Depression als Chance!

In einem meiner ersten Beiträge habe ich schon mal geschrieben, dass man in einer Psychotherapie gewisse „Erkenntnisse“ über sich und sein Leben gewinnt. Meistens sind diese Erkenntnisse nicht direkt offensichtlich. Es macht nicht immer einfach nur „klick“ im Hirn und man versteht ganz plötzlich, warum man so ist wie man ist. Das wäre sicherlich schön, ist aber leider ganz anders.

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Ich gehöre zu den Menschen, die immer alles verstehen wollen was mit einem selber und um einen herum passiert. Es fällt mir äußerst schwer, Dinge einfach so hin- bzw. anzunehmen. Ich bin immer auf der Suche nach dem genauen, dem „einen“ Grund. Im Rahmen einer Psychotherapie ist dieses „verstehen wollen“ daher manchmal etwas hinderlich, weil man auf eine gewisse Art und Weise nicht ganz offen ist. Der Kopf „zerdenkt“ immer alles bzw. alles zu schnell. Hinzukommt, dass ich ein recht ungeduldiger Mensch bin. Zumindest wenn es um meine Angelegenheiten geht. Aber wenn die Psyche erst einmal einen richtigen, ich nenne es mal, Knacks bekommen hat, dann ist man selber irgendwie nicht mehr Herr der Lage. Manchmal schien es mir, als ob ein anderes Ich die Kontrolle übernommen hat. Nicht das jemand denkt ich wäre schizophren oder so etwas, nein das sind wir nicht 😉

Ich meine nur damit, dass es einfach ganz oft Momente oder Situationen gab in denen ich plötzlich ganz anders handelte, als wie ich es jemals zu vor tat. Und ich glaube, dass waren dann Momente in denen meine Seele ein Stück weit geheilt ist. Das klingt im ersten Moment etwas spirituell, ich weiß. Ich werde versuchen es etwas genauer zu erklären.

Manche Sachen kann man nicht mit dem logischen Verstand erdenken. Es hat viel mehr etwas mit Gefühlen zu tun. Gefühle die in einem auftauchen. Einfach so, in den unterschiedlichsten Situationen und Begebenheiten. Oft kann man sich diese Gefühle gar nicht erklären, oder zumindest konnte ich das nicht. Zumeist waren das bei mir eher unangenehme Gefühle. Gefühle die einen blockieren, die einengend auf einen wirken, man verkrampft innerlich und ich wurde dann meistens ganz still, sagte nichts mehr und zog mich vollkommen in mich zurück. Und dann begann der Kopf zu denken. Und diese Gedanken wurden dann zum Problem für mich.

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Ich bin mir sicher, dass auch die Antidepressiva die ich seit Anfang des Jahres bereits nahm, darauf einen entscheidenden Einfluss hatten. Ich wurde innerlich viel viel ruhiger! Situationen in denen ich sonst eher Angst bekam, wirkten weniger bis gar nicht bedrohlich auf mich. Wenn sich doch mal schlechte Gedanken in meinen Kopf einnisten wollten, verschwanden sie sofort wieder. Bildlich gesprochen habe ich mir diese Gedanken immer so vorgestellt, als säßen sie auf vielen kleinen grauen Wolken, die aufzogen und den Himmel verdunkelten. Doch plötzlich kam ein sanfter Wind und wehte sie einfach davon und der Himmel war wieder wunderbar blau. 🙂 Okay, wenn ich das jetzt so selber lese, dann möchte ich sagen „Das kam ganz klar von den Antidepressiva!“ 😀

Aber selbst wenn; es ist okay! Ich wurde durch sie im denken und fühlen etwas gedämpft. Ich glaube das ist der Grund warum es auch Menschen gibt, die sich gegen Antidepressiva entscheiden. Sie haben Angst nicht mehr Herr ihrer Gedanken und Gefühle zu sein. Eine Art von Fremdbestimmung oder so. Aber ich sehe das anders. Ich glaube, dass es gerade unsere Gedanken sind, die uns das Leben oftmals schwer machen. Gedanken sind ja auch wieder etwas ganz subjektives. Sie haben nichts mit dem Außen oder anderen Menschen in dem Sinne zu tun. Es sind rein UNSERE Gedanken. Wir erdenken uns unsere Welt, unser Gegenüber, unsere Mitmenschen. Wir denken (fragen uns) was sie wohl (über uns?) denken. Wir denken oft um sieben Ecken. „Was wäre wenn?“ Wollen unserem Leben mindestens einem Schritt voraus sein, in dem wir die nächsten Schritte „vordenken“.

„Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“

John Lennon

Ich war daher ganz froh, dass meine Gedanken um ein vielfaches weniger wurden. Denn dadurch wurden auch die eher schlechten Gefühle die ich in mir trug um ein vielfaches weniger. Im Gegenteil; es wurde sogar unheimlich viel Platz geschaffen für positive Gefühle und für positive Gedanken.

Aber es wäre auch falsch jetzt zu sagen, dass man einfach ein paar Tabletten schlucken muss und plötzlich ist die Welt wieder schön. Nein so ist es nicht. Es ist eine Kombination aus vielen Sachen. Und die Tabletten sind, für mich, ein Teil davon. Ein anderer Teil (wenn nicht sogar der größere Teil) hat auch damit zu tun, wie man selber mit der Erkrankung umgeht und was man bereit ist zu tun um wieder gesund zu werden. Man muss sich auf neue Dinge einlassen können. Offenheit, Geduld und auch Hoffnung für sich haben. Man muss lernen für sich und mit sich zur Ruhe zu kommen. Ruhe vor seinen Gedanken. Ruhe von zu vielen Gefühlen. Ruhe von äußeren Einflüssen. Ruhe von Menschen, insbesondere wenn sie einem nicht gut tun. Und das dauert! Und dadurch ändert sich auch sehr viel. Menschen oder Dinge die einem wichtig schienen, verlieren plötzlich an Priorität, weil man irgendwann merkt, dass sie in Wirklichkeit gar nicht wichtig sind. Aber man empfindet es dann nicht als Verlust, sondern viel mehr als eine Art Bereicherung.

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Ich habe mir zum Beispiel immer viele Gedanken und meine Mitmenschen gemacht. Ich bin immer gerne da gewesen, wenn jemand Probleme hatte, hab dann zugehört, nach Lösungen gesucht. „Was soll daran schlecht sein?“ – fragt sich jetzt bestimmt jemand von euch. Im Grunde genommen ist nichts daran falsch. Aber die Probleme anderer wurden schnell zu meinen Problemen, bzw. habe ich sie innerlich zu meinen Problemen werden lassen. Damit einhergehende Gefühle, konnte ich nicht oder nur schwer von mir selber distanzieren. Auch wenn mir schon klar war, dass das nicht meine Probleme waren, so trug ich immer ein wenig die daraus resultierenden Gefühle mit mir herum.

Ich habe in den letzten Monaten auch erkannt wer meine wirklichen Freunde sind, und wer „nur“ ein Bekannter in meinem Leben ist. Das ist nicht schlimm. Schon in meinem letzten Beitrag habe ich ja geschrieben, dass man auch solche Bekannte in seinem Leben braucht. Aber die Erkenntnis das jemand „nur“ ein Bekannter für mich ist und kein Freund, war in gewisser Art und Weise auch befreiend für mich. Ich weiß jetzt, dass ich mir um solche Menschen weniger Gedanken machen brauche. Auch gab es zwei oder drei Menschen um die ich mir zukünftig gar keine Gedanken mehr machen werde, und höchstwahrscheinlich meinerseits den Kontakt ganz abbrechen werde, weil sie sich in den letzten Monaten gar nicht von sich aus bei mir gemeldet haben. Einerseits ist das natürlich schon auch etwas verletzend gewesen, weil ich es gerne anders gehabt hätte. Andererseits….. dann soll es wohl so sein! Ich habe beschlossen es einfach nicht zu hinterfragen und es einfach so anzunehmen wie es ist. Klar könnte ich mit diesen Menschen jetzt auch den Dialog suchen um zu hören und eventuell zu verstehen warum sie sich nicht gemeldet haben. Aber ich denke das kostet mich nur Zeit und Energie und beides möchte ich zur Zeit nur für mich auf bringen. Ich nenne das „gesunden Egoismus“!

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Besonders beschäftigt haben mich aber immer die Fragen meines Therapeuten auf die ich im ersten Moment immer keine Antworten hatten. Da saß ich dann jedes Mal da, gedankenversunken und konnte nicht verstehen warum ich das jetzt nicht weiß. Zum Beispiel die Frage, was ich noch für Ziele und Wünsche in meinem Leben habe. Ich saß da und wusste gar nicht was er von mir will und konnte es andererseits auch nicht verstehen warum ich ihm da jetzt keine Antwort drauf geben kann. Es kann doch nicht sein, dass ich nicht weiß was ich mir vom Leben noch wünsche? Es dauerte eine ganze Weile bis ich erkannte, dass die Ursache dafür, dass ich nichts sofort benennen konnte. auch in meiner Kindheit liegt.

Ich habe als Kind immer versucht zu funktionieren. Ich war immer hin- und hergerissen zwischen den Gefühlen mich anpassen zu wollen oder anecken zu wollen. Aber immer mit dem einen gleichen Wunsch: beachtet und geliebt zu werden. Ich habe immer versucht alles richtig zu machen, wollte immer so sein wie man es von mir erwartete. Und bei alle dem habe ich nie richtig gelernt etwas ganz allein für mich zu wollen. Ich habe mir anerziehen lassen meine eigenen Bedürfnisse nicht wahrzunehmen, sie in gewisser Weise zu unterdrücken und in erster Linie immer das zu machen, was ich denke, was andere Menschen von mir erwarten. Und dieses Schema habe ganz unbewusst in mein erwachsenes Leben mitgenommen. Diese Erkenntnis ist einerseits traurig und andererseits absolut großartig! Traurig weil es natürlich nicht schön ist wenn ein Kind mit diesen Gedanken aufwächst, und auch traurig ist es, weil ich so lange Zeit für mich nicht erkannt habe. Aber großartig ist es, weil ich es jetzt erkannt habe. Ich bin jetzt kein Kind mehr, dass jemandem gefallen muss um geliebt zu werden. Ich bin noch jung genug um viele, wenn nicht sogar alle, der Sachen machen zu können die ich mag. Ganz unabhängig was der Rest der Welt davon hält. ICH entscheide was ICH tun möchte.

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Eine andere große Erkenntnis die ich in den letzten Monaten hatte, war mein Bezug zum Thema Geld. Geld zu haben war und ist mir persönlich absolut nicht wichtig! Ich wollte eigentlich nie in diesem Sinne reich sein oder einen Partner haben der viel Geld hat. Aus materiellem Besitz habe ich mir noch nie wirklich etwas gemacht. Ich habe versucht immer sehr sparsam zu leben. Größtenteils musste ich das auch. Als meine Tochter drei Jahre alt war, habe ich mich von ihrem Vater getrennt und in den darauffolgenden Jahren war das Geld sehr knapp. Mein Konto war permanent im Minus und ich musste jeden Monat mit dem mir zur Verfügung stehenden Geld jonglieren um über die Runden zu kommen. Jede Autoinspektion, jede Anschaffung musste ganz genau geplant werden. Und ich war da wirklich gut drin. Trotzdem hatte ich oft schlaflose Nächte und wusste oft nicht wie es weitergehen sollte. Vor meiner Tochter habe ich mir diese Ängste nicht anmerken lassen und auch meinem Umfeld gegenüber nie wirklich etwas gesagt. Im Gegenteil von so manchem kamen Sprüche „Wie schaffst du das alles bloß so alleine?“ Ich habe mir sehr wenig gekauft, vor allem so „unnütze Dinge“ die nur für mich hätten sein sollen. Für meine Tochter habe ich aber gerne Geld ausgegeben. Ich wollte das es ihr an nichts fehlte. Sie sollte nie das Gefühl haben, dass sie als Scheidungskind auf irgendetwas verzichten musste. Aber an mir habe ich gespart und habe sogar noch versucht jeden Cent „für schlechte Zeiten“ auf die Seite zu legen. Ich war dabei auch wirklich sehr akribisch. Ich habe eine Liste geführt über meine Einnahmen und Ausgaben, hab zukünftige Ausgaben ganz genau geplant usw. Ich hatte immer Angst das uns das Geld nicht reicht, das irgendetwas kaputt gehen könnte und hätte repariert werden müssen. Mit zunehmendem Alter meiner Tochter wurde es etwas einfacher. Ich konnte mehr Stunden pro Woche arbeiten und die finanzielle Situation entspannte sich etwas. Meine Ängste jedoch blieben! Auch das Listen führen, das planen von Ausgaben und das akribische sparen blieb. Irgendwann habe ich da auch gar nicht mehr wirklich drüber nachgedacht. Es war wie ein (schlechter) Bestandteil meines Lebens den ich nicht mehr wirklich hinterfragt habe.

In den letzten sechs Monaten seit Beginn meiner Erkrankung gab es dann plötzlich gleich mehrere Impulse, die meine Sichtweise dazu änderten bzw. die mich erkennen ließe warum ich zum Thema Geld ein ja fast zwanghaftes zwiegespaltenes Verhältnis hatte. Einerseits leistete ich mir für mich nichts bzw. total wenig, mir bedeute Geld auch nichts und anderseits hatte ich immer Angst zu wenig zu haben und versucht so viel wie möglich zu sparen.

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Den ersten Impuls hatte ich ganz genau am 23.12.2019. An diesem Tag besuchte mich mein großer Bruder. Wir kamen irgendwie auf mein Sofa zu sprechen und ich beschwerte mich wie doof, hässlich und unbequem es doch sei. Außerdem erinnerte es mich total an meinen Ex Freund, der das Sofa so toll fand und es damals als wir zusammen in die Wohnung zogen unbedingt (auch aus Bequemlichkeit) von unserem Vormieter abkaufen wollte. Mein Bruder fragte mich warum ich mir denn nicht einfach ein neues Sofa kaufen würde. „Das kostet ja Geld und wenn ich dann irgendwann mal umziehe dann passt es vielleicht nicht in die neue Wohnung“ war meine Antwort. „Aber dir gefällt das alte Sofa doch nicht. Kauf dir doch jetzt eins das dir gefällt und wenn du dann irgendwann mal umziehst, dann wird das schon passen.“ So ungefähr lautete seine Antwort. Sollte ich mir also tatsächlich ein Sofa kaufen was MIR gefällt? Geld ausgeben für etwas das für MICH war? Es klingt wirklich verrückt, aber auf diese Möglichkeit war ich gar nicht gekommen. Für mich gab es immer nur Gründe es nicht zu tun. Am Montag den 30.12.2019 standen meine Tochter und ich dann im Möbelhaus und suchten gemeinsam die für UNS tollste Couch der Welt aus! UND ich leistete mir an diesem Tag sogar noch ein neues Bett! Wahnsinn, ich war total begeistert. Und auch jetzt noch sage ich ganz oft zu meiner Tochter wenn ich mich auf unser Sofa fallen lassen „Wir haben so eine tolle Couch!“ 🙂

Einen anderen Impuls bekam ich durch meine Tochter. Wir waren irgendwann mal wieder ganz normal einkaufen. Lebensmittel und was man sonst noch braucht. Mein Töchterlein wolle sich noch etwas Makeup bei der Drogerie kaufen und meinte dann im Geschäft zu mir „Mama warum kaufst du dir eigentlich für dich so wenig?“ Und ich meinte, „Ach ich hab doch meine Tagescreme, die tut´s doch!“ Ihr Gesicht hättet ihr sehen sollen! 🙂 Okay, und dann landeten allerhand Pflegeprodukte in meinem Einkaufskorb. Tagescreme, getönte Tagescreme, Nachtcreme, verschiedene Körperöle, Gesichtstinkturen und Gesichtswässerchen, alle möglichen Badezusätze und Gesichtsmasken, Körperpeelings und was weiß ich noch alles… Es war der Wahnsinn! Das dachte ich mir dann allerdings auch als ich an der Kasse stand! 😉 Aber die nächsten Tage und Wochen (und auch jetzt noch) waren echt toll. Also ich war ja nie schmuddelig unterwegs oder so, aber ich fand es immer unnötig dafür (für mich) Geld auszugeben. Und jetzt? Es ist sooooo toll sag ich euch! 😉 Jetzt genieße ich es total mich zu pflegen, Baden zu gehen, einzucremen, ganz besonders mag ich Hautöle! Und ich freu mich dann jedes Mal total und bin total zufrieden in diesen Momenten. Ich tue etwas für mich und es fühlt sich großartig an!

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Ein letztendliches Verständnis zu dem Thema bekam ich dann wieder durch meinen Therapeuten, dem ich natürlich von allem was ich so erlebte und gemacht habe in meinen Sitzungen Bericht erstattete. Er fragte nach früheren Erlebnissen oder Ereignissen die damit irgendwie in Zusammenhang stehen könnten. Schließlich hatte ich ja ihm schon erzählt, dass ich seitdem ich 15 Jahre alt war alleine zurecht kommen musste. Also musste ich auch schon sehr früh alle finanziellen Dinge alleine regeln.

Als ich meine zweite Berufsausbildung machte, war es tatsächlich so, dass mein Lehrlingsgeld nicht einmal ausreichte um meine Miete zu bezahlen. Ich machte eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten, verdiente gerade einmal 550 DM und hatte aber schon eine Miete von 600 DM. Ich hatte einen alten roten VW Polo in den ich alle paar Kilometer das Öl nur so reinschütten musste. Hinzu kamen Geld für die Versicherung und Benzin und Geld für Lebensmittel. Es hatte hinten und vorne nicht gereicht. Ich ging sehr oft an den Wochenenden in einer Diskothek arbeiten. Das war eine mobile Disco die zumeist in Dörfern in irgendwelchen Hallen freitags und/oder samstags stattgefunden hatte. Freitags ab ca. 18 Uhr aufbauen. Dann arbeiten bis ca. 5 Uhr am Samstagmorgen. Anschließend heim um ein paar Stunden zu schlafen. Am späteren Nachmittag dann wieder zur nächsten Location fahren, wieder aufbauen helfen und bis in den Sonntagmorgen ca. 5 Uhr wieder arbeiten. Pro Abend gab es, wenn ich beim aufbauen und saubermachen half, 100 DM. Wenn ich also Glück hatte, dann konnte ich 200 DM an einem Wochenende verdienen. Von Erholung war dann natürlich keine Spur. Aber ich brauchte das Geld. Es war aber nicht an jedem Wochenende irgendwo eine Disco und manchmal konnte ich auch nur für einen Abend dort arbeiten. Ich bekam weder Unterhalt von meinem Vater oder von meiner Mutter und noch nicht einmal das Kindergeld. Das steckte sich nämlich mein Vater in seine Tasche. Es war eine verdammt schwierige Zeit für mich. Und wieder traue ich mich kaum das hier zu schreiben….. Ich hatte manchmal kaum etwas zu essen. Ich habe wirklich Hunger gelitten! Seit ihr schon mal wach geworden, weil euch der Magen vor lauter Hunger so richtig doll weh getan hat? Das ist grauenvoll! Das sind richtige Schmerzen. Ich habe über Wochen nur Hühnerbrühwürfel mit ein paar Suppennudeln drin gegessen. Ab und an hab ich da mal noch ein Ei rein gemacht, dann wurde es etwas dickflüssiger. Butterbrote gab es auch ab und an. Aber tendenziell hatte ich nur die Lebensmittel an denen ich sparen konnte. Irgendwann bekamen das meine damaligen Arbeitskollegen mit. Ich glaube ich sah damals auch nicht sonderlich gesund aus. Und als ich ihnen dann erzählte was los ist, brachten sie mir abwechseln Obst und Gemüse mit und kochten abends abwechselnd für mich mit so dass ich am darauffolgenden Tag etwas warmes essen konnte. Das war eine beschissene Zeit!

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Und ich glaube das erklärt auch warum ich in punkto Geld immer sehr ängstlich und vorsichtig war. Auch das hatte sich ganz tief in mir eingebrannt. Mein Therapeut sagte mir dann, dass ich versuchen muss mir jetzt immer bewusst zu machen, dass ich JETZT genügend Geld habe. Das ich JETZT keine Angst mehr haben brauche Hunger leiden zu müssen. Das diese Zeiten vorbei sind und ganz sicher auch nie wieder kommen werden.

Und obwohl ich es zunächst für unmöglich hielt, habe ich diese Sätze sehr schnell für mich verinnerlicht und versuche sie auch in anderen Situationen anzuwenden. Und das klappt sehr gut. Ich sage mir immer wieder, dass ich jetzt keine Angst mehr haben muss, dass ich erwachsen bin und selbst bestimmt handeln kann und das niemand mehr Macht über mich hat. Das ist ein Prozess, ein insgesamt langer Weg, bei dem man sehr viel Vergangenheit bewältigen muss und bei dem es immer wieder Rückschläge gibt. Und es ist richtig anstrengende Arbeit! Aber ich bin trotzdem unglaublich froh, dass ich diesen Weg jetzt gehe, weil ich jetzt schon an dieser Stelle weiß, dass es sich gelohnt hat und es sich noch immer weiter lohnen wird!

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