Immer der Reihe nach…

Um in einer gewissen Chronologie meiner Entwicklung zu bleiben, werde ich in meinem heutigen Beitrag noch einmal zurück gehen auf das Jahr 2020. Genauer gesagt auf die Monate August und September. Viel Spaß beim lesen….

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Anfang August 2020 war ich gefühlsmäßig etwas ins Ungleichgewicht geraten. Es gab keinen genauen Grund oder Auslöser, aber mich trieben unzählige Fragen um. Und diese Fragen riefen zugleich gute, aber auch unangenehme, irgendwie auch traurige Gefühle in mir hervor. Ich hatte große Angst davor wieder in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Obwohl zu diesem Zeitpunkt eigentlich nichts dafür sprach, hatte ich Angst, dass wieder alles über mich einbrechen könnte, ich mich wieder vernachlässige und dass ich wieder nur funktionieren würde. Gedanken, dass alles was ich bisher in den letzten Monaten erreicht hatte umsonst sein könnte, und sich meine Fortschritte quasi in Luft auflösen würden. Andererseits war da aber auch dieses Gefühl „so nah dran“ wie noch nie zu sein, und dieses hin und her der Gedanken glich wieder einmal einer Achterbahnfahrt.

Fragen wie:

* Warum bin ich so wie ich bin?

*Warum mache ich immer wieder die gleichen Fehler obwohl ich weiß das es „nicht richtig“ ist?

*Warum fällt es mir so schwer jemanden zu vertrauen?

*Warum wirke ich nach außen eher laut, stark und mutig und fühle mich aber selber immer klein und ängstlich?

*Warum lasse ich niemanden wirklich richtig nah an mich heran und baue unsichtbare Mauern auf, sobald mir jemand zu nah kommt?

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Es waren so ganz elementare Fragen nach dem „Warum“ die mich stark gefühlsmäßig beschäftigten und auch belastet haben, weil irgendwie keine Antwort parat war, mit der mein logisches Ich zufrieden gewesenwäre.

Irgendwann versuchte ich mir selber bei solch aufkommenden Gedanken zu sagen, dass genau solche Fragen wohlmöglich für mich der Weg zur Heilung sein könnten. Das sie sozusagen zur Heilung „dazugehören“ und sie mir zeigen, dass ES in mir arbeitet und mein Verstand nach logischen Antworten sucht. Die Fragen wurden durch diese für mich getroffene Erkenntnis natürlich nicht weniger, aber irgendwie gefiel mir der Gedanke, dass mein „ICH“ für mich nach Antworten suchte. Und so beschloss ich gnädig mit mir zu sein. 🙂 „Kommt Zeit, kommt Rat!“

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Es sind nicht die kleinen Dinge im Leben die zählen, sondern der Sinn dafür sie wahrzunehmen

Robert Maly

Dieses Zitat habe ich im August auf einem Instagram Profil entdeckt und fand es einfach nur toll! Viele Menschen sagen immer so dahin „Es sind die kleinen Dinge die zählen“. Aber in ihrem eigenen Leben nehmen sie diese kleinen Dinge gar nicht (mehr) wahr. Ich kann oder konnte mich da selber sicherlich nicht von ausnehmen. Trotzdem brachte mich dieses Zitat zum nachdenken und traf mich auch in einer gewissen Art und Weise. Aber dies eher positiv, denn es machte mir einerseits bewusst wie mein Leben früher war, und aber auch was ich in den letzten Monaten bereits alles gelernt hatte, und auch in gewisser Weise wo ich hin möchte.

In meinem Tagebuch schrieb ich dazu am 10.08.2020

„… Ich war „früher“ immer so leistungsorientiert, akribisch genau, wollte in wirklich allem perfekt sein – Im Haushalt, im Job, als Mutter, als Freundin. Ich habe so viel gemacht und getan. Mein Tag war ausgefüllt mit so vielen Dingen die ich machen „musste“. Aber ICH war es die mir das alles auferlegt hatte. Das kam selten von Außen. Höchstens im Job wo mir immer mehr abverlangt wurde. Aber auch hier war ich es, die sich das hat gefallen lassen. Meine Wohnung war immer akkurat sauber und ordentlich. Alles stand an seinem Fleck, kein unerledigter Abwasch in der Küche, keine zerknüllten Decken oder Kissen auf dem Sofa. Wenn ich in einer Beziehung war, dann habe ich (gefühlt) immer alles dafür getan damit die Beziehung gut lief. An sich ist das ja in Ordnung, aber ich habe meine eigenen Grenzen von dem was ich in Ordnung finde, wofür ich stehe und was mir wichtig ist, meine Werte, ganz oft vergessen bzw. diese Grenzen zu oft überschritten. Wofür? Wohin hat mich das gebracht? …….. Da gab es so viele „kleine Dinge“ die ich für mich nicht mehr in ihrer Gesamtheit wahrgenommen habe. Und dann kam Tag X an dem dann gar nichts mehr ging. Es blieben nur noch ganz viele Tränen und eine ganz ganz große innere Leere in mir. Und ich habe Monate gebraucht um das für mich zu erkennen und zu begreifen und zu verstehen und vor allem auch zu akzeptieren!….“

Auch wenn ich heute an die damalige Zeit zurückdenke, fühlt es sich manchmal für mich an, als würde ich über jemand anderes Leben schreiben bzw. an jemand anderen Leben denken. Mein altes Ich….. es fühlt sich für mich total befremdlich an. So als wäre es Meilenweit/Jahrzehnte weit weg, oder wie ein altes Leben das ich zurückgelassen habe und das allenfalls als drohende Mahnung wie ein Schatten hinter mir liegt. Irgendwie gruselig.

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Aus der Erkenntnis heraus, dass ich mich mit meinen Bedürfnissen viel zu sehr vernachlässigt hatte, entstand auch im August eine zunächst kleine Liste von Dingen, die mir aktuell schon Spaß machten oder die ich noch ausprobieren wollte.

  • regelmäßig Yoga machen und einen Kurs oder eine Gruppe dafür finden
  • weiterhin Gitarre spielen und einen Gitarrenlehrer suchen und mal nach einem VHS Kurs diesbezüglich Ausschau halten
  • regelmäßig einen Sauna-Auszeit-Tag ganz allein für mich fest einplanen
  • regelmäßig alleine ins Kino gehen
  • zwei feste Tage pro Woche für das Fitnessstudio einplanen (nicht mehr so viele Tage wie früher um mehr Zeit für andere schöne Dinge zu haben)
  • Ab und an mal frühstücken gehen bzw. eine Freundin zum Frühstück zu besuchen

Eine kleine aber feine Liste! Ich hatte mich gefreut, dass mir doch so viel eingefallen war, denn das zeigte mir wiederum, dass ich mir meiner eigenen Bedürfnisse schon wesentlich bewusster geworden war.

Und es blieb auch nicht nur einfach eine Liste! Noch im August machte ich mich online auf die Suche nach einem Gitarrenlehrer und landetet schließlich auf der Homepage meines heutigen Gitarrenlehrers, dem ich „einfach“ mal eine Nachricht schrieb. Ich weiß noch, dass ich richtig nervös war beim schreiben dieser Nachricht und ich lange überlegt hab, ob ich sie überhaupt abschicken soll. Da war wieder so ein Zwiespalt in mir, so ein Ding hin- und hergerissen zwischen guten und schlechten Gedanken. Wie Stimmen im Kopf die einerseits bestärkend sagten „Schick es ab, das wird bestimmt total toll!“ und andererseits „Du bist viel zu schlecht dafür! Da sind bestimmt nur Kinder und der lacht dich doch aus wenn gerade DU jetzt daherkommst und jetzt meinst Gitarre spielen zu wollen!“ Aber ich war mutig und habe auf „absenden“ geklickt und hab die schlechten Gedanken in die Ecke zum schmollen geschickt! 😉

https://www.saitensurfer.com/

Und am 16. September war es dann soweit! Ich hatte meine erste Gitarrenstunden bei Chris! F*** war ich aufgeregt!!!! (ich hör dich lachen Chris! 🙂 ) Nein im Ernst! Ihr kennt sicherlich alle das Gefühl, wenn man total aufgeregt ist und sich total freut, und andererseits möchte man sich am liebsten in eine stille Ecke verkriechen wo einen niemand findet. So ungefähr war das. Aber es war mit eine der besten Entscheidungen die ich in 2020 getroffen habe!

Und auch bei zwei weiteren Aktivitäten von meiner obigen Liste blieb es nicht nur bei einer Idee. Anfang September habe ich über die Volkshochschule zwei Kurse für mich gebucht.

  • Yoga und Mediation am Abend
  • Lagerfeuer Gitarre für Erwachsene – Anfänger

Beide Kurse konnte ich jedoch leider nicht vollständig zu Ende machen. Da kam mir Mitte / Ende Oktober dann leider Corona und der 2. Lockdown in die Quere. Aber an den Abenden wo ich daran teilnehmen konnte, hatte ich sehr viel Spaß und es tat einfach auch sehr gut mit Menschen zusammen zu sein, die das gleiche Interesse hatten. Daher bereute ich auch das nicht und kann nur jeden dazu ermutigen, auch einfach mal einen Kurs in einer Volkshochschule in der Nähe zu besuchen. Sowohl Kosten, als auch die zu investierende Zeit sind überschaubar. Im schlimmsten Fall gefällt es einem nicht. Im besten Fall hat man eine schöne Zeit!

Photo by Dennis Magati on Pexels.com

August und September 2020 waren auch zwei Monate in denen ich mich gedanklich sehr viel mit der Arbeit auseinander gesetzt habe. Genauer gesagt mit dem Thema Wiedereingliederung. Ich fühlte mich nicht so ganz wohl bei den Gedanken daran. Andererseits wollte ich mich aber auch gerne damit auseinandersetzen. Auch zu diesem Thema war ich gedanklich also hin- und hergerissen. Ich konnte nicht so richtig für mich einschätzen, ob es schon an der Zeit dafür war oder noch zu früh. Ich traf mich eines Nachmittags auch mit zwei meiner Kolleginnen und erfuhr was es alles so Neues in der Arbeit gibt. Wir redeten darüber wie meine Arbeit in den letzten Monaten aufgeteilt wurde, was gut und was schlecht lief. Ich fühlte mich nicht schlecht bei diesem Treffen, aber mein Bauchgefühl war irgendwie trotzdem nicht so gut. Obwohl ich mich freute meine Kolleginnen wiederzusehen, war ich doch auch innerlich sehr angespannt. Ich beschloss letztendlich das Thema Wiedereingliederung noch etwas aufzuschieben und ich denke, nein ich weiß, das war eine gute Entscheidung!

Photo by Olga Mironova on Pexels.com

Und auch die letzten drei Monate des Jahres 2020 sollten nicht langweilig werden….. Reha Anträge, eine Testamentseröffnung, ein neues Tattoo, eine skurril klingende Hausaufgabe meines Therapeuten (ich sag nur „Grabsteine“), sowie ein unschönes Aufeinandertreffen mit meinem Chef….. All das erwartet euch in meinem nächsten Beitrag!

Ich möchte meinen heutigen Beitrag mit einem Gedicht beenden, dass ich die Tage in einer Yoga Sequenz gehört habe und das ich wirklich sehr schön fand.

In der Stille angekommen,

gehe ich in mich,

stehe ich zu meinen Stärken und Schwächen,

liegen mir mein Leben und die Liebe am Herzen.

In der stille angekommen,

sehe ich mich, dich, euch

und die Welt mit anderen Augen,

mit den Augen des Herzens.

In der Stille angekommen,

höre ich auf mein Inneres,

spüre ich Geborgenheit,

lerne ich Gelassenheit,

tanke ich Vertrauen.

— Ernst Ferstl

Ich wünsche euch allen eine ganz wunderbare Zeit! Lasst euch nicht unterkriegen!

Liebe Grüße

Alexandra

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