Beziehung – nein Danke!

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Neulich habe ich auf Instagram einen Post gesehen der mich zu diesem Beitrag motivierte. Er lautete folgendermaßen:

Wie man eine Beziehung aufrechterhält:

Kommuniziert. Sprecht über die Dinge, die guten und die schlechten. Schafft Vertrauen. Seid ehrlich. Seid treu. Seid füreinander da. Nehmt euch Zeit füreinander. Lasst die Vergangenheit der Vergangenheit. Wisst, dass Argumente normal sind. Wisst, dass ihr nicht immer glücklich sein werdet. Erwartet nichts. Schätzt die Fehler. Schätzt euch gegenseitig. Werdet beste Freunde. Und zu guter Letzt, liebt euch bedingungslos.

Direkt nach dem lesen dachte ich „Oh Gott klingt das kompliziert. Gut das du Single bist!“ Sicherlich ist mir klar, dass eine Beziehung auch (harte) Arbeit ist. Aber ich habe mich gefragt, warum ich das Wort „Beziehung“ zumindest zur Zeit eher mit etwas negativem, als mit etwas positivem verbinde.

Ich habe mich auch gefragt warum wir heute so „tolle“ Sachen wie „Freundschaft+“ haben. Im Internet habe ich den Überbegriff „Generation Beziehungsunfähig“ gefunden. Ist es so? Sind wir heutzutage beziehungsunfähig? Liegt es an der schnelllebigen Zeit, dass wir lieber auch in Beziehungen unverbindlich bleiben wollen? Liegt es an dem unendlich scheinenden Konsum, dass wir auch in Beziehungen Angst haben das noch bessere „Angebot“ zu verpassen?

Erwarten wir heute zu viel (voneinander)?

„Besser nichts erwarten, dann wirst du nicht enttäuscht“ – Noch so ein toller Spruch… 😉 In dem Wort „enttäuscht“ steckt meiner Meinung nach schon die halbe Antwort „ent – täuscht“ beinhaltet das Wort „Täuschung“. Man wurde also getäuscht in SEINER / IHRER Erwartung. Und hier liegt für mich die zweit Hälfte der Antwort. Nicht der/die andere hat einen „getäuscht“, sondern man hat sich selber getäuscht! Der andere ist so wie er ist. Er ist so, wie er immer schon war. Nur wir selber erwarten einfach etwas anderes von ihm/ihr. Mitunter. Das muss natürlich nicht sein. Manchmal treffen Prinz und Prinzessin tatsächlich aufeinander. 🙂 Aber wohl doch eher selten. Erwartungen sind daher etwas rein subjektives und haben überhaupt nichts mit dem anderen zu tun. Aber oftmals sind das dann die „Fehler“ die wir bei anderen Menschen feststellen.

Beziehung – nein Danke! – Warum?

Wann immer ich ein altes (also ganz altes) Ehepaar händchenhaltend spazieren gehen sehe denke ich, „Das ist sooooo toll! Sowas hättest du später auch mal gerne!“ Wobei ich bei dem Wort „später“ schon selber schmunzeln muss, denn diesen Satz sage ich schon seit mehreren Jahr(zehnt)en in diesen Situationen. Mittlerweile würde das Wort „jetzt“ eher passen, als das Wort „später“. 😉

Tatsächlich denke ich, dass es auch ein schönes vertrautes Gefühl sein muss jemanden so lange Zeit um sich zu haben. Jemanden der einen mit all seinen Facetten kennt, der in guten und in schwierigen Zeiten zu einem steht und auf den man sich verlassen kann. Warum kann ich es mir also für mich selber momentan nicht vorstellen?

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Mir ist ein Satz eingefallen, den ich gleich in einer meiner ersten Sitzungen zu meinem Therapeuten sagte und den er äußerst „interessant“ fand, und ihn sich auch sogleich notierte:

„Das was ich mir am meisten wünsche, ist auch gleichzeitig das wovor ich am meisten Angst habe – Nähe.“

Klingt kompliziert oder? Tatsächlich war es bei mir so, dass ich schon sehr viele Beziehungen hatte. Mal ganz kurze von nur ein paar Wochen oder Monaten (wobei ich diese dann selber nicht als Beziehung definiere, sondern eher als Abenteuer oder ähnliches) Meine längste Beziehung hielt sechs Jahre und die zweitlängste hielt 5 Jahre. Ich persönlich finde das nicht besonders lang, aber auch nicht ganz soooo kurz. Ich verliebe mich zumeist recht schnell, ABER ich entliebe mich auch recht schnell! Ich möchte manchmal ganz viel Nähe, gemeinsame Aktivitäten, körperliche Zuneigung etc. und andererseits brauche sehr viel Zeit für mich. Mit Zurückweisung komme ich selber nur sehr schlecht klar, aber ich weiß, dass ich auch selber schon äußerst gefühlskalt auf den anderen Part wirken kann. Ich höre ganz genau zu was mein Gegenüber mir sagt, neige aber dazu zu viel in gesprochenes hineinzuinterpretieren. Ich mache mir wirklich viele viele Gedanken über denjenigen mit dem ich in einer Beziehung bin. Es kommt sowohl vor das ich klammere, als auch, dass ich mich mal gar nicht melde und das dann meinerseits als total normal empfinde. Ich kümmere mich gerne und bin auf der einen Seite auch sehr harmoniebedürftig, aber um meine Angelegenheiten kümmere ich mich gerne selber und mag nicht (bzw. selten) das man mir hilft. Zu einem Großteil liegt das natürlich auch an gemachten Erfahrungen. Ich habe immer große Angst verletzt zu werden. Ich hasse Lügen! Ich weiß, das sagt bestimmt jeder, aber für mich ist es tatsächlich das schlimmste was man mir antun kann. Jede noch so unbequeme Wahrheit ist mir lieber, als eine Lüge. Ich habe in bisherigen Bekanntschaften oder Beziehungen manchmal schon ganz früh gemerkt, dass es für mich nicht passt. Aus den unterschiedlichsten Gründen zum Beispiel verschiedene Wertevorstellungen, gegensätzliche Weltanschauungen, nicht annehmbare sexuelle Vorlieben oder aber auch Hobbys die für mich nicht bzw. zu wenig übereingestimmt haben. Anstatt dann aber die Reizleine zu ziehen, habe ich oftmals viel zu lange daran (bzw. an demjenigen) festgehalten. Klar das das dann natürlich nicht gut ging. Ich gebe hier prinzipiell nicht den Männern die alleinige Schuld daran (!), aber andererseits hatte ich auch schon echt viele Idioten und Arschlöcher 😉

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Aus therapeutischer Sicht bezeichnet man so ein Verhalten wie ich es habe als „Bindungsangst“ oder auch „Beziehungsangst“. Und ich muss auch ehrlich sagen, dass ich das Thema bis jetzt noch nicht angegangen bin. Das hat mehrere Gründe. Zum einen bin ich mir mittlerweile um die Komplexität dieser Thematik bewusst und weiß, dass es nichts ist was man mal eben schnell in zwei oder drei Sitzungen beim Therapeuten bespricht und behebt. Ich habe in gewisser Weise auch Angst dieses Thema anzugehen. Und zu guter Letzt ist es aber auch so, dass meine Prioritäten derzeit noch auf anderen Themen liegen. Ich versuche mich momentan einfach auf die Themen Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Selbstannahme zu fokussieren. MIR scheint das momentan wichtiger zu sein. Vielleicht auch, weil ich hoffe, dass mir mit einem besseren Selbstwertgefühl diese Thematik etwas leichter fällt anzugehen. Momentan mag ich erst einmal mit mir selber zufrieden sein. 🙂 und bin dabei auf einem sehr guten Weg!

Ursachenforschung….

Ich glaube, dass wir einerseits aufgrund unserer Erziehung und durch die Prägung unser Eltern und dem dabei vorgelebten Verhalten in deren Beziehung, unsere spätere innere Einstellung zu Beziehungen bekommen. Andererseits ist es natürlich auch ein eigenständiger Prozess, den wir im Laufe unseres Lebens machen. Unsere eigenen Erfahrungen also.

Ich glaube, dass Kinder die in einer größtenteils harmonischen Vater-Mutter-Kind Beziehung aufwachsen, auch für ihr späteres Leben die besten Voraussetzungen für eigene Beziehungen haben. Eltern fungieren als Vorbilder. Sie vermitteln gewisse Wertevorstellungen an ihre Kinder. Vertrauen, Ehrlichkeit und gegenseitige Rücksichtnahme würden hier zu den für mich wichtigsten Werter gehören, genauso wie Autonomie und Respekt. Auch mit dem allgemeine Wandel der Zeit, und den damit einhergehenden Änderungen, können daraus resultierende Erwachsene, so glaube ich, hier ein gutes Maß für ihre eigenen Beziehungen finden. Und ich glaube, dass eine Beziehung unter diesen Voraussetzungen auch heute noch durchaus ein Leben lang funktionieren kann. NATÜRLICH kann das auch Erwachsenen gelingen, die nicht unter diesen „günstigen“ Voraussetzungen aufwachsen. Aber ich glaube die innere Einstellung dazu ist eine andere.

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*****ACHTUNG! **** TRIGGERWARNUNG*****

Ich bin seit frühen Kindheitstagen sehr eigenverantwortlich. Ich wünschte ich könnte sagen, dass meine Eltern mich zu einer eigenständigen und selbstbewussten Frau herangezogen hätten, die sich ihrer Stärken und Schwächen stets bewusst ist. Vielleicht stimmt das auch, aber es hat weniger etwas mit Erziehung und noch viel weniger mit meinen „Eltern“ zu tun. Tatsächlich fühlte ich mich in meiner Kindheit meistens sehr einsam. Nicht zu verwechseln mit allein. Allein war ich nicht. Aber auch in einer Familie oder mit einen ganzen Haufen Menschen um einen herum kann man sehr einsam sein. Ich lernte sehr früh niemandem außer mir selbst zu vertrauen Ich hatte sehr oft sehr große Angst. Ich lernte auch, dass Menschen nicht ehrlich zu einander sind, und dass man sich nicht auf sie verlassen kann. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich nicht genug dafür tat, dass man mich mag. Es war teilweise egal wie gut, lieb oder wie schlecht oder böse ich war. Es hat nie für das Maß an Zuneigung gereicht, was sich jedes Kind von seinen Eltern wünscht und auch jedes Kind von seinen Eltern braucht. Ich fühlte mich meistens ungeliebt und auch nicht gewollt. Ich war halt da, aber mehr auch nicht. Ich lernte sehr früh was Alkohol mit Menschen macht, wusste was Jähzorn und Wut ist und auch wie sich beides körperlich „anfühlt“. Ich lernte nicht nur Tränen sondern auch Angst zu verstecken. „Gefühle zeigen ist ein Zeichen von Schwäche!“ – Das war mein Motto, auch noch für für viele Jahre später!

Als ich 11 Jahre alt war, glaubte ich das alles nicht mehr aushalten zu können. Ich wollte nicht mehr vorhanden sein! Ich hoffe jeder weiß was ich damit meine, ich möchte dieses Wort hier nicht schreiben… Aber auch das war, wenn man meine Eltern heute fragen würde, ja alles nur ein Hirngespinst meinerseits und ist ja niemals so passiert. „Was sollen denn die Leute denken? Nein, bei uns war alles in Ordnung!“ Die Narbe die ich vom gerade genannten Ereignis zurückbehielt kratzte ich mir für viele Jahre immer wieder auf. Warum? Wenn man einem Kind immer wieder sagt, dass es lügt, glaubt es das irgendwann selbst. Aber die Narbe sprach etwas anderes! Und ehrlich mit 11? Denkt sich eine 11jährige so etwas aus? Was waren eure Gedanken als ihr 11 Jahre alt wart? Wahrscheinlich reagiere ich selber deswegen heute auch so „allergisch“ darauf, wenn mich jemand anlügt….

Ich habe einmal versucht von zu Hause wegzulaufen. Ich weiß nicht mehr wie alt ich war, als kleines Kind auf jeden Fall. Ich lief einfach los, wollte nach Berlin (ich bin in der Nähe von Berlin aufgewachsen) aber dann bekam ich Angst und bin abends wieder nach Hause. Als meine Mutter die Wohnungstür öffnete – und diese Worte und ihren Blick werde ich niemals vergessen – sagte sie mit einem richtig zynischem Lachen im Gesicht „Wusste ich doch, dass du das nicht durchziehst“. Im nächsten Moment fiel mir meine kleine Schwester um den Hals und sagte „Bitte lass mich hier nicht allein!“.

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Und auch ein anderes Erlebnis hat sich in Bildern und Gefühlen tief und fest in meinem Hirn eingebrannt. Den genauen „Grund“ kann ich heute nicht mehr benennen. Ich rannte vor meinem Vater innerhalb unserer Wohnung weg. Irgendetwas musste ich wohl wieder angestellt haben. Meine „Flucht“ endete in der Küche. Ich hockte mich vor den in der linken Ecke sich befindenen Kühlschrank, hatte die Beine angezogen vor dem Bauch, und die Arme über Kreuz verschränkt vor meinem Gesicht. Mein Vater brüllte und tobte. Und plötzlich war mir ALLES egal was hätte passihren können. … Ich stand plötzlich auf, ging auf ihn zu, er erhob seine Hand und mit aller Wut die ich in mir hatte brüllte ich ihn an „Schlag doch zu du feige Sau!“ ….. Mein Vater hat mich seit diesem Tag nicht mehr angerührt.

Als spätere Jugendliche war ich eher der Rebell. Aufgrund schlechter schulischer Leistungen war ich vom Gymnasium abgegangen und ging für die 9. und 10. Klasse auf eine Gesamtschule. Meine Mutter war mehr oder weniger über Nacht „in den Westen“ abgehauen. Das war sehr schlimm für mich, aber kam auch nicht vollkommen unerwartet. Mein Vater hatte irgendwann, bzw. eigentlich glaube ich das es schon kurze Zeit später war, eine neue Freundin, die auch zwei Söhne mit in die Beziehung brachte. Mir waren sie und auch ihre beiden Söhne relativ egal. Ich habe mich die ersten Wochen überhaupt nicht mit ihnen beschäftigt. (Heute ist mein großer „Bruder“ einer meiner wichtigsten Bezugspersonen!) Ich war fast nur noch zum schlafen zu Hause, und die meiste Zeit mit meiner Clique unterwegs. Ich habe in dieser Zeit selber sehr viel Alkohol getrunken und auch jede Menge Mist gebaut. Schlägereien, Pöbeleien…. wären wir auch nur einmal von der Polizei erwischt worden, es hätte Anzeigen wegen Hausfriedensbruch, Vandalismus, Zerstörung öffentlichen Eigentums, Körperverletzung, Ruhestörung etc. gegeben. Ich glaube ich war ein weibliches Arschloch, zumindest was den Großteil meines Verhaltens anging. Rotzig, frech, unnahbar, laut und mit sehr viel Aggression im Bauch. Andererseits war der Zusammenhalt in der Clique schon auch etwas ganz besonderes für mich, weil man sich umeinander kümmerte, man bekam Hilfe wenn man (mit jemandem) Probleme hatte und es war immer jemand da. Und ich war auch zwei Mal schwer verliebt in dieser Zeit. 😉 Es war daher schon auch eine echt coole Zeit, aber heute weiß ich, dass es damals für mich die beste Entscheidung war mit 15 dort alle Zelte endgültig abzubrechen.

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Das ich heute (auch) anders sein kann, ist kein Verdienst meiner Eltern! Sondern es ist vielmehr einem Umstand geschuldet, der mich im Alter von 17 Jahren glücklicherweise ereilte. Im Alter von 17 Jahren lernte ich einen, damals 18 jährigen jungen Mann kennen. Heute würde ich sagen, dass er die Liebe meines Lebens war. In jedem Fall war diese Begegnung das Beste was mir passieren konnte, und ehrlich gesagt, auch jemals bisher passiert ist. Ich durfte erleben WAS Familie, was Liebe, Vertrauen und all die anderen schönen Werte wirklich sind! Sowohl er, als auch seine Eltern, sein Bruder und dessen Familie, als auch seine Großeltern waren ein wahres Geschenk für mich. Ich werde niemals in meinem Leben vergessen wie ich das erste Mal an dem großen ovalen alten Holztisch in der (Wohn-) Küche mit ihnen gesessen habe, und wir zu Abendaßen und plötzlich fragte man mich „Wie war dein Tag Alex?“ Alle Augen waren auf mich gerichtet und sahen mich fragend an. Es fällt mir gerade sehr schwer diesen Moment, dieses Gefühl in Worte zu fassen… Da wollten tatsächlich Menschen wissen wie es MIR geht! Vielleicht mag es für den einen oder andern unglaubwürdig klingen, aber ich glaube dass es bis zu diesem Tag überhaupt niemanden interessiert hatte wie es mir ging, wo ich war, mit wem ich bis spät abends unterwegs war und erst recht nicht wie mein Tag war. Aber dort – dort saß die ganze Familie abends zusammen, man unterhielt sich miteinander, lachte miteinander, ärgerte einander spaßeshalber. ES WAR WUNDERSCHÖN! Ich durfte in dieser Zeit kennenlernen wie Menschen AUCH miteinander umgehen können und was es heißt eine Familie zu sein. Ich wüsste nicht, was ich ohne diese Familie heute wäre!

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Auch heute zählt Vertrauen insbesondere in andere Menschen nicht unbedingt zu meinen Stärken und ich stecke sehr oft im „Einzelkämpfermodus“ fest, der in anderen Menschen tendenziell eher eine Gefahr sieht, als einen Gefährten. Mitunter bin ich mir dessen aber gar nicht bewusst. Und manchmal bin ich mir dessen bewusst, aber weiß nicht wie ich da selber wieder rauskomme.

Auch heute fällt es mir eher schwer wirkliche Beziehungen (freundschaftlich aber auch Paarbeziehungen) einzugehen. Ich bin immer etwas auf Distanz, immer wie in einer Art Lauerstellung um rechtzeitig die Flucht zu ergreifen. Ich bin über jeden Menschen dankbar der den Kontakt mit mir hält, weil mir selber das total schwer fällt. Ich habe heute keinen großen Freundeskreis. Es gibt nur eine Handvoll von Menschen denen ich mich wirklich nahe fühle. Bei den meistens Menschen ist es bisher eher immer so gewesen, dass ich alle das von mir denken lasse, was sie von mir denken wollen. Auch weil mir die meisten Menschen ehrlich gesagt ziemlich egal sind. Klingt furchtbar ich weiß.

Sollte ICH also über Beziehungen schreiben? Habe ich dazu eine objektive Meinung? Nein, die habe ich nicht! Es gibt nicht viele Menschen denen ich das sage, aber WENN ich zu jemandem sage das ich ihn mag, dann ist das absolut aufrichtig! Wenn mich jemand den ich mag um Rat frägt, werde ich immer ehrlich antworten! Wenn jemand den ich mag meine Hilfe braucht, werde ich da sein! Wenn ich mit jemanden den ich mag Zeit verbringen darf, dann bin ich sehr glücklich und dankbar! Und manchmal…. ab und an….versuche ich mich auch für neue Menschen in meinem Leben zu öffnen, weil ich gerne mehr Menschen mögen würde. Aber das ist nicht so ganz einfach. Aber was ist das schon!?

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Habt ihr bis hierhin durchgehalten? …. Respekt!!! 🙂 🙂

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Wenn es plötzlich „klick“ macht…

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Alles neu macht der Mai! Ist ein Sprichwort oder? Aber bei mir war das fast wirklich so. Zumindest meine ich, dass es mir ab Mai langsam und stetig besser ging. Das hatte gleich mehrere Gründe. Zum einen habe ich die Krankheit für mich angenommen. Ich habe nicht mehr dagegen angekämpft. Wenn ich Tage hatte an denen es mir zum Beispiel morgens schon nicht gut ging, dann habe ich das so akzeptiert (logisch, immer hat das natürlich nicht funktioniert). Aber ich habe mich dann versucht auszuruhen. Ich habe auf dem Sofa gelegen, meistens irgendeinen Film geschaut oder ich habe mich durch das deutsche Fernsehprogramm gezappt. Wobei letzteres schon eine wirkliche Herausforderung war! Bei dem größten Teil dessen was heutzutage im Fernsehen gezeigt wird frage ich mich ernsthaft, wer auf solche „Ideen“ kommt und wer sich so etwas wirklich gerne ansieht! Das ist doch größtenteils echt geistiger Müll oder? Also mal ehrlich, irgendwelche nachgestellten Polizei- und Rettungssätze die von zu meist grottenschlechten „Schauspielern“ dargeboten werden, Frauentausch & Co., das ist doch nur noch Verdummungsfernsehen. Das ist so nutzlos! Wer braucht so etwas? Gibt es wirklich Menschen, die daraus irgendeinen Mehrwert für sich ziehen? Okay, aber ich schweife ab…..

In meinem letzten Beitrag habe ich ja zum Schluss quasi drei neue Hausaufgaben meines Therapeuten benannt. 1. Ich soll nur noch eine Sache pro Tag machen, die ich meine machen zu müssen. 2. Ich muss mindestens eine Sache pro Tag machen, die mir Spaß bringt. Und 3. ich soll mit dem Gitarre spielen anfangen. Bääm, das saß erst einmal. „Wie soll ich das denn hinbekommen?“ fragte ich mich als ich nach dem Termin zurück zu meinem Auto lief. Aber im Grunde genommen, waren genau diese drei Hausaufgaben der Schlüssel für mich! Mit diesen Hausaufgaben veränderte sich alles! DENN Ich habe angefangen mein ganzen TUN zu HINTERFRAGEN! Egal was! Ich habe alles hinterfragt. Immer mit Fragen wie „Muss ich das jetzt machen?“, „Möchte ich das jetzt machen?“, „Warum mache ich das jetzt?“, „Glaube ich jetzt nur das machen zu müssen?“ und ich habe mich mit der Frage auseinandergesetzt „Was bringt mir Spaß?“ Ich war so erschrocken gewesen, dass ich in dem Therapietermin im ersten Moment nicht wusste wie ich diese Frage beantworten sollte! Es konnte doch nicht sein, dass es für mich nichts gab was mich wirklich erfüllt, was mich glücklich macht und mich die Zeit vergessen ließ!

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Zum Thema Gitarre spielen fragte mich mein Therapeut in der oben besagten Stunde noch, warum ich bisher nie mit dem Gitarre lernen angefangen haben. Ich antwortete ihm:

„Weil ich als Kind kein Instrument spielen lernen durfte. Und später als junge Erwachsene fehlte sehr oft das Geld. Es gab immer Dinge die wichtiger waren, gerade in der Zeit als ich Alleinerziehend war. Und jetzt, …. jetzt bin ich Anfang 40! Was, wenn ich gar kein Talent dazu habe? Was sollen denn die Leute denken, wenn sie mitbekommen, dass ICH jetzt Gitarre spielen anfange?“

Zu den letzten beiden Fragen meinte er:

„Und was ist, wenn das nicht eintrifft? Was ist, wenn sie sogar richtig viel Talent haben, und was ist wenn ihr Umfeld es toll findet das sie so etwas jetzt machen?“

Das saß!

„Gut das er nicht weiß, dass schon seit Jahren eine Gitarre daheim rumsteht!“ dachte ich beim heimfahren. Tatsächlich war es so, dass meine Tochter schon vor Jahren mal eine Gitarre von ihrem Vater geschenkt bekommen hatte. Nach anfänglicher Euphorie taugte sie allerdings nur noch als Staubfänger.

An den darauffolgenden zwei Tagen ging ich immer wieder in das Zimmer meiner Tochter, schaute die Gitarre an, blieb kurz stehen und ging dann wieder aus dem Zimmer. Das passierte so zwei oder drei Mal am Tag. „Soll ich wirklich?“

Am Samstagabend den 02.05.2020 lag ich im Bett, und auch da geisterte immer noch diese Gitarre in meinem Kopf. Es war ein Gedanke der wie ein Samenkorn in mein Hirn gepflanzt worden war und er keimte und keimte und keimte. Und plötzlich war es ganz klar! „Wenn ich WILL, kann ich jetzt Gitarre spielen lernen!“ Es war grandios! Ich lag da in meinem Bett und grinste vor mich hin! „Ich WERDE Gitarre spielen lernen!“ sagte ich mir immer wieder und wurde innerlich immer aufgeregter (aber vor Freude). Wie ein kleines Kind an Weihnachten habe ich mich gefühlt. Ich weiß noch, dass ich am liebsten sofort aufgesprungen wäre und am liebsten sofort losgelegt hätte 🙂

Am Sonntag 03.05.2020 war es dann soweit! Ich lernte Gitarre spielen. Natürlich nicht sofort! 😉 Aber ich habe angefangen. Und ich setzte mir einen „Termin“. Wenn ich bis zu meinem Geburtstag, der gut zwei Monate später war, immer noch so gefallen daran haben würde, dann würde ich in ein Geschäft gehen und mir eine eigene Gitarre kaufen. Was glaubt ihr, wie ging es weiter?

An meinem Geburtstag habe ich mir MEINE Gitarre gekauft. Eine James Neligan Westerngitarre. Und ich spiele immer noch mit absoluter Begeisterung! Gitarre spielen lässt mich die Zeit vergessen! Es ist unbeschreiblich schön für mich! Etwas das ich mir immer gewünscht hatte, und jetzt hatte ICH es mir endlich erfüllt. Und ich bin auch gar nicht so schlecht! 🙂 Mittlerweile nehme ich sogar an einem Volkshochschulkurs teil, wo ich neue Menschen kennengerlernt habe, die auch diesen Traum haben. Und ich habe einen Gitarrenlehrer gefunden, von dem ich regelmäßig Unterricht bekomme und der auch super sympathisch ist und von dem ich bestimmt jede Menge lernen kann.

Durch das Gitarre spielen habe ich enorm an Konzentrationsfähigkeit zurück gewonnen und das ohne, dass ich es krampfhaft gewollt hätte. Es kam einfach so nämlich weil ich Spaß dabei empfand, glücklich war in diesen Momenten und meistens nur aufhörte weil mir meine Finger wehtaten. Schon in den ersten Monaten, wo ich zunächst nur für mich allein daheim übte, habe ich ich jede Menge gelernt. Mithilfe einiger Onlinevideos kann man schon richtig viel alleine auf die Beine stellen. Gleichzeitig wird man aktiv weil man plötzlich etwas hat was einen begeistert. Es hat mir also in vielerlei Hinsicht enorm viel gebracht.

Wieso, weshalb, warum?

Aber ich möchte in diesem Beitrag auch noch auf eine der beiden anderen Hausaufgaben eingehen. Nur eine Sache zu erledigen die ich meine machen zu müssen. Für einen Workaholic gepaart mit einem absoluten Perfektionsstreben gar nicht einfach. Plötzlich musste ich mich mit meinen Handlungen und den dazugehörigen Gedanken auseinander setzen. Seien wir doch mal ehrlich, wer denkt schon groß darüber nach, was er glaubt angeblich an einem Tag alles erledigen zu müssen? Wir nehmen vieles als so selbstverständlich hin. Positives wie aber auch negatives. Vieles machen wir einfach so, weil wir es so machen, weil man es uns so vorgelebt oder gelernt hat, wir nicht wüssten wie wir es anders machen sollten, weil wir meinen das irgendwer das von uns erwartet und weil es einfach nun mal so ist. Im besten Fall stellen wir uns Fragen wie „Wer soll es denn sonst machen, wenn nicht ich?“ und machen dann trotzdem alles von dem wir meinen, dass es zu erledigen gehört. Aber ist das wirklich so? MUSS ich das alles so machen? Wer sagt das eigentlich? Stört es jemanden wenn ich es nicht mache oder wenn ich es anders mache? Wenn es jemanden stört, ist es dann SEIN Problem oder mache ich es nur zu meinem Problem?

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Ein Beispiel: Meine Küche war immer blitzeblank! Kein dreckiges Geschirr was irgendwo rumstand, die Arbeitsflächen sauber und aufgeräumt – Muss so sein oder? Normalzustand, war halt schon immer so. Macht man doch so oder? Aber für wen eigentlich? Stört es MICH wirklich wenn hier und da mal etwas rumsteht? Stört es MICH wenn die Krümel vom Brotschneiden nicht gleich weggewischt werden? Eines Abends machte ich einfach nach dem Abendessen die Tür zu Küche zu nachdem meine Tochter und ich den Tisch abgeräumt und alles in Kühlschrank verräumt hatten. Ich machte einfach die Tür zu und setzte mich auf meine Couch. Was glaubt ihr was passiert ist? NICHTS! Nichts ist passiert. Kein Donnerschlag und keine erboste Stimme die sprach „Aber das macht man doch nicht!“ Das Geschirr stand da und es hat niemanden interessiert!

Ich meine damit nicht, dass jetzt jeder seine Wohnung im Dreck versinken lassen soll! Nein das nicht. Bei mir ist es trotzdem noch ordentlich. Aber ICH entscheide was ich an einem Tag mache und was nicht. Es muss nicht jeden Tag die Wohnung pikobello sein. Man MUSS nicht jeden zweiten Tag staubsaugen. Dreckige Wäsche KANN auch mal in der Wohnung rumliegen, benutztes Geschirr schimmelt nicht innerhalb von 24 Stunden und so weiter. Und das lässt sich genauso auf den Umgang mit einem eventuell vorhandenen Garten, dem waschen eines Autos usw. anwenden. Hat jemand daran wirklich Spaß, geht jemand darin wirklich völlig auf DANN soll er das machen! Ich werde hier niemandem etwas vorschreiben. ABER VIELLEICHT kann auch der eine oder andere von euch mal sein eigenes Handeln und das dazugehörige darüber DENKEN hinterfragen. FÜR MICH hat es funktioniert. Wenn ich es schätzen müsste, dann würde ich sagen, dass ich maximal pro Tag nur noch eine halbe Stunde in die normalen Haushaltstätigkeiten investiere. Es lebt sich einfacher und es ist irgendwie auch wie eine Art Befreiung wenn man sich von diesen Zwängen löst, die man im Grunde genommen nur sich selber auferlegt hat. Man muss „nur“ mal wirklich hinsehen, in sich hineinhören, seine Gefühle dabei wahrnehmen – wie so eine Art innere Kommunikation – „MUSS ICH DAS WIRKLICH SO TUN?“

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Schreibt mir gerne eure Gedanken dazu in den Kommentaren! 🙂

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt!

Anfang März war ich super optimistisch. Zwei meiner Hausaufgaben hatte ich ja schon gleich erledigt (In die Sauna gehen und mich mit einer Freundin treffen). Und auch die nächste Hausaufgabe lief richtig gut. Es begann wie ein ganz normaler Spaziergang meiner (wie ich sie immer nenne) Hof- und Wiesenrunde. Eine Strecke die ich ganz oft laufe, weil sie landschaftlich schön und auch ruhig ist und außerdem geht sie ein ganzes Stück an einem Fluss entlang. Und ich mag Wasser total gerne zum anschauen!!

Die Hausaufgabe bestand darin, beim spazieren gehen nicht nachzudenken! Kein Grübeln, aufkommende Gedanken am besten sofort wieder wegzuschicken. Sie bestand darin, den Moment einmal voll und ganz wahrnehmen. Man könnte auch den Begriff Achtsamkeit dafür verwenden. Sich nur auf das Hier und Jetzt fokussieren.

Also lief ich los. Das Wetter war schön, die Sonne schien und es wehte ein leichter Wind. Ich versuchte den Blick nicht nach unten auf den Boden zu richten, sondern nach oben in den Himmel oder rechts und links neben mir. Das war zeitweise gar nicht so einfach. Auch das mit dem „nicht nachdenken“ ist einfacher gesagt als getan. Ich ertappte mich immer wieder dabei, wie ich an irgendetwas dachte, aber es gelang mir zunehmend mehr mich auf den Moment einzulassen. Ich blieb ganz oft stehen, machte die Augen zu und atmete mehrmals die frische Luft tief ein und aus. Das tat richtig gut. Ich begann immer öfter zu lächeln und fühlte mich sehr wohl. An einer Baumallee blieb ich abermals stehen, schloss die Augen und lauschte. Der Wind in den Bäumen hörte sich mit etwas Phantasie wie Meeresrauschen an. Das war ein großartiger Moment! Nach dem Spaziergang war ich zwar kaputt, weil ich auch echt lange unterwegs war, aber ich war auch irgendwie zufrieden und innerlich ruhig.

Bilder von meiner Hof- und Wiesenrunde

Ich hatte den ganzen März und April über aber nicht nur schöne Momente. Hochs und Tiefs wechselten sich so gut wie immer ab. Hinzu kam, dass durch die von Corona getroffenen Maßnahmen, wie die andauernde Ausgangssperre und das Kontaktverbot, mich doch auch sehr belasteten. Man sah kaum noch jemanden draußen. Die Straßen waren total leer. So viele Geschäfte hatten geschlossen. Begegnete man vereinzelt Menschen beim spazieren gehen, dann machten sie einen riesigen Bogen um einen. Im Supermarkt fühlte es sich teilweise an wie Spießrutenlaufen. Jeder versuchte ja keinem anderen zu Nahe zu kommen. Es war eine wirklich krasse Umstellung für das private Leben von jetzt auf gleich. Ich empfand es anfangs als total befremdlich und ich kam mir öfters ziemlich ausgegrenzt vor. Ich wusste zwar, dass die Menschen keinen Bogen um mich als Person machten, sondern aus Angst vor der Krankheit, aber trotzdem empfand ich es als belastend. Ich hatte mich auch sehr auf den Besuch meiner Schwestern mit ihrer Familie über Osten gefreut, aber auch das kam durch die Kontaktbeschränkungen nicht zustande. Darüber war ich sehr sehr traurig.

Durch die Ausgangssperre und das Kontaktverbot konnte ich auch nicht wirklich an meinen Hausaufgaben weiterarbeiten. Keine netten Menschen treffen, kein Besuch im Tierpark, keinen Kaffee trinken gehen, nichts…. Mehr als spazieren gehen war nicht mehr drin. Und auch das durfte man ja nur in seiner unmittelbaren Umgebung. Es fühlte sich für mich ganz oft wie totaler Stillstand an und darüber war ich an vielen Tagen sehr verzweifelt. Beinahe täglich änderte sich meine Stimmung. Ich konnte mich quasi auf mich selbst nicht mehr verlassen. An manchen Tagen wusste ich gleich beim wachwerden, dass heute kein guter Tag wird. An anderen Tagen kamen diese Momente von jetzt auf gleich, scheinbar ohne jeglichen Grund.

Ich versuchte andere Beschäftigungen zu finden.

Ich bestellte mir ganz viele Pflanzen für meinen Garten über einen Online Händler und fing an in meinem Garten zu arbeiten. Ich hab Bete angelegt, Erde umgegraben, Sträucher und jede Menge Blumenzwiebeln gepflanzt. Außerdem besorgte ich mir einiges an Gemüsepflanzen. Ich habe Kartoffeln, Zucchini, Paprika und Tomaten in Kübeln angepflanzt. Außerdem noch ein paar Beerensträucher. Das war körperlich total anstrengend für mich. Es war wirklich richtig viel und die Arbeit daran schien gar kein Ende zu nehmen. Ich habe allein dafür mehrere Tage gebraucht.

Eines der Beete die ich neu angelegt hatte (für den vielen Buchs kann ich allerdings nichts)

Ich habe im Internet recherchiert, wie ich bei Fahrrädern die Bereifung (also Fahrradschlauch und Mantel) wechsle. Das hatte ich zuvor noch nie gemacht. Ich habe mir das entsprechende Equipment sowie neue Reifen online besorgt und dann schließlich auch mein Fahrrad wieder fahrbar gemacht. Das brauchte auch mehrere Tage, da ich immer wieder im Internet nach Videos gesucht und geschaut hatte, wie das eine oder andere gemacht wird. Aber am Ende hat es funktioniert.

Mein Fahrrad noch mit alten Reifen.

Ich habe angefangen Bücher zu lesen, was mir früher so gar keinen Spaß gebracht hatte und ich auch (gefühlt) nie wirklich Zeit dafür hatte. Aber jetzt bestellte ich mir Sachbücher über Burnout und Depression. Das lesen fiel mir in dieser Zeit nicht wirklich leicht, weil meine Konzentration und dadurch auch meine Auffassungsgabe ziemlich eingeschränkt waren. Das hat mich des Öfteren ziemlich frustriert, weil ich ja wollte, aber es nicht hinbekommen habe.

Ich habe immer wieder versucht Sport zu machen. Bis wenige Monate vor meiner Erkrankung habe ich eine ganze lange Zeit lang richtig viel Sport gemacht. Ich war an bis zu 6 Tagen die Woche im Fitnessstudio und war, was meine körperliche Veränderung anging, auf einem echt guten Weg. Aber schon ein paar Monate bevor ich dann krank wurde, wurde auch das immer mehr zur Belastung für mich und ich hatte auch keine „Kraft“ mehr dazu, weil ich mich schon zu der Zeit sehr schwach fühlte. Im März 2020 habe ich dann mit Yoga und Meditation angefangen und das war, und ist es auch heute noch, für mich eine absolut tolle Erfahrung. Ich hatte sogar über meine Krankenkasse einen Yoga Kurs gebucht, der dann aber wegen Corona nach der 3. Stunde abgesagt wurde. An schlechten Tagen hat mir Yoga und auch Meditation besonders gut getan. Durch die Fokussierung auf die Atmung, konnte ich das eine oder andere Tief erheblich mildern.

Das war der Raum wo mein Yoga Kurs stattfand

Meine eigene kleine Yoga Ecke in meinem Schlafzimmer

Ich habe in dieser Zeit meinen Kaffee Konsum drastisch reduziert und stattdessen gerne mal auch einen leckeren Tee getrunken (besonders gerne abends). Für mich war das eine totale Umstellung, denn ich habe früher jede Menge Kaffee über den ganzen Tag verteilt getrunken. Ich war ein richtiger Junkie! Jetzt trinke ich auch noch Kaffee, aber nur noch am Morgen. Dann aber in aller Regel gleich zwei große Tassen hintereinander – muss sich ja lohnen 🙂

Ja, und auch sonst war ich sehr fleißig! Ich versuchte auch in dieser Zeit meine Wohnung, die mit 4 Zimmern und einer Wohnfläche von 140 m² nicht gerade klein ist, wie früher auch akribisch sauber zu halten. Staubsaugen, Staubwischen, Wäsche waschen, Küche aufräumen, Betten machen, Bad putzen, Küchenschränke sauber halten (ich habe eine Küche mit Lackfronten – war nicht meine Idee) und all das was dazu gehört.

Und ich habe meinen Keller und meine Garage aufgeräumt. Ich glaube ich muss niemandem erzählen was allein das an Arbeit war.

Alles in Allem habe ich in diesen beiden Monaten verdammt viel gemacht! An Tagen wo es mir gut ging, habe ich voll zugeschlagen und kaum ein Ende gefunden. Meistens lag ich am darauffolgenden Tag dann natürlich flach, weil es einfach zu viel war und ich körperlich eigentlich schon nach kurzer Zeit kaputt war. An Tagen wo es mir gut ging, habe ich auch nie ein wirkliches Ende gefunden. Immer wieder entdeckte ich NOCH MEHR was es zu erledigen galt, immer wieder sagte ich mir „Das noch, und dann höre ich auf!“. Manchmal tat ich das dann auch, aber des Öfteren auch nicht, weil ich wieder noch etwas anderes fand und es „nur noch schnell“ erledigen wollte. Ganz oft saß ich abends da und konnte überhaupt nicht mit mir zufrieden sein. Es stellte sich kein wirkliches Erfolgserlebnis für mich ein. Selbst wenn ich einen Satz damit begann „Heute habe ich viel geschafft…“ kam gleich hinterher „…nur leider das nicht!“ Ich war mit meiner Leistung nicht zufrieden.

Mein Therapeut meinte in einer der währenddessen stattfindenden Sitzungen, dass ich viel zu viel mache. Selbst für einen körperlich und geistig gesunden Menschen wäre das schon richtig viel gewesen. Meine Hausaufgabe bestand darin, bis zur nächsten Sitzung alles pro Tag aufzuschreiben was ich gemacht habe und auch zu notieren wie ich mich dabei oder danach gefühlt habe. Er meinte, dass wir (Menschen) manchmal Dinge tun, weil wir meinen, wir müssen sie machen. Wie so eine Art ungeschriebenes Gesetz. Und das es auch einfach richtig viele Dinge gibt, wo sich gar kein Erfolgserlebnis einstellen kann. Das sind Dinge die in der Natur der Sache überhaupt niemals fertig werden. Dazu zählt zum Beispiel auch das saubermachen der Wohnung. Da gibt es kein wirkliches Ende. Man entdeckt immer in der nächste Ecke etwas, was noch nicht dem gedachten Ideal entspricht.

Also schrieb ich alles auf was ich pro Tag machte. Gefühlsmäßig war es tatsächlich ein ständiges auf und ab. An machen Tagen machte ich total viel und vermerkte aber trotzdem das ich mich nicht gut fühlte. An dem darauffolgenden Tag lag ich entweder ganz flach oder hab nur ein oder zwei Dinge erledigen können, weil ich für mehr viel zu kaputt war. Und an diesen Tagen war ich dann natürlich auch sehr frustriert.

Tagebucheintrag 17.04.2020

18 Uhr und ich bin total erledigt. Ich habe gefühlt heute wieder echt zu viel gemacht. Manchmal hab ich mich dabei sogar über mich selber geärgert. Zum Beispiel gleich am Vormittag: Ich wollte eigentlich nur in die Küche gehen um meine Medikamente zu nehmen. Stattdessen räume ich erst die Spülmaschine aus und wieder ein, wische alle Küchenflächen ab, wische den Backofen aus und spüle Gläser von Hand ab, weil die nicht mehr in die Spülmaschine gepasst haben. Danach habe ich noch den Futterplatz der Katzen sauber gemacht und ihnen Futter und frisches Wasser hingestellt und erst DANN habe ich meine Tabletten genommen. Ansonsten habe ich heute noch:

Wohnung aufgeräumt

Garage aufgeräumt

ich war einkaufen

mit Hanna zusammen ihr Fahrrad sauber gemacht

zum Wertstoffhof gefahren und Müll weggebracht

Und jetzt sitze ich hier, bin mega platt und versuche mir zu sagen „Gut gemacht Alex!“, „Super Alex!“, „Sei stolz auf dich Alex!“ und es funktioniert nicht wirklich. Morgen will ich unbedingt den Rasen mähen und Fahrrad fahren.

Tagebucheintrag 19.04.2020

Gestern war wieder schlimm! Ich habe sehr schlecht geschlafen. Ich träume zur Zeit fast jede Nacht und leider sind es keine guten Träume. Sie sind voller Gewalt…….

Gestern fiel es mir dann total schwer aufzustehen. Gegen 10 Uhr habe ich es geschafft und dann bin ich auch ziemlich gleich raus in den Garten, weil ich es mir ja vorgenommen hatte. Aber es war die reinste Qual. Normal macht mir Rasenmähnen echt Spaß, aber gestern war es echt schlimm. Danach war ich schon total fertig. Ich bin dann aber noch zum Wertstoffhof gefahren um den Rasenschnitt wegzubringen und hab dann noch ein paar Kleinigkeiten eingekauft. Danach konnte ich mich nur noch hinlegen. Ich war total kraftlos, ausgelaugt, innerlich total unruhig und auch meine Atmung war wieder total unregelmäßig. Und ich war wieder so sauer auf mich. Mit kotzt das einfach so sehr an! Mein Magen spinnt auch schon wieder seit zwei Wochen. Alles zum kotzen! Heute habe ich mir erst gar nichts vorgenommen. Ich bin nur faul. Ich kann es nicht ändern.

Wenn nichts mehr geht….

Das aufschreiben meiner Aktivitäten und meiner täglichen Stimmung hat mir sehr viel gebracht. Ich habe dadurch schon auch selbst erkannt, dass es zu viel war was ich mir zugemutet hatte. An dem Tag selbst habe ich es nicht so gesehen, aber wenn ich mir dann die Einträge von einer Woche durchlas wurde es auch mir klar. Wäre ich gesund gewesen, wäre das vielleicht noch in Ordnung gewesen, aber ich war krank! Aber es hat mir noch viel mehr gebracht. Ich habe diese Krankheit auch etwas mehr verstanden. Ich habe gemerkt, dass es nicht an mir als Mensch lag, dass ich mich so fühlte und auch das ich solche Gedanken hatte.

Für meinen Therapeuten war die nächste Hausaufgabe ganz klar! Ich durfte bis zur nächsten Sitzung nur noch eine Sache pro Tag mache die ich meine machen zu müssen und ich musste mindestens eine Sache pro Tag machen, die ganz allein für mich ist. „Was bringt Ihnen Spaß?“ fragte er mich. Und ich saß da und wusste nicht was ich sagen sollte. (Das hat mich auch Tage später noch beschäftigt. Ich wusste nichts was mir Spaß bringt…..) Ich sagte dann nach einer Weile „Sport, ….Yoga…..“ Und er meinte „Ja aber das machen sie ja schon immer mal wieder, und es bringt Ihnen zwar etwas, aber so richtig auch nicht!“ Hhhmm, da war guter Rat teuer. Ich konnte nichts benennen bei dem ich wirklich richtig Freude empfand, was mich glücklich machte, was mich die Zeit vergessen lies. Dann frage er mich „Was wollten Sie in ihrem Leben schon immer mal tun?“ Und ich antwortet wie aus der Pistole geschossen „Gitarre spielen können“ Und da was sie geboren, meine nächste Hausaufgabe!

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Von der „Schwäche“ loszulassen

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Ich habe sehr lange gebraucht bis ich mir die Krankheit wirklich eingestanden habe. Ich wusste das ich krank bin, das habe ich jeden Tag aufs Neue körperlich wie geistig gespürt. Trotzdem wollte ich es mir noch nicht wirklich eingestehen. Ich konnte…. nein ich wollte es einfach für mich nicht akzeptieren. Etwas in mir sagte immer wieder „Du hast schon so viel erlebt, so viel überstanden, da haut dich doch DAS jetzt nicht um!“ Im Grunde genommen weiß ich heute, dass die Antwort schon zu einem großen Teil in dem Satz selber lag. Im Januar 2020 sah ich das aber (noch) nicht.

Am 28.01.2020 hatte ich meine bis dahin schlimmste Panikattacke. Eigentlich war es nur ein normaler Kontrolltermin bei meinem Frauenarzt. Jede Frau kann mir sicherlich nachempfinden, dass der jährliche Termin zur Krebsvorsorge nicht unbedingt zu den angenehmsten Terminen im Leben einer Frau gehört. Doch an diesem Tag hatte ich mitten in der Brustultraschalluntersuchung eine Panikattacke. Eine meiner absoluten Ängste ist es Krebs zu bekommen. Ich muss dazu sagen, dass ich 2012 bereits Hautkrebs hatte, der aber vollständig entfernt werden konnte und ich, nach mehr als fünf Jahren ohne Befund, mittlerweile als geheilt gelte. Trotzdem war seit diesem Erlebnis die Angst immer wieder da. Die größte Angst hatte ich jedoch davor Brustkrebs zu bekommen. An diesem Tag lag ich auf der Liege im Untersuchungszimmer, der Raum war abgedunkelt, ich hatte überall auf dem Oberkörper dieses glitschige Gel und ich starte auf einen großen Bildschirm der extra für die Patientinnen an der gegenüberliegenden Decke angebracht war. Rechte Brust, linke Brust, linke Achselhöhle, rechte Achselhöhle, Rippenbogen, und wieder rechte Brust, linke Brust, noch mal rechte Brust…. Es dauerte gefühlt schon eine halbe Ewigkeit und immer wieder ging er auf die rechte Brust, machte irgendwelche Messungen und sagte aber nichts. Ich schaute abwechselnd zu ihm hoch und wieder auf den großen Bildschirm. Ich fand das er irgendwie besorgt aussah. „War da was? Sieht er was auf den Bildern? Oh mein Gott!“ Und dann kam der Punkt an dem ich merkte wie mir plötzlich ganz heiß wurde. Also nicht warm, sondern richtig beinahe brennend heiß und ich merkte wie, von den Füßen ausgehend, sich wie so eine Art „Welle“ nach oben schob. Mein Herz schlug wie verrückt. Mir war so heiß. Ich konnte nicht mehr still liegen, wollte am liebsten aufstehen und weglaufen. Ich fing an mich mit den den Armen zu bewegen. Plötzlich schaute er mich erschrocken an und sagte: „Ach du jeh was ist denn mit ihnen los? Sie sind ja schweißnass!“ Ich sah ihn nur an und fragte „Alles in Ordnung?“ und er antworte „Ja, alles soweit in Ordnung!“ Ich erzählte ihm daraufhin was gerade mit mir passiert war. Er versuchte mich zu beruhigen, aber ich war durch. Ich war plötzlich sowas von erschöpft…. Ich kam heim und habe den restlichen Tag nur noch gelegen.

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Den ganzen Januar und Februar konnte ich die Krankheit einfach nicht für mich akzeptieren. Jedem anderen Menschen hätte ich diese Krankheit zugestanden. Nicht gewünscht, aber ich hätte mit Verständnis und Hilfestellung reagiert. Nicht aber mir selbst gegenüber. Ich habe im Januar und auch im Februar immer regelmäßig meine Arbeits-Emails gelesen und wenn der Sachverhalt einer Email, sagen wir mal „technisch kompliziert“ klang, dann habe ich kontrolliert ob deren Umsetzung korrekt erledigt wurde und war dies nicht der Fall, dann habe ich es korrigiert. Ich konnte nicht loslassen.

Krankgeschrieben war ich zunächst bis zum 31.01.2020. Das war ein Freitag. Ich hatte ernsthaft schon überlegt am darauf folgenden Montag wieder arbeiten zu gehen, aber letztendlich ging ich doch zu meiner Psychologin und wurde weiterhin krankgeschrieben. Zum Glück! Ein Telefonat mit einer lieben Kollegin meiner Abteilung machte mir in der darauffolgenden Woche dann auch klar, dass es die richtige Entscheidung war. Denn während ich mir daheim schlimme Selbstvorwürfe machte mit Gedanken wie „du kannst doch nicht alle hängen lassen“ oder „es gibt so vieles was nur ich weiß wie man es macht“, haben sich andere Menschen, die sich eigentlich hätten Gedanken machen müssen, überhaupt keine Gedanken gemacht.

Tagebucheintrag Dienstag 18.02.2020

Depression ist so ein Arschloch!!!! Heute bzw. gerade kotzt mich diese Krankheit wieder total an. Das sich immer alles anstrengend anfühlt, man sich immer wieder aufraffen muss. Diese Momente wo man nur dasitzt und ins Nichts starrt. Wenn man überlegt was man eigentlich gerade tun wollte. Einfach so vieles vergisst. Sich nicht mehr an das gelesene bzw. die letzten Seiten eines Buches erinnert. Wenn man nach den richtigen Worten sucht. Es ist einfach furchtbar wenn man so vieles – auch Dinge die man gern hat – tun möchte und es einfach nicht schafft. Immer müde. Immer kaputt. ich bin jetzt schon so lange zu Hause und ich bin immer nur kaputt. Ich möchte mich am liebsten nur noch ein mein Bett verkrümeln, Decke über den Kopf und schlafen!

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Ich hatte weiterhin alle 14 Tage, manchmal waren es auch drei Wochen, meine Gesprächstherapie und ich las sehr viel über das was mit mir los war. Beides verhalf mir zu der Erkenntnis, dass ich erst ein Burnout und im Anschluss daran dann eine Depression bekam. Diese Konstellation ist auch gar nicht so unüblich. Wenn man bedenkt, dass jemand der ein Burnout hatte weil er sich aus den unterschiedlichsten Gründen oder Umständen heraus einfach viel zu lange viel zu viel zugemutet hat, plötzlich „Schachmatt“ gesetzt wird, der stürzt ganz unweigerlich in ein Loch. Plötzlich wird einem der Boden unter den Füßen weggezogen und man steht vor dem (gedachten) Nichts. Und es machen sich Gefühle wie Hilflosigkeit, Angst, Wut und Gedanken wie „Du bist nutzlos!“ in einem breit.

Meine erste Hausaufgabe

Ja Hausaufgabe! 🙂

Meine erste Hausaufgabe von meinem Therapeuten bestand darin alleine in ein Café zu gehen und ganz in Ruhe einen Kaffee zu trinken. Klingt einfach? Für die meisten Menschen ist es das mit Sicherheit auch. Für mich war schon allein der Gedanke daran ganz furchtbar. Unter Menschen zu sein(!) und dann ganz allein (!) da sitzen. Was denken sich dann die anderen Menschen? „Schau mal die ist ganz allein, die hat niemanden und muss jetzt ganz allein hier sitzen!“ Ziel dieser Hausaufgabe sollte es sein mein Selbstwertgefühl und mein Selbstbewusstsein zu stärken. Ich sollte den Mut aufbringen, sozusagen über meinen Schatten springen, ich sollte die Stille und die gefühlten Blicke der anderen Menschen aushalten.

Am 21.02.2020 war es dann soweit. Ich habe mich getraut. Ich ging morgens in das Café eines Bäckers. Ich holte mir einen großen Cappuccino und dazu ein Käsebrötchen und später sogar noch einen Pfefferminztee. Ich war unglaublich stolz auf mich in diesem Moment. Ich saß zwar ganz hinten in einer Ecke, aber das war mir egal. Ich habe mich getraut! Es war auch richtig viel los. Einige Menschen frühstückten zu zweit, aber andere waren auch ganz allein dort. Eine Frau telefonierte die ganze Zeit. Ein älterer Mann las in seiner Zeitung und ein anderer Mann mittleren Alters tippte irgendetwas in seinen Laptop und trank immer wieder zwischendurch von seinem Kaffee. Und obwohl ich es vorher nicht dachte, fühlte es sich gar nicht so schlimm an, und ich fühlte mich auch gar nicht allein. Und was noch viel besser war: keiner schien auch nur Notiz von mir zu nehmen. Alle waren so mit sich selber beschäftigt und plötzlich war ICH diejenige die die Leute beobachtete. Ich war innerlich total ruhig und als ich ging wusste ich, dass ich das nicht zum ersten und letzten Mal gemacht habe.

Auch die nächsten Hausaufgaben gingen primär weiterhin darum mein Selbstbewusstsein und somit mein Selbstwertgefühl zu stärken. Das war nämlich ganz ganz klein! Auf die Frage hin, was mir denn so Spaß machen würde, konnte ich meinem Therapeuten in einer der nächsten Therapiestunden keine Antwort geben. Verrückt oder? Ich konnte nichts benennen, so rein aus dem Bauch heraus, was mir Spaß bringt. Also haben wir zusammen eine kleine Liste erarbeitet, die ich in den nächsten Wochen „abarbeiten“ sollte.

Folgende Dinge standen auf meiner Hausaufgabenliste:

  • in die Sauna fahren
  • spazieren gehen an einem Ort wo ich noch nicht war
  • am besten gleich morgens spazieren gehen
  • noch mal einen Kaffee trinken gehen
  • mich mit Freunden verabreden

Nach meinem ersten Erfolgserlebnis war ich sogar auch richtig davon überzeugt, dass ich diese Aufgaben alle schaffen würde. Ich freute mich sogar darauf! Am 12.03.2020 bin ich in eine Therme gefahren zum saunieren UND ich war vorher noch nie dort, kannte mich also überhaupt nicht aus. Es war ein großartiger Tag. Ich war fast den ganzen Tag dort, konnte mich sogar richtig entspannen und fühlte mich total wohl.

Am Tag darauf fuhr ich eine Arbeitskollegin besuchen, die zu diesem Zeitpunkt in Elternzeit war. Mit ihr hatte ich mich schon immer gut in der Arbeit verstanden und wir waren früher auch schon mal gemeinsam auf Konzerten. Auch dieser Tag war richtig schön. Wir konnten gut miteinander reden. In mein Tagebuch schrieb ich an diesem Abend:

Ich würde mir wünschen das wir richtig gute Freundinnen werden. Es ist schön sich mit ihr zu unterhalten und ich glaube es tat uns beiden gut. Sie ist wirklich eine ganz Liebe!

Insgesamt kann ich sagen, das es bis Mitte März 2020 gedauert hat, bis ich diese Krankheit wirklich für mich annehmen konnte. Es gab dafür keinen Tag X. Vielmehr war es so, dass ich irgendwann in dieser Zeit angefangen habe diese Krankheit auch als Chance wahrzunehmen. Ich merkte, dass es nichts nutzte wenn ich gegen sie und somit gegen mich ankämpfte. Irgendetwas wollte mein Körper und meine Seele mir mitteilen, und anstatt mir weiterhin „die Ohren zuzuhalten“, wollte ich jetzt hinhören. Die ganzen vielen letzten Wochen wollte ich mir diese „Schwäche“ nicht eingestehen. Ich wollte wie immer stark sein. Mein eigener Fels in der Brandung. So war es immer. Aber manchmal oder vielleicht auch öfters, ist loslassen keine „Schwäche“, sondern die eigentliche Stärke!

Als ich gerade anfing Hoffnung für mich zu gewinnen. Als ich gerade anfing ganz offen mit dieser Erkrankung umzugehen, mich ihr zu stellen, da passierte das, mit dem wohl nie jemand von uns gerechnet hatte! CORONA!

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Am 16.03.2020 wurde für Bayern der Notstand ausgerufen und ab dem 17.03.2020 stand hier das ganze öffentliche Leben plötzlich still. Konzerte und Veranstaltungen wurden in den vergangen Wochen schon alle abgesagt. Doch jetzt wurden auch zum Beispiel Kinos, Hotels und Fitnessstudios geschlossen. Restaurants durften nur noch bis 15 Uhr öffnen und es mussten Sicherheitsabstände eingehalten werden. Lebensmittelmärkte, Drogeriemärkte und Tankstellen hatten weiterhin ganz normal geöffnet, aber auch hier musste man Sicherheitsabstände von 1,5 m einhalten und durfte Geschäfte nur noch mit einer Mund- und Nasenmaske betreten. Die Menschen machten plötzlich einen großen Bogen um einen, man sah wie alle versuchten sich gegenseitig aus dem Weg zu gehen. Die Straßen waren plötzlich ganz leer. Ein paar Tage später, ab dem 21.03. galt für Bayern eine Ausgangssperre. Man durfte noch einkaufen gehen aber ansonsten lediglich zum spazieren gehen und für Sport im Freien durfte man das Haus verlassen. Baumärkte, Friseurgeschäfte, Tattoo Studios und auch die Gastronomie wurden komplett geschlossen.

Was zuvor für mich persönlich eine Notbremse war, war plötzlich für die ganze Gesellschaft eingetreten. Stillstand. Ich bin mir sicher, dass es sich für alle Menschen total befremdlich angefühlt hat. Für mich war es teilweise kaum auszuhalten. Aber darüber ein anderes Mal dann mehr!

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Ich freue mich wenn Du meinem Blog abonnierst!

Die Suche nach dem eigenen ICH

Wow, das klingt schon ganz schön tiefgründig 😉

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Nach meinem letzten Beitrag haben mich ein paar private Nachrichten erreicht. Ich muss sagen, dass ich teilweise sehr gerührt war und auch das eine oder andere Tränchen bei mir gekullert ist. Am meisten war die Rede von großem Mut meinerseits. Ich muss gestehen, dass ich es auch mutig finde so einen Blog zu schreiben. Das soll nicht eingebildet klingen, auf gar keinen Fall. Aber mir ist klar, dass ich hier sehr persönliche Dinge von mir preisgebe und das es Menschen gibt, die mich auch im realen Leben kennen und die so einen großen Einblick in mein Leben bekommen. Für mich stellt genau das eine Herausforderung dar.

Ich möchte überhaupt nicht, dass mich jeder mag. Ich hatte noch nie den Anspruch das mich jeder mag. Und ich war in vielerlei Hinsicht auch nicht überrascht, wie mich meine Mitmenschen bisher wahrgenommen haben. „Diese Seite kenne ich gar nicht von dir!“ hieß es jetzt oft. Ja das weiß ich! Ich war auch immer sehr darauf bedacht nur das Nötigste (das was ich dafür hielt) von mir zu zeigen. „Gefühle zeigen, ist ein Zeichen von Schwäche“ war seit meiner Kindheit ein großes „Motto“ von mir. Und so bleibe ich lieber in gewisser Hinsicht als eine Art von hart, unnahbar, laut und taff im Kopf der Menschen. Ich bin das schon auch, aber eben „nur“ „auch“. Ich lache gerne, rede gerne und Menschen die ich mag habe ich gerne um mich. Ich glaube das ich loyal bin und das man sich auf mich verlassen kann. Tatsächlich ist es aber auch so, dass ich viele Menschen überhaupt nicht mag und dies dann auch nicht immer unbedingt verbergen kann. Und ich möchte das auch gar nicht. Ich lege überhaupt keinen Wert darauf das mich jeder mag! Und ich finde das auch absolut legitim.

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Ich konnte mich bisher nur ganz wenigen Menschen gegenüber öffnen, und ich finde dann oft auch nicht die richtigen Worte (denke ich jedenfalls). Mir fällt es unglaublich schwer Menschen zu vertrauen, denn das eine oder andere Mal wurde ich in dieser Hinsicht auch schon sehr enttäuscht (normal – ich weiß).

Jetzt darüber zu schreiben ist daher relativ neu für mich. Relativ, weil ich schon in meiner Kindheit angefangen hatte Tagebuch zu schreiben. Irgendwo mussten all diese Gedanken schon immer hin. Und wenn ich hier darüber schreibe, kann ich meine Worte mit Bedacht wählen. Im realen Leben neige ich dazu aufkommende Gedanken direkt auszusprechen 🙂 Das ist nicht immer von Vorteil. Den Vorsatz „Sage immer was du denkst“ – finde ich prinzipiell nicht schlecht, aber ist nicht immer so gut. Man tut dadurch auch mal schnell jemanden weh, obwohl man das (vielleicht) gar nicht wollte. Oder man sagt Dinge, die einem später leid tun und oftmals plappert man (ich) auch etwas aus, was man (ich) besser nur gedacht hätte. Auch ein Punkt an dem ich noch arbeiten möchte und definit für mich „Verbesserungspotential“ sehe 🙂

Das heißt jetzt aber nicht, dass ich hier jeden Satz tausendmal gegenlese und „korrekt“ rüberkommen möchte. Wenn jemand das was ich hier schreibe nicht mag, wäre es mir ehrlich gesagt auch ziemlich egal. Es kann jeder entscheiden was er mit seiner freien Zeit macht 🙂

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Mir ist auch klar, dass das was ich hier schreibe an manch einer Stelle auch mal – wie heißt es so schön – „nach hinten losgehen“ kann. Ich möchte ganz gewiss niemanden hiermit verletzen. Absolut nicht! Wenn ich das tue, dann tut es mir leid und war nicht von mir beabsichtigt.

Mir geht es hier auch nicht darum irgendjemanden an den Pranger zu stellen oder „dreckige Wäsche zu waschen“. Im Gegenteil, das wäre überhaupt nicht meine Art. Aber dennoch kann es vorkommen, dass ich bei dem einen oder anderen Beitrag Einblicke in meine Kindheit geben werde. Eine Kindheit wie ICH sie wahrgenommen habe und wie ICH sie empfunden habe. Das ist nur meine Perspektive! Ich habe aktuell nicht vor detailliert über meine Kindheit zu schreiben. Aber ich glaube, dass es gerade die Dinge in der Kindheit sind, die jeden Menschen prägen. Und daher wird es den einen oder anderen „Rückblick“ geben.

Wer bin ich denn nun eigentlich?

Ich weiß gar nicht, ob überhaupt ein Mensch das für sich so wirklich beantworten kann. Wenn Du während du das hier liest, dir diese Frage stellst: Was antwortest Du dir dann? Sagst du dann wie du heißt, was du beruflich machst, wo du wohnst oder herkommst. Das meine ich aber nicht. Wer bist DU? Was macht dich aus? Was bist du für ein Mensch? Ich glaube da müssen viele von uns dann erst einmal überlegen.

Antworten auf diese und andere „Lebensfragen“ erhoffte ich mir in der Psychotherapie zu finden. Anfang Januar 2020 beschrieb ich das mit den Worten „Ich möchte mit mir ins Reine kommen“ So steht es in meinem Tagebuch. Und: „Ich will verstehen, warum ich immer wieder in alte Verhaltensmuster verfalle und ich in bestimmten Situationen so reagiere wie ich reagiere. Und dann hoffe ich, dass ich das ändern kann.“ Auch stand (und steht auch jetzt noch) der Punkt „Männer“ ganz oben auf meiner „Baustellenliste“. Man musste kein Psychologe sein um zu erkennen, dass da bei mir in der Vergangenheit irgendetwas nicht in Ordnung war. Aber jetzt war ich fest dazu entschlossen all das mal anzugehen.

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Generell kann man sagen, dass der ganze Januar 2020 von zwei Gefühlsschwankungen geprägt war. Es war ein auf und ab von „ja das schaff ich“ und „was soll die ganze Scheiße“ (sorry). Ich setzte mich innerlich ganz oft, beinahe täglich, unter Druck. Ich wollte alles und das am besten gestern. Und wenn nicht gestern, dann wenigsten jetzt – sofort. Furchtbar. Das das nicht funktionieren konnte war mir aber zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht klar. Ich hatte an mich selber auch jetzt noch einen ungeheuren Anspruch und wollte das alles (ich) perfekt ist. Anderen Menschen konnte ich schon immer viel durchgehen lassen, aber an mich selber stellte ich unsagbar hohe Ansprüche. Ich war immer in Aktion, gönnte mir kaum Ruhe. Im beruflichen wie im privaten.

Auf Anraten meiner Psychologin nahm ich seit Anfang Januar Antidrepressiva. Vielleicht waren einige der Dinge die mir zu schaffen machten auch Nebenwirkungen dieser Tabletten, ich weiß es nicht. Ich war noch mehr müde als sonst, schlief aber in der Nacht sehr schlecht und hatte sehr oft Albträume. Tagsüber war ich sehr unruhig und körperlich sehr angespannt. Mein Kiefer tat extrem weh. Ich hatte sehr oft das Gefühl irgendwie „zu kurz zu atmen“ und ich hatte viel zu viele Gedanken in meinem Kopf die irgendwie total durcheinander waren und ich konnte sie nicht „ordnen“. Ich hatte das Gefühl nichts auf die Rehe zu bekommen. Ich schrieb mir „To-do-Listen“ für jede Woche und hoffte sie würden mich motivieren, aber größtenteils demotivierten sie mich, weil ich sie nicht schaffte „abzuarbeiten“.

Ende Januar 2020 – Meine erste Therapiestunde….

Puuhh was soll ich sagen. Ich war körperlich in diesem Momenten mega angespannt. Ich glaube beinahe jeder Muskel in meinem Körper war angespannt. Ich war nicht direkt nervös, aber irgendwie ängstlich. Ich wusste da ist jetzt gleich jemand (und dann auch noch ein Mann) dem du ja zumindest mal erzählen musst warum du jetzt hier bist. Gedankenlesen wäre toll, aber da das bisher noch niemand erfunden hat, müsste ich wohl einfach reden. „Einfach reden“…. ja das kann ich … nicht. Und so fing ich eigentlich gleich beim ersten Satz schon wieder an zu weinen.

In diesem ersten Gespräch kamen, auch durch viele Rückfragen seinerseits, eigentlich gleich alle Themen auf den Tisch. Ich fing mit den Problemen in der Arbeit an. Aber letztendlich redeten wir auch über Beziehungsprobleme, insbesondere über die letzte lange Beziehung die ich hatte und die mehr als schwierige Trennung, Und es kamen auch ein paar Kindheitsgeschichten zu Tage. Mir war klar, dass er sich in diesem ersten Termin sicherlich ein Bild vom „Großen/Ganzen“ machen wollte. Ich frage mich bis heute ob er bei den vielen Zeitsprüngen während meiner Erzählungen überhaupt durchgeblickt hat. Aber wahrscheinlich bringt das sein Job so mit sich. Während ich da saß in dem grünen Samtsessel und zumeist unter Tränen erzählte, war er total ruhig, machte sich viele Notizen und immer wieder schaute er mich an und sagte „Oh Gott. Das ist ja furchtbar!“. Ich weiß noch, dass ich mich wahnsinnig oft für das was ich ihm erzählte entschuldigte. So als ob mir das was ich ihm erzählte leid tun müsste und ich eine Art von Schuld in mir trage für all das was passiert ist. Heute weiß ich das das Quatsch war, aber damals… „Tut mir leid“ ich sagte ganz oft „Tut mir leid!“ in diesem ersten Gespräch.

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Er war wirklich toll! Er reagierte entgegen meiner damaligen Vermutung fast sanftmütig und total verständnisvoll. Damit hatte ich gar nicht gerechnet. Ich weiß nicht warum ich nicht damit rechnete. Ich glaube einfach, dass ich ein unglaublich schlechtes Bild von mir zu dieser Zeit hatte. Mein Selbstwertgefühl war gleich null!

Um einen Vergleich zu haben, hatte ich in den darauffolgenden zwei Wochen noch zwei weitere Termine bei anderen Therapeuten. Aber im Endeffekt habe ich mich dann für ihn entschieden, weil ich mir entgegen meiner Vermutung , bei ihm (als Mann) am wohlsten gefühlt habe. Diese Entscheidung kam rein aus dem Bauch heraus. Fachlich waren die anderen bestimmt auch toll, aber menschlich fühlte ich mich bei ihm am besten aufgehoben. Und das wollte ich – Ich wollte jemanden bei dem ich mich gut fühlen kann und der Verständnis für mich hat. Und ich glaube das ist in einer Psychotherapie das worauf es ankommt. Man braucht jemanden bei dem man sich gut fühlen kann.

Was hat das alles mit dem Titel dieses Beitrags „die Suche nach dem eigenen ICH“ zu tun. Weil ich genau auf dieser Suche war, und es auch heute noch zu großen Teilen bin. Ich versuche mich selbst zu finden!

Mehr dazu aber beim nächsten Mal!

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