Alles ist vergänglich!

Die Idee zu diesem Beitrag kam mir bei dem Lesen eines Beitrags auf Instagram. Es ging in dem Post um gesellschaftlich anerkannte Schönheitsideale und dem Zwang und dem Druck diesen zu entsprechen und das so lange, bis rein gar nichts mehr von uns selbst und unserer Individualität übrig bleibt. Vornehmlich ging es bei dem Beitrag um Frauen, aber ich glaube, dass auch Männer heutzutage einem großen öffentlichen Druck diesbezüglich ausgesetzt sind. Der Beitrag machte mich nachdenklich und zugleich hinterfragte ich meine eigene Einstellung und Ansichten zu diesem Thema.

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An „Idealen“, oder daran ein „Ideal“ zu haben, finde ich grundsätzlich nichts verkehrt. Ganz individuell kann und sollte das meines Erachtens für den Einzelnen etwas rein Subjektives sein. Wenn allerdings ein „Ideal“ verallgemeinert wird und auf die Allgemeinheit „ausgerollt“ wird, finde ich es bedenklich.

Jede zweite Frau in Deutschland findet, dass ihre Schönheit dadurch bestimmt wird, wie Andere sie wahrnehmen.

Philipps Beauty Index, 2018

Zugegeben, 2018 ist nicht gerade gestern, aber was denkst du wenn du das liest? Ich fand es zum einen sehr erschreckend, und zum anderen habe ich mich in diesem Satz auch wiedergefunden. Leider…. Ich habe mich gefragt; Wie kommt es, dass in der heutigen Gegenwart die Perfektion des äußeren Erscheinungsbildes einen derartigen Stellenwert für uns hat? Was steckt noch dahinter?

Wer sagt eigentlich was schön ist?

„Schönheit liegt im Auge des Betrachters“ – Ich glaube jeder hat dieses Sprichwort schon einmal gehört. Und ich mag es wirklich! Denn es sagt eigentlich genau das für mich aus, wie es meiner Meinung nach sein sollte. Schönheit – oder das was jeder von uns als schön empfindet – sollte für jeden ganz individuell sein dürfen und jeder sollte es ganz individuell ausleben dürfen. Schönheit sollte nicht – von wem auch immer – vorgegeben werden. Und niemand sollte sich schlecht fühlen, weil er nicht jedem Trend oder irgendeinem vermeintlichem Ideal entspricht.

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In puncto Mode habe ich nie zu den Frauen gehört die irgendwelchen Trends hinterhergelaufen ist. Ehrlich gesagt fand und finde ich viele Modetrends einfach nur furchtbar schrecklich. Ich kann bzw. es fällt mir auch schwer zu glauben, dass Frauen die jeden Trend mitmachen WIRKLICH überzeugt davon sind und solche Klamotten tragen weil sie sie EHRLICH schön finden. Ich glaube der prozentuale Teil der Frauen die damit nur up-to-date sein wollen ist wesentlich höher als der, die sie ernsthaft schön finden. Ich finde auch nicht das es etwas mit Modebewusstsein zu tun hat, wenn man jeden Style mitnimmt. Im Gegenteil; ich neige dazu solchen Menschen zu unterstellen das sie gar kein eigenes Bewusstsein für Mode haben, weil sie einfach alles tragen was ihnen vorgegeben wird. Was denkst du?

Bis vor ca. ….. jetzt muss ich überlegen…. ungefähr vier bis fünf Jahren habe ich ab und an noch Absatzschuhe getragen. High Heels bewohnten zwar noch nie meinen Schuhschrank, aber das eine oder andere paar Pumps hatte ich schon. Optisch gesehen fand ich die schon echt schön, aber ich hab mich irgendwann gefragt warum ich meinen Füßen und somit mir das antue. Mir kann auch keine Frau erzählen, dass ihr die Füße in solchen Schuhen nicht nach unmittelbarer Zeit weh tun. Und wenn man sich dann noch die orthopädischen Gründe vor Augen führt (Instabilität der Füße und somit der ganzen Haltung, Verkürzung von Muskeln und Sehnen, Fehlstellung der Zehen etc.)… wofür? Dafür das es schön aussieht? Mal ganz ehrlich – ist das nicht ziemlich blöd? Bitte nicht falsch verstehen – ich sage damit nicht, dass Frauen die High Heels tragen blöd sind. Aber wenn man mal versucht es ganz objektiv zu sehen (was zugegebener Maßen nicht wirklich funktioniert, weil es immer etwas mit persönlichen Empfindungen zu tun hat), macht es doch überhaupt keinen Sinn etwas zu tragen, was einem gesundheitlich schadet. Aber zugegeben – das wäre ungefähr damit vergleichbar, wie wenn man einen Raucher fragt warum er raucht wenn er doch weiß, dass ihm das rauchen gesundheitlich schadet.

Klamotten technisch war schon immer eine Jeans mit T-Shirt und Sneakern meine bevorzugte Kleiderwahl. Apropos „Kleiderwahl“ – ich habe kein einziges Kleid in meinem Kleiderschrank. Auch keine Röcke oder irgendwelche „schicken“ Blusen, geschweige denn Business Outfits. Zu langweilig? Ja, sicherlich kann das auf den eine oder anderen langweilig wirken. Aber ICH mag es! Ich fühl mich darin wohl und darauf kommt es doch letztendlich an oder? Ich möchte mich und meinen Wert nicht über die Kleidung die ich trage definieren.

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Warum trifft mich diese Studie dann?

Ich glaube diese Studie trifft auch auf mich zu, weil ich immer noch ein sehr labiles Selbstwertgefühl habe. Auch wenn ich in puncto Mode schon viele Jahre meinen eigenen Weg gehe, so hinkt mein Selbstwertgefühl noch um Längen hinterher. Ich glaube das ich immer NOCH besser sein muss, mich NOCH mehr anstrengen muss, mir NOCH mehr Mühe geben sollte. Der Wunsch von anderen Menschen gemocht zu werden und mich dadurch besser zu fühlen ist sehr groß in mir. Und ich glaube auch in puncto Schönheit kann ich mich davon nicht ausnehmen. Das Denken wenn ich:

  • nur endlich abnehmen würde
  • einen schlanken und sportlich athletischen Körper hätte
  • coole Klamotten tragen würde
  • perfekt durchgestylt wäre

spiegelt im Grunde genommen eigentlich nur meinen Wunsch, dass man mich mag. Mehr noch, dass man gerne mit mir zusammen ist, dass man mich gerne um sich hat, gut von mir bei bzw. mit anderen spricht, in gewisser Weise auch zu mir aufsieht oder mich auch ein Stück weit bewundert. Ich kann mich also leider auch nicht ganz davon lossagen einem vermeintlichem Ideal entsprechen zu wollen.

Wenn ich wirklich innerlich davon überzeugt wäre, dass ich all das nicht bräuchte, dass ich all das nicht sein müsste um gemocht zu werden, würde ich mich nicht von Äußerlichkeiten oder anderen Menschen abhängig machen oder? Aber es geht noch weiter! Wenn ich ein wirklich gutes Selbstwertgefühl hätte, dann würde ich gar keinen Wert darauf legen von allen gemocht zu werden! Was bedeutet überhaut dieses „alle“? Wer sind überhaupt „die Anderen“? Kann man ernsthaft „alle anderen“ von sich überzeugen bzw. ernsthaft glauben das das geht?

Wenn es also heißt, dass jede zweite Frau ihre Schönheit dadurch bestimmt wie andere Menschen sie wahrnehmen, dann denke ich hat das größtenteils mit unglaublich viel Verunsicherung zu tun und mit ganz vielen Selbstzweifeln.

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Die Medien – Ursprung allen Übels

Nein so provokativ meine ich das gar nicht. Aber ein Fünkchen Wahrheit steckt für mich schon dahinter. Vollkommene Reizüberflutung. Informationen – wichtig oder unwichtig – wann immer, wo immer und so oft wie man meint sie haben zu wollen. Das gilt für Nachrichten aus aller Welt genauso wie für die neusten Trends in Sachen Schönheit, Mode, Sport etc.

Nun gehöre ich zu den Menschen, die schon ganz gerne die eine oder andere Stunde auf Instagram verbringen. Und insbesondere in solchen sozialen Netzwerken findet man immer mehr vermeintliche Perfektion. In der heutigen Gesellschaft tragen Modeschöpfer, Werbefachleute, Diätpillenhersteller, Kosmetikfirmen und Showstars zur Verkündung von Schönheitsidealen bei – und verdienen damit prächtig.

Als Influencer (von englisch to influence ‚beeinflussen‘) werden seit den 2000er Jahren Personen bezeichnet, die aufgrund ihrer starken Präsenz und ihres hohen Ansehens in sozialen Netzwerken als Träger für Werbung und Vermarktung in Frage kommen (sogenanntes Influencer-Marketing).

Wikipedia

Aber keine Sorgen – es folgt jetzt keine Moralpredigt von wegen Vorbildverhalten usw. Mir geht es nur darum aufzuzeigen, dass wir heute immer und überall über die neuesten Trends informiert werden und das uns vorgelebt wird, das wir nur dieses oder jenes bräuchten um perfekt zu sein. Wir erleben auch, dass heutzutage alles noch schneller vergänglich ist, als es das ohnehin schon ist. Wir jagen den immer neusten Information mit dem Wunsch (oder ist es eher Angst?) hinterher, ja nichts zu verpassen und leben in ständiger Verunsicherung schon morgen nicht mehr up-to-date zu sein. Ein Teufelskreis.

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„Es darf nicht immer die Aufgabe der Frauen sein, Lösungen zu finden für Probleme, die sich nicht verursachen, sondern deren Opfer sie sind. Stattdessen muss jeder Einzelne seine Vorurteile überprüfen (…) Die Gesellschaft muss lernen: Frauen dürfen so aussehen, wie sie nun einmal aussehen. Sie dürfen Haar, Fingernägel, Klamotten oder Make-up so tragen, wie es Ihnen gefällt.“

SZ Autorin Katrin Werner über Schönheitsideale und Karriere

Was mich am meisten umtreibt sind die vielen vermeintlichen Zwänge die wir Frauen uns tagtäglich aussetzen. Zum Teil sind es Zwänge denen wir uns selber auferlegen, zum anderen Teil sind es meiner Meinung nach aber auch gewisse „Anforderungen“ die an uns gestellt werden.

Zum Thema Aussehen fallen mir dazu zum Beispiele Folgende Dinge ein:

  • graue Haare scheinen bei Frauen ein absolutes Tabu zu sein
  • Frauen „dürfen“ nicht altern
  • Körperbehaarung bei Frauen – bitte nur auf dem Kopf
  • Kinder ja – Dehnungsstreifen & Co. bitte nicht
  • 90 – 60 – 90 bis ins Hohe Alter

Aber auch auf gesellschaftlicher Ebene stören mich viele Dinge:

  • Karriere? – Klar für die Quote!
  • Verhütung? – Frauensache
  • Frauen gelten als emotional – Männer als durchsetzungsstark
  • Menstruation? – bitte nur heimlich
  • Stillen? – Titten ja gerne immer und überall, aber nicht mit Baby dran

In Beziehungen erlebe ich es immer noch, dass Frauen sich unterordnen und viel gefallen lassen:

  • Frauen „müssen“ es aushalten wenn Männer neben ihnen schnarchen
  • Sex? Natürlich, immer!
  • Job – Haushalt – Kinder – für Frauen normal

Ich bin sicherlich keine Feministin im klassischen Sinne. Es ist für mich auch total okay wenn gewisse Geschlechterrollen in Beziehungen gelebt werden – vorausgesetzt es ist für beide okay. Wenn ich aber zum Beispiel in der Werbung sehe was wir Frauen uns alles in unsere Haare, in unser Gesicht und an unseren restlichen Körper schmieren, ölen, kleben sollen und es uns vermittelt wird, als wäre DAS ganz normal, dann finde ich es schon echt krank.

Ich bin immer wieder entsetzt darüber, wie Frauen von Männern (natürlich nicht von allen) scheinbar selbstverständlich als Freiwild angesehen werden, wenn sie es wagen in High Heels und Minikleidchen auf Partys zu gehen. Wie Männer auf der einen Seite es gerne sehen wenn ihre Frauen sich schick machen. Andererseits aber sich das Maul darüber zerreißen oder sich anmaßen über Frauen in eben diesen Outfits zu urteilen.

Wie kann es zum Beispiel sein, dass ein Politiker der sich noch 1997 gegen die Strafbarkeit der Vergewaltigung sofern sie in einer Ehe stattfindet aussprach, im Jahr 2021 als Parteivorsitzender einer Volkspartei kandidieren darf?

Ich bin schockiert das Frauen heutzutage immer noch dafür kämpfen müssen, dass sie allein darüber entscheiden was mit ihrem Körper passiert oder auch nicht. Am 22. Oktober 2020 ist zum Beispiel in Polen ein neues Gesetz in Kraft getreten, das es ungewollt Schwangeren fast gänzlich verbietet, ihre Schwangerschaft abzubrechen. In Deutschland werden Abtreibungen zwar unter bestimmten Voraussetzungen geduldet, sind aber gesetzlich als Straftat verankert. 

Sicherlich haben dich diese Satire Videos auch zum lachen gebracht oder? Aber ich denke die Botschaft dahinter wurde auch klar. Ich finde es wirklich schlimm, dass wir Frauen immer noch in einer von Männern dominierten Welt leben. Und ich finde es schlimm, das so selten jemand darüber spricht und es für alle okay zu sein scheint. Wird etwas besser wenn man darüber nicht spricht?

Wir können nur vermindert Einfluss nehmen auf das was im Außen passiert. Aber wir können Dinge und Menschen hinterfragen. Das gilt für Parteien und ihre politischen Programme genauso wie für irgendwelche Werbungen oder irgendein Z Promi der uns vorgaukelt, dass Produkt XY gut für uns ist. Ich finde das gerade wir Frauen jegliche von außen dargestellten Ideale hinterfragen sollten. Geht es dabei um uns, oder geht es in Wirklichkeit nur um Andere? Will nur irgendwer seinen Profit damit machen, sein Monopol oder seine Macht damit aufrecht erhalten?

Es sind nicht die paar Kilos zu viel auf der Wage, die Fältchen im Gesicht oder natürlich grau werdende Haare die für unsere Minderwertigkeitsgefühle verantwortlich sind. Unser Körper tut uns nichts! Er lebt sozusagen friedlich neben uns her. Wir sollten nicht zulassen, dass uns irgendwer etwas anderes darüber einredet! Sei wie du bist! Es ist Dein Leben, Dein Körper und allein Du solltest darüber entscheiden!

Schreib mir gerne Deine Meinung dazu!

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Wie die Zeit vergeht…

„viel zu schnell!“ wäre sicherlich meine Antwort gegen Ende des Jahres 2020 gewesen. Tatsächlich passierte (wahrscheinlich auch im Vergleich zu den Monaten zuvor) richtig viel in der Zeit von Oktober bis Dezember 2020.

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Der Oktober 2020 begann gleich am ersten Tag mit einer erneuten Sitzung bei meinem Therapeuten. Unsere Gespräche waren in den letzten Wochen recht locker geworden und wir redeten immer öfter über dies und das. Ich würde nicht direkt Small-Talk dazu sagen, aber oftmals waren es Dinge denen ich nicht wirklich einem therapeutischen Hintergrund zuordnen würde. Andererseits dachte ich mir aber auch, dass es ja auch ein gutes Zeichen sein könnte, wenn wir nicht mehr über die ganz so schweren Themen reden müssten. In diesem Termin erzählte ich ihm, dass meine Schwester und ihre Familie planen würden mich Ende Oktober für ein paar Tage zu besuchen, und dass ich etwas Angst bzw. etwas nervös deswegen wäre. Ich hatte meiner Schwester bis dahin nichts von meinem (diesem) Blog erzählt und ich hatte die Befürchtung, dass sie das hier geschriebene vielleicht falsch auffassen könnte, vielleicht sogar böse deswegen mit mir wäre, und im schlimmsten Fall sogar den Kontakt zu mir beenden könnte. Mein Therapeut wollte natürlich wissen woher diese Angst käme.

ich bin mir immer nicht so ganz sicher, wie meine Schwester unsere Kindheit erlebt hat. Wir haben bis heute nur ganz selten, und wenn dann nur kurz über einzelne Dinge gesprochen. So richtig wollte und möchte wohl keiner von uns beiden das Thema ansprechen. Ich kann das aber gut verstehen. Jeder hat seine eigene Wahrnehmung der Dinge, jeder erlebt Dinge anders, fühlt sie anders, verarbeitet sie anders und eigentlich möchte jeder auch gewisse Erlebnisse einfach vergessen und sie nicht wieder durch Gespräche ins Gedächtnis zurückholen. Das ist okay. Und so sagte ich es auch ungefähr meinem Therapeuten als er mich fragte, wie meine Schwester unsere Kindheit denn erlebt hätte. Er wollte auch wissen wie heute unser beider Kontakt zu unseren Eltern sei, und insbesondere wollte er von mir wissen, wie meine Gefühle gegenüber meinen Eltern aus heutiger Sicht wären.

”Für jede Handlung gibt es eine Konsequenz. Das Karma wird uns alle etwas lehren, egal ob wir es wollen oder nicht.”

Quelle: unbekannt

Sowohl meine Schwester als auch ich haben schon seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr zu unserer Mutter. Taggenau habe ich meine Mutter an meinem 18. Geburtstag das letzte Mal gesehen. Ich habe auch seit ca. 13 Jahren keinen Kontakt mehr zu unserem Vater. Meine Schwester hingegen telefoniert (wenn auch nur ganz selten) aber ab und an mit unserem Vater. Und ich weiß auch, dass er ihr in dem Sinne nicht egal ist. Das liegt mit Sicherheit auch daran, dass ihr Verhältnis zueinander doch eher etwas besser war. Ich will mir darüber aber kein Urteil erlauben, denn es wäre lediglich Spekulation.

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Ich weiß das es im ersten Moment hartherzig klingt, wenn ich sage, dass ich keinerlei Gefühle gegenüber meinen Eltern habe. Aber so ist es. Sie sind mir völlig gleichgültig. Es ist mir egal ob es ihnen gut oder schlecht geht, ich denke eigentlich auch nie an sie – weder an Geburtstagen noch an Feiertagen und ich vermisse sie auch nicht. Es gab viele viele Jahre da habe ich „Eltern“ vermisst, bzw. das was ich mit dem Wort „Eltern“ eigentlich verbinde. Sie als Personen habe ich hingegen nicht vermisst, denn in meinen Augen hat weder meine Mutter das Wort „Mutter“ noch mein Vater das Wort „Vater“ verdient. Auch das klingt jetzt sicherlich hartherzig für den einen oder anderen für euch. Aber alles hat seine Geschichte. Vielleicht schreibe ich auch eines Tages mal darüber, aber für heute möchte ich diese „Geister“ nicht „wecken“.

„Bevor du mich verurteilst, versuche mich zu lieben. Schau in dein Herz und frage dann: Hast du meine Kindheit gesehen?“

Michael Jackson

Auch meinem Therapeuten gegenüber äußerte ich diese Meinung. Aufgrund meiner Vorgeschichte konnte er sie absolut nachvollziehen. Die Frage die er mir dann jedoch stellte, und die damit einhergehende Hausaufgabe, brachte mich dann aber doch noch Tage danach zum nachdenken.

„Wie würden die Grabsteine ihrer Eltern aussehen und was für einen Text würden sie drauf schreiben lassen?“

Klar, das ich darauf nicht sofort eine Antwort wusste. Aber im laufe der nächsten Tage wurde mir auch klar, dass es eines Tages vielleicht um solche Fragen gehen könnte.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich bis heute keine 100 %ige Antwort weiß. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich ihnen beiden in irgendeiner Art und Weise etwas „schuldig“ wäre, und dass ich ihnen, bis auf meine biologische Entstehung, nichts zu verdanken habe. Wenn ich es also alleine zu entscheiden hätte, dann würde es wohl für beide – weder für meine Mutter noch für meinen Vater – einen Grabstein geben, so dass sich eine etwaige Gravur erübrigen würde. Was sollte ich auch drauf schreiben? Ich habe ihnen nicht wirklich etwas zu sagen. Ich brauche auch keinen Ort zum trauern oder einen Ort um in liebevollen Erinnerungen zu schwelgen. Ein anonymes Grab auf irgendeiner Wiese auf irgendeinem Friedhof – das wäre sicherlich für meine Mutter die richtige Wahl. Meinen Vater würden meine Schwester und ich sicherlich (wenn überhaupt möglich) in unmittelbarer Nähe zum Grab seiner Mutter beerdigen. Sollte meine Schwester diese Entscheidung treffen, würde ich sie mittragen. „Ruhe in Frieden“ – das würde wohl auf dem Stein stehen. Für meinen Vater empfinde ich allerhöchstens Mitleid, daher würde ich ihm seinen Frieden damit geben.

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Was soll ich denn auf einer Reha?

Bereits im Sommer 2020 hatte ich von meiner Krankenkasse die Aufforderung bekommen einen Reha Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung zu stellen. Als Frist für die Antragseinreichung nannte man mir damals den 2. November. Würde ich den Antrag nicht fristgemäß stellen, so würde ich ab dem 2. November kein Krankengeld mehr bekommen. Ich war über diese „Aufforderung“ zunächst gar nicht sonderlich erfreut. Diejenigen von euch die schon einmal einen Reha Antrag stellen mussten wissen sicherlich noch, das das nicht nur ein kleiner Zettel zum ausfüllen ist. Ich fühlte mich im Sommer mit so viel Bürokratie noch total überfordert. Ich habe immer mal wieder etwas eingetragen und mich um das ein oder andere gekümmert (Arztbefunde etc.), aber letztendlich habe ich bis Ende Oktober gebraucht um wirklich alle Seiten dieses Antrags auszufüllen. Hinzu kam, dass mir im Sommer der Gedanke an eine Reha überhaupt nicht gefiel. Vor meinem geistigen Auge schwirrten so Bilder von Gruppentherapien, in der jeder sein Leid klagen muss und viel zu viele neue fremde Menschen auf die ich mich einstellen müsste. Das war gar nicht meins. Aber um den Krankengeldbezug nicht zu gefährden, musste ich den Antrag wohl stellen. Prompt drei Wochen später erhielt ich auch schon die Genehmigung von der Deutschen Rentenversicherung für 5 Wochen Reha, und kurz darauf meldete sich auch die Reha Einrichtung und teilte mir meinen Aufnahmetermin mit. Es lag auch ein kleines Prospekt dabei, was dort alles angeboten wird. Gleich ins Auge ist mir „therapeutisches Boxen“ gefallen. Das klang toll. Boxen könnte ich mir gut für mich vorstellen! Zum einen finde ich es schon sehr interessant und zum anderen könnte ich es mir sehr gut als emotionalen Ausgleich für mich vorstellen. Gerade wenn man sich innerlich angespannt fühlt oder nicht weiß wohin mit seinen Emotionen oder Gefühlen. Das könnte was für mich sein…. Nicht so begeistert war ich dagegen als ich „Tanztherapie“ las. Neeeee das ist nix für mich! 🙂 Aber dort wird auch Yoga angeboten und es gibt ein Schwimmbad mit Sauna. Alles in allen klang das schon alles recht gut und mittlerweile freue ich mich schon sehr darauf! 🙂 Aber ich bin auch echt nervös! Ich war noch nie so lange von daheim weg!

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Mein neues Tattoo!!

Wochen – nein Monate habe ich mir Gedanken zu diesem Tattoo gemacht! Und am 13. Oktober 2020 war es soweit – ich hatte meinen Termin im Tattoo Studio. Ich weiß gar nicht mehr wie viele Entwürfe es gab! Ich habe so viele schöne Ideen gefunden. Einzeln für sich gesehen hat mir vieles gefallen. Aber mit der letztendlichen Entscheidung bin ich mehr als glücklich! Aus vier Bildern hab ich dieses Tattoo „gebastelt“ und es bedeutet mir unglaublich viel!

Sooo happy mit meinem neuen Tattoo!!

Alles fing mit dem Wort „Breathe“ an! In all den letzten Monaten habe ich gemerkt wie wichtig die richtige Atmung ist und wie viel man allein über die Atmung regulieren kann. Nicht zuletzt steht „Breathe“ für „LEBEN“.

Die Lotusblüte hat in der buddhistischen Religion eine entscheidende Bedeutung. Vor allem der grundlegende spirituelle Hintergrund der Lotuspflanze besteht darin, dass diese sich aus dem schmutzigen, morastigen Untergrund – dem Erdreich -, erhebt und trotz allem eine mit der wundervollsten Blüten ausbildet, die die Flora zu bieten hat. Übertragen auf den Menschen bedeutet dies, dass aus den widrigsten Umständen trotz allem bewusst sich etwas Gutes oder Positives entwickeln kann.

Quelle: Internet

In vergangen Beiträgen habe ich ja auch bereits schon erwähnt, dass mir in den letzten Monaten Yoga und Meditation unglaublich viel gebracht hat. Auch das wollte ich in diesem Tattoo festhalten.

Die drum herum fliegenden Vögel symbolisieren für mich „Freiheit“ und „Neubeginn“. Sie umfliegen das ganze Tattoo und enden auf der Vorderseite meines Unterarms am Handgelenksknochen (sieht man auf dem Foto leider nicht).

Alles in allem möchte ich mich durch dieses Tattoo immer an diese Zeit zurück erinnern, aber nicht im schlechten, sondern im Guten. Es soll mich daran erinnern wie es war, wo ich nicht mehr hin möchte und was ich alles schaffen kann.


Zurück zum Job!

Ein lieber Willkommensgruß meiner Kolleginnen

Am 5. November war es dann soweit – Meine Wiedereingliederung begann. Und das mitten im Lockdown. Ich war wahnsinnig nervös! Bevor ich an diesem Tag aus dem Auto stieg, saß ich erst einmal noch eine kleine gefühlte Ewigkeit im Auto im Parkhaus meiner Firma. „Was sie wohl sagen werden?“„Was wenn ich das jetzt nicht packe?“ „Ist jemand böse auf mich?“ Viele „wunderbare“ Gedanken schossen mir durch den Kopf. Irgendwann stieg ich einfach aus und lief langsam rein.

In meinem (neuen) Büro wartete dann auch schon meine liebe Kollegin Andrea auf mich und nahm mich ganz herzlich in Empfang. Auf meinem Platz standen ein paar Blumenpflanzen, ein paar entspannende Teesorten und eine Karte mit lieben Worten meiner Kolleginnen. Das hat mich wirklich sehr gefreut!!! Mulmig war´s mir trotzdem etwas. Es fühlte sich so ungewohnt an, so als wäre ich schon ewig nicht mehr hier gewesen (stimmte ja auch) und auch irgendwie als gehöre ich nicht hier her. Schon bald kamen andere Kolleginnen und begrüßten mich. Alle freuten sich – alle waren super lieb! Nach vier Stunden war mein erster Tag geschafft. Und ich war es auch! Ich war sehr froh, dass es zu Beginn nur ein Tag pro Woche war, den ich arbeiten gehen musste.

An meinem zweiten (Wiedereingliederungs-) Arbeitstag hatte ich ein Gespräch mit meinem Chef. Ich hatte mir im Vorfeld ein wenig meine Gedanken gemacht, was ich ihm auf jeden Fall sagen wollte. Ich hatte allerdings aber auch schon im Vorfeld nicht zu viel von diesem Gespräch erwartet, und wie sich herausstellte, war das auch gut so.

Die ersten zehn Minuten von unserem Gespräch waren auch noch ganz in Ordnung. Bissl Small-Talk halt. Er wollte wissen wie das Jahr so für mich war und wie er sich das vorstellen muss. Er sagte dann auch, dass ich erst einmal in Ruhe ankommen soll…. aber dann…. dann haute er auf einmal raus:

„Ihr Perfektionsstreben war der Auslöser für ihre Krankheit und das sie nichts abgeben wollten!“

(Während er das sagte machte er so „Klammergeste“, in dem er beide Arme vor seinem Oberkörper verschränkte, fast so als würde er sich umarmen.)

– Bäähm –

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Ich hab echt gedacht „Jetzt hackt´s!“. Ich hab dann noch einmal nachgefragt ob ich das jetzt gerade richtig verstanden habe. Und er antwortete, dass ich selber Schuld an meiner Erkrankung gewesen sei. In den letzten Monaten hätte er gemerkt, dass es ja gar nicht so viel Arbeit sein kann, denn schließlich hätten meine Kolleginnen nicht sonderlich viele Überstunden gemacht. Außerdem sagte er mir, dass er erwartet, dass ich meinen Job wieder so übernehme wie er war. Die Krönung war dann noch als er meinte, dass wir sowieso überbesetzt sind, und das er ohnehin eine Stelle streichen müsste.

Daraufhin habe ich ihn dann ganz direkt gefragt, ob er mich in eine andere Abteilung stecken will oder wie ich das jetzt verstehen soll. „Nein, ich brauche ihr Wissen.“ war seine Antwort. Fakt wäre für ihn, dass wir eine Personalstelle zu viel hätten.

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– Bäähm –

Ich hab mich gefühlt wie in einem falschen Film. Ich konnte das gar nicht richtig glauben was ich da gerade gehört hatte. Ich war teils geschockt, teils wütend und ich hab im ersten Moment überlegt ob ich dazu jetzt wirklich etwas sagen soll oder ob ich einfach aufstehen und gehen soll. Aber dann habe ich mich an so vieles erinnert was ich in den vergangenen Monaten erlebt und gelernt habe. Ich schaute kurz auf den Boden, machte meine Augen zu und atmete einmal tief ein und aus.

Dann hab ich gemeint, dass ich es jetzt schon echt heftig fände, das er mir an meinem zweiten Tag der Wiedereingliederung um die Ohren haut, ich wäre selber Schuld an meiner Erkrankung. Außerdem seien mir seine Budgetzahlen echt total egal. Ich habe ihm außerdem gesagt, das ich es nicht zulassen werde, dass es mir irgendwann noch einmal so geht wie Anfang 2020, dass ich niemandem diese Erkrankung wünsche, und das ich alles mir erdenkliche und gesetzlich mögliche tun werde, damit es soweit niemals wieder kommt. Schließlich hätte er als Arbeitgeber eine gewisse Fürsorgepflicht gegenüber seinen Mitarbeitern. Solche Äußerungen, so sagte ich ihm, vor allem mit dem Hintergrund das ich jetzt schon die dritte seiner direkt unterstellten Mitarbeiterinnen mit einer psychischen Erkrankung innerhalb kürzester Zeit bin, schon absolut fragwürdig fände.

– Bäähm Bäähm-

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Mann könnte jetzt meinen, dass ich bei dem was ich sagte recht laut und aggressiv war. Aber, und das hat mich selber am meisten überrascht, ich war total ruhig! Alles was ich sagte, sagte ich in einem ganz klaren ruhigen aber sehr bestimmten Ton. Und dabei sah ich ihm in die Augen!

Den Rest des Gesprächs kann ich ganz kurz zusammenfassen. Er ruderte sehr in seinen Worten und in seiner Wortwahl zurück. Ich sah ihm an, dass er mit einer solchen Reaktion nicht gerechnet hatte, und ich glaube er wusste in diesem Moment ganz genau, dass ich mir so etwas nicht mehr gefallen lasse.

Auch im Nachhinein war ich sehr froh über meine Art der Reaktion. Ich war froh und stolz auf mich, dass ich ihm alles sagte was ich in dem Moment dachte und auch über die Art und Weise wie ich es ihm sagte. Früher wäre ich wahrscheinlich so dermaßen geschockt und irritiert gewesen, dass ich in dem Moment gar nichts gesagt hätte. Im Nachhinein wären mir dann sicherlich viele schlaue Antworten eingefallen und ich hätte mich geärgert sie nicht gesagt zu haben. Aber so war die Situation für mich okay. Auch wenn es vielleicht nicht so ganz nachvollziehbar für den einen oder andere ist, aber ich bin meinem Chef noch nicht einmal böse. Ich hatte mich nicht wirklich auf ein verständnisvolles und positives Gespräch eingestellt. Und andererseits hatte ich aber alles gesagt was ich sagen wollte. Für mich blieb somit nichts ungesagt und das hat MIR gereicht. Für mich war dieses Gespräch irgendwie auch wie ein finaler Schlussstrich unter dem was früher war. ICH hab für meinen Teil meinen Frieden damit gemacht. Der Rest – ist mir egal.

„Wenn du weißt was du nicht mehr willst bist du schon ein ganzes Stück weiter!“