachdem meine Tochter und ich den Tisch abgeräumt und alles in Kühlschrank verräumt hatten. Ich machte einfach die Tür zu und setzte mich auf meine Couch. Was glaubt ihr was passiert ist? NICHTS! Nichts ist passiert. Kein Donnerschlag und keine erboste Stimme die sprach „Aber das macht man doch nicht!“ Das Geschirr stand da und es hat niemanden interessiert!

Ich meine damit nicht, dass jetzt jeder seine Wohnung im Dreck versinken lassen soll! Nein das nicht. Bei mir ist es trotzdem noch ordentlich. Aber ICH entscheide was ich an einem Tag mache und was nicht. Es muss nicht jeden Tag die Wohnung pikobello sein. Man MUSS nicht jeden zweiten Tag staubsaugen. Dreckige Wäsche KANN auch mal in der Wohnung rumliegen, benutztes Geschirr schimmelt nicht innerhalb von 24 Stunden und so weiter. Und das lässt sich genauso auf den Umgang mit einem eventuell vorhandenen Garten, dem waschen eines Autos usw. anwenden. Hat jemand daran wirklich Spaß, geht jemand darin wirklich völlig auf DANN soll er das machen! Ich werde hier niemandem etwas vorschreiben. ABER VIELLEICHT kann auch der eine oder andere von euch mal sein eigenes Handeln und das dazugehörige darüber DENKEN hinterfragen. FÜR MICH hat es funktioniert. Wenn ich es schätzen müsste, dann würde ich sagen, dass ich maximal pro Tag nur noch eine halbe Stunde in die normalen Haushaltstätigkeiten investiere. Es lebt sich einfacher und es ist irgendwie auch wie eine Art Befreiung wenn man sich von diesen Zwängen löst, die man im Grunde genommen nur sich selber auferlegt hat. Man muss „nur“ mal wirklich hinsehen, in sich hineinhören, seine Gefühle dabei wahrnehmen – wie so eine Art innere Kommunikation – „MUSS ICH DAS WIRKLICH SO TUN?“

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Schreibt mir gerne eure Gedanken dazu in den Kommentaren! 🙂

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt!

Anfang März war ich super optimistisch. Zwei meiner Hausaufgaben hatte ich ja schon gleich erledigt (In die Sauna gehen und mich mit einer Freundin treffen). Und auch die nächste Hausaufgabe lief richtig gut. Es begann wie ein ganz normaler Spaziergang meiner (wie ich sie immer nenne) Hof- und Wiesenrunde. Eine Strecke die ich ganz oft laufe, weil sie landschaftlich schön und auch ruhig ist und außerdem geht sie ein ganzes Stück an einem Fluss entlang. Und ich mag Wasser total gerne zum anschauen!!

Die Hausaufgabe bestand darin, beim spazieren gehen nicht nachzudenken! Kein Grübeln, aufkommende Gedanken am besten sofort wieder wegzuschicken. Sie bestand darin, den Moment einmal voll und ganz wahrnehmen. Man könnte auch den Begriff Achtsamkeit dafür verwenden. Sich nur auf das Hier und Jetzt fokussieren.

Also lief ich los. Das Wetter war schön, die Sonne schien und es wehte ein leichter Wind. Ich versuchte den Blick nicht nach unten auf den Boden zu richten, sondern nach oben in den Himmel oder rechts und links neben mir. Das war zeitweise gar nicht so einfach. Auch das mit dem „nicht nachdenken“ ist einfacher gesagt als getan. Ich ertappte mich immer wieder dabei, wie ich an irgendetwas dachte, aber es gelang mir zunehmend mehr mich auf den Moment einzulassen. Ich blieb ganz oft stehen, machte die Augen zu und atmete mehrmals die frische Luft tief ein und aus. Das tat richtig gut. Ich begann immer öfter zu lächeln und fühlte mich sehr wohl. An einer Baumallee blieb ich abermals stehen, schloss die Augen und lauschte. Der Wind in den Bäumen hörte sich mit etwas Phantasie wie Meeresrauschen an. Das war ein großartiger Moment! Nach dem Spaziergang war ich zwar kaputt, weil ich auch echt lange unterwegs war, aber ich war auch irgendwie zufrieden und innerlich ruhig.

Bilder von meiner Hof- und Wiesenrunde

Ich hatte den ganzen März und April über aber nicht nur schöne Momente. Hochs und Tiefs wechselten sich so gut wie immer ab. Hinzu kam, dass durch die von Corona getroffenen Maßnahmen, wie die andauernde Ausgangssperre und das Kontaktverbot, mich doch auch sehr belasteten. Man sah kaum noch jemanden draußen. Die Straßen waren total leer. So viele Geschäfte hatten geschlossen. Begegnete man vereinzelt Menschen beim spazieren gehen, dann machten sie einen riesigen Bogen um einen. Im Supermarkt fühlte es sich teilweise an wie Spießrutenlaufen. Jeder versuchte ja keinem anderen zu Nahe zu kommen. Es war eine wirklich krasse Umstellung für das private Leben von jetzt auf gleich. Ich empfand es anfangs als total befremdlich und ich kam mir öfters ziemlich ausgegrenzt vor. Ich wusste zwar, dass die Menschen keinen Bogen um mich als Person machten, sondern aus Angst vor der Krankheit, aber trotzdem empfand ich es als belastend. Ich hatte mich auch sehr auf den Besuch meiner Schwestern mit ihrer Familie über Osten gefreut, aber auch das kam durch die Kontaktbeschränkungen nicht zustande. Darüber war ich sehr sehr traurig.

Durch die Ausgangssperre und das Kontaktverbot konnte ich auch nicht wirklich an meinen Hausaufgaben weiterarbeiten. Keine netten Menschen treffen, kein Besuch im Tierpark, keinen Kaffee trinken gehen, nichts…. Mehr als spazieren gehen war nicht mehr drin. Und auch das durfte man ja nur in seiner unmittelbaren Umgebung. Es fühlte sich für mich ganz oft wie totaler Stillstand an und darüber war ich an vielen Tagen sehr verzweifelt. Beinahe täglich änderte sich meine Stimmung. Ich konnte mich quasi auf mich selbst nicht mehr verlassen. An manchen Tagen wusste ich gleich beim wachwerden, dass heute kein guter Tag wird. An anderen Tagen kamen diese Momente von jetzt auf gleich, scheinbar ohne jeglichen Grund.

Ich versuchte andere Beschäftigungen zu finden.

Ich bestellte mir ganz viele Pflanzen für meinen Garten über einen Online Händler und fing an in meinem Garten zu arbeiten. Ich hab Bete angelegt, Erde umgegraben, Sträucher und jede Menge Blumenzwiebeln gepflanzt. Außerdem besorgte ich mir einiges an Gemüsepflanzen. Ich habe Kartoffeln, Zucchini, Paprika und Tomaten in Kübeln angepflanzt. Außerdem noch ein paar Beerensträucher. Das war körperlich total anstrengend für mich. Es war wirklich richtig viel und die Arbeit daran schien gar kein Ende zu nehmen. Ich habe allein dafür mehrere Tage gebraucht.

Eines der Beete die ich neu angelegt hatte (für den vielen Buchs kann ich allerdings nichts)

Ich habe im Internet recherchiert, wie ich bei Fahrrädern die Bereifung (also Fahrradschlauch und Mantel) wechsle. Das hatte ich zuvor noch nie gemacht. Ich habe mir das entsprechende Equipment sowie neue Reifen online besorgt und dann schließlich auch mein Fahrrad wieder fahrbar gemacht. Das brauchte auch mehrere Tage, da ich immer wieder im Internet nach Videos gesucht und geschaut hatte, wie das eine oder andere gemacht wird. Aber am Ende hat es funktioniert.

Mein Fahrrad noch mit alten Reifen.

Ich habe angefangen Bücher zu lesen, was mir früher so gar keinen Spaß gebracht hatte und ich auch (gefühlt) nie wirklich Zeit dafür hatte. Aber jetzt bestellte ich mir Sachbücher über Burnout und Depression. Das lesen fiel mir in dieser Zeit nicht wirklich leicht, weil meine Konzentration und dadurch auch meine Auffassungsgabe ziemlich eingeschränkt waren. Das hat mich des Öfteren ziemlich frustriert, weil ich ja wollte, aber es nicht hinbekommen habe.

Ich habe immer wieder versucht Sport zu machen. Bis wenige Monate vor meiner Erkrankung habe ich eine ganze lange Zeit lang richtig viel Sport gemacht. Ich war an bis zu 6 Tagen die Woche im Fitnessstudio und war, was meine körperliche Veränderung anging, auf einem echt guten Weg. Aber schon ein paar Monate bevor ich dann krank wurde, wurde auch das immer mehr zur Belastung für mich und ich hatte auch keine „Kraft“ mehr dazu, weil ich mich schon zu der Zeit sehr schwach fühlte. Im März 2020 habe ich dann mit Yoga und Meditation angefangen und das war, und ist es auch heute noch, für mich eine absolut tolle Erfahrung. Ich hatte sogar über meine Krankenkasse einen Yoga Kurs gebucht, der dann aber wegen Corona nach der 3. Stunde abgesagt wurde. An schlechten Tagen hat mir Yoga und auch Meditation besonders gut getan. Durch die Fokussierung auf die Atmung, konnte ich das eine oder andere Tief erheblich mildern.

Das war der Raum wo mein Yoga Kurs stattfand

Meine eigene kleine Yoga Ecke in meinem Schlafzimmer

Ich habe in dieser Zeit meinen Kaffee Konsum drastisch reduziert und stattdessen gerne mal auch einen leckeren Tee getrunken (besonders gerne abends). Für mich war das eine totale Umstellung, denn ich habe früher jede Menge Kaffee über den ganzen Tag verteilt getrunken. Ich war ein richtiger Junkie! Jetzt trinke ich auch noch Kaffee, aber nur noch am Morgen. Dann aber in aller Regel gleich zwei große Tassen hintereinander – muss sich ja lohnen 🙂

Ja, und auch sonst war ich sehr fleißig! Ich versuchte auch in dieser Zeit meine Wohnung, die mit 4 Zimmern und einer Wohnfläche von 140 m² nicht gerade klein ist, wie früher auch akribisch sauber zu halten. Staubsaugen, Staubwischen, Wäsche waschen, Küche aufräumen, Betten machen, Bad putzen, Küchenschränke sauber halten (ich habe eine Küche mit Lackfronten – war nicht meine Idee) und all das was dazu gehört.

Und ich habe meinen Keller und meine Garage aufgeräumt. Ich glaube ich muss niemandem erzählen was allein das an Arbeit war.

Alles in Allem habe ich in diesen beiden Monaten verdammt viel gemacht! An Tagen wo es mir gut ging, habe ich voll zugeschlagen und kaum ein Ende gefunden. Meistens lag ich am darauffolgenden Tag dann natürlich flach, weil es einfach zu viel war und ich körperlich eigentlich schon nach kurzer Zeit kaputt war. An Tagen wo es mir gut ging, habe ich auch nie ein wirkliches Ende gefunden. Immer wieder entdeckte ich NOCH MEHR was es zu erledigen galt, immer wieder sagte ich mir „Das noch, und dann höre ich auf!“. Manchmal tat ich das dann auch, aber des Öfteren auch nicht, weil ich wieder noch etwas anderes fand und es „nur noch schnell“ erledigen wollte. Ganz oft saß ich abends da und konnte überhaupt nicht mit mir zufrieden sein. Es stellte sich kein wirkliches Erfolgserlebnis für mich ein. Selbst wenn ich einen Satz damit begann „Heute habe ich viel geschafft…“ kam gleich hinterher „…nur leider das nicht!“ Ich war mit meiner Leistung nicht zufrieden.

Mein Therapeut meinte in einer der währenddessen stattfindenden Sitzungen, dass ich viel zu viel mache. Selbst für einen körperlich und geistig gesunden Menschen wäre das schon richtig viel gewesen. Meine Hausaufgabe bestand darin, bis zur nächsten Sitzung alles pro Tag aufzuschreiben was ich gemacht habe und auch zu notieren wie ich mich dabei oder danach gefühlt habe. Er meinte, dass wir (Menschen) manchmal Dinge tun, weil wir meinen, wir müssen sie machen. Wie so eine Art ungeschriebenes Gesetz. Und das es auch einfach richtig viele Dinge gibt, wo sich gar kein Erfolgserlebnis einstellen kann. Das sind Dinge die in der Natur der Sache überhaupt niemals fertig werden. Dazu zählt zum Beispiel auch das saubermachen der Wohnung. Da gibt es kein wirkliches Ende. Man entdeckt immer in der nächste Ecke etwas, was noch nicht dem gedachten Ideal entspricht.

Also schrieb ich alles auf was ich pro Tag machte. Gefühlsmäßig war es tatsächlich ein ständiges auf und ab. An machen Tagen machte ich total viel und vermerkte aber trotzdem das ich mich nicht gut fühlte. An dem darauffolgenden Tag lag ich entweder ganz flach oder hab nur ein oder zwei Dinge erledigen können, weil ich für mehr viel zu kaputt war. Und an diesen Tagen war ich dann natürlich auch sehr frustriert.

Tagebucheintrag 17.04.2020

18 Uhr und ich bin total erledigt. Ich habe gefühlt heute wieder echt zu viel gemacht. Manchmal hab ich mich dabei sogar über mich selber geärgert. Zum Beispiel gleich am Vormittag: Ich wollte eigentlich nur in die Küche gehen um meine Medikamente zu nehmen. Stattdessen räume ich erst die Spülmaschine aus und wieder ein, wische alle Küchenflächen ab, wische den Backofen aus und spüle Gläser von Hand ab, weil die nicht mehr in die Spülmaschine gepasst haben. Danach habe ich noch den Futterplatz der Katzen sauber gemacht und ihnen Futter und frisches Wasser hingestellt und erst DANN habe ich meine Tabletten genommen. Ansonsten habe ich heute noch:

Wohnung aufgeräumt

Garage aufgeräumt

ich war einkaufen

mit Hanna zusammen ihr Fahrrad sauber gemacht

zum Wertstoffhof gefahren und Müll weggebracht

Und jetzt sitze ich hier, bin mega platt und versuche mir zu sagen „Gut gemacht Alex!“, „Super Alex!“, „Sei stolz auf dich Alex!“ und es funktioniert nicht wirklich. Morgen will ich unbedingt den Rasen mähen und Fahrrad fahren.

Tagebucheintrag 19.04.2020

Gestern war wieder schlimm! Ich habe sehr schlecht geschlafen. Ich träume zur Zeit fast jede Nacht und leider sind es keine guten Träume. Sie sind voller Gewalt…….

Gestern fiel es mir dann total schwer aufzustehen. Gegen 10 Uhr habe ich es geschafft und dann bin ich auch ziemlich gleich raus in den Garten, weil ich es mir ja vorgenommen hatte. Aber es war die reinste Qual. Normal macht mir Rasenmähnen echt Spaß, aber gestern war es echt schlimm. Danach war ich schon total fertig. Ich bin dann aber noch zum Wertstoffhof gefahren um den Rasenschnitt wegzubringen und hab dann noch ein paar Kleinigkeiten eingekauft. Danach konnte ich mich nur noch hinlegen. Ich war total kraftlos, ausgelaugt, innerlich total unruhig und auch meine Atmung war wieder total unregelmäßig. Und ich war wieder so sauer auf mich. Mit kotzt das einfach so sehr an! Mein Magen spinnt auch schon wieder seit zwei Wochen. Alles zum kotzen! Heute habe ich mir erst gar nichts vorgenommen. Ich bin nur faul. Ich kann es nicht ändern.

Wenn nichts mehr geht….

Das aufschreiben meiner Aktivitäten und meiner täglichen Stimmung hat mir sehr viel gebracht. Ich habe dadurch schon auch selbst erkannt, dass es zu viel war was ich mir zugemutet hatte. An dem Tag selbst habe ich es nicht so gesehen, aber wenn ich mir dann die Einträge von einer Woche durchlas wurde es auch mir klar. Wäre ich gesund gewesen, wäre das vielleicht noch in Ordnung gewesen, aber ich war krank! Aber es hat mir noch viel mehr gebracht. Ich habe diese Krankheit auch etwas mehr verstanden. Ich habe gemerkt, dass es nicht an mir als Mensch lag, dass ich mich so fühlte und auch das ich solche Gedanken hatte.

Für meinen Therapeuten war die nächste Hausaufgabe ganz klar! Ich durfte bis zur nächsten Sitzung nur noch eine Sache pro Tag mache die ich meine machen zu müssen und ich musste mindestens eine Sache pro Tag machen, die ganz allein für mich ist. „Was bringt Ihnen Spaß?“ fragte er mich. Und ich saß da und wusste nicht was ich sagen sollte. (Das hat mich auch Tage später noch beschäftigt. Ich wusste nichts was mir Spaß bringt…..) Ich sagte dann nach einer Weile „Sport, ….Yoga…..“ Und er meinte „Ja aber das machen sie ja schon immer mal wieder, und es bringt Ihnen zwar etwas, aber so richtig auch nicht!“ Hhhmm, da war guter Rat teuer. Ich konnte nichts benennen bei dem ich wirklich richtig Freude empfand, was mich glücklich machte, was mich die Zeit vergessen lies. Dann frage er mich „Was wollten Sie in ihrem Leben schon immer mal tun?“ Und ich antwortet wie aus der Pistole geschossen „Gitarre spielen können“ Und da was sie geboren, meine nächste Hausaufgabe!

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